Digitalis
Der Fingerhut ist giftig und steht unter Naturschutz

Fingerhut

Eleganter Strukturbildner, giftige Schönheit, genügsamer Dauerblüher - die Liste seiner Attribute ist lang. Längst ist der Fingerhut in der kreativen Gartengestaltung mehr als die typische Pflanze für den Bauerngarten. Wie die virtuose Blume in Ihrem grünen Reich gedeiht, verraten die folgenden Zeilen.

Fingerhut richtig pflanzen

Um den Fingerhut im Garten anzusiedeln, haben Sie die Wahl zwischen einer Aussaat im Sommer und der Pflanzung einer fertig vorgezogenen Blume. Entscheiden Sie sich für den Erwerb von Jungpflanzen aus dem Gartencenter, entfällt die Wartezeit auf die erste Blüte bis zum nächsten Jahr. So wächst die Blume zügig an:

  • Die Pflanzzeit beginnt im Mai, gleich nach den Eisheiligen
  • Am geeigneten Standort ein Pflanzloch graben mit dem doppelten Volumen des Wurzelballens
  • Den Aushub mischen mit Kompost oder Moorbeeterde und wieder einfüllen
  • Die junge Blume mittig genauso so tief einpflanzen, wie bisher und angießen

Die natürliche Schönheit von Fingerhut kommt besonders gut zur Geltung in kleinen Gruppen mit 3-4 Exemplaren. Ein Pflanzabstand von 40 Zentimetern gilt als angemessen.
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Pflegetipps

Solange ein Fingerhut nicht dürsten oder hungern muss, zeigt er sich von seiner schönsten Seite. Gießen Sie die Pflanze daher regelmäßig und durchdringend mit gesammeltem Regenwasser oder entkalktem Leitungswasser. Einen gezielten Beschuss mit eiskaltem Wasser aus dem Gartenschlauch sollten Sie bei dieser Blume vermeiden.

Den Bedarf an Nährstoffen deckt ein mineralisch-organischer Volldünger im März/April. Im naturnahen Garten dient reifer Kompost ab Mai alle 14 Tage als organischer Dünger, idealerweise ergänzt mit Hornspänen.
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Welcher Standort ist geeignet?

Fingerhut favorisiert einen sonnigen bis halbschattigen Standort. Ausgesprochen wohl fühlt sich die straff aufrechte Blume im Schutz hoher Gehölze, wo sie als prächtige Kulissenpflanze fungiert. Kalkbetontes Erdreich meidet der Fingerhut. Stattdessen gedeiht die Pflanze vital und gesund in nährstoffreicher, durchlässiger und frisch-feuchter Gartenerde mit normalem Lehmgehalt.
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Wann ist Blütezeit?

Die Blütezeit von Fingerhut beginnt im Juni/Juli und dauert an bis in den August. Bei sommerlicher Witterung besteht die Chance auf eine Nachblüte, wenn Sie die Blume nach dem ersten Blütenflor zurückschneiden.
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Fingerhut richtig schneiden

Es sind gleich mehrere Argumente, die für einen Rückschnitt des Fingerhuts sprechen. In erster Linie locken Sie eine Nachblüte hervor, wenn die Blume nach der ersten Blüte geschnitten wird. Darüber hinaus unterbinden Sie eine Selbstaussaat, die nicht immer erwünscht ist. Nicht zu vergessen der Vasenschnitt, damit die üppigen Blütenstängel das Haus dekorieren.
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Überwintern

Alle bei uns heimischen Fingerhut-Arten sind vollkommen winterhart. Selbst frostige Temperaturen von -20 Grad Celsius bereiten dieser Pflanze keine Probleme, solange sie im Beet kultiviert wird. Im Kübel besteht hingegen die Gefahr, dass der Wurzelballen infolge seiner exponierten Lage durchfriert. Daher sind diese Vorkehrungen empfehlenswert:

  • Im Herbst die Pflanze bodennah abschneiden
  • Das Substrat bedecken mit Rindenmulch, Stroh, Sägemehl oder Laub
  • Das Pflanzgefäß umhüllen mit mehreren Lagen Jute, Vlies oder Luftpolsterfolie

Stellen Sie den Kübel zusätzlich auf eine isolierende Unterlage, wie Holz oder Styropor, damit der Frost nicht von unten her dem Wurzelballen Schaden zufügt.
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Fingerhut vermehren

Fingerhut ist unkompliziert zu vermehren mittels Aussaat. Schneiden Sie die Blume nach der Blüte nicht zurück, entwickeln sich zahlreiche Kapselfrüchte. Darin befinden sich die winzig kleinen Samen. Ist der weitere Verbleib der Pflanze am Standort erwünscht, lassen Sie einfach der Natur freien Lauf. Die Blume verteilt die Samen eigenständig.

Wünschen Sie eine gezielte Vermehrung am neuen Standort, hält der Fachhandel sortenreines Saatgut für Sie bereit. Die Aussaat gelingt hinter Glas bereits ab März/April oder unmittelbar im Beet ab Juli/August. Bei den Samen handelt es sich um Lichtkeimer, die keine Stratifikation durchlaufen müssen.
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Ist Fingerhut giftig?

Nicht von ungefähr erhielt der Fingerhut in 2007 den Titel „Giftpflanze des Jahres“. Aufgrund des hohen Gehaltes an Digitalisglykosiden, zählt die Blume zu den ultimativen Giftpflanzen in Wald und Garten. Der Giftstoff ist überwiegend in den Blättern vorhanden. Eine lebensbedrohliche Gefahr geht von der üppig blühenden Pflanze vor allem für Kinder aus. Diese spielen mit dem Fingerhut, stecken die Finger in den Mund und erleiden eine Vergiftung mit diesen Symptomen:

  • Übelkeit und Erbrechen über viele Tage hinweg
  • Im weiteren Verlauf Sehstörungen
  • Die Pulsfrequenz sinkt stetig auf 50, schlimmstenfalls auf 20 Schläge pro Minute
  • Eine Dosis von 2,5 Gramm und mehr gilt für Kinder als tödlich

Ungeachtet ihrer verschwenderischen Blütenfülle, sollte von einer Kultivierung im Garten abgesehen werden, wenn sich Kinder und Haustiere hier aufhalten.
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Ist der Fingerhut giftig für Hunde?

Die extreme Toxizität von Fingerhut gilt nicht nur für Menschen. Knabbert ein Hund mehr als 5 Gramm dieser Pflanze auf, gibt es keine Rettung mehr. Kleinere Mengen an Fingerhut verursachen klassische Vergiftungserscheinungen, wie Taumeln, Erbrechen und blutiger Durchfall. Hundefreunde verbannen daher diese Gift-Pflanze ihrem vierbeinigen Lebensgefährten zuliebe aus dem Garten.
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Wissenswertes über Fingerhut-Samen

Für den Fortbestand der zweijährigen Pflanze sind die Samen von elementarer Bedeutung. Im August reifen sie in den braunen Kapselfrüchten heran. Ein typischer Fingerhut-Samen ist 0,5 cm klein, länglich geformt, bräunlich gefärbt und entweder gerippt oder abgeplattet. Um ihn in Keimlaune zu versetzen, darf er nicht mit Substrat bedeckt sein. Alle Samen dieser Blume zählen zu den Lichtkeimern.
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Fingerhut aussäen

Die ideale Zeit für die Aussaat von Fingerhut ist im Juli/August, wenn sich die Pflanze auch selbst aussät. Alternativ kommt das Frühjahr in Betracht, dann hinter Glas oder im Frühbeet. Die Direktaussaat hat sich in der Praxis nicht bewährt. Die sehr feinen Samen keimen unter kontrollierten Bedingungen sehr viel besser. Mischen Sie das Saatgut mit ein wenig Vogelsand und drücken es auf steriler Aussaaterde nur an. Befeuchtet werden die Lichtkeimer mit kalkfreiem Wasser aus dem Zerstäuber.

Am halbschattigen, warmen Standort brechen sich die Keimblätter innerhalb weniger Tage Bahn durch die Samenschale. Pikiert werden die Keimlinge, wenn sich die ersten echten Laubblätter zeigen. Hat sich eine kräftige Pflanze entwickelt, kommt sie an ihren endgültigen Standort, um im nächsten Jahr zu erblühen.
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Die Blätter des Fingerhuts

Es sind die Blätter, in denen sich am Fingerhut der höchste Giftgehalt befindet. Das Gefahrenpotenzial befindet auf dem höchsten Niveau, wenn die zweijährige Pflanze im Jahr der Aussaat einzig eine Blattrosette entwickelt. Dann werden die Blätter schon einmal mit Unkraut verwechselt, sodass der Giftstoff über die Hände unabsichtlich in den Mund gerät. An diesen Attributen identifizieren Sie die hoch-toxischen Fingerhut-Blätter:

  • Grundständige Blätter sind gestielt und bis zu 20 Zentimeter lang
  • Spiralige oder wechselständige Anordnung
  • Blattränder glatt, gekerbt oder gesägt
  • Lanzettlich oder oval geformt
  • Unterseits oder beidseits grau-weiß behaart

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Ist der Fingerhut mehrjährig?

Die Tatsache, dass Fingerhut als zweijährige Pflanze gedeiht, sorgt unter Hobbygärtnern immer wieder für Stirnrunzeln. Ursache für die Verwirrung ist, dass die Pflanze im ersten Jahr einzig eine Blattrosette bildet und im zweiten Jahr erst erblüht. Je nach Art stirbt die Blume vor dem Winter ab oder erscheint im nächsten Jahr ein weiteres Mal in verschwenderischer Farbenpracht, um dann endgültig das Zeitliche zu segnen.
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Ist der Fingerhut winterhart?

Alle bei uns heimischen Fingerhut-Arten sind vollkommen winterhart. Im Beet überstehen sie die kalte Jahreszeit ohne besondere Vorkehrungen. Sofern im Herbst die verblühten Pflanzenteile das optische Erscheinungsbild beeinträchtigen, schneiden Sie die Pflanze einfach bodennah zurück. Mit ein wenig Glück erscheint die Blume im nächsten Jahr ein weiteres Mal, ungeachtet ihrer Zuordnung zu den zweijährigen Pflanzen.

Im Kübel ist der Fingerhut hingegen den Unbilden des Winters gegenüber anfälliger. Hier droht der Wurzelballen durchzufrieren. Schneiden Sie daher die Blume im Herbst zurück und bedecken das Substrat mit Laub, Stroh, Sägemehl oder Nadelreisig. Das Pflanzgefäß erhält einen Wintermantel aus Jute oder Luftpolsterfolie.
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Fingerhut unter Naturschutz

Der Fingerhut zählt zu den Pflanzen, die unter Naturschutz stehen. Das bedeutet, dass Sie die Blume in freier Natur weder pflücken noch ausgraben dürfen. Das ist auch gut so, in Anbetracht des hohen Giftgehaltes.
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Die Fingerhut-Arten

Von den insgesamt 25 Fingerhut-Arten sind diese 3 Prachtexemplare bei uns heimisch:

  • Roter Fingerhut (Digitalis purpurea), ausgestattet mit besonderer Anpassungsfähigkeit für sonnige, halbschattige und schattige Lagen
  • Gelber Fingerhut (Digitalis lutea), zierlich im Wuchs und kalkverträglicher als seine Artgenossen
  • Großblütiger Fingerhut (Digitalis grandiflora), die Pflanze mit den größten Blüten, die eine Länge von 5 Zentimeter erreichen

Darüber hinaus hat sich in wintermilden Lagen der Rostfarbene Fingerhut (Digitalis ferruginea) in Deutschland etabliert.
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Ein Überblick über die schönsten Sorten

Die Pflanzengattung der Fingerhüte umfasst insgesamt 25 Arten, von denen lediglich 4 in den hiesigen Regionen gedeihen. Die folgenden Sorten entstammen daher entweder dem Großblütigen Fingerhut (Digitalis grandiflora), dem Gelben Fingerhut (Digitalis lutea), dem Roten Fingerhut (Digitalis purpurea) oder dem Rostfarbenen Fingerhut (Digitalis ferruginea).

  • Apricot: eine anpassungsfähige Sorte mit eindrucksvollen, gelblich-rosafarbenen Blüten
  • Candy Mountain: eine majestätische Blume mit roten Blüten und einer Höhe von 150-180 cm
  • Alba: die weiß blühende Pflanze streckt sich 150 cm gen Himmel
  • Pam’s choice: die prächtige Digitalis purpurea präsentiert weiße Blüten mit purpurnen Flecken im Schlund
  • Großblütiger Gelber Fingerhut: die gelb-blühende Pflanze besticht mit bis zu 5 Zentimeter langen Glockenblüten
  • Gloxiniaeflora: diese Blume bezaubert mit rot gepunkteten, extra großen Blüten in zartem Rosa und leuchtendem Pink
  • Snow Thimble: die weiß blühende Pflanze strahlt die einzigartige Eleganz eines Fingerhutes aus
  • Primerose Carousel: die gelbe Blume empfiehlt sich für die Kübelkultur dank einer Wuchshöhe von lediglich 75 cm
Text: Paula Jansen

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