Apfel

Apfelbaum aus Zweig ziehen: So gelingt’s!

Artikel zitieren

Apfelbäume lassen sich auf verschiedene Weise vermehren. Lernen Sie, wie Sie aus Samen, durch Veredelung oder Abmoosen neue Apfelbäume ziehen können und entdecken Sie die Vor- und Nachteile der jeweiligen Methode.

apfelbaum-aus-zweig-ziehen
Die Veredelung ist eine übliche Methode der Vermehrung

Vermehrung durch Samen: Ein spannendes Experiment

Die Anzucht eines Apfelbaums aus Samen gleicht einer spannenden Entdeckungsreise, bei der Sie die natürliche Entwicklung eines Baumes von Anfang an begleiten. Da Äpfel jedoch zur Fremdbefruchtung neigen und sich das Erbgut verschiedener Sorten vermischt, entspricht der daraus entstehende Baum möglicherweise nicht der Mutterpflanze.

Lesen Sie auch

Von der Samengewinnung bis zum jungen Apfelbaum

  1. Kerne entnehmen und trocknen: Entnehmen Sie die Kerne aus einem gesunden Apfel und reinigen Sie sie gründlich. Anschließend lassen Sie die Kerne an der Luft trocknen.
  2. Kältephase (Stratifikation): Um die Keimruhe zu durchbrechen, benötigen Apfelkerne eine Kälteperiode. Legen Sie die getrockneten Kerne dafür zwischen feuchtes Küchenpapier und bewahren Sie sie in einem verschließbaren Beutel für mindestens zwei Wochen im Kühlschrank auf. Achten Sie darauf, dass das Küchenpapier währenddessen nicht austrocknet.
  3. Aussaat in Töpfe: Nach der Kältebehandlung können Sie die Kerne in kleine Töpfe mit lockerer, durchlässiger Erde setzen. Bedecken Sie die Samen leicht mit Erde, gießen Sie sie vorsichtig an und halten Sie die Erde konstant feucht.
  4. Keimung und Pflege: Stellen Sie die Töpfe an einen hellen und warmen Ort. Die Keimung kann einige Wochen bis Monate dauern. Sobald die Sämlinge kräftig genug sind, können Sie sie in größere Töpfe umpflanzen oder direkt an ihren endgültigen Standort im Garten setzen. Wählen Sie hierfür einen sonnigen, windgeschützten Platz mit guter Bodenqualität.

Mit Geduld und der richtigen Pflege können Sie so die Entwicklung Ihres Apfelbaums vom Samen bis zum jungen Baum miterleben. Es kann zwar einige Jahre dauern, bis Sie die ersten Früchte ernten können, doch die Freude über den selbstgezogenen Baum wird die Wartezeit belohnen.

Vermehrung durch Triebe (Veredelung): Sortenechtheit bewahren

Die Veredelung ist eine bewährte Methode, um Apfelbäume mit spezifischen Eigenschaften zu vermehren. Dabei wird ein Trieb (Edelreis) einer gewünschten Apfelsorte mit dem Wurzelwerk einer anderen Pflanze (Unterlage) verbunden.

Schritt für Schritt zur erfolgreichen Veredelung

  1. Auswahl des Edelreises: Wählen Sie einen gesunden, einjährigen Trieb mit mindestens vier gut entwickelten Knospen. Der Trieb sollte im Winter, idealerweise im Januar oder Februar, geschnitten werden und eine Länge von 15 bis 20 Zentimetern haben.
  2. Auswahl der Unterlage: Entscheiden Sie sich für einen Sämling oder Wurzelstock, dessen Durchmesser dem des Edelreises entspricht oder ähnlich ist. Achten Sie darauf, dass die Unterlage mit den Wuchseigenschaften und Bedürfnissen des zukünftigen Baumes kompatibel ist, beispielsweise hinsichtlich der Endgröße.
  3. Veredelungsprozess: Schneiden Sie sowohl das Edelreis als auch die Unterlage schräg an, um eine möglichst große Schnittfläche zu erhalten. Die Schnitte sollten sauber und präzise ausgeführt werden. Fügen Sie anschließend die Schnittflächen zusammen und fixieren Sie die Verbindung mit einem speziellen Veredelungsband.
  4. Einpflanzen und Pflege: Pflanzen Sie den veredelten Baum an einem geeigneten Standort ein. Achten Sie auf regelmäßiges Gießen und schützen Sie die Veredelungsstelle vor extremen Witterungsbedingungen, beispielsweise mit einem luftdurchlässigen Vlies.

Durch die sorgfältige Durchführung dieser Schritte können Sie einen neuen Apfelbaum mit den gewünschten Eigenschaften kultivieren. Die Veredelung erfordert zwar etwas Übung und Geduld, ist aber eine lohnende Herausforderung für Gartenliebhaber.

Abmoosen: Ein Zweig wird zum Baum

Das Abmoosen bietet eine einfache und zuverlässige Methode, um einen gesunden Apfelbaum aus einem Zweig zu ziehen. Bei dieser Technik wird ein Teil des Zweiges zur Wurzelbildung angeregt, während er noch mit dem Mutterbaum verbunden ist.

Anleitung zum Abmoosen eines Apfelbaumzweiges

  1. Auswahl des Zweiges: Suchen Sie einen kräftigen, gesunden Zweig am Apfelbaum aus. Der Zweig sollte jung und ausreichend robust sein.
  2. Vorbereitung des Zweiges: Entfernen Sie vorsichtig einen Rindenstreifen am gewählten Zweig, um das darunterliegende Kambium freizulegen. Diese Verletzung regt die Bildung neuer Wurzeln an.
  3. Bewurzelungshormon anwenden: Lösen Sie Bewurzelungspulver (8,00€ bei Amazon*) in Wasser auf und tränken Sie etwas Zellstoff mit dieser Lösung. Wickeln Sie den Zellstoff um die freigelegte Stelle des Zweiges.
  4. Abschirmung: Bedecken Sie die behandelte Stelle mit gut befeuchtetem Moos und umwickeln Sie diese anschließend mit durchsichtiger Folie. Stellen Sie sicher, dass das Paket luft- und lichtdurchlässig ist, um Schimmelbildung zu vermeiden.
  5. Wurzelbildung: Halten Sie das Moos konstant feucht. Innerhalb einiger Wochen bis Monate sollten sich an der behandelten Stelle Wurzeln bilden.
  6. Abtrennen und Einpflanzen: Sobald ein robustes Wurzelsystem entstanden ist, können Sie den bewurzelten Zweig vorsichtig vom Mutterbaum trennen und in den Boden einpflanzen.

Vorteile des Abmoosens

Das Abmoosen ist eine bewährte Methode der vegetativen Vermehrung, die genetisch identische Nachkommen des Mutterbaums garantiert. Sie ermöglicht es Ihnen, aus einem gesunden Zweig einen neuen Apfelbaum zu ziehen und so die Artenvielfalt in Ihrem Garten zu bereichern.

Bilder: Syndy / stock.adobe.com