Wein ausgeizen – so wird es gemacht

Bevor der Winzer seine Ernte verarbeiten kann, steht eine Menge Arbeit bevor. Die Rebstöcke erfordern vom Austrieb bis zur Winterruhe viel Aufmerksamkeit. Eine wichtige Pflegemaßnahme stellt das Ausgeizen dar, das ähnlich wie bei Tomaten abläuft und der Ertragssteigerung dient.

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Weintrauben brauchen Platz

Was sind Geiztriebe?

Ein Geiztrieb ist kein Wasserspross, sondern ähnelt den grünen Jahrestrieben. Die Schosse wachsen aus Knospen, die sich in den Blattachseln des Haupttriebs befinden, und bilden normale Pflanzenstrukturen. Wegen des späteren Austriebs erreichen die Blätter nicht das normale Ausmaß. Geize verholzen unvollständig und entwickeln kleinere Früchte, die als Geizfrüchte bezeichnet werden. Unter dem Ausgeizen verstehen Winzer das Ausbrechen dieser Pflanzenteile, womit das Wachstum der vorhandenen Rebentriebe gefördert werden soll.

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Nützlich?

Die Seitentriebe haben einige Vorteile. Je früher sie aus den sogenannten Sommerknospen treiben, desto mehr Assimilate kann die Pflanze daraus ziehen und in die Entwicklung der Hauptfrüchte stecken. Wie bei einem normalen Haupttrieb entwickelt dieser Teil der Pflanze Blüten. Allerdings zeichnen sich diese durch einen Wachstumsrückstand aus, sodass die Früchte unvollständig ausreifen. Gelegentlich werden die verkümmerten Trauben solcher Äste für die Herstellung von Weinbrand oder als Säurelieferant für Jungweine genutzt.

Vorteile des Ausgeizens

Dort, wo die Weintrauben wachsen und reifen, sind Geiztriebe nicht erwünscht. Durch das dichte Laubwerk unterdrücken diese Triebe die Durchlüftung in der Traubenzone, sodass es schneller zur Fäulnisbildung kommt. Werden Pflanzenschutzmittel verspritzt, bleiben diese an den Blättern haften und können keine Wirkung gegen Pilzerkrankungen entfalten. Nicht zuletzt erschweren die Seitentriebe die Pflege und Ernte der Haupttriebe. Daher müssen diese spätestens beim Rebschnitt weichen.

Vorgehensweise

Je früher Sie den Weinstock ausgeizen, desto einfacher lassen sich die Arbeiten erledigen. Im jungen Stadium sind die Geiztriebe noch nicht fest mit dem Stock verwachsen. Mit zunehmendem Alter entwickeln diese Zweige eine normale Blattmasse und verholzen an der Basis.

So geizen Sie aus:

  • im Sommer vor oder mit Beginn der Blüte
  • mit leichtem Druck ausbrechen
  • ältere Exemplare mit der Schere schneiden

Tipps

Nicht immer ist es notwendig, diese Geize zu entfernen. Da sie die Fruchtreife zusätzlich fördern, sind sie in unproblematischen Bereichen außerhalb der Traubenzone sogar erwünscht.

Text: Christine Riel
Artikelbild: Radovan1/Shutterstock

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