Die Hornissenkönigin kennenlernen

Hornissen sind die größten staatenbildenden Insekten in Europa. An der Spitze dieses Staates steht die Hornissenkönigin, ohne die das Volk nicht überlebensfähig wäre. Königinnen lassen sich nur zu bestimmten Jahreszeiten beobachten und verbringen die größten Teil der warmen Monate im Nest. Anhand verschiedener Merkmale können Sie sie erkennen.

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Die Hornissenkönigin ist deutlich größer als ihre Arbeiterinnen

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Hornissenkönigin ist zwischen 2,3 und 3,5cm groß und hat im Gegenteil zu ihren Arbeiterinnen rot-braune Flecken am Hinterleib.
  • Die Hornissenkönigin beginnt im Frühjahr mit dem Nestbau und legt und pflegt die ersten Eier.
  • Eine Nestatrappe oder ätherische Öle wie z.B. Nelkenöl können die Hornissenkönigin am Nestbau hindern.
  • Hornissenarbeiterinnen und ihre Königin können mehrmals stechen; der Stich einer Hornissenkönigin ist äußerst schmerzhaft.

So erkennen Sie die Hornissenkönigin – Größe und andere Merkmale

Die Hornissenkönigin unterscheidet sich in ihrem Aussehen deutlich von dem der Arbeiterin oder der Drohne. Anhand der charakteristischen Merkmale in der folgenden Tabelle lassen sich die Geschlechter voneinander unterscheiden:

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  Hornissenkönigin Arbeiterin Drohne
Größe 23 bis 35 Millimeter 18 bis 25 Millimeter 21 bis 28 Millimeter
Flügelspannweite 44 bis 48 Millimeter 33 bis 45 Millimeter im Verhältnis zur Körpergröße recht lang, gute Flieger
Gewicht 0,5 bis 1,1 Gramm, je nach Jahreszeit 0,5 bis 0,6 Gramm 0,6 bis 0,7 Gramm
Färbung wie Arbeiterin, unterscheidbar durch rotbraune Flecken auf dem Hinterleib schwarz mit rotbrauner Zeichnung und gelbem Hinterleib dunkler als die Arbeiterin
Stachel etwa 4 Millimeter 3,4 bis 3,7 Millimeter kein Stachel
Lebenserwartung 1 Jahr drei bis vier Wochen ein bis vier Wochen
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Eine gut ernährte Hornissenkönigin kann knapp 4cm groß werden

Auffällig ist, dass sich die Hornissenkönigin vor allem in Bezug auf ihre Größe von ihrem Volk unterscheidet. Die große Bandbreite in der Größenentwicklung geht auf das Futterangebot in Herbst und Frühjahr zurück: Je mehr Nahrung die Königin in dieser Zeit findet, desto größer wird sie. Auch ihr Gewicht schwankt je nach Jahreszeit sehr deutlich: Startet eine gut genährte Hornissenkönigin mit etwa einem Gramm Körpergewicht in die Saison, verliert Sie aufgrund der Anstrengungen der Eiablage rasch Gewicht und halbiert sich praktisch bis zum Herbst.

Exkurs

Die größte Hornisse der Welt lebt in Japan

Auch wenn Ihnen schon die bei uns heimische Hornissenkönigin riesig erscheinen mag, noch viel größer ist die vor allem in Japan beheimatete Asiatische Riesenhornisse. Die Art gilt mit einer Körperlänge von bis zu 55 Millimetern als die größte Hornissenart der Welt und ist in etwa fünfmal größer als die Honigbiene.

Wann fliegt die Hornissenkönigin?

Nur für eine sehr kurze Zeit im Jahr haben Sie die Möglichkeit, eine Hornissenkönigin im Freien zu beobachten. Den größten Teil des Jahres verbringen die Tiere im Nest oder im Winterquartier. Etwa zwischen April und Mitte Mai – je nach Witterung auch früher oder später – verlässt die Hornissenkönigin ihr Winterquartier und beginnt innerhalb kurzer Zeit mit dem Nestbau.

Sobald die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind, übernehmen diese die Futtersuche sowie die Brutpflege, sodass die Königin als Staatsoberhaupt im Nest bleibt und ausschließlich mit Eierlegen beschäftigt ist. Während der Sommermonate sind Hornissenköniginnen also nicht zu sehen. Erst ab September fliegen die jungen Königinnen aus, paaren sich und suchen anschließend ein geeignetes Winterqúartier.

Nestbau

Nach dem Verlassen des Winterquartiers sucht die Hornissenkönigin sogleich nach einem geeigneten Ort für das künftige Nest. Häufig wird dieses in der Nähe des letztjährigen angelegt, wobei alte Nester jedoch nicht wieder bezogen werden. Haben Sie also schon im Vorjahr ein Hornissennest im Garten gehabt, halten Sie im darauffolgenden Frühjahr verstärkt Ausschau nach diesbezüglichen Aktivitäten der Hornissenkönigin. Sie erkennen dies beispielsweise daran, dass die auffallend große Hornisse immer wieder ein und dieselbe Stelle anfliegt.

Hat die Königin eine geeignete Stelle gefunden, baut sie aus sorgfältig zerkautem und eingespeicheltem, morschem Holz das Hornissennest. Zugleich wird in jede fertig gebaute Wabe ein Ei gelegt, aus dem schließlich die ersten Larven schlüpfen. Diese werden zunächst noch durch die Königin versorgt, doch schon nach etwa vier Wochen übernehmen die ersten fertigen Arbeiterinnen sowohl die Pflege der weiteren Nachkommen als auch den Nestbau. Die Hornissenkönigin ist ab diesem Zeitpunkt nur noch mit dem Eierlegen beschäftigt und sorgt so kontinuierlich für Nachwuchs. Pro Tag legt die Königin etwa 40 Eier.

Nestbau verhindern und Hornissenkönigin vertreiben

Entdecken Sie im Frühjahr eine einzelne Hornisse, die offensichtlich gerade mit dem Nestbau beschäftigt ist, so können Sie diese mit sanften Mitteln vertreiben. Dies ist beispielsweise dann sinnvoll, wenn das Tier sein Zuhause an einer denkbar ungünstigen Stelle platzieren möchte – etwa in einem Rolladenkasten, unter dem Vordach oder in der Nähe der Terrasse. Parfümieren Sie die fequentierte Stelle etwa mit Nelkenöl, einem bei Hornissen gar nicht beliebten Duft, und verschließen Sie die Einflugstelle mit einem undurchdringlichen Material. Hierzu eignen sich beispielsweise dichtmaschige Insektennetze sehr gut, aber auch schlicht Bauschaum. Bieten Sie der Hornissenkönigin eine alternative Nistmöglichkeit an einer ungefährlicheren Stelle an, beispielsweise in einem Hornissenkasten.

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Hornissen sind trotz ihres schlechten Rufs meistens nicht gefährlich

Exkurs

Hornissen stehen unter Naturschutz

Dabei dürfen Sie die Hornissenkönigin jedoch weder einfangen noch töten. Hornissen sind – wie alle anderen Wespenarten übrigens auch – durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt, weshalb das Fangen und Töten der Tiere je nach Bundesland mit Bußgeldern von bis zu 50.000 EUR Höhe geahndet werden kann. Aus demselben Grund dürfen Sie übrigens ein bereits gebautes Hornissennest nicht entfernen, sondern müssen hierzu eine behördliche Genehmigung einholen. Ist diese erteilt – was nur in Ausnahmefällen geschieht – beauftragen Sie einen Fachmann mit der Umsiedlung. Dabei kann es sich um die Feuerwehr, einen professionellen Schädlingsbekämpfer oder auch um einen Imker handeln. Die Kosten haben Sie selbst zu tragen.

Kann die Hornissenkönigin stechen?

Da der Stachel evolutionär gesehen sich aus dem Legeapparat heraus entwickelt hat, besitzen nur weibliche Tiere einen solchen. Sowohl die Königin als auch die Arbeiterinnen können also stechen, lediglich die männlichen Drohnen nicht. Der Stachel der Hornissenkönigin ist dabei etwas länger als der ihrer Arbeiterin, schließlich ist die Stammmutter auch etwa zehn Millimeter größer als die durchschnittliche Untergebene. Hornissen können, im Gegensatz zur Biene, mehrmals zustechen. Drohnen können übrigens zwar nicht stechen, tun aber bei Bedrohung so als ob.

Wie gefährlich ist ein Hornissenstich?

„Sieben Stiche töten ein Pferd, drei einen Menschen und zwei ein Kind.“ (Volksglaube)

Bei der oben genannten „Volksweisheit“ handelt es sich um einen uralten Irrglauben, der wahrscheinlich aus dem antiken Brauch, Hornissen als Kriegswaffe einzusetzen, herrührt. Damals wurden die Tiere in verschlossene Tonkrüge gesperrt und über die Mauern von belagerten Städten geworfen. Dort zersprangen die Gefäße und die verwirrten, verängstigten Hornissen stachen vor Schreck massenhaft um sich. Tatsächlich ist das „Gift“ der Hornisse nicht schädlicher als das einer Wespe, sondern diesem chemisch gesehen sogar sehr ähnlich. Lediglich Wespengiftallergiker müssen bei Hornissen aufpassen, denn häufig kommt es aufgrund dieser Ähnlichkeit zu Kreuzreaktionen. Jedoch gibt eine Honigbiene bei einem einzigen Stich eine wesentlich höhere Dosis an „Gift“ ab als eine Hornisse, was zumeist dem in der Haut verbleibenen Stachel geschuldet ist.

Erste Hilfe nach einem Hornissenstich

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Hornissenstiche schwellen oft sehr stark an

Der Schmerzreiz nach einem Hornissenstich erklärt sich durch den längeren Stachel, der tiefer in die Haut eindringt. Allerdings lässt der Schmerz schnell nach, vor allem, wenn Sie ihn so schnell wie möglich kühlen. Hierzu eignet sich klares, frisches Wasser sehr gut. Alternativ können Sie auch Fenistilgel oder eine Creme auf der Basis von Aloe Vera auftragen. Falls Sie eine Aloe Vera Pflanze zu Hause haben, schneiden Sie einfach ein Stück eines Blattes ab und längs auf. Legen Sie es anschließend mit der geöffneten Innenseite nach unten auf den Stich. Ein Arztbesuch ist nur dann notwendig, wenn sich nach einem Stich allergische Symptome bemerkbar machen.

Lebensweise und Aufgaben

Königin und Hornissenvolk sind zwischen Mai und Oktober emsig zugange, wobei jedes Tier in dieser Zeit die ihm zugeordneten Aufgaben erfüllt. Während die Königin fleißig Eier legt und für die hierarchische Ordnung sorgt, besorgen die Arbeiterinnen das Futter, kümmern sich um den Nachwuchs und bewachen das Nest. Der Lebenszyklus der Hornissen folgt dabei einem strengen Schema.

Paarung und Fortpflanzung

Gegen Spätsommer schlüpfen vermehrt sogenannte Geschlechtstiere, wobei es sich um die neuen Jungköniginnen sowie um die männlichen Drohnen handelt. Je nach Stärke des Hornissenstaates werden mehr oder weniger neue Königinnen produziert, da sich die meisten ohnehin mit nur einer Drohne bzw. wenigen Drohnen paaren. Die Jungköniginnen fliegen ab September aus dem Nest und fressen sich zunächst einen Vorrat für den Winter an. Erst danach finden sie sich – zumeist an einem sonnigen Herbstvormittag – zum Paarungsflug mit den Drohnen ein. Im Anschluss sucht sich die junge Königin so schnell wie möglich ein geeignetes Winterquartier.

Tod

Die Drohnen hingegen sterben wenige Tage bis Wochen nach der Paarung. Auch die alte Königin haucht spätestens im Oktober ihr Leben aus oder wird von ihren Arbeiterinnen sogar getötet. Zuletzt – oft mit Einsetzen der ersten Nachfröste – sterben schließlich auch die letzten Arbeiterinnen. Damit ist das Hornissenvolk bis auf die überwinternden Jungköniginnen vollständig ausgelöscht. Erst im kommenden Jahr entstehen aus dem „Nachwuchs“, sofern dieser den Winter überstanden hat, neue Völker.

Überwinterung

Die Jungköniginnen suchen sich sofort nach der Paarung ein geeignetes Winterquartier, um nicht noch von einem Kälteeinbruch überrascht oder von einem Fressfeind – etwa einem Vogel – gefressen zu werden. Hierbei bevorzugen sie kleinste Ritzen und Spalten, beispielsweise in Mauern, graben aber auch selbst Tunnel in weiches, morsches Holz oder vergraben sich in der Erde. Häufig befinden sich diese Winterquartiere in der Nähe des alten Nestes und somit nahe menschlicher Behausungen. Viele der jungen Nachwuchsköniginnen überleben den Winter nicht, erfrieren etwa oder fallen hungrigen Vögeln oder anderen Räubern zum Opfer.

Was frisst die Hornissenkönigin?

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Hornissen sind Allesfresser

Hornissen sind ausgesprochen gute Jägerinnen, wobei sich vor allem die Arbeiterinnen als solche hervortun. Sie sind diejenigen, die für die Larven eiweißreiches Futter herbeiholen und zu diesem Zweck auch Wespen und andere Insekten erbeuten. Die erwachsenen Hornissen hingegen – und damit auch die Hornissenkönigin – ernähren sich zu einem großen Teil von Pflanzensäften und Nektaren, weshalb die Tiere häufig auch an saftreichen Bäumen (beispielsweise Flieder, Weide, Esche oder Birke) zu finden sind und süßes Obst ausgesprochen gern haben. Allerdings werden Hornissen – im Gegensatz zu Wespen – von menschlicher Nahrung eher selten angezogen.

Häufig gestellte Fragen

Legen die Arbeiterinnen auch Eier?

Im Hornissenstaat ist allein die Königin für die Eiablage zuständig. Die Arbeiterinnen sind jedoch nicht unfruchtbar, sondern besitzen durchaus funktionsfähige Eierstöcke. Diese produzieren allerdings nur in sehr seltenen Fällen tatsächlich Eier, da die Arbeiterinnen diese selbst funktionslos lassen. Neuere Forschungen haben gezeigt, dass keineswegs die Königin ihre Arbeiterinnen durch Pheromone unfruchtbar macht. Sollte eine Arbeiterin doch einmal Eier legen, so werden diese schnell entdeckt und von den anderen aufgefressen. Lediglich gegen Ende des Sommers, wenn die Königin ohnehin nicht oder kaum noch versorgt wird bzw. schon tot ist, legen Hornissenarbeiterinnen manchmal Eier. Diese allerdings können sich aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit nicht mehr richtig entwickeln.

Wie lange leben die Drohnen?

Die männlichen Hornissen – Drohnen genannt – haben eine sehr kurze Lebenserwartung von lediglich wenigen Wochen. Sie schlüpfen gegen Ende des Sommers und sterben gleich nach der Paarung mit den Jungköniginnen.

Was passiert mit dem Hornissenvolk, wenn die Königin stirbt?

Ein Hornissenvolk ohne Königin ist nicht überlebensfähig, da die Arbeiterinnen selbst nur eine Lebenserwartung von maximal vier Wochen haben und die Königin allein für die Eiablage zuständig ist. Sollte die Königin tatsächlich vor Ablauf ihrer Lebenszeit versterben – beispielsweise durch eine Infektion – so beginnen die Arbeiterinnen zwar ebenfalls mit dem Legen von Eiern, allerdings sind diese unbefruchtet (es fand niemals eine Paarung statt!) und so schlüpfen lediglich männliche Hornissen. Diese jedoch können zum Überleben des Hornissenvolkes nicht beitragen.

Wie groß kann ein Hornissenvolk werden?

Ein Hornissenvolk wird längst nicht so groß wie etwa ein Bienenvolk, kann bei einem guten Nahrungsangebot und geeigneter Witterung jedoch durchaus auf 600 bis 700 Einzeltiere anwachsen.

Gehört die Holzbiene auch zu den Hornissen?

Die Holzbiene – aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu den Hornissen – wird umgangssprachlich auch als „Schwarze Hornisse“ bezeichnet, gehört aber tatsächlich zu den Echten Bienen und ist daher mit den Riesenwespen nicht näher verwandt. Das Wärme liebende Insekt kann bis zu drei Zentimeter lang werden und ist daher die größte in Deutschland vorkommende Bienenart.

Tipps

Hornissen gehören zu den bedrohten Arten und stehen deshalb unter strengem Naturschutz. Sie können etwas für den Erhalt dieser faszinierenden Art tun, indem Sie im Garten spezielle Hornissenkästen aufhängen. Diese werden gerne von der Königin zum Nestbau verwandt und haben zudem den Nebeneffekt, dass die Tiere sich nicht in der Nähe des Hauses ansiedeln.

Text: Ines Jachomowski
Artikelbilder: simon berenyi/Shutterstock, Valeri Yordanov/Shutterstock, SaraJo/Shutterstock, minianne/Shutterstock, Dirk Daniel Mann/Shutterstock
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