Fachmännisch vertikutieren – wann und wie geht das?

Wenn Moos und Unkraut den Rasen verschandeln, ist das Problem durch einfaches Nachsäen nicht gelöst. Das Zauberwort für einen ebenmäßigen, satt-grünen Rasenteppich lautet Vertikutieren. Beschäftigt sich der Gärtner zum ersten Mal mit dieser speziellen Pflegemaßnahme, steht die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt im Raum. Dieser Ratgeber erklärt, wann und wie Sie richtig vertikutieren.

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Das Frühjahr ist der ideale Zeitpunkt für das Vertikutieren

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Vertikutieren?

Der Begriff Vertikutieren wurde in England geprägt, dem Mutterland des makellosen Rasens. Enthalten in der Bezeichnung sind die englischen Vokabeln “vertical” für senkrecht sowie “to cut” für schneiden. Entwickelt wurde das Verfahren allerdings in 1955 in den USA von Thomas Mascaro, dessen Erfindungen bis heute in der Penn State University zu bewundern sind.

Bei dieser Pflegemaßnahme wird die Grasnarbe mithilfe einer rotierenden Messerrolle angeritzt. Vertikutierer sind erhältlich mit einem Elektro- oder Ottomotor sowie als Handgerät. Ziel des Vertikutierens ist in erster Linie, Moos und Rasenfilz zu entfernen, um die Edelgräser besser mit Luft und Licht zu versorgen. Fernerhin wird der Rasen durchlässiger, was schädlicher Staunässe und Bodenverdichtung effektiv vorbeugt.

Wann ist der beste Zeitpunkt?

Das ideale Zeitfenster ist geöffnet von April bis Mai. In dieser Phase setzt das Wachstum ein, sodass der Rasen sich anschließend rasch regenerieren kann. Dieser Aspekt ist von höchster Relevanz für die richtige Terminwahl, denn Vertikutieren stellt eine extreme Strapaze für jede Rasenfläche dar. Wer inmitten der warmen, trockenen Sommerzeit zum Vertikutierer greift, hadert über viele Wochen mit einer gerupften Grünfläche, die sich nur zögerlich zu einem grünen Teppich schließt. So bestimmen Sie den optimalen Zeitpunkt:

  • Die Bodentemperatur liegt kontinuierlich über 10 Grad Celsius
  • Es sind keine verspäteten Bodenfröste mehr zu erwarten
  • Es hat am Vortrag nicht geregnet
  • Der Rasen ist nicht vollkommen ausgetrocknet

Im Herbst öffnet sich ein weiteres Zeitfenster, um einen vermoosten Rasen vom Filz zu befreien. Zwischen Anfang September und Mitte Oktober spricht nichts dagegen, die Grünfläche erstmals oder ein zweites Mal zu vertikutieren. Spätestens bis Ende Oktober sollte die Arbeit erledigt sein, weil andernfalls die Zeit für eine Regeneration zu knapp bemessen ist.

Sollte der Rasen vorbereitet werden?

Mit einer umsichtigen Vorbereitung stellen Sie im Vorfeld sicher, dass sich Ihr Rasen nach dem Vertikutieren zügig erholt. Der folgende Ablauf hat sich in der fachkundigen Pflege ausgezeichnet bewährt:

  • Nach der Winterpause den Rasen zwei Mal mähen
  • 10 bis 14 Tage vor dem Vertikutieren den Rasen düngen
  • Die Grünfläche wiederholt beregnen, damit das Düngemittel vollständig aufgenommen wird

Die vorherige Nährstoffversorgung bringt das Wachstum der Rasengräser in Schwung, damit sie für die anschließende Prozedur gut gerüstet sind.

Richtig vertikutieren – Wie geht das?

Vertikutiergeräte kommen im Hausgarten so selten zum Einsatz, dass sich der Kauf nicht amortisiert. Gartencenter und Baumärkte vermieten die Maschinen zum günstigen Tagespreis und stellen häufig einen Anhänger für den Transport zur Verfügung. Den richtigen Ablauf der Vertikutier-Arbeiten fasst die folgende Anleitung zusammen:

  • Den Rasen vorher mähen auf kleinster Stufe
  • Den Vertikutierer einstellen auf eine Schnitt-Tiefe von 2 bis maximal 5 mm
  • Die Grünfläche mit dem laufenden Gerät zügig abschreiten
  • Zuerst in Längs-, anschließend in Querrichtung vertikutieren

Kontrollieren Sie nach der ersten Bahn bitte, ob Sie den Vertikutierer richtig eingestellt haben. Moos und Unkraut sollten ausgekämmt werden, ohne gesunde Rasengräser aus dem Boden zu reißen. Am Ende liegt auf dem Rasen eine dicke Schicht aus Schnittgut. Mit einem Rechen kehren Sie den ausgekämmten Rasenfilz gründlich ab. Letzte Reste entfernen Sie mit dem Rasenmäher.

Nachsäen – Feinschliff für den vertikutierten Rasen

Richtig vertikutierter Rasen gibt ein zerzaustes Erscheinungsbild ab. Stark mit Moos und Unkraut befallene Stellen können vollkommen kahl sein. Das ist kein Grund für Missmut, sondern die beste Gelegenheit für eine Nachsaat. Wahlweise verwenden Sie restliche Rasensamen der ursprünglichen Aussaat oder Sie greifen auf Saatmischungen für die Rasenreparatur zurück. So machen Sie es richtig:

  • Bester Zeitpunkt ist unmittelbar nach dem Vertikutieren
  • Rasensamen in einen Streuwagen einfüllen und mit der Hand vermischen
  • Das Saatgut ohne Überlappungen ausbringen
  • Die Fläche walzen für einen guten Bodenschluss

Alternativ streuen Sie Rasensamen von Hand aus. Das Saatgut werfen Sie bitte aus, indem Sie zunächst den Rasen in Längsrichtung und anschließend in Querrichtung abschreiten. Nachdem die Rasenwalze den Bodenschluss der Samen hergestellt hat, beregnen Sie das frische Saatbeet durchdringend.

In den folgenden 2 bis 3 Wochen sprengen Sie den nachgesäten Rasen täglich, sofern es nicht regnet. Haben Sämlinge und verbliebene Rasengräser eine Wuchshöhe von 8 bis 10 cm erreicht, wird zum ersten Mal gemäht.

Tipps

Vertikutieren darf nicht verwechselt werden mit Aerifizieren. Während beim Vertikutieren der Rasen lediglich wenige Millimeter angeritzt wird, bearbeitet der Aerifizierer den Boden bis in 10 cm Tiefe. Ziel dieser Maßnahme ist in erster Linie, verdichtetes Erdreich tiefgründig aufzulockern und zu durchlüften.

Text: Paula Jansen
Artikelbild: pryzmat/Shutterstock
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