Der Stinkkäfer, der eine Stinkwanze ist

Wenn vom Stinkkäfer die Rede ist, handelt es sich eigentlich nicht um einen Käfer sondern um eine Wanze. Diese Insekten gehören zur Ordnung der Schnabelkerfen. Sie sind harmlos und legen aufgrund ihrer Mundwerkzeuge eine besondere Lebensweise an den Tag.

stinkwanze-stinkkaefer
Stinkwanzen stellen im Prinzip keine Gefahr für den Menschen dar

Das Wichtigste in Kürze

  • Stinkwanzen lassen sich mit vielen Hausmitteln oder selbst gebauten Fallen bekämpfen. Chemische Mittel sollten wegen ihrer Gesundheitsgefährdung nur in Ausnahmefällen angewandt werden.
  • Eine Vorbeugung ist besser als die Bekämpfung, da Stinkwanzen weder giftig noch gefährlich sind.
  • Von den heimischen Wanzenarten sind vier Vertreter häufiger in Gärten oder Wohnungen zu finden. Im Garten kann die Marmorierte Baumwanze Schaden anrichten.
  • Die Entwicklung ist innerhalb weniger Wochen abgeschlossen. Wanzen können sich gegen Feinde wehren und saugen überwiegend Pflanzensäfte.

Stinkkäfer vertreiben und bekämpfen

stinkwanze-stinkkaefer

Vereinzelte Stinkkäfer im Haus können einfach abgesammelt werden

Wer Stinkkäfer loswerden möchte, kann meist zu einfachen Mittel greifen. Vereinzelte Insekten im Haus haben sich vermutlich durch offene Fenster und Türen verirrt. Sie können die Wanzen mit einem Schraubglas einfangen und im Garten freilassen. Hat sich die Wanzenpopulation in der Wohnung soweit ausgebreitet, dass eine Plage entstanden ist, können Maßnahmen zur Bekämpfung sinnvoll sein.

Lesen Sie auch

Eine Falle bauen

Forscher des Virginia Tech College haben analysiert, wie gut sich Wanzen mit einer selbst gebauten Falle anlocken und töten lassen. Sie befüllten ein Gefäß mit Wasser und gaben einige Spritzer Geschirrspülmittel hinzu. Die Falle wurde unter eine Lampe gestellt. Ihre Ergebnisse zeigen, dass sich die Insekten stark vom Licht angezogen fühlen. Sie stürzen in die Schale und ertrinken aufgrund der geringen Oberflächenspannung im Wasser. Eine solche Falle erwischt bis zu 14 mal mehr Schädlinge als eine herkömmliche Insektenfalle aus dem Handel.

Klebefallen

Wie viele Insekten werden auch Stinkwanzen von der Farbe Gelb angezogen. Daher sind gelbe Leimtafeln wirksam, um die Insekten am Eindringen in die Wohnung zu hindern. Kleben Sie die Streifen auf den Fensterrahmen oder auf die Türschwelle. Sobald die Wanzen mit der Fläche in Berührung kommen, kleben sie fest und verenden. Als Alternative können Sie auch doppelseitiges Klebeband verwenden.

DIY-Klebefallen:

  1. Backpapier in Streifen schneiden
  2. mit Sirup oder Honig bestreichen
  3. trocknen lassen
  4. mit Klebeband auf Eintrittspforten befestigen

Hausmittel

Es gibt eine Reihe von Hausmitteln, mit denen Sie Wanzen leicht töten können. Bevor Sie die Maßnahmen durchführen, sollten Sie sich über den Nutzen Gedanken machen. Viele Mittel sind nicht besonders tierfreundlich und fügen den Insekten unnötiges Leid zu. Da Wanzen in der Wohnung keinen Schaden anrichten, ist eine Bekämpfung oft nicht notwendig.

 WirkungAnwendung
Chili-SoßeCapsaicin irritiert Insekten und zerstört ihre WachsschichtKäfer mit einem feinen Spray benetzen
Haarspraylähmt die Insektendirekt auf die Insekten sprühen
alkoholhaltige Fensterputzmittelzerstört Wachsschicht, sodass Insekten austrocknenWanzen benetzen
WeißweinessigTiere ertrinken, ohne Geruchsstoffe abzugebenWanzen einfangen und in ein mit Essig gefülltes Glas geben

Pfefferspray herstellen

Wenn Sie Chiliflocken, frische Chilischoten oder Jalapeños im Haus haben, können Sie diese als Basis für ein insektenvernichtendes Spray nutzen. Kochen Sie die Flocken oder klein gehackte Schoten in Wasser auf und lassen Sie den Sud bei mittlerer Hitze für 15 Minuten köcheln.

Damit das enthaltene Capsaicin optimal an das Wasser abgegeben wird, sollten Sie den Ansatz anschließend 24 Stunden ziehen lassen. Sieben Sie die Flocken ab und geben Sie einige Tropen Spülmittel hinzu. Bewährt hat sich Olivenseife, denn sie ist biologisch abbaubar und unbedenklich für Mensch und Pflanzen.

Spirituslösung mischen

Mischen Sie etwas Spiritus mit Wasser und geben Sie die Lösung in eine Sprühflasche.(11,99€ bei Amazon*) Mit diesem Mittel können Sie die Wanzen direkt einsprühen und auch Pflanzen benetzen, die von verwandten Wanzenarten befallen sind. Der Alkohol greift die sensible Wachsschicht an, welche die Insekten vor Austrocknung schützt. Ist die Schutzschicht zerstört, verlieren die Wanzen übermäßig Wasser und trocknen aus.

Nikotinsud brauen

stinkwanze-stinkkaefer

Zigarettenstummel in Wasser sind ein tödliches Mittel gegen Stinkwanzen

Nikotin ist ein hochwirksames Nervengift, welches zum Töten von Wanzen genutzt werden kann. Alte Zigarettenstummel eignen sich zur Herstellung eines Bekämpfungsmittels. Geben Sie die Reste in warmes Wasser und lassen Sie den Sud ziehen. Sieben Sie anschließend die groben Stücke aus der Flüssigkeit und gießen Sie den Nikotinsud in eine Sprühflasche. Geben Sie einige Tropfen Spülmittel hinzu. Dieses sorgt dafür, dass die Flüssigkeit auf der Wanze haften bleibt. Besprühen Sie die Insekten mit der Lösung.

Chemische Mittel

Insektizide töten Stinkwanzen effektiv ab. Da sie die Gesundheit von Mensch und Haustier negativ beeinträchtigen können, sollten sie mit Vorsicht eingesetzt werden. Es kann zum Problem werden, wenn die Insekten in unzugänglichen Nischen verenden. Die Überreste locken oft Schadinsekten an. Chemische Mittel helfen meist nur für einen begrenzten Zeitraum. Sobald die Wirkung verflogen ist und Sie Fenster und Türen zum Lüften öffnen, können die nächsten Wanzen eindringen.

  • Wachsentferner: tötet innerhalb weniger Minuten
  • Enteiser: vereist die Wanze in Sekunden
  • Bleichmittel: wirkt stark aggressiv
  • Ammoniak: starker Geruch vergrämt Insekten

Stinkwanzen vorbeugen

Wer Stinkkäfer loswerden möchte, muss vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Um den Insekten den Zutritt zu Haus und Wohnung zu verwehren, sollten Sie Fassaden, Fenster und Türen auf undichte Stellen überprüfen und diese mit Silikon abdichten. Wenn Sie am Abend lüften, schalten Sie das Licht aus. Wanzen werden von Lichtquellen angezogen.

Stinkkäfer vertreiben

Wanzen lieben Wärme und sitzen bevorzugt an den Hauswänden von Balkon und Terrasse in Südlage. Um diese aus der Wohnung fernzuhalten, können Sie eine intensiv duftende Lösung aus Wasser, Essig und Spülmittel auf Fensterbänke und Türrahmen sprühen. Der Essiggeruch schreckt die Insekten ab, sodass diese das Weite suchen. Sie können die Störenfriede auch direkt mit der Lösung besprühen. Diese schadet den Wanzen nicht, sondern wirkt vergrämend.

Diese Stoffe mögen Wanzen nicht:

  • Salmiak
  • frische Wacholderzweige
  • Nelken- oder Neemöl

Ein Vergrämungsspray selbst herstellen

stinkwanze-stinkkaefer

Knoblauch und Minze sind eine gute Mischung gegen Stinkwanzen

Wanzen mögen den Geruch von intensiv duftenden Stoffen nicht. Diese Eigenschaft können Sie ausnutzen, indem Sie ein abschreckendes Mittel auf mögliche Eintrittspforten sprühen. Füllen Sie 500 Milliliter Wasser ist eine Zerstäuberflasche und geben Sie entweder vier Teelöffel gemahlenen Knoblauch oder zehn Tropen Minzöl hinzu. Das Mittel ist solange wirksam, bis der Duft verflogen ist. Ätherische Öle verdunsten schnell, sodass Sie das Mittel häufiger anwenden müssen.

Sind Stinkkäfer giftig oder gefährlich?

Wenn Sie Stinkkäfer in der Wohnung finden, müssen Sie sich keine Sorgen machen. Die Insekten richten keinen Schaden an der Bausubstanz an und befallen keine Lebensmittel. Auch für Haustiere bestehen keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen. Wenn die Stinkkäfer zur Plage werden, rufen sie Ekelgefühle hervor. Sie sind allerdings kein Anzeichen für mangelnde Hygiene.

Keine Angst vor Stinkwanzen:

  • weder gefährlich noch giftig für Menschen
  • nicht giftig für Katzen, aber Sekret kann in Augen und Maul Irritationen verursachen
  • nicht giftig für Hunde, können nach dem versehentlichen Fressen übermäßigen Speichelfluss verursachen

Geruchsbelästigung

Wenn die Insekten bei drohender Gefahr oder in Stresssituationen ihr Abwehrsekret absondern, kann dieses zu einer Geruchsbelästigung führen. Das Sekret der häufigsten Arten ist im Normalfall nicht giftig. Empfindliche Personen sollten sich gründlich die Hände waschen, da die Absonderungen allergische Reaktionen verursachen können.

Exkurs

Stinkkäfer-Plage 2018

Dieses Jahr zeichnete sich durch einen langen Sommer mit besonders warmen Temperaturen aus, sodass sich Wanzen ideal vermehren konnten. Normalerweise entwickeln die Insekten pro Jahr eine Generation. 2018 waren es zwei Generationen also doppelt so viele Tiere. In vielen Regionen hatten die Menschen mit diesen Arten zu kämpfen:

  • Grüne Stinkwanze
  • Marmorierte Baumwanze
  • Gräulich-braune Feldwanze oder Gartenwanze
  • Rötlich-braune Zapfenwanze

Beheizte Innenräume und Lichtquellen wirken anziehend auf die Wanzen. Sie suchten kurz vor dem Winter geeignete Quartiere und gelangten über geöffnete Fenster und Türen oder durch offene Stellen an der Fassade in Gebäude. Mancherorts hat sich der Stinkkäfer im Haus zu einer Plage entwickelt. Auch beheizte Wintergärten oder überdachte Balkone stellten einen idealen Rückzugsort dar.

Kann die Stinkwanze einen Biss verursachen?

stinkwanze-stinkkaefer

Stinkwanzen können zwar Pflanzen anbeißen, Menschen jedoch nicht

Wanzen verfügen über stechend-saugende Mundwerkzeuge. Diese bestehen aus einer Röhre, die oberseits mit einer schmalen Längsrinne versehen ist. Der Saugrüssel ist beiderseits mit Stechborsten ausgestattet, die an der Spitze mit scharfen Zähnchen versehen sind. Mit Hilfe dieser Mundwerkzeuge können Wanzen winzige Löcher in Pflanzen, Samen und Früchte bohren, um diese auszusaugen. Baumwanzen, zu denen die Stinkwanzen gehören, sind nicht gefährlich für den Menschen. Sie verursachen keinen Biss in der menschlichen Haut.

Stinkwanzen sind völlig ungefährlich für den Menschen und sollten nicht unbedacht getötet werden.

Bisse durch eine Weichwanze

Psallus varians gehört nicht zu den Baumwanzen, sondern zur Familie der Weichwanzen und wird wenige Millimeter groß. Die Art ernährt sich von Baumpollen und Blattläusen. Sie besiedelt hauptsächlich Buchen und Eichen. Im Jahr 2016 kam es zu einer ungewöhnlichen Beobachtung. Die Art trat in großen Schwärmen auf und hat vielfach Menschen gestochen.

Durch den schmerzhaften Biss kam es zu allergischen Reaktionen, die sich in Entzündungen und Hautrötungen äußerten. Es gibt keine Erklärung für dieses untypische Verhalten. Offenbar wurden die Insekten durch Wetterkapriolen mit Starkregen und Schwüle irritiert.

Arten in Deutschland

Als Stinkwanze wird häufig eine vermehrt in Deutschland vorkommende Art bezeichnet. Sie gehört zur Familie der Baumwanzen, die mit etwa 70 Arten in Mitteleuropa vertreten ist. Dagegen bezeichnet der Stinkkäfer eine verwandte Art, die ursprünglich nicht in Deutschland heimisch ist.

Stinkwanze und Stinkkäfer
 NahrungspflanzenSchadwirkungFamilie
Gemeine StinkwanzeErlen, Linden, Brennnesseln, Distelnkeine nennenswerten SchädenBaumwanzen
Marmorierte Baumwanzebevorzugt RosengewächseErnteschäden und PilzübertragungBaumwanzen
Graue GartenwanzeLaubgehölze, tote Insektenverursacht keine SchädenBaumwanzen
Amerikanische KiefernwanzeNadelbäumeErtragsminderung bei der Gewinnung von Koniferen-SaatgutRandwanzen

Gemeine Stinkwanze

Die Grüne Stinkwanze (Palomena prasina) wird zwischen zwölf und 13,5 Millimeter lang und hat einen breit-ovalen Körper. Sie zeichnet sich durch einen Farbwechsel aus, der von der jeweiligen Jahreszeit bestimmt wird. Vom Frühjahr bis zum Herbst sind die Insekten grün gefärbt und mit feinen dunklen Punkten besetzt.

Sinkt die Temperatur im Herbst ab, verändert der grüne Stinkkäfer seine Grundfarbe in Braun bis Rotbraun. Erst nach der Überwinterung kommt erneut die Grünfärbung zum Vorschein. Die Nymphen haben einen grünen Grundton und sind schwarz und weiß gemustert.

Marmorierte Stinkwanze

Diese Art wird umgangssprachlich als Stinkkäfer bezeichnet. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys). Die Wanze ist mit ihrer Körperlänge von zwölf bis 17 Millimeter eine relativ große Wanzenart. Wie alle Baumwanzen weist auch diese Art eine robuste Körpergestalt auf, die etwas blattförmig erscheint. Der Körper ist ockerfarben und mit zahlreichen schwarzen Punkten versehen, die dicht aneinander sitzen.

Umgangssprachliche Bezeichnungen:

  • braune Stinkwanze: Insekten erinnern an die Grüne Stinkwanze mit brauner Färbung
  • chinesische Stinkwanze: Wanze stammt ursprünglich aus Ostchina
  • asiatische Stinkwanze: gefürchteter Schädling ist in Japan, Korea und Taiwan verbreitet

Die Wanzen werden aktiv, sobald das Thermometer über zehn Grad Celsius steigt. Sie sind pflanzensaftsaugend und haben sich auf keine Pflanzenarten spezialisiert. Zu ihrer Nahrung zählen etwa 300 verschiedene Kräuter und Sträucher, von denen Blätter und Früchte angesaugt werden. Die Marmorierte Baumwanze kann an Jungfernreben, Vogelbeeren oder Eschen auftreten und saugt an Trompetenbaum und Sommerflieder.

Amerikanische Kiefernwanze

stinkwanze-stinkkaefer

Die Amerikanische Zapfenwanze ist in Deutschland erst vor wenigen Jahren eingewandert

Diese Wanzenart gehört zur Familie der Randwanzen und stammt ursprünglich aus dem Westen Nordamerikas. Die Amerikanische Zapfenwanze (Leptoglossus occidentalis) kann bis zwei Zentimeter lang werden und ist durch ihr auffälliges Fluggeräusch unverkennbar. In Deutschland wurde die Art erstmals im Jahr 2006 beobachtet.

Sie lebt in Nadelwäldern und sondert einen Lockstoff ab, der nach Kiefern riecht. Da die Wanzen Samen von Koniferen ansaugen, ist sie in Baumschulen gefürchtet. Erkennbar ist die Art an der rötlichbraunen bis schwarzen Oberseite. Charakteristisch ist ein quer über die Flügeldecken verlaufendes Zickzackband in weißer Färbung.

Weitere Bezeichnungen für die Art:

  • amerikanischer Stinkkäfer oder amerikanische Stinkwanze
  • kanadische Stinkwanze oder kanadische Zapfenwanze
  • nordamerikanische Kiefernwanze

Graue Gartenwanze

Diese Baumwanze wird gelegentlich auch als Graue Feldwanze bezeichnet und trägt den wissenschaftlichen Namen Rhaphigaster nebulosa. Sie wird zwischen 14 uns 16 Millimeter lang und ist in einem schmutzigen Grau mit gelblichen oder bräunlichen Nuancen gefärbt. Die Flügeldecken sind mit ungleichmäßigen Punktgruben besetzt. Die Graue Gartenwanze weist an den Hinterleibsrändern ein typisches schwarz-gelbes Muster auf.

Vom Ei zur Wanze

Die Entwicklung der Wanzen ist ein faszinierendes Naturschauspiel. Jede Wanzenart zeichnet sich durch ihr eigenes Paarungsverhalten aus. Baumwanzen und Randwanzen paaren sich ähnlich wie Feuerwanzen. Männchen und Weibchen sitzen so zusammen, dass sich ihre Hinterleiber berühren. Sie bringen üblicherweise eine Generation pro Jahr hervor. Unter besonders günstigen Bedingungen können mehrere Generationen entstehen. Kommt der Winter zu früh, können die Nymphen ihre Entwicklung nicht mehr beenden.

Eiablage

Weibchen vieler Wanzenarten haben einen gut entwickelten Legeapparat, mit dem sie in die Erde oder in pflanzliches Gewebe bohren und dort ihre Eier ablegen können. Arten mit einem unterentwickelten Legebohrer verscharren ihre Eier im Substrat oder kleben diese in kleinen Paketen an Pflanzenteile.

Entwicklung

stinkwanze-stinkkaefer

Die frisch geschlüpften Nymphen haben wenig mit der erwachsenen Stinkwanze gemein

Nachdem die Nymphen aus den Eiern geschlüpft sind, häuten sie sich meist fünf Mal. Im Laufe der Entwicklungsstadien werden die Jungtiere den ausgewachsenen Wanzen immer ähnlicher. Sie durchlaufen kein Puppenstadium sondern eine allmähliche Veränderung. Viele Wanzenarten betreiben Brutpflege und umsorgen ihre Nachkommen nach dem Schlüpfen. Typisch für Baumwanzen ist ein geselliges Zusammenleben der Nymphen. Sie sondern Pheromone ab, durch welche die Insekten beieinander bleiben. Bei Gefahr wird ein Alarmstoff produziert, der die Gruppe zur Auflösung zwingt.

Lebensdauer

Die tagaktive Grüne Stinkwanze durchläuft vom Ei bis zur jungen Wanze eine Entwicklungsdauer von drei Monaten. Bereits eine Woche nach der letzten Häutung sind die Insekten fortpflanzungsfähig. Ihre Paarungszeit erstreckt sich von Mai bis Juni. Geschlechtsreife Tiere können auch zwischen Juli und August auftreten.Erwachsene Wanzen überleben den Winter bei milden Bedingungen, sodass die Insekten eine Lebensdauer von zwölf bis 14 Monaten erwartet.

Überwinterung

Die in Europa heimischen Baumwanzen überwintern überwiegend als ausgewachsene Wanzen. Sie suchen sich bei sinkenden Temperaturen im Herbst ein geeignetes Winterquartier mit warmen und geschützten Bedingungen. Daher kommt es häufig in städtischen Regionen zum Massenauftreten von Wanzen in Wohnungen und Häusern. Sie kriechen durch Ritze und Spalte oder kommen durch geöffnete Fenster und Türen.

Tipps

Da die Insekten fliegen können, sollten Sie Fenster mit Fliegengitter versehen. Sprühen Sie eine Lösung aus Wasser und Knoblauchpulver oder Minzöl auf mögliche Eintrittspforten, um die Insekten zu vergrämen.

Lebensweise und Verhalten

Wanzen sind Bewohner von Wäldern, Gebüschen und krautreichen Landschaften. Ihr Nahrungsspektrum ist breit gefächert und je nach Familie und Art unterschiedlich ausgeprägt. Die Insekten wissen sich bei Gefahr oder gegen Fressfeinde zu wehren, was beim Menschen Abneigungen verursacht.

Nahrung

stinkwanze-stinkkaefer

Die Grüne Stinkwanze ernährt sich rein vegetarisch

Stinkwanzen haben eine polyphage Ernährungsweise. Sie haben sich auf keine Nahrung spezialisiert, sondern nutzen verschiedene Nahrungsquellen. Die Grüne Stinkwanze kommt bevorzugt auf Laubbäumen wie Linden und Erlen vor. Sie lebt in Gebüschen und besiedelt Brennnesseln und Disteln. Die Nymphen saugen den Pflanzensaft aus den grünen Pflanzenteilen, während ausgewachsene Wanzen reifende Samen und Früchte aussaugen. Wenn das Insekt in Gärten auftritt, verursacht es keinen relevanten Schaden.

So ernähren sich Baumwanzen:

  • Räuber: Stiretrus anchorago (englisch: anchor stink bug)
  • Schädlinge: Getreidewanze (Aelia acuminata), Kohlwanze (Eurydema oleracea)
  • Pflanzensaftsauger: Grüne Stinkwanze (Palomena prasina)
  • Insektenzersetzer: Graue Gartenwanze (Rhaphigaster nebulosa)

Abwehrsekret

Wanzen besitzen Duftdrüsen, die auf der Unterseite der Brust sitzen. Bereist die Nymphen haben diese Drüsen und können sich so gegen Vögel, Kleintiere oder andere Insekten wehren. Die Abwehrstoffe, die bei manch einer Stinkwanze einen üblen Geruch verursachen, können mithilfe der Drüsen gezielt in bestimmte Richtungen gespritzt werden. Zur Produktion der Abwehrstoffe kommt es bei Gefahr oder in Stresssituationen.

Viele Menschen nehmen den Duft dieses Sekrets als unangenehm wahr. Die Beschreibungen variieren von einem unangenehmen und penetranten chemischem Bittermandelaroma bis hin zu fruchtähnlichen Gerüchen. Das Sekret setzt sich in Kleidungsstücken, auf der Haut oder in Teppichfasern fest, sodass die betroffenen Stellen lange üble Gerüche absondern.

Youtube

Tipps

Fangen Sie Stinkwanzen nicht mit der Hand und achten Sie darauf, dass die Insekten nicht gequetscht werden. Schonender geht es mit einem Schraubglas und einem Blatt Papier.

Geruch entfernen

Das übel riechende Sekret kann seinen Duft manchmal tagelang in der Wohnung verströmen. Eine gründlichen Reinigung mit Wasser und Seife reicht meist nicht aus, denn das Wanzensekret besteht aus 18 verschiedenen Substanzen darunter einige Säuren. Um den Geruch zu entfernen, sollten Sie bewährte Hausmittel versuchen:

  • Hände mit Kaffeesatz einreiben
  • Natron auf helle Kleidung und Teppiche verteilen und mit Wasser einweichen
  • dunkle Textilien oder Haut mit Zitronensaft behandeln

Häufig gestellte Fragen

Ist die Grüne Stinkwanze giftig für Menschen?

Obwohl diese Art ein übel riechendes Sekret absondert, besteht kein Grund zur Beunruhigung. Die Flüssigkeit ist ungiftig. Sie dient zur Abwehr von Fraßfeinden und wird häufig in Stresssituationen versprüht. Wenn Sie das Sekret in die Augen bekommen, sollten Sie diese gründlich mit klarem Wasser ausspülen. Bei empfindlichen Personen können Hautirritationen oder allergische Reaktionen entstehen.

Was tun gegen Stinkkäfer?

Die Marmorierte Baumwanze wird häufig als Stinkkäfer bezeichnet. Da sie als Ernteschädling gilt, sollten größere Populationen beseitigt werden. Im Außenbereich können Sie die Wanzen mit Kieselgur bestäuben. Dadurch löst sich die Schutzschicht des Außenskeletts auf, wodurch die Insekten austrocknen. Eine ähnliche Wirkung hat eine wässrige Lösung mit etwas Spülmittel.

Welcher Käfer frisst gerne an Tomaten?

Die Marmorierte Baumwanze gilt in der Landwirtschaft als gefürchteter Ernteschädling. Ursprünglich stammt die Art aus Ostasien. Mittlerweile hat sie sich in Südeuropa ausgebreitet. Was den Speiseplan betrifft, so ist die Wanze nicht wählerisch. Sie frisst Äpfel, Mais oder Beeren. Auch Weintrauben, Tomaten, Paprika oder Gurken werden nicht verschmäht. Gelegentlich kommt die Marmorierte Baumwanze auf Zierpflanzen wie Rosen oder Flieder vor.

Sind Stinkwanzen nützlich?

Einige Wanzen sind sowohl nützlich als auch schädlich. Sie saugen die Säfte aus Blättern, Samen und Früchten. Dadurch entstehen Wachstumsstörungen und Verkrüppelungen. Sie können Viren, Pilze und Bakterien auf Kulturpflanzen übertragen. Es gibt allerdings auch räuberisch lebende Wanzen, die als Nützlinge gegen Spinnmilben, Blattläuse oder Blattflöhe eingesetzt werden. Sie richten keinen Schaden an Pflanzen an, da sie sich ausschließlich von Insekten ernähren.

Können Stinkwanzen fliegen?

Es gibt einige Wanzenarten, die keine Flügel besitzen. Alle Baumwanzen verfügen über gut entwickelte Flügel. Diese sind vollständig häutig und befähigen zu einer fliegenden Fortbewegung. Auf diese Weise gelangen die Insekten leicht durch geöffnete Fenster und Türen in die Wohnung.

Sind Wanzen essbar?

Schnabelkerfen, zu denen die Wanzen gehören, machen etwa zehn Prozent der weltweit verspeisten Insekten aus. In Asien sind verschiedene Wanzen nicht mehr vom Speiseplan wegzudenken. Die Riesenwasserwanze (Lethocerus patruelis) wird in Thailand und weiteren fernöstlichen Staaten als Gewürz genutzt. Die Insekten werden nachts mit UV-Leuchten angelockt und eingefangen. Anschließend werden sie geröstet und zerstampft, um verschiedene Gerichte zu aromatisieren. Aufgrund der steigenden Nachfrage und dem Wegfall lebensnotwendiger Wasserstellen gehen die Bestandszahlen dieser Art immer weiter zurück.

Text: Christine Riel

Melde Dich für unseren Newsletter an

Erhalten Sie den monatlichen Gartenjournal Newsletter in Ihr E-Mail Postfach. Abmelden ist jederzeit möglich.