Orangenbaum pflanzen und pflegen

Lesen Sie hier im kommentierten Orangenbaum-Steckbrief Hinweise zu Wuchshöhe, Blüte, Fruchteigenschaft und Winterhärte. Wie Sie Orangenbäumchen richtig pflegen und überwintern, erfahren Sie hier.

orangenbaum
In Mitteleuropa wird der Orangenbaum im Topf gehalten

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Citrus sinensis
  • Gattung: Zitruspflanzen (Citrus)
  • Synonym: Apfelsinenbaum, Orangenbäumchen
  • Herkunft: Südostasien
  • Wuchstyp: Baum oder Kleinbaum
  • Blatt: immergrün, oval
  • Blüte: fünfzählig, weiß, duftend
  • Blütezeit: mehrmals blühend
  • Frucht: Panzerbeere
  • Fruchteigenschaft: essbar
  • Winterhärte: nicht winterhart
  • Verwendung: Kübelpflanze, Wintergarten, Zimmerpflanze

Wuchshöhe

In Südostasien und den subtropischen Anbaugebieten wachsen Citrus sinensis als majestätische Orangenbäume. Veredelte Kultursorten bleiben deutlich kleiner und eignen sich ausgezeichnet als repräsentative Kübelpflanzen. Folgende Tabelle gibt einen kompakten Überblick:

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  Wuchshöhe
Plantagen-Orange 8 m bis 10 m
Halbstamm veredelt 2 m bis 3 m
Stämmchen veredelt 1,50 m bis 2,50 m
Mini-Orangenbaum 0,50 m bis 1,50 m

Entsprechend ihrer Wuchshöhe stellen Orangenbäume eine wohlgeformte, kugelige Krone zur Schau. Bewundern Sie im folgenden Video prachtvolle Exemplare, die im großen Kübel die Sommersonne genießen:

Orangenbäume vor barocker Kulisse

Blüte

In Europa blühen Orangenbäume von Februar bis Juni. Veredelte Orangenbäumchen im Kübel sind öfterblühend. Folgende Merkmale prägen eine Orangen-Blüte:

  • Blütengröße: 2 cm bis 4 cm im Durchmesser
  • Blütenfarbe: weiß
  • Duftnote: fruchtig-aromatisch nach Orange
  • Blütenökologie: zwittrig
  • Position: in den Blattachseln

Ein faszinierendes Schauspiel bieten Orangenbäume, wenn sie gleichzeitig blühen und fruchten. Weil sich die Reifezeit von Orangen als Kübelpflanzen häufig bis ins nächste Jahr hinzieht, entfaltet sich in der dichten Baumkrone ein Fest für die Sinne aus weißen, duftenden Blüten, farbenfrohen, wohlriechenden Orangen und sattgrünen, schimmernden Blättern.

Früchte

Die Orange ist das gelungene Ergebnis einer Kreuzung aus Pampelmuse (Citrus maxima) und Mandarine (Citrus reticulata), die im frühen Mittelalter chinesischen Züchtern gelang. Wer in Mitteleuropa ein Orangenbäumchen sein Eigen nennt, muss keine weitgereisten Apfelsinen im Laden kaufen, sondern erntet Früchte mit diesen Eigenschaften:

  • Form: 8 cm bis 10 cm groß (Mini-Orangen-Frucht 2 cm bis 4 cm)
  • Ökologie: fleischige Beerenfrucht mit dicker Schale
  • Schalenfarbe: innen weiß, außen grün, später orangefarben
  • Besonderheit: duftende, reife Fruchtschalen
  • Fruchtfleisch: saftig, gelblich bis orangefarben mit zahlreichen Samen (Kultursorten oft samenlos)
  • Fruchtbildung: selbstfruchtend (kein zweiter Orangenbaum erforderlich)
  • Erntezeit: frühe Sorten ab Mitte Oktober, späte Sorten im nächsten Frühling.

Wussten Sie, dass die grüne Schalenfarbe kein Reifemerkmal ist? Weil viele Konsumenten grüne Orangen für unreif halten und im Regal liegen lassen, werden die Früchte handelsüblicher Sorten mit Ethylengas entgrünt. Unter Gaseinfluss wird grünes Chlorophyll in der Schale zerstört und die damit verbundene Qualitätseinbuße in Kauf genommen.

Winterhärte

Wie alle Zitruspflanzen ist ein Orangenbaum nicht winterhart. Das Temperaturminimum liegt bei 5° Celsius. Fällt das Thermometer unter 12° Celsius, stellen die Wurzeln ihre Arbeit ein. Aus diesem Grunde müssen Orangenbäumchen in unseren Breiten im Haus überwintern. Diesem wichtigen Aspekt ist in der später folgenden Pflege-Anleitung ein besonderer Abschnitt gewidmet.

Blatt

Immergrüne Kulisse für die Blüten und Früchte sind die formschönen Laubblätter. Diese Attribute prägen das Blatt am Apfelsinenbaum:

  • Blattform: gestielt, oval bis lanzettlich, zugespitzt
  • Farbe: dunkelgrün, ledrig-glänzend
  • Anordnung: wechselständig-spiralig

Die Eigenschaft immergrün bedeutet nicht, dass ein Laubblatt das ewige Leben gepachtet hat. In der Regel erneuert sich ein Orangenbaum-Blatt alle zwei bis vier Jahre. An einigen Orangenbäumen sitzen neben den Blättern bis zu 8 cm lange Dornen auf den kantigen Zweigen. Den meisten Kultursorten haben kundige Züchter diese Bewehrung abgewöhnt.

Orangenbaum pflanzen

Als Hobbygärtner haben Sie zwei Möglichkeiten. Sie können einen Orangenbaum kaufen oder vermehren und selber pflanzen. Der Kauf hat den Vorteil, dass die Orangenbäumchen veredelt sind und schwellende Knospen tragen oder bereits blühen. In diesem Fall entgeht Ihnen freilich das gärtnerische Erfolgserlebnis, das mit einer Vermehrung in Eigenregie verbunden ist. Folgende Kurz-Anleitungen erklären die richtige Vorgehensweise:

Vermehren

Am einfachsten vermehren Sie einen Orangenbaum mit Kopfstecklingen. Im Frühling oder Herbst schneiden Sie halb verholzte, nicht blühende Stecklinge mit drei bis fünf vielversprechenden Knospen. Die Blätter im unteren Bereich zupfen Sie bitte ab. Pflanzen Sie einen zur Hälfte entlaubten Steckling in durchlässige, feuchte Anzuchterde. Stellen Sie den Anzuchttopf in ein beheizbares Zimmergewächshaus auf die helle Fensterbank. Bei luftfeuchten 25° bis 28° Celsius sprießen nach vier bis sechs Wochen die ersten Wurzeln.

Aus den Samen vollreifer Früchte können Sie einen Orangenbaum züchten. Lassen Sie die gewaschenen Kerne für 24 Stunden trocknen. Füllen Sie ein Saatgefäß mit Kokoserde, weil diese schön durchlässig ist und nicht so schnell schimmelt. Stecken Sie jeden Samen etwa 2 Zentimeter tief ins Substrat und gießen an mit feiner Brause. Nachteil der Aussaat von Orangen-Samen ist eine bis zu 10 Jahre lange Wartezeit auf die erste Blütezeit.

Im Kübel pflanzen

Pflanzen Sie den Orangenbaum in einen Kübel mit Bodenöffnung als Wasserablauf. Bemessen Sie die Topfgröße so, dass zwischen Wurzelballen und Gefäßrand zwei bis drei Finger passen. Verwenden Sie als Substrat wahlweise spezielle Zitruspflanzen-Erde oder eine Mischung aus torffreier Blumenerde, Kokosfasern und Blähton. So pflanzen Sie ein Orangenbäumchen richtig:

  1. Kübelboden bedecken mit Blähton,(17,00€ bei Amazon*) Kieselsteinchen oder Tonscherben als Drainage.
  2. Einige Handvoll Substrat einfüllen und eine Mulde formen.
  3. Orangenbäumchen austopfen aus dem Kauf-Container oder Anzuchttopf.
  4. Bisherige Pflanztiefe beibehalten.
  5. Wurzelballen so tief pflanzen, dass ein 3 cm hoher Gießrand entsteht.

Gießen Sie den gepflanzten Orangenbaum durchdringend an, bis sich der Untersetzer mit Wasser füllt. Nach 15 Minuten schütten Sie das überschüssige Gießwasser weg, damit sich keine Staunässe bildet.

Standort

Die meiste Zeit des Jahres wünscht sich Ihr Orangenbaum einen Standort mit diesen Rahmenbedingungen:

  • Von Ende März/Anfang April bis Oktober/November draußen auf Balkon, Terrasse oder mitsamt Topf versenkt im Beet.
  • Vollsonnige bis absonnige Lage.
  • Gerne wind- und regengeschützt.
  • Extra-Tipp: Kübel kippsicher aufstellen.

Eine Kultivierung als Zimmerpflanze ist möglich in sehr hellen Wohnräumen auf der Südseite des Hauses oder im lichtdurchfluteten Wintergarten.

Exkurs

Dream-Team Chinotto und Orangenbäumchen

Zwei eng verwandte Zitruspflanzen bescheren Ihnen ein geschmackliches Kontrastprogramm. Chinotto (Citrus myrtifolia var. Citrus aurantium) trägt Früchte mit bitter-erfrischendem Geschmack. Weltweiten Ruhm genießt die Chinotto-Frucht als Hauptzutat im legendären Erfrischungsgetränk. Saftig-süße Früchte vom Orangenbäumchen können Sie dagegen pflückfrisch genießen. In Bezug auf die anspruchslose Pflege sind sich die beiden Kübelschönheiten einig.

Orangenbaum pflegen

Ein Orangenbaum ist einfach zu pflegen. Tragende Säulen im Pflegeprogramm sind bedarfsgerechtes Gießen, ausgewogenes Düngen und die richtige Überwinterung. Gelegentliches Schneiden und Umtopfen rundet die Kübelkultur perfekt ab. Wenn ein Orangenbäumchen Blätter verliert, sind Schädlinge häufig die Ursache. Wichtige Tipps rund um die beste Orangenbaum-Pflege lesen Sie hier:

Gießen

Über die richtige Wasserversorgung können Zitruspflanzen-Experten stundenlang referieren. Wir haben für Sie alles Wichtige in Kurzfassung zum Nachlesen. So gießen Sie einen Orangenbaum zu jeder Jahreszeit vorbildlich:

  • Gießwasser: Gegossen wird mit Leitungswasser, das kalkhaltig sein darf, oder gesammeltem Regenwasser.
  • Wann gießen?: Zeitnah gießen, sobald die obere Substratschicht angetrocknet ist.
  • Zu welcher Tageszeit gießen?: Idealerweise vor Sonnenaufgang (niemals unter praller Sonneneinstrahlung).
  • Wie gießen?: Gießwasser aus der Kannentülle langsam auf die Wurzelscheibe laufen lassen, bis sich der Untersetzer füllt.
  • Extra-Tipp: Regelmäßiges Besprühen der Blätter mit weichem Wasser behagt dem Orangenbäumchen sehr.

Erfahrene Zitrusgärtner prüfen den aktuellen Wasserbedarf mittels Fingerprobe. Wer sich auf sein Fingerspitzengefühl nicht verlassen mag, verwendet einen Feuchtigkeitsmesser.

Düngen

Die Nährstoffversorgung ist einfach. Gedüngt wird ein Orangenbaum von Februar bis Oktober wöchentlich. Geben Sie einen flüssigen Dünger für Zitruspflanzen ins Gießwasser gemäß Anleitung des Herstellers. Gießen Sie vorher und nachher mit klarem Wasser zum Schutz der Wurzeln vor Versalzung.

Überwintern

Ein Orangenbäumchen sollte frostfrei, kühl und hell überwintern. Was diese Kriterien für die erfolgreiche Überwinterung bedeuten, lesen Sie in diesem Abschnitt:

  • Einräumen: vor dem ersten Frost
  • Kühl überwintern: bei Temperaturen von 5° bis 10° Celsius
  • Hell überwintern: idealerweise bei 1500 Lux (Lumenwert pro m²) für 8 Stunden täglich
  • Winterquartier: Kalt-Wintergarten, helles Treppenhaus, ungeheiztes Schlafzimmer, Überwinterungszelt mit Frostwächter
  • Winter-Pflege: sparsam gießen, nicht düngen, auf Schädlinge kontrollieren

Der Zeitraum für die Überwinterung erstreckt sich in den meisten Regionen Deutschlands von Ende Oktober/Anfang November bis Anfang/Mitte April.

Schneiden

Ein Orangenbaum im Kübel bildet eine runde Krone auch ohne Schnitt. Vorteilhaft für ein kompaktes, blütenreiches Wachstum ist ein gelegentlicher Form- und Auslichtungsschnitt. Weil Orangenbäumchen gut schnittverträglich sind, können Sie zu jeder Jahreszeit die Schere kreisen lassen. Schneiden Sie ungünstig stehende und abgestorbene Zweige ab. Geschnitten wird an Knospen. Bei dieser Schnitttechnik setzen Sie die Schere 3-5 mm über einem Auge oder Blatt an.

Wenn Sie einen Orangenbaum selber züchten, sind ein Erziehungs- und Aufbauschnitt zu absolvieren für eine wohlgeformte Krone. Dieser schnitttechnischen Herausforderung ist ein ausführliches Tutorial gewidmet am Beispiel vom Zitronenbaum, das Sie hier nachlesen können.

Umtopfen

Junge Orangenbäumchen wachsen schnell und werden jährlich umgetopft. Ältere Kübel-Orangen lassen es langsamer angehen. An zwei Hinweisen können Sie erkennen, ob Sie die Kübelpflanzen umtopfen sollten: Aus der Bodenöffnung wachsen Wurzeln heraus. Die Baumkrone ist größer, als der Topfdurchmesser. Bester Zeitpunkt ist im Frühling, wenn Orangenbäume ihr Winterquartier verlassen.

Schädlinge

Eine zu warme Überwinterung macht Ihren Orangenbaum anfällig für Schädlingsbefall. Trockene Heizungsluft mit Temperaturen deutlich über 12° Celsius und Lichtmangel rufen Spinnmilben und Schildläuse auf den Plan. Ein Standortwechsel ins helle, kühle Winterquartier und regelmäßiges Besprühen der Blätter befreit Ihr Orangenbäumchen von dem Gesindel.

Beliebte Sorten

Die schönsten Orangenbäumchen als Zimmerpflanze stellt Ihnen folgende Sorten-Auslese vor:

  • Navelina: die bekannte Navel-Orange für die Topfkultur mit 10 cm großen, saftig-süßen, samenlosen Früchten.
  • Valencia late: späte Premium-Sorte, beliebtestes Orangenbäumchen trägt duftenden Blüten, grüne und goldenen Orangen zur gleichen Zeit.
  • Tarocco foliis variegatis: begeistert mit panaschierten, immergrünen Blättern und grün-gestreiften Orangen.
  • Quattro Stagioni: genialer Vierjahreszeiten-Orangenbaum, der ganzjährig blüht und fruchtet.
  • Vaniglia Sanguigno: frühe Sorte, deren weiße Blüten von März bis Mai blühen und sich in zuckersüße, pinke Mini-Orangen verwandeln.

FAQ

Wann darf ein Orangenbaum auf den Balkon?

Die lokalen Witterungsbedingungen entscheiden darüber, wann Sie Ihren Orangenbaum auf den Balkon stellen können. In den meisten Regionen Deutschlands übersteigen ab April die Temperaturen auch bei Nacht das Minimum von 5° Celsius. Jetzt können Sie ein Orangenbäumchen ausräumen auf den sonnigen Balkon. Zum Schutz vor überraschenden Nachtfrösten sollte bis Mitte Mai ein Wintervlies griffbereit sein.

Sind am Mini-Orangenbaum die Früchte essbar?

Jeder Orangenbaum trägt essbare Früchte. Das gilt für den majestätischen Plantagenbaum mit 10 Metern Wuchshöhe und den 50 Zentimeter Mini-Orangenbaum gleichermaßen.

Text: Paula Jansen
Artikelbild: Kentaro Foto/Shutterstock

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