Kirschbaum selber ziehen

Kirschbaum selber ziehen erfordert Geduld

Kirschen von einem selbst gezogenen Baum zu ernten, würde jeden Gärtner mit Stolz erfüllen. Stellt man sich der Herausforderung, einen Kirschbaum selber zu ziehen, braucht man bis zur ersten Ernte vor allem Geduld.

Vegetative und generative Vermehrung

Es ist möglich, einen Kirschbaum aus einem Kern zu ziehen. Das Risiko, dass bei dieser Art der Vermehrung (generativ bzw. geschlechtlich), der Kirschbaum nicht die gewünschten Merkmale aufweisen wird, ist jedoch zu groß. Schließlich ist jeder Kern Produkt zweier Elternkirschbäume, die eine unterschiedliche genetische Ausstattung haben. Welche Gene sich nach der Chromosomaufteilung und -neuanordnung durchsetzen werden, ist – wie bei Menschenkindern auch – nicht vorhersehbar.

Um dieser Ungewissheit aus dem Wege zu gehen, werden die Obstgehölze vegetativ durch Veredlung vermehrt. Hierzu pfropft man das sogenannte Edelreis (das mit den gewünschten Merkmalen ausgestattete Sprossstück) auf einen Wildling (die sogenannte Unterlage). Die Unterlage bestimmt, ob der Kirschbaum schnell oder langsam, aufrecht oder buschig wächst. Das Edelreis ist für die Fruchtqualität, Pilzresistenz, Frostempfindlichkeit und Ertrag verantwortlich.

Edelreise schneiden und pfropfen

Die Edelreise werden von gesunden, fruchtbaren Bäumen in der Zeit zwischen Dezember und Januar geschnitten. Für die Veredlung eignen sich ausschließlich einjährige Langtriebe. Diese haben eine hellere Rinde als das ältere Holz und keine Verzweigungen, sondern tragen Knospen. Man schneidet die Edelreise mit einem scharfen Messer an der Basis. Idealerweise sind diese bleistiftdick und etwa 30-40 cm lang.

Als Nächstes wird die Unterlage vorbereitet. Dazu schneidet man den zu veredelnde Kirschbaum vor dem Austrieb so weit zurück, dass nur ein Zugast neben dem Kronenstumpf stehen bleibt. Die Edelreise werden hinter die Rinde der Unterlage gesteckt und mit dieser fest verbunden. Dabei unterscheidet man

  • Rindenpfropfen (Einschnitt in die Rinde),
  • Geißfußpfropfen (Einkerben des Holzes hinter der Rinde).

Die Veredlungsstelle wird mit Bast verbunden und mit Baumwachs verstrichen. In den Folgejahren wird durch den geeigneten Schnitt die Krone aufgebaut. Mit der ersten Ernte ist in 4-5 Jahren zu rechnen.

Tipps & Tricks

Die im Winter gewonnenen Edelreise werden bis zum Frühling kühl, feucht und dunkel aufbewahrt, z. B. in einer mit feuchtem Sand gefüllten Kiste im Keller.

Text: Burkhard

Beiträge aus dem Forum

  1. JoseeRizal64
    Bienenbaum
    JoseeRizal64
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