Felsenbirne schneiden – Tutorial für einen tadellosen Schnitt

Weißes Blütenmärchen im April, schwarzblaue, essbare Beeren im Spätsommer und leuchtende Laubfärbung im Herbst machen die Felsenbirne zu einem Juwel für den heimischen Garten. Kreative Hausgärtner wissen die Schnittverträglichkeit einer Amelanchier zu schätzen. Die individuelle Schnittführung verleiht dem Zier- und Obstgehölz vollkommen unterschiedliche Erscheinungsformen. Dieses Tutorial macht Sie vertraut mit dem richtigen Schnitt für eine langjährige Erhaltung als Strauch oder kleinen Baum.

Felsenbirne Rückschnitt
Ein Auslichtungsschnitt birgt Verkahlung vor und fördert Blütenreichtum

Empfehlenswerte Schnittarten und Termine

Die schnitt-technische Formbarkeit einer Felsenbirne inspiriert fantasievolle Hausgärtner zu mannigfaltigen Erziehungsformen. Wahlweise gedeiht das blütenreiche Obstgehölz als Strauch oder Baum im Garten und passt sich flexibel den vorhandenen Platzkapazitäten an. Praxiserprobte Schnittarten mit Hinweisen zum vorteilhaften Termin fasst folgende Tabelle zusammen:

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SchnittartZiel/Anlassbester Termin
Auslichtungsschnitt StrauchErhaltung von Blütenpracht und FruchtertragEnde Februar bis Anfang März
Erziehungsschnitt BaumErziehung zum kleinen BaumEnde Februar bis Anfang März
Verjüngungsschnittvergreiste Felsenbirne verjüngenSpätwinter (Januar bis Februar)

Felsenbirnen-Strauch alljährlich auslichten

In Bezug auf die Langlebigkeit von Blütenholz haben Felsenbirnen die Nase vorn. Im Gegensatz zu klassischen Frühlingsblühern, wie Forsythien oder Weigelien, tragen am Felsenbirnenstauch auch betagte Äste ein Meer aus weißen Sternenblüten. Das reduziert die Schnittpflege auf einen jährlichen Auslichtungsschnitt, damit der Strauch lichtdurchflutet gedeiht und bis tief ins Zentrum ein dichtes Blätterkleid trägt. Den Schnittumfang bestimmen Sie selbst. Wahlweise entfernen Sie einzelne Bodentriebe vollständig oder Sie verschlanken lediglich stark verästelte Spitzen. So schneiden Sie einen Felsenbirnen-Strauch richtig:

  • Bester Zeitpunkt ist im Februar an einem milden, frostfreien Tag
  • Mit Säge oder Zweihand-Astschere mindestens zwei der ältesten Bodentriebe am Ansatz abschneiden
  • Im Austausch dazu die beiden kräftigsten, unverzweigten Bodentriebe stehen lassen
  • Übrige, vorjährige Austriebe aus dem Wurzelstock bis zum Ansatz einkürzen
  • Verbliebene Gerüsttriebe bei Bedarf zurückschneiden oder verschlanken mittels Ableitungsschnitt

Untenstehende Abbildung verdeutlicht die Schnittführung am älteren Felsenbirnen-Strauch. In den ersten 6 bis 10 Jahren erübrigt sich die Auslichtung, weil über diesen Zeitraum ein Bodentrieb blühfreudig bleibt. Die prächtigste Blütenfülle trägt eine Felsenbirne an den zwei-, drei- und vierjährigen Trieben. An älteren Gerüsttrieben ist die Blütenpracht immer noch sehenswert, bis sie sukzessive nachlässt und den ersten Auslichtungsschnitt sinnvoll macht.

Felsenbirne auslichten

Lichten Sie jedes Jahr im Februar die beiden ältesten Bodentriebe aus. Neigen sich stark verzweigte Triebspitzen zu Boden, sorgt eine Verschlankung für Entlastung. Leiten Sie diese Gerüsttriebe ab auf einen weiter hinten befindlichen, nach außen gerichteten Seitentrieb.

Höhenwachstum geschickt korrigieren – so gelingt der Ableitungsschnitt

Hausgärtner lassen sich häufig dazu verleiten, das Höhenwachstum einer Felsenbirne zu kontrollieren, indem die Triebe an einer beliebigen Stelle eingekürzt werden. Das hat zur Folge, dass unterhalb der Schnittpunkte ein starker Austrieb stattfindet. Im Laufe der Jahre entwickeln sich dicke, massiv verästelte Besenköpfe an den Triebspitzen, die den gesamten Ast zu Boden ziehen. Der ehemals schlanke, straff aufrechte Blütenstrauch fällt regelrecht auseinander. Statt mit dem unnatürlichen Erscheinungsbild zu hadern, sollten Sie Ihre Felsenbirne mit einem gekonnten Ableitungsschnitt in Höhe und Optik korrigieren. So gelingt der Plan:

  • Im Anschluss an die Auslichtung verbliebene Bodentriebe mit stark verzweigten Köpfen beschneiden
  • Als Schnittpunkt einen jungen, nach außen gerichteten Seitentrieb wählen
  • An der Gabelung von altem und jungem Holz schneiden

Positiver Nebeneffekt einer lokalen Verjüngung und Verschlankung ist eine fachkundige Höhenkontrolle, ohne dass im Strauch eine unschöne Lücke entsteht. Ein Schnittzeitpunkt im Februar hat fernerhin den Vorteil, dass Sie die schwellenden Blütenknospen erkennen können, um an diesen Stellen nicht zu schneiden.

Hintergrund

Verantwortungsvolle Gärtner schneiden vor dem 1. März

Traditionell werden früh blühende Sträucher bei Bedarf nach der Blütezeit geschnitten. Das gilt nicht für den tiefgreifenden Auslichtungsschnitt einer Felsenbirne. Neigt sich das furiose Blütenschauspiel im Mai dem Ende zu, hat die Brutzeit unserer Vögel längst begonnen. Im naturnahen Garten lassen umsichtige Gärtner Schere und Säge jetzt ruhen, um ihre gefiederten Freunde nicht bei der Familiengründung zu stören. Das Bundesnaturschutzgesetz verleiht dieser Anforderung Nachdruck, indem umfangreiche Gehölzschnitte begrenzt sind auf die Zeit vom 1. Oktober bis 28. Februar.

Felsenbirne erziehen zum kleinen Baum

Wer sich in Geduld fasst, den erfreut die Felsenbirne in späteren Jahren als mehrstämmiger Kleinbaum, ohne vorherige Schnitterziehung. Angesichts einer gemächlichen Wuchsgeschwindigkeit von 20 bis 25 Zentimetern pro Jahr kann sich dieser Prozess über lange Zeit hinziehen. Schneller geht es, indem Sie einen Jungstrauch fachgerecht zum Baum erziehen. Mit dieser Schnittführung gelingt es:

  • Bester Zeitpunkt ist alljährlich im Februar
  • Am Pflanztag den kräftigsten Trieb als zukünftigen Stamm auswählen und an einen Stützpfahl binden
  • Übrige Bodentriebe ebenso entfernen, wie Seitenverzweigungen entlang des Mitteltriebs
  • Mitteltrieb am Stützpfahl in die gewünschte Höhe geleiten und regelmäßig anbinden
  • Konkurrenztriebe am Ansatz abschneiden
  • Aus dem Mitteltrieb sprießende Seitenverzweigungen bis kurz vor der Rinde zurückschneiden

Um die Verzweigung zur Krone einzuleiten, warten Sie bitte ab, bis sich die Mitteltrieb-Spitze mindestens 4 Knospen über dem erwünschten Kronenansatz befindet. Unterhalb der Schnittstelle treiben die Leitäste aus, die als Grundgerüst für die Krone fungieren. Bitte beachten Sie, dass das Stamm-Wachstum in die Höhe nahezu vollständig beendet ist, sobald die Spitzenknospen nicht mehr vorhanden ist.

Exkurs

Mitteltrieb kappen zum richtigen Zeitpunkt – darauf sollten Sie achten

Im Pflanzenreich regiert die Gesetzmäßigkeit der Spitzenförderung, die dem Gärtner Sicherheit verleiht beim Erziehungsschnitt einer Felsenbirne. Ein Mitteltrieb setzt sein Wachstum in die Höhe unvermindert fort, solange er über seine Spitzenknospe verfügt. Weil es an dieser Stelle am schnellsten Richtung Sonnenlicht geht, pumpt die Felsenbirne den Großteil ihrer Nährstoffe dorthin. Tiefer unten angelegte Knospen haben das Nachsehen. Erst wenn Sie die Spitze des Mitteltriebs abschneiden, setzt die Verzweigung zur Krone ein, weil sich der Saftdruck nunmehr gleichmäßiger verteilt. Überlegen Sie daher bitte sorgfältig, wann Sie die oberste Stammknospe abschneiden. Mindestens 4 Knospen, respektive 20 bis 30 Zentimeter, sollten sich zwischen der Spitzenknospe und dem erwünschten Kronenansatz befinden, wenn die Schere zum Einsatz kommt.

Vergreisten Strauch oder Baum verjüngen

Ohne einen Auslichtungsschnitt verwandelt sich die Felsenbirne in ein dichtes, verkahlendes Geflecht aus überalterten, blühfaulen Ästen. Da sich die massiv verdickten Triebe gegenseitig beschatten, sind Blätter, Blüten und Früchte Mangelware im Gehölz. Ein rigoroser Verjüngungsschnitt dreht die Zeit zurück und ebnet den Weg für den Neuaufbau Ihre Felsenbirne. So machen Sie es richtig:

  • Vorab sämtliches Totholz auslichten
  • Von den verbliebenen Gerüsttrieben zwei bis drei Viertel auf Astring abschneiden
  • Übrig gebliebene Bodentriebe um ein Drittel oder die Hälfte einkürzen durch Ableitung

Wie untenstehende Abbildung illustriert, handelt es sich bei einer erfolgreichen Verjüngung um die Kombination aus Auslichtung und Rückschnitt mittels Ableitung. Der darauffolgende Austrieb bietet eine hervorragende Basis für den Neuaufbau Ihrer Felsenbirne.

Häufig gestellte Fragen

Ich habe in einem Forum für Hobbygärtner gelesen, dass die Beeren einer Felsenbirne leicht giftig sind. Stimmt das?

Die Beeren einer Felsenbirne sind definitiv nicht giftig. Vielmehr können Sie die schwarzblauen Früchte nicht nur zu fruchtiger Marmelade oder erfrischendem Kompott zubereiten, sondern auch frisch vom Strauch naschen. Unter Experten werden die Beeren der Sorte Saskatoon (Amelanchier alnifolia) sogar als Superfood gehandelt aufgrund eines hohen Gehaltes an Vitaminen, Mineralien und Antioxidantien. Lediglich die Samen sollten nicht zerkaut und geschluckt werden, da sie Glykoside enthalten, die in großen Mengen Übelkeit verursachen können. Unzerkaut passieren die Samen Magen und Darm, ohne Beschwerden zu verursachen, ähnlich, wie bei Apfelkernen.

Gedeiht die Echte Felsenbirne als Strauch oder Baum?

Bei einer Echten Felsenbirne (Amelanchier rotundifolia ssyn. Amelanchier ovalis) handelt es sich um einen mehrstämmigen Strauch. Innerhalb der Gattung Felsenbirne ist dies die einzige heimische Art und entsprechend robust und winterhart. Im Laufe der Jahre erzielt das Blüten- und Obstgehölz eine Höhe von 300 Zentimetern mit leicht überhängenden Zweigen. Die beliebte Kupfer-Felsenbirne (Amelanchier lamarckii) streckt sich 600 Zentimeter gen Himmel und wird ebenso breit. Im Laufe der Zeit gedeiht der Großstrauch als mehrstämmiger, kleiner Baum. Veredelte Sorten, wie Felsenbirne Amelanchier Princess Diana sind in Baumschulen als Strauch oder fertig erzogener Hochstamm erhältlich. Von Natur aus als mehrstämmiger Baum gedeiht die nicht einheimische Baum-Felsenbirne Amelanchier arborea, die in Nordamerika beheimatet ist und eine Wuchshöhe von 6 bis 8 Metern erzielt.

Ist die Felsenbirne selbstfruchtend oder sind weitere Exemplare erforderlich, damit der Strauch Früchte trägt?

Alle Arten und Sorten der Felsenbirne gedeihen als selbstfruchtende Obstgehölze. Als Solitär beschert Ihnen der Strauch folglich zahlreiche schwarzblaue Beeren im Herbst. Indem Sie eine zweite Sorte in räumlicher Nähe ansiedeln, lässt sich der Ertrag deutlich erhöhen.

Die 3 häufigsten Schnittfehler

Eine verkahlte, blühfaule Felsenbirne mit besenartigen Triebspitzen ist das Resultat typischer Missverständnisse in der Schnittpflege. Die folgende Tabelle nennt die drei häufigsten Schnittfehler, weist auf charakteristische Schadbilder hin und gibt Tipps für die Vorbeugung:

SchnittfehlerSchadbildVorbeugung
nie ausgelichtetverkahltes Wachstum, wenige Blüten und Beerenalljährlichen Auslichtungsschnitt durchführen
zu lange Triebe willkürlich eingekürztbesenartig verästelte Triebköpfe, Strauch fällt auseinanderimmer einkürzen mittels Ableitungsschnitt
Mitteltrieb beim Erziehungsschnitt zu früh beschnittenkümmerliches HochstämmchenSpitzenknospe am Mitteltrieb frühestens 4 Knospen über Kronenansatz beschneiden

Tipps

Schmückt eine erste Felsenbirne den Garten, erübrigt sich der Erwerb weiterer Jungsträucher. Im Frühsommer geschnittene Kopfstecklinge bewurzeln innerhalb weniger Wochen im Anzuchttopf oder halbschattigen, geschützten Vermehrungsbeet. Pünktlich zur besten Pflanzzeit im Herbst haben sich die Ableger in vitale Felsenbirnen verwandelt, die Sie am vorgesehenen Standort pflanzen können.

Text: Paula Jansen

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