Mirabelle

Mirabelle von Nancy und mehr: Beliebte Sorten im Überblick

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Die Mirabelle, eine Unterart der Pflaume, begeistert mit aromatischen Früchten und vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten. Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick über die beliebtesten Sorten, die richtige Pflanzung und Pflege sowie die Nutzung der Früchte.

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Die Mirabelle von Nancy trägt oft leicht rötliche Früchte

Die Mirabelle: Eine Unterart der Pflaume

Die Mirabelle (Prunus domestica subsp. syriaca) gehört zur Familie der Rosengewächse und ist eine Unterart der Pflaume. Sie ist nah verwandt mit Steinfrüchten wie Aprikosen, Pfirsichen und Kirschen.

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Der Ursprung der Mirabelle liegt vermutlich in einer Kreuzung zwischen Schlehe (Prunus spinosa) und Kirschpflaume (Prunus cerasifera). Sie kommt ursprünglich aus dem Nahen Osten und wurde um 1900 nach Süd- und Mitteleuropa eingeführt. Heute hält Deutschland etwa 70 % der Weltproduktion.

Bekannte Mirabellensorten

Es gibt viele Mirabellensorten mit unterschiedlichen Merkmalen. Einige der bekanntesten Sorten sind:

  • ‚Mirabelle von Nancy‘: Selbstfruchtend und in Frankreich seit 1490 angebaut. Mittelgroße, goldgelbe Früchte mit rötlichen Punkten, die in der zweiten Augusthälfte reifen. Der Baum ist ertragreich und eignet sich für kleine Gärten.
  • ‚Mirabelle von Metz‘: Diese Sorte ist ebenfalls selbstfruchtend und bekannt für hohe Erträge. Die kleineren, einheitlich gelben Früchte eignen sich besonders zum Einmachen.
  • ‚Bellamira‘: Große, goldgelbe und rot gepunktete Früchte, die zwischen Mitte August und Mitte September reifen. Die Sorte ist widerstandsfähig gegen Krankheiten und Schädlinge und erinnert geschmacklich an Renekloden.
  • ‚Miragrande‘: Produziert große, festfleischige Früchte, die an Renekloden erinnern und etwas früher als die ‚Nancy‘ reifen.
  • ‚Aprimira‘: Auch bekannt als „Aprikosenmirabelle“ mit besonders festen, aromatischen und süßen Früchten, die Mitte August reifen.

Diese Sorten bieten verschiedene Vorteile in Bezug auf Geschmack, Größe und Widerstandsfähigkeit und decken somit unterschiedliche Vorlieben und Nutzungen ab.

Wuchsformen und Schnitt des Mirabellenbaums

Mirabellenbäume gibt es in verschiedenen Wuchsformen: Buschbaum, Halbstamm und Hochstamm. Die Baumkrone eines Buschbaums beginnt bei ca. 50 cm, beim Halbstamm bei etwa 100 cm und beim Hochstamm bei mindestens 180 cm. Die Wahl der Wuchsform beeinflusst die Höhe und Breite des Baums und somit auch die Standortwahl.

Regelmäßiger Schnitt ist entscheidend für eine gute Krone und Fruchtbildung. Es gibt verschiedene Schnittarten:

  • Erziehungsschnitt (in den ersten fünf Jahren): Entwickelt die gewünschte Kronenform und wird am besten im Sommer durchgeführt.
  • Auslichtungsschnitt: Fördert Lichtdurchlässigkeit und Fruchtbildung durch das Entfernen alter und abgestorbener Äste.
  • Verjüngungsschnitt (bei älteren Bäumen): Regt das Wachstum neuer Triebe an, indem verholzte und in die Krone wachsende Äste entfernt werden.

Im Winter sollte der Baum nicht geschnitten werden, da er Ruhe benötigt.

Pflanzung und Pflege des Mirabellenbaums

Mirabellenbäume bevorzugen sonnige und warme Standorte mit gut durchlässigem Boden und brauchen viel Platz. Eine regelmäßige Bewässerung, besonders in trockenen Sommern, ist wichtig für Ertrag und Gesundheit. Eine sparsame Düngung im Frühjahr fördert Wachstum und Fruchtbildung.

Alte und abgestorbene Äste sollten regelmäßig entfernt werden, um die Baumstruktur zu erhalten. Mirabellenbäume können auch in Töpfen gehalten werden, wobei im Winter zusätzlicher Frostschutz notwendig ist. Frühjahrsfröste können Blüten schädigen, daher ist ein geschützter Standort von Vorteil.

Schädlinge und Krankheiten

Mirabellenbäume können von verschiedenen Schädlingen und Krankheiten betroffen sein, darunter:

  • Pflaumenwickler: Larven fressen sich in die Früchte und verursachen vorzeitigen Fruchtfall.
  • Scharka-Krankheit: Virusinfektion durch Blattläuse mit olivgrünen Ringen auf Blättern und roten Pocken auf Früchten.
  • Monilia-Fruchtfäule: Pilzkrankheit mit bräunlichen Flecken auf Früchten.
  • Blattläuse: Verursachen eingerollte Blätter und können die Scharka-Krankheit übertragen.
  • Frostspanner: Raupen fressen junge Blätter und Triebspitzen.

Ökologische Bedeutung

Mirabellenbäume sind ökologisch wertvoll und fördern die Biodiversität. Ihre Blüten bieten Nektar für viele Insekten wie Honigbienen und Wildbienen, die als Hauptbestäuber dienen. Der Baum dient als Lebensraum und Nahrungsquelle für verschiedene Tierarten:

  • Vögel essen die Früchte und bauen Nester in den Bäumen.
  • Kleinsäuger nehmen gefallene Früchte auf.
  • Schmetterlinge nutzen die Blätter als Futterpflanzen für ihre Raupen.
  • Wespen besuchen die Früchte, besonders wenn diese zu gären beginnen.

Ein zusätzlicher genetisch unterschiedlicher Mirabellenbaum im Garten kann den Fruchtertrag signifikant erhöhen und unterstützt somit auch die Tierwelt.

Verwendung von Mirabellen

Mirabellen sind vielseitig nutzbar und bereichern zahlreiche kulinarische Genüsse. Sie können frisch oder auf verschiedene Weisen zubereitet werden:

  • Frischverzehr: Als gesunder Snack.
  • Marmelade und Gelee: Mit süßem und säuerlichem Geschmack.
  • Kompotte und Fruchtmus: Aromatisch und schnell zubereitet.
  • Backen: Beliebte Zutat für Kuchen und Mehlspeisen.
  • Likör: Für selbstgemachte Liköre.
  • Mirabellenbrand: Hochwertiger Schnaps mit intensivem Aroma.
  • Trocknen und Einfrieren: Für langfristige Lagerung ohne Aromaverlust.
Bilder: Pat-s pictures / Shutterstock