Schwarze Hornisse – ein irreführendes Insekt

Viele Hobbygärtner erschrecken, wenn sie ein schwarz gefärbtes hummelähnliches Insekt in ihrem Garten entdecken. Sie vermuten, dass es sich dabei um eine gefährliche Hornisse handelt. Panik ist nicht notwendig, denn diese Art erweist sich als interessanter Gartenbesucher, der Schutz benötigt.

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Die Schwarze Hornisse ist eigentlich eine Biene

Das Wichtigste in Kürze

  • Die grosse schwarze Hornisse ist eine Bienenart. Sie wird als Blauschwarze, Große oder Violette Holzbiene bezeichnet. Durch ihre auffallenden Körpermerkmale, die an eine Hummel erinnern, ist die Art unverkennbar.
  • Als wärmeliebende Art ist die Holzbiene hauptsächlich in Südeuropa verbreitet. Ihr Areal dehnt sich zunehmend in den Norden aus.
  • Die Solitärbienen leben in Totholz oder der Erde. Sie gehören zu den früh fliegenden Bestäubern und sind bis in den Hochsommer aktiv. Zur Überwinterung werden geeignete Nischen aufgesucht.
  • Holzbienen haben sich auf keine Pflanzen spezialisiert. Glyzinien sind häufig besuchte Gehölze. Die Insekten gelten als harmlos.

Wer ist die schwarze Hornisse?

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Die Schwarze Biene ist beeindruckend groß

Wer dieses Insekt einmal gesehen hat, wird es nicht mehr vergessen. Mit einem hummelähnlichen Körper und der auffälligen Größe zwischen 20 und 28 Millimeter wirkt das Tier fast angsteinflößend. Tatsächlich ist es die größte heimische Bienenart, die weder zu Hummeln noch Hornissen gehört. Es ist die Blauschwarze Holzbiene mit wissenschaftlichem Namen Xylocopa violacea.

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Typische und auffällige Merkmale:

  • blaue Flügel
  • blauschwarzer Körper
  • schwarze Behaarung

Verbreitung

Das Insekt trägt viele Namen wie Blaue, Violette oder Große Holzbiene. Die Art ist heimisch im südlichen und mittleren Europa. Bis in die 80er Jahre erstrecke sich das Verbreitungsgebiet in Deutschland bis zur Oberrheinebene. Seit 2003 breitet sich die Holzbiene zunehmend nach Norden aus. Heute kann sie bis nach Schleswig-Holstein und teilweise in Südschweden beobachtet werden.

Häufigkeit in Deutschland

Während die Holzbiene in den 80er Jahren als stark gefährdet eingestuft wurde, hat sich der Bestand zwischenzeitlich erholt. Durch die Aufgabe von Streuobstwiesen konnte sich die Natur selbstständig entwickeln, sodass mehr Totholzbestände entstanden. Gleichzeitig wird die wärmeliebende Art durch steigende Temperaturen begünstigt, sodass sie sich in den Norden ausbreiten kann. Doch auch in wärmeren Gebieten Deutschlands sind geeignete Nistplätze Mangelware, sodass die Holzbiene dort nur selten auftritt.

Hier lebt die Holzbiene:

  • auf Streuobstwiesen mit totem Baumbestand
  • an strukturreichen Waldrändern
  • in naturnahen Gärten und Parks

Gibt es mehrere Arten?

In den wärmeren Regionen innerhalb des deutschsprachigen Raums können Sie zwischen April und August drei Arten von Holzbienen beobachten. Sie sind anhand ihrer körperlichen Merkmale schwer zu unterscheiden. Mit 15 bis 18 Millimeter Länge ist die Kleine Holzbiene kleiner als ihre Verwandten. Die Blauschwarze Holzbiene wird meist zwischen 20 und 25 Millimeter groß, während die Östliche Holzbiene eine Körperlänge von 22 bis 28 Millimeter erreicht.

  deutsch Verbreitung Nistplatz
Xylocopa violacea Große Holzbiene Österreich, Schweiz, Deutschland morsches Totholz und dickere Stängel
Xylocopa valga Östliche Holzbiene Österreich, Schweiz, Deutschland morsches Totholz
Xylocopa iris Kleine Holzbiene Österreich, Schweiz; in Deutschland verschollen markhaltige Stängel, Durchmesser: 11-16 mm

Lebensweise und Entwicklung

Holzbienen in Mitteleuropa leben solitär. Sie graben ihre Gänge selbst in mürbes Totholz oder markhaltige Pflanzenstängel, indem die Insekten ihre kräftigen Oberkiefer nutzen. Je nach Dicke des Gewebes nagen Holzbienen einen Gang oder ein komplettes System aus mehreren parallel verlaufenden Tunneln, die von einem Hauptgang abzweigen. Während der Nesteingang offen bleibt, verschließen Holzbienen die Brutzellen in ihren Nistgängen mit einer Substanz aus Holz- oder Pflanzenmarkpartikeln und Speichel. Sie werden mit einer wasserdichten Substanz ausgekleidet, damit die Brut optimal geschützt ist.

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Entwicklung

Wenn die warmen Sonnenstrahlen den Frühling ankündigen, erwachen Holzbienen aus dem Winterschlaf und begeben sich auf Partnersuche. Es dauert nicht länger als zwei Monate, bis aus dem Ei eine erwachsene Holzbiene entstanden ist. Die Insekten bringen pro Jahr eine Generation hervor. Weibchen leben für Bienen ungewöhnlich lange, sodass sie ihre Nachkommen selbst kennenlernen. Diese Überlebensfähigkeit ist sonst von Furchen- und Keulhornbienen bekannt.

Die beeindruckenden Brummer mögen sonnenbeschienene Lebensräume mit großer Blütenvielfalt und starkem Totholz.

So überwintern Holzbienen

Bevor Holzbienen in den Winterschlaf gehen, erkunden sie den Rest des Jahres ihre Umgebung. Für die Winterruhe ziehen sie sich in ihre Geburtsnester zurück, oder suchen sich andere Schlupfwinkel. Ihre Überwinterungsstrategie unterscheidet sich von dem Konzept, welches Hornissen verfolgen:

  Holzbiene Hornisse
Wer überwintert? beide Geschlechter begattete Jungköniginnen
Was wird benötigt? meist oberirdische, geschützte Spalten lichtarme, regengeschützte Hohlräume
Wo wird überwintert? Mauerspalten, Erdlöcher, eigene Nester Baumhöhlen, Dachböden, Vogelnistkästen, Totholz
Wie wird überwintert? einzeln oder in kleinen Gruppen einzeln, selten in kleinen Gruppen

Wovon ernähren sich Holzbienen?

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Auch Holzbienen sammeln Pollen und Nektar

Holzbienen ernähren sich von Pollen und Nektar verschiedener Pflanzen. Früh blühende Arten sind von großer Bedeutung, da die Insekten bereits ab April mit dem Nestbau beschäftigt sind. Im Kropf und mit Hilfe der Hinterschenkel transportieren sie den Pollen in ihre Nester, um die Brut zu füttern. Ihr Nahrungsspektrum ist breit gefächert und sollte bis in den Hochsommer fortbestehen:

Holzbienen bevorzugen großblütige Pflanzen:

  • Lippenblütler: Winterjasmin, Salbei, Ziest
  • Korbblütler: Wiesen-Flockenblume, Disteln
  • Raublattgewächse: Natternkopf
  • Schmetterlingsblütler: Chinesische und Japanische Wisteria, Platterbsen

Tipps

Holzbienen gelten als standorttreu und kehren immer wieder an die alten Brutplätze zurück. Daher sollten Sie keine intensiven Veränderungen in Ihrem Garten vornehmen.

Exkurs

Intelligente Wesen?

Wenn die Blüten groß genug sind, nutzen die Holzbienen die normale Eintrittspforte über die Blütenöffnung. Dabei streifen sie die Blütenorgane und wirken als Bestäuber. Der Pollen wird größtenteils mit ihrem Kropf transportiert. Gelegentlich nutzen die Insekten eine andere Methode des Nahrungserwerbs.

Als sogenannte Nektarräuber wenden Holzbienen ihre kräftigen Mundwerkzeuge an, um die Blütenröhre zu durchnagen. Auf diese Weise gelangen sie an den begehrten Nektar tiefer Blüten, der ihrer langen Zunge auf normalem Wege verwehrt bleibt. Bei dieser Form ergattern die Insekten Nahrung, ohne die Gegenleistung der Bestäubung zu erfüllen.

Giftig und gefährlich?

Die Holzbiene verfügt über einen Stachel, mit dem sie ihr Gift in einen potentiellen Angreifer injizieren kann. Das geschieht äußerst selten, da sich die Art nicht aggressiv verhält. Ein Stich ist nur dann zu befürchten, wenn Sie das Insekt zerquetschen oder anderweitig bedrohen.

Tipps

Wenn Sie Wildkräuter für den Eigenbedarf sammeln, sollten Sie die Sträuße vor dem Waschen eine Weile an der frischen Luft liegen lassen und anschließend gut ausschütteln. Auf diese Weise können sich versteckte Gäste entfernen und Sie vermeiden einen Stich.

Häufig gestellte Fragen

Wie kann ich der schwarzen Hornisse helfen?

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Morsches Holz bietet der Schwarzen Hornisse Unterschlupf

Holzbienen sind auf Totholz angewiesen, welches in aufgeräumten Gärten oder Wäldern sowie auf Feldern seltener wird. Durch gut gemeinte Aufräumarbeiten wird der wertvolle Lebensraum der Holzbiene zerstört. Lassen Sie Stämme von toten Bäumen stehen oder legen Sie einen Stapel mit dicken Stämmen an, um der beeindruckenden Art einen Rückzugsort zu bieten. Mit einer artenreichen Ausstattung an Korb-, Schmetterlings- und Lippenblütlern bieten Sie dem Insekt wichtige Nahrung an.

Gestaltungstipps:

  • morsche Stümpfe auf Steinplatte stellen, wenn Bodennässe herrscht
  • tote Baumstämme auf trockenen Sandböden auslegen
  • abgestorbene Äste schräg an Bäume binden
  • Frühblüher und Sommerblüher kombinieren

In unserem Fachwerkhaus hat sich eine seltsame schwarze Hornisse angesiedelt, die etwa zwei Zentimeter groß ist. Sie bohrt wie ein Holzwurm dicke Löcher in die Balken, sodass Sägemehl herausfällt. Was können wir dagegen tun?

Holzbienen machen auch vor Fachwerkhäusern keinen Halt, wenn das Holz infolge des natürlichen Alterungsprozesses mürbe geworden ist. Wurde Ihr Bauwerk besiedelt, ist das ein Indikator für die Alterung. Es stellt einen idealen Nistplatz dar. Um einen solchen „Befall“ vorzubeugen, sollten Sie das Holz vor Verwitterung schützen. Behandeln Sie es mit Lasuren (65,00€ bei Amazon*) und Lacken, um die Holzbienen abzuschrecken. Vermeiden Sie Verletzungen im Holz durch Sägeschnitte oder Nagellöcher. Solche Hohlräume werden gerne besiedelt.

Bereits begonnene Besiedlung aufhalten:

  1. Obstbaumstümpfe oder alte Balkenstücke in der Nähe platzieren
  2. Löcher als Anreiz zur neuen Besiedlung einbohren
  3. Einfluglöcher im Gebälk abdecken

Was sind das für schwarze Riesen-Hornissen, die in der Türkei oder Kroatien auftreten?

Es gibt verschiedene Arten aus der Gattung der Hornissen, die beeindruckende Maße erreichen können. Besonderes Aufsehen erweckte die Asiatische Hornisse (Vespula mandarinia). Die Art erreicht Ausmaße zwischen 27 und 55 Millimeter und zeichnet sich durch einen überwiegend schwarzen Hinterleib mit einer breiten gelben Binde aus. Vermeintliche Sichtungen dieser Riesenhornisse in Europa sind jedoch Verwechslungen mit anderen Arten, da dieses Insekt in Ost- und Südostasien vorkommt:

  • Orientalische Hornisse (Vespula orientalis) lebt in Südost-Europa, z.B. Türkei
  • Vespa velutina (umgangssprachlich: Asiatische Hornisse) wurde nach Europa eingeschleppt

Wie sammeln Holzbienen ihren Nektar?

Weibchen sammeln Pollen hauptsächlich in ihrem Kropf aber auch mit den Hinterbeinen. Es kriecht in das Nest bis in die Brutzelle und dreht sich mit dem Blick in Richtung Eingang. Durch das Putzen der Hinterbeine wird der Pollen abgestreift. Das Weibchen verfestigt die Partikel auf dem Boden, indem es Kopf und Mundwerkzeuge zur Hilfe nimmt. Teilweise dreht es sich mehrmals, bevor der gesamte Pollen abgeputzt und aufgehäuft wird.

Wie verarbeiten Holzbienen den gesammelten Nektar?

Die Weibchen mischen den Pollen partikelweise mit Honig, bis daraus eine Paste entsteht. Diese wird in einem separaten Gang deponiert, der sich parallel zum Nesteingang befindet. Die Farbe der Paste unterscheidet sich in Abhängigkeit vom gesammelten Nektar. Sie variiert zwischen braun, dunkelrot, dunkelgrün und beige.

Text: Christine Riel
Artikelbilder: Geza Farkas/Shutterstock, Emilio100/Shutterstock, Volker Rauch/Shutterstock, mszucs/Shutterstock

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