Benötigt man für ein Gartenhaus wirklich eine Baugenehmigung?

Möchte man Gartengeräte, Trettraktor und Sandspielsachen der Kinder oder Fahrräder unterbringen, erweist sich ein Gartenhäuschen als ausgesprochen praktisch. Der Innenraum der etwas größeren Modelle kann zum zweiten Wohnzimmer werden und von der heimeligen Terrasse aus kann man an lauen Sommerabenden den eigenen Garten aus einer ganz anderen Perspektive genießen. Doch vor dem Traum vom Gartenhaus müssen rechtliche Dinge beachtet werden, denn häufig ist eine Baugenehmigung notwendig.

Gartenhaus genehmigungspflichtig
Ob für den Bau eines Gartenhauses eine Baugenehmigung von Nöten ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab
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Wann ist das Gartenhaus genehmigungspflichtig?

Es gibt mehrere Faktoren, von denen abhängig ist, ob sie für das Häuschen eine Baugenehmigung benötigen. Hierzu gehören:

  • die Größe
  • die Höhe
  • die Grundfläche
  • die Kubikmeterzahl der umbauten Fläche
  • der Standort
  • die Ausstattung (Toilette, Feuerstelle, Heizung).

Auch das gewählte Fundament spielt eine Rolle. Weil es einfach herzustellen ist, entscheiden sich viele für ein vollflächiges Betonfundament. Erst durch dieses wird das Gartenhaus häufig genehmigungspflichtig.

Die Baugenehmigungen der Bundesländer

Nachfolgend möchten wir Ihnen einen kurzen Überblick über die Vorschriften der einzelnen Bundesländer geben. Bitte erkundigen Sie sich vor Baubeginn nochmal bei der für Sie zuständigen Behörde, da sich diese Richtlinien immer wieder ändern.

Baden-Württemberg:

In Gartenhausgebieten, beispielsweise Schrebergartenanlagen, ist keine Baugenehmigung erforderlich. Im Außenbereich darf der Rauminhalt 20 m³, im Innenbereich 40 m³ nicht überschreiten. Zudem dürfen keine Toiletten, Feuerstellen oder Aufenthaltsräume in das Haus integriert sein.

Bayern

Sofern nicht mehr als 75 m³ umbaut werden und das Haus über keine Feuerstätte verfügt, ist die Laube genehmigungsfrei. Auch in Kleingartenanlagen benötigen Sie keine Baugenehmigung. Anders sieht dies außerhalb des Bebauungsplan-Bereichs aus: Hier ist eine Genehmigung erforderlich.

Berlin

Auch hier geht außerhalb des Bebauungsbereichs ohne Genehmigung nichts. Innerhalb dieses darf der Rauminhalt nur 10 m³☺ betragen. Mehr als ein kleines Gerätehaus ist in der Bundeshauptstadt ohne behördliche Erlaubnis also nicht drin.

Brandenburg

Hier sind alle Lauben, die innerhalb des Bebauungsplanbereiches liegen, bis zu einem Rauminhalt von 75 m³ genehmigungsfrei. In Schrebergartenanlagen darf das Häuschen über 24 m² Grundfläche inklusive Freisitz verfügen.

Bremen

Im Innenbereich unterliegen Häuser bis 30 m³ Rauminhalt, im Außenbereich bis 6 m³ keiner Genehmigungspflicht. Sofern keine Feuerstelle vorhanden ist, darf ein eingeschossiges Haus 10 m“ groß sein.

Hamburg

Hier beträgt die umbaute Volumengrenze 30 m³. Eine Baugenehmigung ist immer erforderlich, wenn Sie das Haus außerhalb eines Bebauungsgebietes errichten wollen.

Hessen

Auch hier darf das Raumvolumen 30 m³ betragen. Verfügt das Haus über einen Aufenthaltsraum, eine Feuerstätte oder sanitäre Anlagen, ist eine Genehmigung erforderlich.

Mecklenburg-Vorpommern

Auch in diesem Bundesland ist allenfalls ein kleines Gerätehaus genehmigungsfrei, denn die Obergrenze der umbauten Fläche liegt bei 10 m³. Soll das Häuschen im Außenbereich errichtet werden, geht gar nichts ohne behördliche Genehmigung.

Niedersachsen

Hier sind die Vorschriften weniger streng, bis zu 40 m ³ Raumvolumen sind genehmigungsfrei erlaubt. Im Außenbereich sind bis zum 20 m³ genehmigungsfrei.

Nordrhein-Westfalen

Planen Sie eine Laube mit mehr als 30 m³ Volumen, ist eine behördliche Genehmigung erforderlich. Auch wenn Sie eine Feuerstelle, eine Toilette oder einen Aufenthaltsraum integrieren möchten, benötigen Sie diese. Was in der Schrebergartenanlage erlaubt ist, orientiert sich am Bundeskleingartengesetz.

Rheinland-Pfalz

Im Außenbereich benötigen Sie ab einem Raumvolumen von 10 m³, im Innenbereich ab 30 m³ eine Baugenehmigung.

Saarland

Auch hier bleibt es ohne Baugenehmigung beim kleinen Gerätehaus, das höchsten 10 m³ groß sein darf. Lauben in Schrebergartenanlagen fallen unter das Bundeskleingartengesetz.

Sachsen

Auch hier gilt: Alles was größer als 10 m³ Raumvolumen ist, muss von der Behörde genehmigt werden. Im Außenbereich sind alle Lauben genehmigungspflichtig.

Sachsen-Anhalt

Hier gelten die gleichen strengen Vorschriften wie in Sachsen. Selbst im Innenbereich ist ein Gartenhaus mit mehr als 10 m³ Raumvolumen genehmigungspflichtig.

Schleswig-Holstein

Im Außenbereich darf das Raumvolumen 10 m³, im Innenbereich 30 m³ betragen, alles darüber ist genehmigungspflichtig. Planen Sie eine Toilette, Feuerstätte oder einen Aufenthaltsraum ist ebenfalls eine Genehmigung erforderlich.

Thüringen

Im Außenbereich geht leider nichts ohne Genehmigung, im Innenbereich dürfen Sie allenfalls ein kleines Gerätehäuschen mit 10 m³ umbautem Raum ohne behördliche Genehmigung errichten.

Und was ist mit den Nachbarn?

Auch bei der Grenzbebauung gilt es, die Bauordnung der Länder zu beachten. Dies ist nur für Bauten von höchstens drei Metern Höhe erlaubt und auch dann nur, wenn die Gesamtlänge des Gartenhäuschens neun Meter nicht überschreitet. Dies gilt zudem nur dann, wenn kein Aufenthaltsraum, keine Feuerstätte und keine sanitären Anlagen in das Haus integriert sind. Ist dies der Fall, müssen mindestens drei Meter Abstand zur Grundstücksgrenze eingehalten werden.

Tipps

Aufgrund der nicht einheitlichen Gesetzeslage in den Bundesländern ist es in jedem Fall ratsam, noch vor dem Kauf oder der Planung eines selbst gebauten Gartenhäuschens die Behörden zu kontaktieren. Im Sinne der guten Nachbarschaft ist es zudem ratsam, die Nachbarn über das Bauvorhaben zu informieren und den Standplatz gegebenenfalls mit ihnen abzustimmen.

Text: Michaela Kaiser

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