Die erstaunliche Vermehrungsgeist der Linde

Linden zeigen nicht nur als Park-, Garten- und Alleenbäume äußerst gute Qualitäten. Auch ihre gewissermaßen unermüdliche Vermehrungsfreude gibt Anlass zum Staunen. Im Folgenden geben wir Ihnen einmal einen Überblick über ihren fortpflanzungstechnischen Einfallsreichtum.

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Die Linde lässt sich auf verschiedene Arten vermehren

Die gesunde Arterhalungsmoral von Linden

Linden leben ganz nach dem Darwin’schen Prinzip. Sie sind fest entschlossen, ihre Art zu erhalten und legen dabei eine wirklich erstaunliche Unverdrossenheit an den Tag. Diese zeigt sich vor allem in ihrem großen Einfallsreichtum bei der Vermehrung. Grundsätzlich sind Linden auf zweierlei Weise fähig, sich zu multiplizieren:

  • vegetativ, also ungeschlechtlich über Zellteilung
  • generativ, also über Bestäubung und Samenaussaat

Die vegetativen Varianten

Der vegetativen Vermehrung liegt allein das Prinzip der Zellteilung zugrunde. Hierbei ist also kein geschlechtlicher Vorgang im Spiel. Innerhalb der vegetativen Vermehrung hat die Linde zwei Varianten zur Verfügung:

  • Wurzelbrut
  • Stockausschlag

Wurzelbrut

Als Wurzelbrut bezeichnet man Austriebe, die aus Knospen an oberirdisch verlaufenden Wurzeln entstehen. Diese Methode beherrscht die Linde vorzüglich. Um ein ausgewachsenes Exemplar herum können also leicht neue Schösslinge gebildet werden, die sich auch zur Neupflanzung eignen. Voraussetzung dafür, dass die Wurzelbrut sich ausbildet, ist allerdings eine Schädigung beim Mutterbaum, in der Regel eine Verwundung, die eine Störung des Wuchsstoffhaushalts nach sich zieht.

Stockausschlag

Beim sogenannten Stockausschlag greift die Linde auf “schlafende Augen” zurück. Als solche werden Nebenknospen bezeichnet, die sich um eine Hauptknospe herum ausbilden. Sie haben quasi die Rolle eines Springers – denn sie werden nur dann gebraucht, wenn der Pflanze ein Ast oder der Stamm abhanden kommt. In dem Fall kann die schlafende Knospe zum Leben erwachen und ein neues Pflanzenorgan ausbilden.

Konkret zeigt sich das, indem aus einem abgeschnittenen Lindenast oder sogar aus einem Baumstumpf nach der Fällung ein neuer Trieb entsteht.

Diese Eigenschaft der Linde können Sie auch nutzen, indem Sie Holzstecklinge für die Vermehrung schneiden und großziehen.

Die generative Methode

Hierbei handelt es sich um die übliche Samenvermehrung, bei der eine Befruchtung der Blüten durch Bestäuber nötig ist. Für die Linde sind insbesondere Bienen wichtige Bestäuber. Die ausgebildeten Samenfrüchte werden an einem langen, schmalen Hochblatt vom Wind fortgetragen, um sich an einem neuen Standort aussamen zu können.

In der Regel braucht eine ausgereifte Samenfrucht relativ lange für die Keimung. Eine noch grün geerntete Frucht kann auch schon sofort austreiben.

Text: Caroline Strauss
Artikelbild: Vlad Ageshin/Shutterstock

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