Kräuselkrankheit erkennen und vorbeugen

Die Kräuselkrankheit ist bei Obstbaumzüchtern gefürchtet. Sie lässt das gesamte Laub absterben und verursacht eine verminderte Ernte. Um gegen die Infektionskrankheit anzukämpfen, sind Kenntnisse über den Verursacher und seine Vorlieben wichtig. Nur so kann der Lebenszyklus unterbrochen werden.

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Eine Infektion mit der Kräuselkrankheit findet nur im feuchten Frühjahr statt

Das Wichtigste in Kürze

  • Wässrige Lösungen mit Milch oder Schachtelhalm wirken vorbeugend gegen die Kräuselkrankheit. Essig wird im Winter gespritzt, während Natron beim Anschwellen der Knospen verwendet wird.
  • Damit die Pflanze einen Befall gut übersteht, sind begleitende Maßnahmen sinnvoll. Die Wahl des richtigen Standorts gewährleistet eine hohe Widerstandskraft.
  • Die Kräuselkrankheit tritt mit einem typischen Schadbild hauptsächlich an Pfirsich und Nektarine auf. Gekräuselte Blätter an anderen Pflanzen deuten auf verschiedene Verursacher hin.

Hausmittel, die gegen Kräuselkrankheit helfen

Wenn sich der Pilz im Blattgewebe angesiedelt hat, helfen keine Gegenmaßnahmen. Sie können nur die betroffenen Blätter entfernen, um den Baum zum Neuaustrieb zu animieren. Ein wirksamer Pflanzenschutz kann im folgenden Jahr gespritzt werden, bevor die Knospen zu Schwellen beginnen.

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Hausmittel gegen Kräuselkrankheit
ZeitraumPhaseMittel
November bis FebruarWinterruheMilch, Schachtelhalm, Essig
Februar bis MärzKnospenschwellungMilch, Schachtelhalm, Natron, Kupferkalk
März bis AprilAustrieb und WachstumMilch, Schachtelhalm, Natron

Ganzjähriges Anti-Pilzmittel: Milch

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Milch hilft gegen Pilzinfektionen bei Pflanzen

Vollmilch enthält fungizide Wirkstoffe und hat sich im Kampf gegen Mehltau als wirksam erwiesen. Eine regelmäßige Spritzung kann sich bei einer Infektion mit der Kräuselkrankheit positiv auswirken. Milch verändert die Umweltbedingungen und entzieht den Pilzsporen die Lebensgrundlage. Mischen Sie Milch mit Wasser im Verhältnis 1:1 und behandeln Sie Knospen, Triebe und Blätter einmal pro Woche mit der Lösung. Der Befall lässt sich zwar nicht vollständig bekämpfen, aber Sie können mit der regelmäßigen Spritzung ein pilzhemmendes Milieu erschaffen.

Zur Pflanzenstärkung: Schachtelhalm

Ackerschachtelhalm enthält Kieselsäure, die stützend auf Blattgewebe und Zellwände wirken. Sammeln Sie das Kraut im August, da der Wirkstoffgehalt zu dieser Zeit am höchsten ist. Übergießen Sie ein Kilogramm frisches Kraut mit zehn Liter Wasser und lassen Sie den Ansatz 24 Stunden ziehen. Kochen Sie den Sud anschließend für eine halbe Stunde. Sieben Sie die groben Pflanzenteile ab und bespritzen Sie die betroffenen Gehölze mit einer verdünnten Lösung im Verhältnis 1:5.

So nutzen Sie Ackerschachtelhalm:

  • ganzjährige Anwendung als pflanzenstärkendes Gießmittel
  • bei einem akuten Befall auf die Pflanze spritzen
  • als vorbeugenden Spritzmittel im Winter verwenden

Vorbeugendes Hausmittel: Essig

Gemäß der EU-Verordnung 2015/1108 darf Essig als Fungizid verwendet werden. Das Mittel hat eine ätzende und pilzhemmende Wirkung, wobei es unverdünnt als Vorbeugung gespritzt werden sollte. Verzichten Sie auf Lösungen mit Seife, denn diese neutralisiert Essig und macht die Substanz wirkungslos. Geben Sie die Flüssigkeit in eine Sprühflasche und spritzen Sie das Gehölz zwischen November und Februar ein. Achten Sie darauf, dass Furchen in der Astrinde und Knospen gut benetzt werden, denn hier überwintern die Pilzsporen.

Nur für die Landwirtschaft: Kupferspritzmittel

Beim Anschwellen der Knospen erweist sich eine Spritzung mit Kupferkalk als wirksam. Dies geschieht zwischen Februar und März, wenn die Temperaturen über zehn Grad Celsius ansteigen. Anwendungen sind bereits ab fünf Grad möglich, um das Wachstum der Sporenzellen effektiv zu unterbinden. Spritzmittel mit Kupfer sind für die Bekämpfung der Kräuselkrankheit im privaten Garten nicht zugelassen. Greifen Sie deshalb zu handelsüblichen und zugelassenen Pflanzenschutzmitteln.

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Bei einem Befall: Natron

Natron löst sich in Wasser mit einer schwach alkalischen Reaktion. Das macht das Backtriebmittel wertvoll im Einsatz gegen Pilzerkrankungen an Pflanzen. Mehltau und Graufäule lassen sich mit Natron biologisch behandeln und auch bei der Kräuselkrankheit kann das Mittel die Lebensbedingungen für die Pilzsporen negativ beeinflussen. Der pH-Wert verändert sich, sodass das Wachstum der Sporenzellen eingeschränkt wird.

Das Rezept zum Nachmachen:

  • einen Liter Wasser mit zwei bis drei Spritzer Spiritus vermischen
  • etwas Spüli zufügen
  • ein Päckchen Bachpulver einstreuen

Begleitende Maßnahmen

Die bevorzugten Gehölze können nur im Frühjahr infiziert werden, wenn die Witterung mild und regnerisch ist. Aus diesem Grund empfiehlt sich ein sonniger und luftiger Standort, an dem der Pilz keine optimalen Lebensbedingungen vorfindet. Eine spätere Infektion ist nicht möglich, da der Pilz einen besonderen Lebenszyklus besitzt und den größten Teil des Jahres überdauert.

Erste Hilfe bei einem Befall:

  • Leimringe am Stamm anbringen
  • weitere Schwächung durch Blattläuse verhindern
  • Regenschutz an kühlen Tagen mit Temperaturen unter 16 Grad
  • ausreichende Bewässerung an heißen Tagen
  • regelmäßige Stickstoffdüngung
  • Ausdünnung der Früchte

Hintergrund

Lebenszyklus der Pilzsporen

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Der Pilz greift nur von Februar bis Juni aktiv lebende Pflanzenteile an

Taphrina deformans ernährt sich von Juni bis Februar ausschließlich von abgestorbenem Pflanzenmaterial und stell in dieser Zeit keine Gefahr für Obstbäume und Gehölze dar. Ab Ende Februar entwickelt der Pilz zahlreiche Sprosszellen, die mit dem Frühjahrsregen in die sich öffnenden Knospen geschwemmt werden. Sie infizieren die frisch austreibenden Blätter und durchwuchern Blütenknospen, sobald das Thermometer über acht Grad Celsius steigt.

Nachdem die Blätter des ersten Austriebs in Folge der Erkrankung abfallen, treiben die Gehölze zwischen Juni und Juli erneut aus. Oberhalb von 16 Grad ist der Pilz nicht mehr infektiös. Er überwintert bis zum nächsten Frühjahr auf den Trieben und an den Schuppen der neu gebildeten Knospen.

Den richtigen Standort wählen

Pflanzen Sie Gehölze an eine südlich ausgerichtete Hauswand, damit diese ausreichend Sonne abbekommen. Ein überhängendes Dach schützt vor Regen während der kritischen Monate im Spätwinter. Wenn Sie keinen Dachschutz gewährleisten können, sollten Sie den Baum in der Hauptinfektionszeit mit einer Plane vor Feuchtigkeit schützen. Denken Sie daran, die Abdeckung an sonnigen Tagen zu Belüftungszwecken abzunehmen. Ab Temperaturen von 16 Grad können Sie die Maßnahme einstellen.

Ist die Kräuselkrankheit einmal ausgebrochen, lässt sich der Krankheitsverlauf kaum bremsen. Der richtige Standort entzieht dem Pilz die Wachstumsbedingungen.

Häufig betroffene Pflanzen

Taphrina deformans ist ein Pilz aus einer Gattung mit parasitisch lebenden Pilzen, die sich überwiegend auf Farnen und zweikeimblättrigen Pflanzen ausbreiten. Sie töten das Wirtsgewebe nicht ab, sondern sorgen für Verformungen der befallenen Pflanzenteile. Der für die Kräuselkrankheit verantwortliche Pilz hat sich wie seine Verwandten auf bestimmte Arten spezialisiert. Das bedeutet, dass die Art nicht immer für gekräuselte Blätter an Pflanzen verantwortlich ist.

Häufige Verursacher für gekräuselte Blätter an:

  • Kirsche: Blattläuse
  • Apfelbaum: Apfelmehltau, Obstbaumspinnmilbe, Apfelblattlaus
  • Johannisbeere: Johannisbeerlattlaus, Johannisbeerblattgallmücke, Johannisbeergallmilbe
  • Birne: Birnenblattsauger, Mehlige Birnenblattlaus
  • Tomaten: Pflegefehler, Tomatenrostmilbe, Spinnmilben
  • Rosen: Blattrollwespe, Rosenblattlaus
  • Kirschlorbeer: Blattläuse, Echter Mehltau

Exkurs

Achtung Verwechslungsgefahr

Wenn das Auge ungeübt ist, kann es beim Beobachten von gekräuselten Blättern im Endstadium schnell zu einer Fehldiagnose kommen. Im Sommer zeigt sich derartig deformiertes Laub auch nach einem Insektenbefall. Allerdings gehen einem Schädlingsbefall durch Blattläuse und andere saftsaugende Insekten keine roten Blasen voraus, die im Anfangsstadium typisch für die infektiöse Kräuselkrankheit sind. Durch einen genauen Blick auf die Blattunterseite können Sie schnell feststellen, ob Blattschädlinge am Werk waren.

Prunus persica

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Prunus persica wird besonders häufig von dem Pilz befallen

Die Blätter von Pfirsichbaum und Nektarinenbaum werden früh im Jahr infiziert, sobald die Knospen anfangen zu schwellen. Wenn Sie die typischen Symptome feststellen,entfernen Sie verkrüppelte Triebe und Fruchtmumien. Diese sollten über den Hausmüll entsorgt werden, damit sich die Erkrankung nicht weiter ausbreitet. Eine biologische Spritzung ist Ende Januar sinnvoll. Bewährt hat sich das Mittel “Neudo-Vital Obst-Pilzschutz” von Neudorff. Wiederholen Sie die Spritzung drei bis vier Mal in den kommenden Wochen.

Sorten, die gut mit der Kräuselkrankheit zurecht kommen:

  • Nektarine: ‘Snow Queen’, ‘Flavortop’, ‘Independence’, ‘Nektarose’
  • Tellerpfirsich: ‘White Frisbee’, ‘Yellow Frisbee’
  • Pfirsich: ‘Fruteria’, ‘Benedicte’

Um die Pilzerkrankung vorzubeugen, sollten Sie alle empfindlichen Sorten von Zwergnektarine, Plattpfirsich oder Zwergpfirsich an den richtigen Standort pflanzen und die Krone regelmäßig auslichten. Es hilft, Pfirsichbäume mit mineralischen oder organischen Langzeitdüngern zu versorgen. Das macht die Gehölze widerstandsfähiger. Eine regelmäßige Spritzung mit Ackerschachtelhalmtee wirkt vorbeugend gegen eine Infektion. Um die Gewächse zu schützen, empfiehlt sich eine Unterpflanzung mit Meerrettich, Kapuzinerkresse oder Knoblauch.

Tipps

Kalkmilch dient zum Schutz der Baumrinde vor Frost und Krankheiten. Die wässrige Lösung mit der milchähnlichen Kosistenz kann auch zum Spritzen verwendet werden. Sie verringert das Risiko, dass der Obstbaum von der Kräuselkrankheit befallen wird.

Prunus armeniaca

Obwohl die Aprikose nicht zu den bevorzugten Wirtspflanzen von Taphrina deformans gehört, wird das Gehölz am suboptimalen Standort gelegentlich von der Pilzerkrankung heimgesucht. Die Sporen breiten sich bei feucht-milder Witterung aus und dringen in die geöffneten Knospen ein. Die Pflanzung am richtigen Standort ist daher die erste Maßnahme, um eine Infektion vorzubeugen.

Kräuselkrankheit an Aprikosen erkennen:

  • junge Blätter kräuseln sich und entwickeln hellgrüne bis rötliche Flecken, leicht aufgeworfen
  • Blätter drehen sich im Krankheitsverlauf um ihre eigene Achse
  • Laub verfärbt sich weißlich und erscheint gummiartig, bevor es abfällt

So erkennen Sie die Kräuselkrankheit

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Die Blätter kräuseln sich nicht nur, sie weisen auch hässliche Blasen auf

Die Symptome zeigen sich im Frühjahr nach einer feuchten und milden Witterung. Infolge der Erkrankung sterben die Blätter ab. Wenn der Baum kräftig und gesund ist, wird er den Pilzbefall gut überstehen und die abgefallenen Blätter im Sommer durch gesundes Laub ersetzen. Alte und stark geschwächte Gehölze können durch die Krankheit absterben.

 BlattformBlattfärbung
Anfangsstadiumgekräuseltvereinzelt hellgrüne oder rote Blasen
Mittleres Stadiumverknotet und verdicktrötlich oder hellgrün bis weißlich
Endstadiumstark vergrößert, gummiartig bis brüchigzunehmend dunkler

Sobald im April die ersten deformierten Blätter sichtbar sind, hat sich der Pilz bereits im Gewebe angesiedelt. Im Juni fällt das betroffene Laub ab, sodass es bei einem starken Befall zu einem Kahlschaden kommen kann. Charakteristisch für die Kräuselkrankheit ist ein starker Gummifluss. Früchte werden selten befallen. Wird der Baum über mehrere Jahre durch die Krankheit geschwächt, ist ein Absterben möglich.

Tipps

Wenn Sie die Knospen im Winter mit einem ökologischen Farbspray einsprühen, können Sie den Zeitpunkt des Anschwellens genau beobachten. Die Farbe wird dann rissig und blättert ab. Zu diesem Zeitpunkt sollten Sie Pflanzenschutzmaßnahmen durchführen.

Folgen einer Erkrankung

Wenn der Baum sein Laub fast vollständig abwerfen musste, kommt es zu einer Reduzierung der Gesamtphotosyntheseleistung. Ist der Pilzbefall stark ausgebreitet, sterben Zweige komplett ab. Derart geschwächte Bäume reduzieren ihre Blütenbildung, sodass auch der Ernteertrag sinkt. Die Auswirkungen sind oft noch im folgenden Jahr spürbar, denn der Knospenansatz ist nach der Erkrankung ebenfalls eingeschränkt.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich die Früchte essen, wenn sie von der Kräuselkrankheit befallen wurden?

Die Krankheit dehnt sich äußerst selten auf die Früchte aus, sodass Ihre Ernte nur durch die Folgen der Krankheit gefährdet werden kann. Wenn die Blätter gekräuselt sind und abfallen, fehlt dem Baum viel Blattfläche für die Photosynthese. In der Folge kann er unreife Früchte abwerfen oder diese nicht richtig ausreifen lassen. Die kleinen Pfirsiche sind trotzdem für den Verzehr geeignet, denn sie sind nicht von Pilzsporen kontaminiert.

Mein Pfirsichbaum ist so stark von der Kräuselkrankheit befallen, dass sich jedes einzelne Blatt stark verknotet und ich befürchte einen Ernteausfall. Was tun?

Ob Sie die Ernte noch retten können, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Manche Sorten erweisen sich als widerstandsfähig und regenerieren sich nach einem Befall vergleichsweise schnell. Auch das Alter spielt eine Rolle in der Genesung, denn junge Bäume werden schneller gesund als alte Gehölze. Entfernen Sie die befallenen Blätter sorgfältig und pflücken Sie Früchte aus der Krone, die nicht mehr gesund erscheinen. Es ist gut möglich, dass die Bäume im Anschluss sehr kahl wirken. Spritzen Sie den Baum mit Schachtelhalmbrühe ein und mit etwas Glück treiben nach einiger Zeit frische und gesunde Blätter aus und die Früchte bleiben erhalten.

Gibt es Sorten, die resistent gegen die Kräuselkrankheit sind?

Generell gilt, dass weißfleischige Pfirsiche weniger empfindlich gegen die Pilzerkrankung sind als gelbfleischige oder rötliche Sorten. Vertrauen Sie allerdings keinem Werbeversprechen von vollständig resistenten Pfirsichen und Nektarinen. Bisher gibt es keine Sorte, auf die sich der Pilz nicht ausbreiten kann. Viele Züchtungen erweisen sich aber als unempfindlicher oder überstehen eine Infektion besser als andere Kulturformen. Das sind tolerante Pfirsichsorten:

  • weißfleischig: ‘Fidelia’, ‘Amsden’, ‘Roter Ellerstädter’
  • gelbfleischig: ‘Rekord von Alfter’
  • rotfleischig: ‘Weinbergpfirsich’

Ist mein Pflaumenbaum von der Kräuselkrankheit betroffen?

Wenn Ihre Pflaume gekräuselte Blätter zeigt, ist nicht der Erreger der Kräuselkrankheit sondern vermutlich ein Blattschädling wie die Pflaumenblattlaus verantwortlich. Taphrina deformans hat sich auf bestimmte Gehölze spezialisiert und befällt nur Pfirsich-, Nektarinen- und Mandelbäume. Ein verwandter parasitärer Pilz aus der gleichen Gattung hat es hauptsächlich auf die Art Prunus domestica mitsamt ihrer Varietäten und Sorten abgesehen. Dazu gehören auch Mirabelle und Zwetschgenbaum. Taphrina pruni ist verantwortlich für die Taschenkrankheit und verursacht seltener missgebildete und verkrümmte Blätter und Triebe.

Text: Christine Riel

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