Die graue Gartenwanze: Schädling oder Nützling?

Die Graue Gartenwanze und andere Wanzen sind im Garten sowie an und im Haus häufig zu finden. Grundsätzlich sind diese faszinierenden Tiere weder schädlich für Pflanzen noch für Mensch und Tier, können allerdings bei Bedrohung ein stinkendes Sekret absondern. Diese Möglichkeiten haben Sie bei einer Wanzenplage.

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Die Graue Gartenwanze hat eine schöne Musterung

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Graue Gartenwanze wird auch Stinkwanze genannt, da sie bei Berührung ein stinkendes Sekret absondert
  • Dennoch ist die Graue Gartenwanze ungefährlich: Sie ist nicht giftig und kann auch nicht beißen
  • Graue Gartenwanzen ernähren sich von Pflanzensäften, der Schaden hält sich jedoch in Grenzen

Wanzen in Haus und Garten

Die Graue Gartenwanze (lat. Rhaphigaster nebulosa) ist eine von zwei heimischen Baumwanzenarten und ist – wie ihr Name schon vermuten lässt – hauptsächlich im Garten zu finden. Im Herbst jedoch, wenn es draußen kühler wird und sich die Natur langsam auf den Winter vorbereitet, suchen die Tiere verstärkt Unterschlupf in Wohnungen und Häusern. In manchen Jahren können sie sich durch ihre schiere Anzahl regelrecht zur Plage entwickeln. Doch keine Sorge: Die Gartenwanzen wollen sich bei Ihnen nicht häuslich einrichten und sich dort fleißig vermehren, sie suchen lediglich nach einem geschützten Winterquartier.

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Ist die Graue Gartenwanze gefährlich?

Im Allgemeinen haben Wanzen einen schlechten Ruf, diesen allerdings zu Unrecht. Von den weltweit rund 40.000 verschiedenen Arten sind die weitaus meisten für Mensch und Tier vollkommen harmlos, so auch die Graue Gartenwanze. Die Tiere sind nicht giftig, stechen nicht, beißen nicht, saugen kein Blut (ganz im Gegenteil!) und vermehren sich auch nicht massenhaft. Auch Fressschäden an Pflanzen halten sich zumeist in Grenzen.

Demzufolge werden diese Wanzen nicht als Schädlinge eingestuft, obgleich sie gerade im Herbst ziemlich lästig werden können. Ihren schlechten Ruf verdanken sie wahrscheinlich der Angewohnheit, bei einer Bedrohung (etwa, wenn Sie sie berühren) ein stinkendes Sekret zu versprühen. Dieses soll Fressfeinden den Appetit verderben und die Tiere somit vor dem Gefressenwerden schützen.

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Bei Berührung sondert die Graue Gartenwanze eine stinkende Substanz ab, weswegen sie auch Stinkwanze genannt wird

Was frisst die Graue Gartenwanze?

In erster Linie ernährt sich die Graue Gartenwanze von Pflanzensäften, wobei sie die Säfte von Laubgehölzen bevorzugen. Im Garten sind die Insekten besonders häufig an Obstbäumen (z. B. Apfel- und Birnenbäume) und Beerengehölzen (etwa Brombeeren oder Wildobst) zu finden. Außerdem schmecken ihnen auch Rosen, Stauden und andere Zierpflanzen sowie manche Gemüsepflanzen, etwa Kartoffeln, Kohl, Bohnen und Erdbeeren. Gartenwanzen sind sehr flink und deshalb schwer im Garten zu entdecken. Oft verstecken sie sich im Gras, von wo aus sie ihre Beutezüge an den Pflanzen unternehmen. Gelegentlich saugen die Tiere jedoch auch andere, meist tote, Insekten sowie deren Larven aus.

Verwechslungsgefahr mit asiatischem Schädling

Im Gegensatz zu der bei uns heimischen Grauen Gartenwanze gilt die äußerlich recht ähnlich gefärbte Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) als großer Schädling sowohl in der Landwirtschaft als auch im Hobbygarten. Die aus China eingeschleppte Art saugt mit großem Appetit an Früchten wie Äpfeln, Birnen, Weintrauben, Pfirsichen und Haselnüssen sowie an Tomaten, Paprika, Maiskolben, Auberginen, Sojabohnen und anderen. Dadurch verursacht das Insekt große Ernteschäden, da die befallenen Früchte deformieren und sich verfärben. Zudem erfolgt des Öfteren eine Übertragung mit Schimmelpilzen.

Daneben ist die Marmorierte Baumwanze auch an anderen Pflanzen zu finden und schädigt so beispielsweise Eschen, Sommerflieder, Vogelbeeren etc. Dabei scheint das Insekt eine Vorliebe für Rosengewächse (Rosaceae) zu haben. Damit Sie die beiden Arten voneinander unterscheiden können, finden Sie eine Übersicht der jeweiligen Merkmale in der Tabelle.

  Graue Gartenwanze Marmorierte Baumwanze
Größe 14 bis 16 Millimeter 12 bis 17 Millimeter
Färbung graugelb bis braun mit mit ungleichmäßig verteilten Punkten auf der Oberseite, etwas dunkler gefärbt braungelb mit zahlreichen schwarzen Punkten auf der Oberseite
Halsschild und Flügeldecken keine hellen Punkte am vorderen Rückenschildrand, gepunktete Flügeldecken 4 bis 5 helle Punkte am vorderen Rückenschildrand, Striche auf den durchsichtigen Teilen der Flügeldecken
Fühler Schwarz-weiß-Färbung beginnt erst nach der Einschnürung schwarz-weiß gefärbt
Unterseite schwarz gepunktet einfarbig

Graue Gartenwanze - Ei, Larve und adultes Tier

Exkurs

Die Grüne Stinkwanze

Im Gegensatz zu den beiden eher bräunlich gefärbten Wanzenarten ist die ebenfalls einheimische Grüne Stinkwanze schon allein wegen ihrer Färbung recht gut zu unterscheiden – so Sie sie denn auf einem grünen Blatt überhaupt entdecken. Palomena prasina, so ihr lateinischer Name, trägt in den Sommermonaten eine laubgrüne Farbe, die sich zum Herbst hin allmählich ins Braune wandelt. Die Winterform ist einheitlich dunkelbraun und weist keine Flecken auf. Somit passt sich die Art perfekt an ihre jeweilige Umgebung an und tarnt sich so vor Fressfeinden. Wie die Graue Gartenwanze ernährt sich auch diese Art vornehmlich von Pflanzensäften der Laubgehölze und wird nicht als Schädling angesehen.

Wanzenbefall erkennen

Die Graue Gartenwanze ebenso wie die anderen Wanzenarten treten häufig in den Sommermonaten auf, wenn es heiß und trocken ist. Zu dieser Zeit ist ein Befall sehr wahrscheinlich, weshalb Sie Ihre Pflanzen regelmäßig in Augenschein nehmen und nach den Spuren von Wanzen absuchen sollten. Befallene Pflanzen zeigen dabei folgende Merkmale:

  • Lochfraß an Blättern, Triebspitzen und Blüten
  • bräunlich verfärbte Einstichstellen an Laubblättern
  • gerissenes Gewebe an den Blättern
  • verkümmerte und verfärbte Triebspitzen, Blüten und Früchte
  • Blüten öffnen sich nicht richtig, Knospen bleiben geschlossen
  • Obst und Gemüse sind durch Deformationen und durch das stinkende Sekret ungenießbar

Anhand des Geruchs können Sie die Tiere normalerweise nicht erkennen, denn diesen verströmen sie nur bei drohender Gefahr. Halten Sie außerdem nicht nur nach den Wanzen, sondern auch nach deren Nymphen – so werden die Larven genannt – Ausschau. Auch diese ernähren sich von Pflanzensäften. Sie sind deutlich kleiner und meist dunkler gefärbt als die erwachsenen Exemplare.

So werden Sie die Graue Gartenwanze los

„Die meisten Wanzen sind harmlos und richten keinen Schaden an.“ (Naturschutzbund Deutschland, NABU)

Die erste Regel bei der Bekämpfung der Grauen Gartenwanze lautet: Fassen Sie die Tiere niemals mit bloßen Händen an! Bei Berührung oder wenn Sie sie zerquetschen, sondern Wanzen das beißende Sekret ab, dessen unangenehmer Geruch nur sehr schwer zu entfernen ist. Schlagen Sie daher auch keine Wanzen in Ihrer Wohnung tot – vor allem nicht, wenn diese auf der Tapete oder auf einer porösen Wand sitzen – denn hier haftet sich der Duft sehr hartnäckig an und Sie haben noch lange was davon. Gehen Sie daher lieber wie im folgenden Abschnitt beschrieben vor.

Bekämpfung

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Mit Neemöl oder Seifenlauge lassen sich Wanzen und andere Insekten vertreiben

Im Garten auftauchende Wanzen bekämpfen Sie am besten durch schlichtes Abschütteln und / oder Aufsammeln. Tragen Sie dabei unbedingt Handschuhe oder verwenden Sie Hilfsmittel wie etwa eine Kehrschaufel mit einem weich beborsteten Handfeger. Außerdem können Sie den Tierchen den Appetit verderben, indem Sie die befallenen Pflanzen etwa mit Neemöl oder Seifenlauge (hergestellt aus Spülmittel oder flüssiger Schmierseife) besprühen. Diese Methoden funktionieren allerdings nicht an allen Pflanzen, denn Früchte wollen Sie wahrscheinlich eher nicht einseifen.

Alternativ wirkt auch das aus verschiedenen Wucherblumen (Tanacetum) hergestellte Insektengift Pyrethrum gegen Wanzen, ist allerdings auch für alle anderen Insekten – und damit auch für Nützlinge – tödlich giftig.

Vorbeugung

Da Wanzen so schwer zu bekämpfen sind, sollten Sie einem stärkeren Befallsdruck vorbeugen. Dabei helfen diese Vorsichtsmaßnahmen:

  • Kontrolle: Sobald es im Frühjahr wärmer wird, schauen Sie regelmäßig nach Ihren Pflanzen und sammeln gefundene Wanzen ab. Entsorgen Sie sie, sodass sich die Tiere nicht weiter vermehren können.
  • Boden feucht halten: Die Graue Gartenwanze und andere Wanzenarten treten vornehmlich bei heißem und trockenem Wetter auf. Gießen Sie daher bei ebensolcher Witterung häufiger, damit der Boden durchgehend feucht bleibt.
  • Gartenteich: Ein naturnah angelegter Gartenteich mit darin wohnenden Fröschen und Kröten ist ideal zur Wanzenbekämpfung: Die Amphibien fressen die Insekten nur allzu gern und verhindern so eine starke Vermehrung.
  • Hühner: Wenn Sie Hühner haben, lassen Sie diese gerne zwischen den Obstgehölzen herumlaufen: Das Federvieh pickt die Wanzen bei der Futtersuche fleißig auf.

Exkurs

Wie bekommt man Wanzen aus der Wohnung heraus?

Wie erwähnt, sind die Wanzen ab ca. Ende September vermehrt in Haus und Garten zu finden. Sammeln Sie die Tierchen auch hier keinesfalls mit bloßen Händen auf, sondern fegen Sie sie mit Hilfe von Kehrschaufel und Handfeger auf oder sammeln Sie sie in einem Glas / einem Becher (hier empfiehlt sich die bewährte Becher-und-Pappe-Methode) auf. Lassen Sie die Wanzen draußen wieder frei, aber verschließen Sie dabei Fenster und Türen sorgfältig. Damit die Insekten gar nicht erst hereinkommen, installieren Sie am besten schon im Frühjahr ein Insektengitter. Das hilft nicht nur gegen Wanzen, sondern auch gegen alle anderen lästigen insektoiden Besucher.

Lebensweise und Verbreitungsgebiet

Die Graue Gartenwanze ist in Deutschland weit verbreitet, kommt jedoch verstärkt in Mittel- und Süddeutschland vor. Im Norden treten die Tiere hingegen eher sporadisch auf. Die Wanzen überwintern als Imago (d. h. als adultes Insekt nach der Verpuppung) zumeist massenhaft an verschiedenen Plätzen, beispielsweise in Baumrinden, in Ritzen und Spalten oder auch in mit Efeu bewachsenen Hausmauern.

Sobald es im Frühjahr wärmer wird, kommen die Tiere aus ihrem Winterquartier. Jetzt, im späten Frühjahr, legt jedes Weibchen ca. 40 Eier an die Blätter und Triebe der bevorzugten Wirtspflanzen. Daraus schlüpfen innerhalb kurzer Zeit die sogenannten Nymphen, die noch flügellos sind. Die Stinkdrüsen sind jedoch schon jetzt vorhanden und funktionsfähig. Pro Jahr entwickelt sich nur eine Generation von Jungwanzen.

Wie die Eier der Grauen Gartenwanze aussehen und eine Nymphe aus einem solchen Ei schlüpft, zeigt das folgende Video:

Youtube

Häufig gestellte Fragen

Kann die Graue Gartenwanze fliegen?

Wie fast alle Wanzen kann auch die Graue Gartenwanze fliegen, ist jedoch kein besonders geschickter Flieger. Außerdem lässt das Insekt dabei einen lauten Brummton hören.

Sind Gartenwanzen mit den Blut saugenden Bettwanzen verwandt?

Zwar gehören Garten- und Bettwanzen beide zur Ordnung der Wanzen (Heteroptera), werden jedoch unterschiedlichen Gattungen und Familien zugeordnet und sind daher nicht miteinander verwandt. Während die Gartenwanzen als Baumwanzen (Pentatomidae) sich vornehmlich von Pflanzensäften ernähren, sind die Bettwanzen den Plattwanzen (Cimicidae)zugehörige Blutsauger.

Sind Gartenwanzen gefährlich für Haustiere?

Die Graue Gartenwanze ist weder für Katzen, noch für Hunde oder andere Haustiere gefährlich. Ihr Sekret ist nicht giftig, sondern kann lediglich etwas unangenehm brennen – vor allem, wenn es vorwitzige Haustiere in die Augen oder ins Maul gespritzt bekommen.

Tipps

Baumwanzen werden im Frühjahr ab Temperaturen von rund zehn Grad Celsius aktiv.

Text: Ines Jachomowski
Artikelbilder: Paco Moreno/Shutterstock, Marek R. Swadzba/Shutterstock, vladdon/Shutterstock

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