Wohin mit der Ernte? Lohnt sich ein Erdkeller?

Eine unerwartet große Resonanz haben wir auf einen unserer Artikel der letzten Gartenjournal-News erhalten, in dem es um die richtige Lagerung von Obst und Gemüse für die Winterbevorratung ging. Zeiten, in denen neue Eigenheime aus Kostengründen vorwiegend ohne den traditionellen Keller errichtet werden, machen es durchaus schwierig mit der vitaminschonenden Einlagerung der Ernte.

erdkeller
Ein Erdkeller ist praktisch und sieht hobbitartig aus

Eine Alternative, vorausgesetzt, dass auf dem Grundstück noch ein wenig Platz vorhanden ist, wäre der nachträgliche Bau eines Erdkellers, der je nach Geländestruktur völlig unterirdisch oder als eigenständiges Bauwerk, ähnlich einem Schuppen, zum Teil oberhalb des Erdbodens, beispielsweise an einem Hang, angelegt wird.

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Als Standort eignet sich ein schattiger Platz auf dem Grundstück, möglichst mit einer Ausrichtung nach Norden, womit die Dauer einer intensiven Sonneneinstrahlung bereits auf ein Minimum reduziert wäre. Weitere Aspekte für die Größe und Standortwahl Ihres Erdkeller:

  • In welcher Höhe befindet sich der Grundwasserspiegel?
  • Soll selbst gemauert oder ein industriell vorgefertigter Keller aus Kunststoffmaterial genutzt werden?
  • Ist eine Baugenehmigung erforderlich (Größe, überdachte Fläche, Anschluss Stromnetz, Dachentwässerung)?
  • Ist der Keller zu jeder Jahreszeit erreichbar (Wege, Abstand zur Grundstücksbegrenzung)?
  • Werden Nachbarn eventuell durch voraussehbare Sichteinschränkungen gestört?

Bauliche Anforderungen an den Erdkeller

Eine wesentliche Voraussetzung, um Obst und Gemüse über einen längeren Zeitraum erntefrisch zu halten, ist eine funktionierende Belüftung für den Innenraum, der darüber hinaus tief genug im Erdreich liegen muss und gegen eindringende Feuchtigkeit von außen mit einer zweckmäßigen Isolation geschützt ist. Optimal für die meisten Lagersorten sind Temperaturen zwischen 3 bis 5 °C bei Luftfeuchtewerten um die 70 bis 80 Prozent. Wenn Ihr Grundstück viel Platz bietet, kann sich ein begehbarer Erdkeller durchaus lohnen, der von seinen Baukosten her zwar nicht ganz billig ist, aber gute Gründe durchaus für eine solche Investition sprechen:

  • Viel anpflanzen und ernten heißt weniger kaufen und wird Ihren Geldbeutel auf Dauer spürbar entlasten.
  • Obst und Gemüse im Keller einzulagern erhöht die Haltbarkeit der Vitamine und Sie müssen bedeutend weniger wegwerfen.
  • Da keine zusätzliche Energie für die Lagerung benötigt wird, handelt es sich beim Erdkeller um eine sehr umweltfreundliche Option ohne zusätzliche Betriebskosten.
  • Das Grundstück wird mit einem natürlich angelegten Erdkeller aus Mauerziegeln, kombiniert mit einer attraktiven Holz- oder Schieferbedachung (vielleicht im Stil der märchenhaften Hobbit-Häuser?) optisch sehr eindrucksvoll aufgewertet.

Empfehlungen zum Bauablauf

Wie bei fast jedem Bauprojekt, sind der eigenen Kreativität auch bei der Errichtung eines Erdkellers keinerlei Grenzen gesetzt. Kleinere teilunterirdische Erdlager lassen sich auch mit wenig Geld und Arbeitsaufwand in ähnlicher Weise wie ein Frühbeetkasten realisieren. Soll es ein etwas größerer Neubau werden, heben Sie am besten zunächst eine zwischen 80 und 150 cm tiefe Grube aus, die zum Erdboden hin anschließend mit einem Stampfer verdichtet wird. Das folgende Szenario könnte wie folgt aussehen:

  • Innenraum des Kellers mit Schalbrettern auskleiden und mit Beton vergießen;
  • Nach dem Austrocknen die Verschalung entfernen und mit Ziegelsteinen (bis auf die Türöffnung) Wände bis in die gewünschte Höhe mauern;
  • nach drei bis vier Schichten den Boden in einer Höhe von 15 bis 20 cm mit Kies auffüllen und verdichten, Maschendraht (15,64€ bei Amazon*) und Vlies zum Schutz gegen Nagetiere auflegen und mit Splitt (16,99€ bei Amazon*) oder kleinkörnigen Kieseln ebenfalls verdichten;
  • alle Seiten mit Ziegeln bis auf die gewünschte Höhe aufmauern, danach eine 10 bis 15 cm starke tragende Decke unter Verwendung von Stahlmatten gießen;
  • Wände und Decke mit Teichfolie und einer Dämmschicht auskleiden;
  • abschließende Montage von Abluftschacht, Tür, Dacheindeckung, Entwässerung, Drainage, Treppe mit Unterbau;

Je nach Lage und Grundstücksprofil lässt sich der Keller mit Erde bedecken und anschließend begrünen, aber auch Holzdächer liegen bei solchen Bauwerken voll im Trend.

Alternativen zum Neubau des Erdkellers

Kosten und viel Aufbauarbeit können gespart werden, wenn ein bereits auf dem Grundstück vorhandenes Gebäude nachträglich unterkellert wird. Dafür eignet sich sowohl die Gartenlaube als auch der Geräteschuppen oder Ihre Garage. In diesem Fall muss lediglich das Fundament in der gewünschten Größe des Erdkellers aufgebrochen und eine entsprechende Grube geschachtet werden. Die Ränder werden anschließend mit Beton und Winkelprofil stabilisiert, der neu gewonnene Kellerraum erhält am Ende nur noch eine sichere Abdeckung mit massiven Holzbohlen.

Text: Fred Lübke
Artikelbild: vagabond54/Shutterstock

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