Maulwurfsgrille kennenlernen und vertreiben

Die urtümlich aussehende Maulwurfsgrille ist ein seltener Gast im Garten. In der Regel richtet sie keinen Schaden an. Nur wenn die Population zu groß wird, gräbt sie regelrecht den Garten um und vernichtet dabei Aussaaten und junge Pflanzen. Das können Sie gegen die Tiere tun.

maulwurfsgrille
Maulwurfsgrillen sind eigentlich Nützlinge, denn sie fressen Schädlinge wie Engerlinge

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Maulwurfsgrille gehört zu den Heuschrecken, lebt aber größenteils unterirdisch und legt dort meterlange und bis zu vier Meter tiefe Gangsysteme an.
  • Das Insekt ernährt sich fast ausschließlich von Maden, Würmern, Eiern und anderer tierischer Kost, weswegen es eigentlich als Nützling einzustufen ist. Die Behauptung, Maulwurfsgrillen würden auch Wurzeln und Knollen fressen, ist schlichtweg falsch.
  • Ist die Population im Garten jedoch zu groß, können die Tiere durch ihre starke Grabetätigkeit trotzdem erheblichen Schaden anrichten.
  • Am besten lassen sie sich mit Nematoden bekämpfen, zumal die klassischen Hausmittel wenig geeignet sind und es keine wirksamen chemischen Bekämpfungsmittel für den Hausgarten gibt.

Aussehen und Lebensweise der Maulwurfsgrille

Die Maulwurfsgrille trägt ihren Namen nicht ohne Grund: Ihre großen Grabschaufeln sowie ihre unterirdische Lebensweise erinnern stark an den Maulwurf, außerdem gehört das Insekt zu der Familie der Heuschrecken (lat. Orthoptera), ähnelt einer großen Grille und erzeugt auch ganz ähnliche Laute. Es gibt verschiedene Arten von Maulwurfsgrillen, allerdings ist hierzulande lediglich die Europäische Maulwurfsgrille (lat. Gryllotalpa gryllotalpa) zu Hause.

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Steckbrief: Die Maulwurfsgrille in der Übersicht

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Die Maulwurfsgrille mit ihren großen Schaufeln macht ihrem Namen alle Ehre

  • Art: Europäische oder Gemeine Maulwurfsgrille
  • Lateinische Bezeichnung: Gryllotalpa gryllotalpa
  • Volkstümliche Bezeichnungen: Werre, G’schwer (Österreich), Zwergel, Halbteufel (Schweiz)
  • Klasse: Insekten (lat. Insecta)
  • Unterklasse: Fluginsekten
  • Ordnung: Heuschrecken (lat. Orthoptera)
  • Unterordnung: Langfühlerschrecken (lat. Ensifera)
  • Lebensraum: in lockeren, vorzugsweise sandigen bis lehmigen Böden, häufig in Gewässernähe und auf Wiesen, Rasen oder in Gärten
  • Vorkommen: Europa, Nordafrika, Westasien
  • Besonderheiten: gräbt Tunnel mit mehreren Metern Länge und bis zu vier Metern in die Tiefe

So sieht die Maulwurfsgrille aus

Wer das erste Mal eine Maulwurfsgrille zu Gesicht bekommt, erschrickt manchmal: Die bis zu zehn Zentimeter langen, urtümlich krebsartigen anmutenden Tiere wirken plump und wuchtig. Vor allem, wenn während der Paarungszeit ein solches Insekt fliegend durch den Garten brummt, wird so manchem Gartenbesitzer schummrig.

Doch Maulwurfsgrillen sind vollkommen harmlos. Zudem verbringen sie den größten Teil ihres Lebens unterirdisch im Boden, weshalb sie körperlich an dieses Leben perfekt angepasst sind. Ihr Körper wird von einer dicken Chitinhülle geschützt, mit ihren charakteristischen großen Grabschaufeln gräbt das Insekt seine vielen Meter langen Tunnel.

  • Größe: meist zwischen vier und sechs Zentimetern, in Ausnahmefällen größer
  • Färbung: hell- bis dunkelbraun, mattglänzend, Unterseite häufig heller als Oberseite
  • Körperbau: kräftig, urtümlich, Körper ist mit feinen Haaren bedeckt
  • Kopf: groß, gut mit Chitin-Panzer geschützt
  • Beine: viergliedrige Vorderbeine, die zu Grabschaufeln geformt sind, unauffällige – – – – – Hinterbeine: (keine Sprungbeine wie bei anderen Heuschrecken-Arten)
  • Flügel: kurze Vorderflügel, längere, den Hinterleib überragende Hinterflügel
  • Besonderheiten: erzeugt mit den Flügeln während der Sommermonate ein lautes, brummendes Geräusch

Wie sich das Zirpen der Maulwurfsgrillen anhört, können Sie in diesem Beitrag hören:

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Zwar gehören Maulwurfsgrillen zu den Heuschrecken, können aber im Gegensatz zu ihren Verwandten nicht springen. Die Tiere sind zwar sehr laut und können selbst auch sehr gut hören, nehmen jedoch vornehmich die Laute der eigenen Art wahr. Auch die sonst gattungstypischen Komplexaugen fehlen.

Vorkommen und Ausbreitung

Die europäische Variante der Maulwurfsgrille ist selten geworden, auch wenn so mancher geplagte Gärtner dies kaum glauben mag. Hauptursache dafür ist übrigens die strikte Bekämpfung der Tiere im Garten und in der Landwirtschaft, da sich die Insekten häufig in Kompost- und Misthaufen sowie in Gemüsegärten ansiedeln und dort ideale Lebensbedingungen vorfinden. Dabei bevorzugen Maulwurfsgrillen lockere, kultivierte Sand- und Lehmböden, die zudem feucht sein sollten. Aus diesem Grund sind die Tiere eher in der Nähe von Gewässern anzutreffen.

Die verschiedenen Arten der Gattung sind auf der Erde fast überall beheimatet, wobei die meisten Populationen im Mittelmeerraum zu finden sind. In Deutschland kommen Maulwurfsgrillen hauptsächlich in Südwestdeutschland vor, im Norden sind sie nahezu unbekannt.

Lebensweise und Fortpflanzung

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Zwei Jahre verbringen Maulwurfsgrillen im Larvenstadium

Maulwurfsgrillen legen meterlange Tunnelsysteme im Garten an, die vornehmlich aus dicht unter der Erdoberfläche verlaufenden Kanälen bestehen. Von diesen horizontal verlaufenden Tunneln gehen weitere, bis zu vier Meter tief reichende Tunnel ab. Diese dienen als Zugang zu den tiefer liegenden Vorrats- und Futterkammern sowie zu den Brutkammern. Während die einzelnen Gänge häufig nicht breiter als etwa sechs Zentimeter sind, können die Kammern Tennisball- oder sogar Fußballgröße erreichen. Sie werden mit Pflanzenteilen verstärkt und gesichert, die die Tiere mit ihren festen Panzern in die Erdwände pressen. Maulwurfsgrillen sind sehr emsig und graben pro Tag bis zu 40 Meter weit.

Fast ihr gesamtes Leben verbringt die Maulwurfsgrille unter der Erde, lediglich zur Paarungszeit zwischen Anfang Mai und Mitte Juni verlässt sie ihren angestammten Lebensraum. Dabei sind die nachtaktivenTiere ausschließlich in den Abend- und Nachtstunden zu sehen. Lediglich die weiblichen Tiere können fliegen und folgen auf diese Weise den Paarungsrufen der männlichen Maulwurfsgrillen. Nach der Begattung legt das Weibchen in einer unterirdischen Brutkammer bis zu 1000 Eier (meist jedoch nur zwischen 100 und 300), die es an die Höhlenwände klebt. Die Eier werden durch das Weibchen bewacht und gepflegt, die Larven schlüpfen nach etwa sieben bis zwölf Tagen.

Die Entwicklung der Maulwurfsgrille im Überblick:

  • Larven durchlaufen insgesamt sechs bis zehn verschiedene Stadien.
  • Diese Entwicklung verläuft über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren.
  • Die ersten vier bis sechs Wochen verbringen die Larven im Bau.
  • Sie werden vom Weibchen umsorgt und ernähren sich von abgestorbenen Pflanzenteilen.
  • Erst nach der ersten Häutung verlassen sie das Nest.
  • Sie häuten sich bis zum Herbst insgesamt drei Mal.
  • Die Larven überwintern im Boden und häuten sich im Frühjahr ein viertes Mal.
  • Zu diesem Zeitpunkt können sie sich sehr schnell fortbewegen.
  • Auch können diese Larven – im Gegensatz zu den adulten Tieren – noch springen.
  • Ende Juli des zweiten Jahres sind die Tiere bereits voll entwickelt.
  • Die Geschlechtsreife erfolgt jedoch erst im Folgejahr.

Aufgrund der langen Entwicklungszeit befinden sich in einem mit Maulwurfsgrillen befallenen Garten typischerweise Larven und adulte Tiere aller Entwicklungs- und Altersstufen.

Was frisst die Maulwurfsgrille?

„Maulwurfsgrillen fressen kein Gemüse!“

Früher wurde angenommen, dass Maulwurfsgrillen vorzugsweise Wurzeln fressen. Deshalb wurden die Tiere massiv verfolgt. Mittlerweile weiß man jedoch, dass sich die Tiere fast ausschließlich carnivor ernähren: Auf ihrem Speiseplan stehen Würmer, Maden, Larven sowie Insekten- und Schneckeneier. Nur sehr selten und bei ausgeprägter Nahrungsknappheit vergreifen sich Maulwurfsgrillen auch an pflanzlicher Kost in Form von Wurzeln und Knollen. Die unzweifelhaft auftretenden Schäden im Garten sind daher weniger auf die Fraß-, als vielmehr auf die großflächige Grabetätigkeit der Tiere zurückzuführen.

Exkurs

Schädling oder doch Nützling?

Aufgrund ihrer ausgeprägten Vorliebe für tierische Kost sind Maulwurfsgrillen nicht eindeutig als Gartenschädling einzustufen. Immerhin vertilgen die eifrigen Gesellen zahlreiche Schädlinge wie etwa Engerlinge, Schneckeneier (was weniger hungrige Nacktschnecken zur Folge hat), Dickmaulrüssler etc. Damit sind die Tiere – sofern sie nicht massenhaft an einer Stelle auftreten – sogar als Nützling zu schätzen.

Daran erkennen Sie einen Maulwurfsgrillen-Befall

In der Regel bekommen Sie gar nicht mit, ob sich die Maulwurfsgrille auch in Ihrem Garten wohlfühlt. Meist handelt es sich nur um wenige Tiere, deren Population zudem von ihren natürlichen Feinden – allen voran dem Maulwurf – gering gehalten wird. Ist das Nahrungsangebot zudem üppig – sprich, der Tisch ist reichlich mit Maden, Larven und Eiern gedeckt – fressen Maulwurfsgrillen auch keine Pflanzen an. Das typische Schadbild ist nur bei starkem Befall und zu wenig Futtertieren zu sehen:

  • Fraßlöcher in Radieschen, Kartoffeln und anderen Knollen
  • vornehmlich im Frühjahr welkende Gemüse- und Zierpflanzen
  • aufgewühlte Gemüse- und Zierbeete
  • aus der Erde geschobene Keimlinge und Jungpflanzen
  • Samen laufen plötzlich an unerklärlichen Stellen auf
  • Rasenflächen weisen bräunliche Flecken auf

Manche dieser Symptome können auch von anderen Gartenschädlingen – etwa Wühlmäusen – verursacht werden. Typischerweise sind ältere Pflanzen vor der Maulwurfsgrille recht gut geschützt, weshalb Sie beispielsweise in gefährdeten Regionen möglichst nur vorgezogene und kräftige Gemüsepflanzen ins Beet setzen sollten. Wühlmäuse hingegen knabbern auch die Wurzeln älterer und größerer Gewächse an. Auch werfen Maulwurfsgrillen keine Erdhaufen auf, diese sind wiederum typisch für Maulwürfe und Wühlmäuse.

Maulwurfsgrillen erfolgreich bekämpfen

Solange die Maulwurfsgrillen-Population im Garten nicht überhand nimmt, sind die Tiere als Schädlingsvertilger sogar zu begrüßen. Achten Sie in diesem Fall jedoch darauf, die Anzahl der Werren mit Hilfe ihrer Fressfeinde möglichst niedrig zu halten, auch das Einfangen und Aussetzen von lebenden Exemplaren ist eine geeignete Möglichkeit der Begrenzung. Wird der Befall jedoch zu stark (etwa wegen fehlender Fressfeinde) und nehmen die Schäden daher stark zu, so müssen Sie zu schwereren Geschützen greifen. Hierfür eignen sich beispielsweise bestimmte Nematoden sehr gut.

Fressfeinde in den Garten locken

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Nur selten explodiert ein Maulwurfsgrillenbefall, denn Fressfeinde halten ihn gering

Unter der Erde hat die Maulwurfsgrille im Grunde nur einen Feind: den Maulwurf. Der pelzige Einzelgänger macht dem Insekt nicht nur in seinem Lebensraum Konkurrenz, sondern sorgt auch für ein geringeres Futterangebot – immerhin lebt der Maulwurf ebenfalls von tierischer Kost und hat somit denselben Speisezettel wie die Werre. Obendrein ist diese für Maulwürfe eine echte Delikatesse und wird daher mit Vorliebe verspeist. Nicht nur aus diesem Grund sollten Sie Maulwürfe nicht voreilig aus dem Garten vertreiben, auch wenn die Erdhaufen gelegentlich stören. Die kleinen Graber halten Gartenschädlinge hervorragend in Schach.

Kommt die Maulwurfsgrille an die Oberfläche, machen aber auch andere Gartenbewohner Jagd auf das Insekt. Insbesondere für

  • Igel
  • Spitzmäuse
  • Vögel
  • Ameisen

sowie Hühner und Katzen sind die Insekten ein Leckerbissen. Nicht ohne Grund wird Hühnerhaltern dazu geraten, das Federvieh frei laufen zu lassen – es scharrt und pickt mit Vorliebe Käfer, Maden, Larven und andere Insekten aus der lockeren Erde und sorgt somit dafür, dass der Garten möglichst schädlingsfrei bleibt. Nachteil ist allerdings, dass Hühner im Gemüsegarten eigentlich keine gute Idee sind – sie zupfen nämlich auch gerne an Samen, Keimlingen und Jungpflanzen oder fressen sich statt an Maulwurfsgrillen am Salat satt. Aber um etwa eine Rasenfläche frei von den Schädlingen zu halten, eignen sich Hühner sehr gut.

Ansonsten gilt – nicht nur um den Garten frei von Maulwurfsgrillen, sondern auch frei von anderen Schädlingen zu halten – für eine möglichst naturnahe Bewirtschaftung zu sorgen. Dazu gehören Maßnahmen wie diese:

  • keine Giftstoffe im Garten
  • d. h. keine Pestizide, Herbizide, Insektizide, Fungizide etc.
  • Diese vergiften auch nützliche Gartenbewohner.
  • Futterstellen und Brutkästen für Vögel aufstellen bzw. aufhängen
  • Insektenhotels an strategisch und klimatisch guten Stellen errichten
  • Verstecke für größere Tiere schaffen: Stein- und Holzhaufen in einer Gartenecke z. B.
  • heimische Pflanzen im Garten bevorzugen
  • vor allem viele Doldenblütler, diese locken nützliche Insekten an

In einem solchen Garten sind pflanzenschützende Maßnahmen seltener notwendig, da das biologische Gleichgewicht auf ganz natürliche Weise hergestellt und aufrecht erhalten wird. Maulwurfsgrillen haben gar keine Chance, sich allzu stark zu vermehren.

Tipps

Grabwespen der Art Larra anathema jagen ebenfalls Maulwurfsgrillen und wurden deshalb eigens zur Schädlingsbekämpfung aus ihrer eigentlichen Heimat, dem Mittelmeerraum, eingeschleppt. Leider bevorzugt diese Grabwespe trockene, warme Siedlungsgebiete und fühlt sich daher nicht besonders wohl in Deutschland.

Fallen aufstellen

Recht wirksam und tierfreundlich, allerdings auch recht aufwändig ist es, Maulwurfsgrillen zu fangen. Dabei gehen Sie am besten folgendermaßen vor:

Maulwurfsgrille: So stellen Sie Fallen auf

 

  1. Nehmen Sie mehrere glattwandige Einmachgläser.
  2. Entfernen Sie den Deckel, diesen brauchen Sie nicht.
  3. Suchen Sie nach den Grabgängen der Maulwurfsgrille.
  4. Legen Sie diese vorsichtig frei.
  5. Graben Sie hier die Einmachgläser ebenerdig ein.
  6. Die Öffnung sollte bündig mit der Erdoberfläche abschließen.
  7. Legen Sie ein schmales Brett über die Öffnung.
  8. Maulwurfsgrillen orientieren sich beim Laufen an solchen Hindernissen.
  9. Sie laufen am Brett entlang und fallen so ins Glas
  10. Leeren Sie die Gläser am frühen Morgen.

Die gefangenen Tiere können Sie an einem geeigneten Ort – möglichst weit entfernt von Ihrem Garten – aussetzen. Tragen Sie dabei unbedingt dicke Gartenhandschuhe aus einem festen Material, da Maulwurfsgrillen schmerzhaft zwicken können.

Tipps

Besonders erfolgreich ist diese Methode während der Paarungszeit zwischen April und Juni, da die Tiere hier verstärkt an der Erdoberfläche unterwegs sind.

Brutnester ausgraben

Bei einem starken Befall kann es sinnvoll sein, die Brutnester der Maulwurfsgrille auszugraben und zu beseitigen. Besonders wirkungsvoll ist diese Maßname im Juni, wenn die Tiere Eier bzw. aus diesen schon die jungen Larven geschlüpft sind. Und so funktioniert es:

  • Untersuchen Sie die Grabgänge der Tiere.
  • Graben Sie den unterirdischen Bau bei einer senkrechten Abzweigung auf.
  • In etwa 30 Zentimeter Tiefe befindet sich wahrscheinlich ein Brutnest.
  • Graben Sie diese mit einem Spaten aus.
  • Entsorgen Sie die darin befindlichen erwachsenen Tiere sowie die Eier und die Larven.

Einsatz von Nematoden

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Nematoden töten Maulwurfsgrillen effektiv aber sehr qualvoll

Ebenfalls eine sehr effektive Methode zur Bekämpfung von Maulwurfsgrillen sind Nematoden der Art Steinernema Carpocapsae. Dabei handelt es sich um winzige Fadenwürmer, die die erwachsenen Schädlinge befallen und in deren Blutkreislauf tödliche Bakterien einbringen. Mit Hilfe dieser biologischen Schädlingebekämpfer lassen sich etwa 60 bis 80 Prozent der Maulwurfsgrillen-Population effektiv beseitigen. Doch Vorsicht: Die Eier und Larven werden nicht befallen, weshalb sich daraus weitere adulte Tiere entwickeln können. Deshalb ist eine jährliche Wiederholung der Anwendung angebracht.

Der beste Zeitpunkt zum Ausbringen der Nematoden liegt in den Monaten zwischen April bis spätestens Anfang Juni. Zu diesem Zeitpunkt haben die Maulwurfsgrillen in der Regel noch keine Eier gelegt. In Gewächshäusern oder Frühbeeten können Sie die Fadenwürmer auch etwa sechs Wochen früher ausbringen, sofern die Bodentemperatur mindestens zwölf Grad Celsius beträgt. Ist es zu kalt, sterben die Nützlinge ab und können somit ihre Aufgabe nicht erfüllen.

Anwendung von Nematoden

Nematoden bekommen Sie im Gartenfachhandel oder im Internet. Zusammen mit den Tierchen erhalten Sie eine detaillierte Anleitung zu ihrer Anwendung, an die Sie sich unbedingt halten sollten. Verrühren Sie die Fadenwürmer in einer Gießkanne mit lauwarmem Wasser, damit Sie sie mit Hilfe eines Gießaufsatzes großflächig über der befallenen Fläche verteilen können. Da Nematoden gegenüber UV-Licht sehr empfindlich sind, ist das Ausbringen bei bedecktem Himmel oder in den frühen Abendstunden sinnvoll.

Exkurs

Maulwurfsgrillen gehören zu den bedrohten Arten

Da Maulwurfsgrillen über Jahrhunderte hinweg massiv bekämpft wurden und zudem eine für das Insektenreich extrem lange Larvenzeit aufweisen, gilt die europäische Art mittlerweile als stark gefährdet und steht somit in der Kategorie 2 der Roten Liste. Auch andere Arten der Gattung gelten als gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. Trotz dieser Einstufung stehen Maulwurfsgrillen in Deutschland nicht unter Schutz. Damit dürfen sie gefangen und auch getötet werden. Aus Gründen des Artenschutzes ist es jedoch sinnvoll, die Tiere lebend zu fangen und an einer geeigneten Stelle wieder auszusetzen.

Gibt es wirksame Hausmittel gegen Maulwurfsgrillen?

So mancher „alte Hase“ in Sachen Garten rät, den Maulwurfsgrillen einfach mit altem Speiseöl oder Buttersäure den Garaus zu machen. Hierzu gießen Sie etwa einen Esslöffel Öl in einen senkrechten Gang hinein, darauf noch etwa 250 Milliliter Wasser hinterher. In der Tat ist diese Methode recht wirksam, denn sowohl die Larven als auch die Eier sterben ab. Die adulten Tiere kommen wiederum an die Oberfläche und können dort problemlos abgesammelt werden.

Hausmittel haben Nachteile

Nachteil dieser Methode ist allerdings, dass Speiseöl und Buttersäure im Boden verbleiben, dort nicht abgebaut werden und somit auch negative Auswirkungen auf die Bodenqualität und das Grundwasser haben. Erfahrungsgemäß bekommt eine solche Beimischung auch den auf einer solchen Erde wachsenden Pflanzen nicht besonders gut, die dann einfach kümmern oder gar eingehen. Dasgleiche gilt für „Hausmittel“ wie Petroleum (oder mit Petroleum getränkte Lappen), Spiritus, Geschirrspülmittel etc.

Auch wird manchmal geraten, den Gangbereich etwa 60 Zentimeter tief aufzugraben, Pferdemist einzufüllen und das Loch wieder zuzuschütten. Diese Methode zeigt allerdings so gar keine Wirkung gegen Maulwurfsgrillen, da diese sich dann einfach andere, neue Gänge graben. Somit eignet sich der Pferdemist lediglich als organische Düngung für den Gemüsegarten.

Hausmittel besser nicht einsetzen

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass Sie von „bewährten“ Hausmitteln besser die Finger lassen sollten, da sie entweder ungewollt weiteren Schaden anrichten oder gar nicht erst wirksam sind. Greifen Sie lieber gleich zu wirklich effektiven Methoden wie etwa den vorgestellten Nematoden.

Häufig gestellte Fragen

Können Maulwurfsgrillen fliegen?

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Maulwurfsgrillen sind wahre Alleskönner

Die sehr emsige Maulwurfsgrille gräbt des Nachts nicht nur meterlange Gänge unter der Erdoberfläche, sondern ist auch sonst sehr beweglich: Die Tierchen können nämlich außerdem sehr gut schwimmen, sogar tauchen, und auch fliegen. Allerdings lassen sich fliegende Maulwurfsgrillen nur während der Paarungszeit in den Monaten Mai und Juni beobachten, denn dann sind die Weibchen auf der Suche nach einem männlichen Partner. Ansonsten leben die Tiere größenteils unter der Erde. Übrigens fliegen nur die Weibchen, während die Männchen an einem Platz ausharren und einen Lockruf ausstoßen. Dieses Geräusch klingt wie ein tiefes Surren und ist auch für Menschen hörbar.

Sind Maulwurfsgrillen giftig?

So mancher Gärtner – und auch Angler, denn die Tierchen wurden und werden gern als Köder beim Welsfang genutzt – hat bereits unangenehme Erfahrungen mit der Maulwurfsgrille gemacht: Sie können bei Bedrohung (etwa weil man sie in die Hand nimmt) stark kneifen. Doch keine Angst: Maulwurfsgrillen sind weder giftig noch geben sie einen Giftstoff ab. Auch, wenn Ihr Hund ein solches Tierchen einmal verspeisen sollte, brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Sie sollten die Tiere allerdings nicht mit der bloßen Hand aufnehmen, sondern stattdessen feste Gartenhandschuhe tragen: So vermeiden Sie das schmerzhafte Kneifen.

Sind Maulwurfsgrillen gefährlich?

Untereinander liefern sich vor allem männliche Maulwurfsgrillen während der Paarungszeit teils heftige Kämpfe. Für Menschen und Haustiere sind die Insekten allerdings absolut ungefährlich – und auch selten zu sehen, denn bei der kleinsten Erschütterung ziehen sie sich von der Erdoberfläche in den Boden zurück und ergreifen die Flucht.

Wie alt kann eine Maulwurfsgrille werden?

Maulwurfsgrillen werden vergleichsweise alt: Die Tiere durchlaufen im ersten Jahr verschiedene Larven- und Häutungsstadien, sind jedoch erst im Spätsommer / Herbst des Folgejahres voll entwickelt. Zu diesem Zeitpunkt sind sie immer noch nicht geschlechtsreif, sondern erreichen die Fortpflanzungsfähigkeit wiederum im nächsten Jahr – also ganze zwei Jahre nach dem Schlupf aus dem Ei. Anschließend leben die Tiere noch ungefähr ein weiteres Jahr, so dass Maulwurfsgrillen insgesamt eine Lebenserwartung von etwa drei Jahren haben – vorausgesetzt, sie fallen vorher nicht einem ihrer zahlreichen Fraßfeinde zum Opfer.

Maulwurf, Wühlmaus oder Maulwurfsgrille – wer gräbt da meinen Garten um?

Wenn die Gartenpflanzen scheinbar grundlos welken, können verschiedene Gründe dahinter stecken. Der Maulwurf ist dabei recht leicht an seinen charakteristischen Erdhaufen zu erkennen, wobei dieser pelzige Geselle sich am liebsten von Engerlingen und Käfern ernährt – und keinesfalls von Wurzeln und Knollen. Die stehen dafür auf dem Speiseplan der Wühlmaus, die Vegetarierin ist und sich nur von Pflanzen ernährt. Die Maulwurfsgrille wiederum knabbert nur gelegentlich Knollen und Wurzeln an, am liebsten frisst sie nämlich Insekten und deren Larven. Dennoch kommt es bei einem starken Befall zu Fraßspuren an Möhren, Kartoffeln und Co. – der schiere Nahrungsmangel verleitet die Tiere dazu, sich pflanzliche Futterquellen zu suchen. Allerdings führt die rege Grabetätigkeit dazu, dass die Pflanzen auch unangeknabbert absterben.

In meinem Kreuzworträtsel wird nach dem süddeutschen Wort für Maulwurfsgrille (mit fünf Buchstaben) gefragt. Wie lautet die Lösung?

Ganz einfach: Im süddeutschen Raum werden die dort weitaus häufiger als in Norddeutschland vorkommenden Tiere oft als „Werre“ (Mehrzahl ist „Werren“) bezeichnet. Diese Lösung ist die richtige fürs Kreuzworträtsel. Außerdem werden Maulwurfsgrillen mancherorts auch „Zwergel“ genannt. In der Schweiz sind sie unter dem Namen „Halbteufel“ bekannt, in Österreich hingegen als „G’schwer“.

Tipps

Eine abschreckende Wirkung sowohl auf Maulwurfsgrillen als auch auf Wühlmäuse soll die zweijährige Kreuzblättrige Wolfsmilch (lat. Euphorbia lathyris) haben, die Sie am besten an einen halbschattigen Standort in den Garten pflanzen / säen.

Text: Ines Jachomowski
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