Die Früchte der Linde – ein vernachlässigtes Naturgeschenk

Die Linde ist ein Baum, der schon jahrhundertelang eng mit der Menschengeschichte verbunden ist. Sie spendet Schatten, Trost und Gemeinschaft und wertvollen Tee oder Honig aus den Blüten. Doch was ist mit den Früchten? Gehen wir ihnen einmal auf die Spur.

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Die kleinen Nüsschen der Linde sind essbar

Was die Linde uns bietet

Die Linde gehört zu den volksnahesten Bäumen – mit ihrer Rolle als Versammlungszentrum auf Dorfplätzen, als Alleeneinfassung oder als lichter Schattenspender in Parks und Gärten ist sie dem Menschen seit jeher ein treuer Begleiter. Auch ihre lieblich duftenden Blüten, die etwa von Mai bis Juli erscheinen, sind eine sinnliche und heilsame Gabe der Linde – aus ihr lässt sich ein schmackhafter, erkältungsvertreibender und schlaffördernder Tee bereiten und Imker lassen ihre Bienen davon eine der beliebtesten Honigsorten machen. All das sind die bekannten Dinge, die wir von der Linde geschenkt bekommen:

  • Klassisches Zentrum für Geselligkeiten (Dorfbaum)
  • freundlicher Schattenspender
  • Alleeneinfassung
  • duftende Blüten für Tee und Honig

Doch auch die Früchte können dem Menschen nützlich werden. Viele meinen, dass nach der Blüte das Verwertbare der Linde für die Saison abgegrast sei. Doch weit gefehlt. Es ist zwar weniger bekannt, aber die Früchte der Linde sind essbar. Sie dürfen also durchaus einmal aus dem Schatten der so beliebten Blüten herausgeholt werden! Doch zunächst einmal zur Biologie.

Aussehen und sonstige Merkmale der Früchte

Die Früchte, die sich nach dem Abblühen an der Linde bilden, sind Nussfrüchte, die in kleinen, runden Formen erscheinen. Je nach Lindenart sehen die Früchte ein wenig anders aus – und es sind auch nicht alle wirklich essbar. Alle Lindenfrüchte sind von einem schmalen Hochblatt gekennzeichnet – dieses dient quasi als Flugsegel, mithilfe dessen die reife Frucht weiter weg getragen werden soll. So erweitert sich der Verbreitungsradius der Linde.

Hier ein Überblick über die Früchte der hierzulande am häufigsten vertretenen Arten:

Sommerlinde

Die Früchte der großblättrigen Sommerlinde sind fünfkantig und kugelig bis länglich und erreichen eine Länge von etwa einem Zentimeter. Sie haben eine grünlich-gelbliche, leicht ins Grau gehende Farbe und sind filzig überzogen.

Winterlinde

Die Nüsschen der kleinblättrigen Winterlinde sind braun und ebenfalls filzig überzogen. Ihre Konsistenz ist wesentlich weicher als die der Sommerlindenfrüchte – gerade in jungem Zustand sind sie mit ihrem ölhaltigen Mark gut essbar. Grundsätzlich ist die Weichheit der Frucht ein zuverlässiger Hinweis auf die Essbarkeit – auch bei den vielen Kreuzungsindividuen in der freien Natur.

Silberlinde

Die Früchte der Silberlinde mit ihren silbrig hellen Blattunterseiten sind hellgrün und vollkommen kugelig.

Krimlinde

Die Farbe der Krimlindenfrüchte ist, ähnlich wie die der Sommerlindenfrüchte, grünlich-bräunlich-gräulich. Auch die Größe ist ähnlich, allerdings ist die Form etwas runder.

Vermehrung über die Früchte

Über die in der Frucht enthaltenen Samen vermehrt sich die Linde natürlich auch generativ. Sie hat allerdings auch noch andere Methoden in petto, über die sie sich vervielfältigt, etwa vegetativ über Stockausschlag oder Wurzelbrut. Über einen Samen kann eine Linde mit viel Geduld auch herangezogen werden.

Text: Caroline Strauss
Artikelbild: Snezana Vasiljevic/Shutterstock

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