Bauernorchidee pflanzen und pflegen

Die Bauernorchidee überzeugt mit ihrer üppigen Blütenbildung, die durch entsprechende Pflegemaßnahmen gefördert werden kann. Wenn Sie die Standortbedingungen berücksichtigen, haben Sie eine pflegeleichte Zierpflanze, die vielseitige Verwendungsmöglichkeiten bietet. Die krautigen Pflanzen eignen sich für das Freiland und den Innenbereich.

Herkunft

Die Bauernorchideen stammen ursprünglich aus Südamerika, wo sie in den Küstenregionen Chiles wachsen. Ihr Areal erstreckt sich von Antofagasta im Norden bis zum Llanquihue-See im Süden. Zwei der zwölf Arten innerhalb dieser Gattung gelang die Ausbreitung über die Hochgebirgsregionen der Anden bis nach Argentinien. Diese Arten zeichnen sich durch besonders robuste Eigenschaften aus. Durch Schiffsreisen gelangten Bauernorchideen in verschiedene Teile der Welt, wo sie als einjährige Pflanzen kultiviert werden.

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Blüte

Die krautigen Pflanzen entwickeln Blüten mit fünf Kronblättern, die spiegelsymmetrisch ausgebildet sind. Ein Kronblatt steht nach vorne ab, während zwei zur Seite neigen. Die zwei hinteren Kronblätter sind zu einem Schiffchen verwachsen und nach hinten gebogen. Jede Blüte steht auf einem Blütenstiel, der sich im Laufe der Wachstumsperiode zurück biegt. Wenn die Pflanzen in voller Blüte stehen, sind die Blütenstiele um 72 Grad gedreht. Anders als andere Nachtschattengewächse entwickeln Bauernorchideen frei stehende Kelchblätter.

Die Blütezeit erstreckt sich vom Frühling bis in den Spätsommer, wobei die Pflanzen mehrmals zur Blüte kommen. Bauernorchideen sind selten rein Weiß gefärbt. Die Farbpalette der Blüten ist breit gefächert und reicht von Rot über Gelb bis zu Blau und Schwarz. Sie können einfarbig oder mehrfarbig erscheinen. Verschiedenfarbige Exemplare entwickeln auffällige Zeichnungen im Blütenzentrum. Typisch ist ein gelb-schwarz gefärbtes Blütenauge. Einfarbige Zuchtformen tragen rosafarbene, rote oder weiße Farbnuancen. Die Farbkraft der Bauernorchideen ist intensiv und zeichnet sich durch eine hohe Leuchtkraft aus.

Frucht

Die Pflanzen entwickeln eiförmige Kapselfrüchte, deren Spitze stumpf oder abgerundet ausläuft. In einer Frucht sind zwischen zwölf und 34 Samen enthalten, die nur zwei Millimeter lang sind. Die Früchte können bis zu zehn Millimeter groß werden. Sie entwickeln sich mehrmals im Jahr. Die erste Fruchtreife erfolgt im Mai. Zur letzten Fruchtentwicklung kommt es im September.

Blätter

Bauernorchideen entwickeln fein gegliedertes Laub, welches sich flach über das Substrat legt. Die Blätter sind stark eingeschnitten, sodass ein gefiedertes Erscheinungsbild entsteht. Die Teilabschnitte haben einen grob gezackten Blattrand. Die Blätter wachsen zwischen drei und neun Zentimeter lang. Sie bilden mit ihrem saftig glänzenden Grün einen ästhetischen Kontrast zu den bunt gefärbten Blüten. Im Herbst verwelken die Blätter.

Wachstum

Die Mehrzahl der Bauernorchideen wächst einjährig. Nur selten wachsen die Pflanzen über zwei Vegetationsperioden. Die Ziergewächse werden als Einjährige kultiviert. Sie verholzen teilweise an ihrer Basis und wachsen zwischen 25 und 100 Zentimeter hoch. Die gesamte Pflanze ist klebrig, da die Oberflächen der Blätter, Stängel und Blüten mit Drüsen besetzt sind, die ein zähes Sekret produzieren.

Ist Bauernorchidee giftig?

Bauernorchideen enthalten einen hohen Anteil an verschiedenen Alkaloiden, die nach einem Verzehr Giftwirkungen hervorrufen. Die chemischen Verbindungen sind stickstoffhaltige organische Substanzen, die von den Pflanzen sekundär in bestimmten Zellen gebildet werden. Alle Pflanzenteile der Bauernorchidee besitzen Alkaloide, die schon in geringen Dosen starke Auswirkungen auf den Organismus von Tieren haben. Beim Menschen rufen sie Beschwerden im Magen- und Darmbereich hervor, die zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen können.
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Verwendung

Schon seit dem Aufkommen der Bauerngärten gelten die einjährigen Pflanzen als beliebte Ziergewächse. Sie schmücken hauptsächlich während der Osterzeit Balkone und Terrassen. Bauernorchideen dekorieren Tische und Bänke in Eingangsbereichen und schaffen eine frühlingshafte Atmosphäre neben Haustüren und auf Treppenstufen. Sie erzeugen im Garten einen wilden Charakter und verwunschene Oasen. Die Zierpflanzen eignen sich ideal für ländlich-rustikale Themengärten.

Die Zierpflanzen, die auch unter dem Namen Spaltblumen bekannt sind, eignen sich für den Innenbereich und das Freiland. Bauernorchideen können als Solitär im Topf kultiviert werden. Sie gedeihen in kleinen Gruppen im Gartenbeet unter Bäumen oder auf der freien unbeschatteten Fläche. Sie entfalten ihre Wirkung besonders gut in der Nähe von blühenden Hecken und Sträuchern. Pfaffenhütchen und Kornelkirschen sind ideale Pflanzpartner. Bauernorchideen harmonieren mit Schleifenblumen, Männertreu, Malven und Margeriten.

Welcher Standort ist geeignet?

Achten Sie auf einen geschützten Standort, an dem kein Wind weht. Bauernorchideen mögen einen Platz mit sonnigen Bedingungen. Auch an einem halbschattigen Standort fällt die Blütenpracht üppig aus, wenn die Pflegebedingungen stimmen. Schattige Standorte sind möglich, sorgen aber für eine geringere Blütenentwicklung.

Wenn Sie Ihre Bauernorchidee im Kübel kultivieren, liefern Eingangsbereiche, Terrassen und Treppenaufgänge ideale Standorte. Im Freiland wachsen die Pflanzen gerne unter Bäumen oder bei guter Wasserversorgung an vollsonnigen Plätzen.

Welche Erde braucht die Pflanze?

Die Pflanzen bevorzugen ein gut durchlässiges Substrat mit einem hohen Anteil an Humus. Komposterde oder Stallmist eignen sich ideal, um die Erde anzureichern. Der Boden sollte gut durchlässig sein, damit keine Staunässe entsteht. Sie können schwere Erde mit Sand mischen, um die Bodeneigenschaften für die Bauernorchidee zu verbessern.

Aussaat

Streuen Sie die Samen auf die Erde. Bauernorchideen sind Lichtkeimer. Achten Sie darauf, dass die Samen nicht von Erde bedeckt werden. Benetzen Sie die Samen gleichmäßig mit Wasser. Nutzen Sie dafür eine Sprühflasche, da ein kräftiges Gießen das Erdreich aufschwemmt und die Samen in gestauter Nässe schwimmen würden. Wickeln Sie ein lichtdurchlässiges Vlies um das Pflanzgefäß, damit die Luftfeuchtigkeit konstant bleibt. Lüften Sie einmal am Tag, um eine Schimmelbildung vorzubeugen.

Stellen Sie das Pflanzgefäß an einen hellen Standort mit Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad Celsius am Tag. In der Nacht sollten die Temperaturen nicht unter 18 Grad Celsius sinken. Achten Sie darauf, dass das Pflanzgefäß an einem windgeschützten Platz steht. Unter optimalen Bedingungen beginnen die Samen nach drei Tagen zu keimen. Normalerweise dauert es sieben Tage, bis sich die ersten Anzeichen einer Keimung zeigen.

Was ist die beste Pflanzzeit?

Jungpflanzen, die im März angezogen wurden, sind zwischen April und Mai bereit für ein Anpflanzen im Freiland. Pflanzen, die Sie im Herbst vorgezogen haben, können Sie bereits ab Mitte März in Töpfe umsetzen und an einen geschützten Ort stellen. Wenn Sie die Samen direkt im Beet aussäen möchten, können Sie damit im März beginnen.

Der richtige Pflanzabstand

Pflanzen Sie Bauernorchideen nicht zu eng. Die Ziergewächse benötigen im Freiland Platz zueinander, damit das Laub nach einem Regenguss schnell abtrocknen kann. Zu dicht gesetzte Bestände begünstigen ein feuchtes Mikroklima, in dem Pilzsporen optimale Wachstumsbedingungen vorfinden. Ideal ist ein Abstand von mindestens 20 Zentimetern zum nächsten Pflanzpartner.

Balkon

Bauernorchideen sind ideale Pflanzen für den Balkon. Hier gedeihen sie im Balkonkasten prächtig. Als Kübelpflanze kultiviert eignen sie sich perfekt für die frühzeitige Dekoration von Balkonen. Ab März können Sie die Bauernorchidee auf den Balkon stellen. Die Pflanze verträgt Temperaturen bis zu -7 Grad Celsius ohne Probleme.

Im Gewächshaus

Für die Anzucht der Samen sind Gewächshäuser (270,99€ bei Amazon*) ideal geeignet, da sie eine hohe und gleichbleibende Luftfeuchtigkeit gewährleisten. Hier können Sie selbst gesammelte oder aus dem Fachhandel bezogene Samen im Herbst aussäen. Achten Sie darauf, das Gewächshaus an einen gleichbleibend warmen Ort zu stellen. Sobald die Jungpflanzen etwa einen Zentimeter hoch gewachsen sind, sollten sie in größere Pflanzgefäße umgesetzt werden. Wenn Sie ein ausreichend großes Gewächshaus besitzen, entfällt das Umsetzen. Im folgenden Frühjahr sind die Pflanzen bereit für eine Pflanzung im Kübel oder Freiland.

Bauernorchidee im Topf

Bauernorchideen eignen sich ideal für die Kultivierung im Kübel. Die Gefäße können schon früh im Jahr nach draußen gestellt werden. Die Pflanzen sind an schwankende Temperaturen angepasst und haben mit Spätfrösten keine Probleme.

Bauernorchidee vermehren

Zur Vermehrung der einjährigen Pflanzen eignen sich die Samen, die sich mehrmals im Jahr entwickeln. Allerdings produziert nicht jede Zuchtform keimfähige Samen. Das können Sie herausfinden, indem Sie die Samen auf feuchte Erde aussäen und beobachten. Lassen Sie die verblühten Blütenstängel stehen, sodass die Früchte reifen können. Da die Samen wenige Millimeter groß sind, erfordert das Absammeln etwas Fingerspitzengefühl. Alternativ können Sie Samen aus dem Handel beziehen.

Die Samen behalten ihre Keimfähigkeit über mehrere Monate, sodass Sie diese auch vor der Aussaat lagern können. Achten Sie auf einen kühlen und trockenen Aufbewahrungsort, denn warme Temperaturen und Feuchtigkeit regen die Samen zum Keimen an. Sammeln Sie die Samen in einer Papiertüte.

Bauernorchidee richtig schneiden

Nach der ersten Blühphase im Mai fördert ein kräftiger Rückschnitt die Entwicklung einer zweiten Blüte. Trennen Sie die verwelkten Blütenstängel ab. Bauernorchideen können um zwei Drittel zurückgeschnitten werden. Die Pflanze entwickelt zahlreiche Seitentriebe, an denen neue Blüten entstehen. Wenn Sie die Pflanze vermehren möchten, sollten Sie mit dem Rückschnitt der Stängel bis zur Fruchtreife warten. Schneiden Sie verwelkte Blätter regelmäßig ab, damit keine Fäulnis entsteht.

Sie können verwelkte Blüten das ganze Jahr über entfernen. Ein letzter Rückschnitt erfolgt im August. Die Pflanze wird ständig neue Triebe entwickeln, bis die letzten Blüten im September verwelkt sind. Achten Sie nach starken Regenfällen darauf, abgebrochene Stängel abzuschneiden. Dadurch verhindern Sie, dass die Pflanzenteile zwischen den frischen Trieben verfaulen.

Nutzen Sie eine scharfe Gartenschere, damit das Gewebe beim Schnitt nicht einreißt. Kleine Wunden bieten Pilzsporen einen guten Nährboden, wenn die Bedingungen sehr feucht sind.

Bauernorchidee richtig düngen

Bauernorchideen haben einen hohen Energiebedarf, der zur Zeit der Blütenentwicklung zusätzlich steigt. Düngen Sie die Pflanzen alle zwei Wochen. Diese Nährstoffversorgung führt zu einer üppigen Blütenentwicklung, sodass die Blätter der Pflanze unter der Blütenpracht kaum zu erkennen sind. Verwenden Sie Balkonblumendünger oder Flüssigdünger, der mit Guano (13,24€ bei Amazon*) angereichert wurde.

Jungpflanzen benötigen keine Düngung. Die Pflanzen sollten mindestens acht Wochen alt sein, wenn sie erstmalig gedüngt werden. Nach kräftigen Rückschnitten benötigen Bauernorchideen eine zusätzliche Düngung, damit sie sich schnell regenerieren können.

Bauernorchidee gießen

Die Zierpflanzen zeichnen sich durch einen hohen Wasserbedarf aus. Lassen Sie den Erdballen nie vollständig austrocknen und halten Sie die Erde im Kübel und Freiland gleichmäßig feucht. Bauernorchideen vertragen keine Staunässe, weswegen das Pflanzgefäß ein Abzugsloch haben sollte. Gießen Sie Kübelpflanzen nur über den Untersetzer. Freilandpflanzen werden an der Basis gegossen. Bauernorchideen reagieren äußerst sensibel, wenn die Blüten nass werden. Sie sehen nach einem Regenschauer unschön aus, da die Kronblätter schlaff herunterhängen. Intensive Niederschläge können dazu führen, dass Blütenstängel abbrechen. Die Pflanzen regenerieren sich meist schnell.

Pikieren

Nach etwa zwei Wochen werden die Jungpflanzen aus dem Anzuchtgefäß in einen größeren Topf umgepflanzt. Sie sollten mindestens einen Zentimeter hoch gewachsen sein. Wenn die Pflanzen zehn Zentimeter erreicht haben, können Sie die Spitzen abschneiden. Dadurch fördern Sie ein buschiges Wachstum.

Pilzbefall

Unter zu feuchten Bedingungen können Bauernorchideen von Pilzen befallen werden. Staunässe ist eine der häufigsten Ursachen für Pilzkrankheiten. Wenn die Wurzeln faulen, finden Sporen einen idealen Nährboden vor und breiten sich aus. Die Wurzeln können nicht mehr genügend Nährstoffe und Wasser aus dem Boden ziehen, sodass die Blütenpracht nachlässt und die Pflanze verwelkt.

Zu dicht gepflanzte Bestände begünstigen ein feuchtes Milieu, da die Pflanze nicht mehr ausreichend belüftet wird. Verwelkende Blätter, die nicht rechtzeitig entfernt wurden, bieten den Sporen gute Wachstumsbedingungen. Setzen Sie die Pflanzen im Beet nicht zu dicht nebeneinander und entfernen Sie abgestorbenes Pflanzenmaterial regelmäßig.

Schädlinge

Aufgrund der enthaltenen Alkaloide sind Bauernorchideen uninteressant für Schädlinge. Sie werden nicht von Blattläusen befallen und bieten Schnecken und Käfern keine attraktive Nahrungsquelle.

Winterhart

Als einjährige Pflanze können Sie die Bauernorchidee nicht überwintern. Nachdem das Gewächs im Herbst verwelkt ist, können Sie die Reste kompostieren. Im Frühjahr vertragen ausgewachsene Pflanzen Temperaturen, die nicht unter -7 Grad Celsius fallen. Jungpflanzen sollten hereingeholt werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Pflanzen durch Nachtfröste geschädigt werden.
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Tipps

Schneiden Sie die verwelkten Blüten möglichst tief ab und kürzen Sie die Pflanzen seitlich etwas ein. Drücken Sie die Pflanzen leicht zur Seite und mischen Sie etwas frischen Kompost unter die Erde. Gießen Sie die Pflanzen kräftig an. Nach drei Wochen steht die Bauernorchidee in voller Blüte.

Sorten

  • Tinkerbell: Blüht in Rosa, Hellviolett und Weiß mit gelb-schwarzem Blütenauge. Blütezeit zwischen Juni und Oktober. Erreicht Wuchshöhen zwischen 50 und 60 Zentimeter.
  • Compacta: Fein eingeschnittene Blätter. Blüten einfarbig oder mehrfarbig mit roten, gelben und weißen Nuancen. Wächst zwischen 30 und 40 Zentimeter hoch.
  • Abgestumpfte Spaltblume: Entwickelt handgroße Blüten mit sternförmigen Kelchblättern. Ausgeprägtes Wachstum mit dicht verzweigen Trieben und zahlreichen Blütenwolken. Kronblätter goldgelb mit roter Aderung, Kelchbätter kräftig rot oder pink. Blüht zwischen Juli und September. Wächst zwischen 70 und 90 Zentimeter hoch.
  • Gefiederte Spaltblume: Blüten strahlen in hellem Rosarot, Rubinrot oder Dunkelviolett. Blütezeit erstreckt sich über den Spätsommer. Wächst bis zu 90 Zentimeter hoch.
  • Hybrid-Spaltblume: Fein gegliedertes Laub. Blüten sind rot-weiß, creme-gelb, violett-gelb oder in verschiedenen Pinktönen gefärbt. Wird bis 80 Zentimeter hoch.


Text: Christine Riel
Artikelbild: Dorothy Chiron/Shutterstock

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