Sichtschutz im Kleingarten – ein schwieriges Thema

Hinter der Bezeichnung „Kleingarten“ verbirgt sich im Allgemeinen kein allein durch die relativ kleine Gartenfläche definiertes Freizeitgrundstück, sondern eine gelegentlich auch als „Schrebergarten“ bezeichnete Gartenparzelle in einer Kleingartenkolonie. Da das nachbarschaftliche Verhältnis in einer solchen Anlage ganz bestimmte Herausforderungen bereithält, erfordert die Errichtung einer Alternative zur klassischen Sichtschutzwand etwas Kreativität.

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Ein lebendiger Sichtschutz ist eine schöne Option, sich vor Blicken zu schützen

Kleingartenanlagen sind in der Regel Vereine und auf das Miteinander ausgerichtet

Traditionell sind die meisten Kleingartenanlagen entstanden, um Menschen in gartenlosen Wohnverhältnissen den Zugang zu einem eigenen Stück Land in der Natur und dessen Bewirtschaftung zum Anbau von Obst und Gemüse zu ermöglichen. Früher war es geradezu ein Grundprinzip dieser Schrebergärten, dass sich die verschiedenen Mitglieder bei zahlreichen Tätigkeiten gegenseitig unterstützt haben und sich über den Gartenzaun hinweg mit Rat und Tat zur Seite standen. Nun vollzieht sich allerdings momentan teilweise ein Generationenwechsel und für viele jüngere Kleingärtner steht weniger die Sehnsucht nach kleinbürgerlichem Bewirtschaften der eigenen „Scholle“, sondern der Rückzugsort zum Entspannen mit Freunden und Familie im Grünen im Vordergrund. Die gegenseitige Rücksichtnahme erfordert bei den beengten Platzverhältnissen einer Kleingartenanlage nach den meisten Vereinssatzungen nach wie vor:

  • die Beschränkung baulicher Grundstückseinfriedungen auf meistens etwa 125 cm Höhe
  • das Verbot hoher Sichtschutzhecken
  • die Vermeidung von unnötigem Schattenwurf auf Nachbargrundstücke

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Tricks und Kniffe für einen regelkonformen Sichtschutz

Die meisten Satzungen von Kleingärtnervereinen lassen keinerlei hohe Sichtschutzwände, Hecken oder heckenähnliche Anordnungen von Sträuchern zu. Trotzdem gibt es durchaus Möglichkeiten, sich dezent etwas mehr Privatsphäre zu verschaffen. Oftmals werden die Kleingärten in den Anlagen ohnehin nur an bestimmten Tagen der Woche oder am Wochenende aufgesucht. Soll dann beispielsweise im Frühjahr oder Sommer der neugierige Nachbar optisch von der eigenen Sonnenliege abgehalten werden, können einige Kübelpflanzen schnell temporär in Position gestellt werden. Auch seitlich ausziehbare Markisen sind eine moderne und durchaus praktische Möglichkeit, um die Grill- und Sitzecke für die Dauer der Nutzung unter dem Argument des „Schutzes vor Windböen“ optisch abzuschirmen. Solche zeitlich begrenzten Arten der „Abschottung“ fallen in der Regel nicht einmal den belesenen Paragraphenreitern eines Kleingartenvereins auf.

Mit einjährigen Pflanzen und durchdachter Gartenplanung für etwas Privatsphäre sorgen

Da Kleingärten bis heute laut den einschlägigen gesetzlichen Regelungen auf mindestens einem Drittel ihrer Fläche zum Anbau von Obst und Gemüse genutzt werden sollen, haben die örtlichen Vereinsverantwortlichen nur selten etwas gegen Bewuchs dieser Art einzuwenden. Als saisonaler Ersatz für einen dauerhaften, lebenden Zaun können also meistens problemlos entsprechende Kletterpflanzen wie rankende Bohnen an einer geeigneten Rankhilfe zum Einsatz kommen. Auch klug platzierte Hochbeete erfüllen ihren Zweck, ohne gleich demonstrativ ein Gefühl bewusster Abschottung zu provozieren.

Tipps

Mit einer durchdachten Planung lassen sich die Sichtachsen auch im Kleingarten so gestalten, dass zwischen Gewächshaus, Spalierobst und Hochbeeten für den Gemüseanbau eine etwas geschützte Ecke für einen gemütlichen Sitzplatz an der Sonne bleibt.

Text: Alexander Hallsteiner
Artikelbild: Vitalii Kirdan/Shutterstock

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