Hin zur Nachhaltigkeit oder welches Saatgut nehme ich nur?

Die Frage, woher unser Saatgut kommt, wie es gezüchtet wurde und was es in unseren Gemüse- und Blumenbeeten macht, bewegt immer mehr Freizeitgärtner. Völlig zu Recht, wie wir meinen, denn wer die diesbezüglichen Diskussionen eine Weile verfolgt, kommt ziemlich schnell zu Begrifflichkeiten wie gentechnikfreies Saatgut, alte Sorten, Hybridsaat und der arg in die Negativschlagzeilen geratenen Firma Monsanto.

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Genetisch veränderte Samen werden nicht ohne Grund heftig diskutiert

Nur kurz zur Erinnerung, was wir uns unter hybriden Saatgutsorten, auch Mischlinge genannt, vorzustellen haben: Die verschiedenen Arten werden mit einem großen Aufwand und gentechniknahen Methoden hergestellt, sodass am Ende durch Inzucht die jeweils gewünschten Eigenschaften wie Größe, Widerstandsfähigkeit, Farbe und Form erreicht sind und über mehrere Generationen verstärkt werden. Abschließend müssen noch zwei Inzuchtlinien ineinander gekreuzt werden um am Ende die erste Filialgeneration – F1 genannt – zu erhalten. Was dabei raus kommt?

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Hybrid versus samenfeste Arten

Die so aufwachsenden Pflanzen sind besonders starkwüchsig, sehen gleichförmig aus, fallen dabei aber mit ihrer hohen Ertragsstärke bei überschaubaren Verlusten auf. Der „Hybrideffekt“ bringt allerdings einen entscheidenden Nachteil mit: Er verpufft bereits in der nächsten Generation, sodass aus eigener Ernte gewonnenes Saatgut praktisch nicht mehr nutzbar ist, da die Samenfestigkeit fehlt. Anders bei Mehrwegsaatgut, dass sich durch konventionelle Methoden, wie der Insektenbestäubung vermehren lässt und dabei seine sortenspezifischen Eigenschaften behält. Die damit gezogenen Jungpflanzen ähneln somit hundertprozentig ihren Elternpflanzen, nicht nur im Aussehen und den Eigenschaften, sondern auch im Geschmack.

Wohin geht der Trend bei der Saatgutherstellung?

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts ganz klar in Richtung Industrialisierung. Große Unternehmen haben die kleineren Pflanzenzüchterbetriebe beinahe vollständig aufgekauft, sodass heute weltweit 75 Prozent des Saatguts von zehn multinationalen Konzernen, davon fünf aus der Chemiebranche (!) hergestellt und vermarktet werden. Das Angebot an samenfesten Sorten geht mehr und mehr zurück. Viele Gemüsearten sind heute nur noch als Hybride zu bekommen und das gilt sogar für das um Einiges teuere Bio-Gemüse. Hobbygärtnersorten werden überhaupt nicht mehr entwickelt, sind daher völlig identisch mit denen, für die industrielle Landwirtschaft – eben nur in kleineren Tütchen abgefüllt.

Behördliche Verhinderung der Nutzung samenfester Sorten

Als ob dies alles noch nicht genug wäre, haben sich die Konzerne exklusive Nutzungsrechte gesichert, die einen Nachbau verbieten, selbst wenn Landwirte Saatgut aus ihrer eigenen Ernte verkaufen oder tauschen wollen. Der Handel mit Saatgut wird staatlicherseits kontrolliert, sodass nur industriefreundliche und amtlich zugelassene Sorten in den Verkehr gebracht werden dürfen. Mit Gentechnik und Terminator-Technologien erreicht die Industrie, dass Pflanzen keine keimfähigen Samen mehr bilden können (die UN hatte das leider nur vorübergehend verboten).

Saatgut ist Gemeingut!

Sagt Dreschflegel e. V als einer der größten Biosaatgutbetriebe Deutschlands und motiviert dazu, ausschließlich gentechnikfreies Saatgut zu verwenden. Allerdings kann auch das sehr breit gefächerte Angebot des hauseigenen Onlineshops nicht darüber hinwegtäuschen, dass die sogenannten „alten“ Sorten, die in unseren Hausgärten jahrzehntelang erfolgreich gezüchtet wurden, fern jeder Sinnhaftigkeit nicht mehr zugelassen sind und daher nicht offiziell gehandelt werden dürfen. Davon unbenommen bleibt natürlich die Tatsache, dass Gartenbesitzer auf ihrer Scholle immer noch die Hoheit haben, über den Anbau der „verbotenen Pflanzen“ selbst zu entscheiden. Daher abschließend zu diesem Thema von uns einige Empfehlungen für den gentechnikfreien Bezug von sauberem Bio-Saatgut:

Text: Fred Lübke
Artikelbild: Billion Photos/Shutterstock

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