Eine Weinrebe aus Traubenkernen selber ziehen

Es ist nicht ganz einfach und erfordert einen langen Geduldsfaden. Eine Weinrebe aus Traubenkernen zu ziehen, ist ohne Übertreibung ein spannendes Experiment mit rätselhaftem Ausgang. Wer den Versuch wagen möchte, findet hier eine verständliche Anleitung.

Weinrebe ziehen

Umsichtige Auswahl der Samen und Vorbereitungsarbeiten

Im Vorfeld der eigentlichen Aussaat steht die Qualität der ausgewählten Traubenkerne im Fokus. Hier legen Sie den Grundstein für einen erfolgreichen Verlauf. Ein perfekter Samen fühlt sich fest an und sinkt in Wasser auf den Boden. Das ausgewählte Saatgut wird für 24 Stunden eingeweicht in 0,2-prozentigem Kaliumnitrat, um die natürliche Keimhemmung aufzuheben. Daran anschließend steht der Kältereiz auf dem Programm, Stratifikation genannt.

Um Traubenkerne in Keimlaune zu versetzen, müssen sie einen simulierten Winter durchlaufen. Das Gemüsefach des Kühlschranks ist hierzu ausgezeichnet geeignet. So funktioniert der Plan:

  • die vorbehandelten Samen mit feuchtem Sand in eine Plastiktüte füllen
  • die Tüte zu einer Wurst drehen und ins Gemüsefach des Kühlschranks legen
  • während der folgenden 8-12 Wochen wiederholt auf eine ausreichende Feuchtigkeit kontrollieren

Leitfaden für die Aussaat

Nachdem den Traubenkernen ein Winter vorgegaukelt wurde, sind sie zur Keimung bereit. Den Kühlschrank können sie verlassen, um in kleinen Anzuchttöpfen mit magerem Substrat etwa 1 Zentimeter tief ausgesät zu werden. Angefeuchtet mit Wasser aus der Sprühflasche, ist ab diesem Zeitpunkt eine konstante Wärme von 20 Grad Celsius erforderlich. Idealerweise steht zu diesem Zweck ein beheizbares Minigewächshaus zur Verfügung.

Alternativ überziehen Sie die Töpfe mit Klarsichtfolie und platzieren sie auf einer Wärmematte. Bis sich die zarten Keimblättchen präsentieren, ziehen 2 bis 8 Wochen ins Land. Während dieser Zeit darf das Substrat nicht austrocknen. Vor direkter Sonneneinstrahlung wird das Saatgut ebenfalls bewahrt. Haben die Keimlinge eine Wuchshöhe von 8 Zentimetern erreicht, werden sie pikiert. So machen Sie es richtig:

  • 10-cm-Töpfe zur Hälfte füllen mit Pikiererde
  • mit dem Pikierholz eine Mulde hineindrücken ins Substrat
  • einen Keimling vorsichtig aus dem Anzuchttopf herausheben
  • in die Pikiererde so einsetzen, dass diese bis an die Keimblätter heranreicht
  • bis zu einer Höhe von 30 Zentimetern im Haus pflegen, um sie anschließend im Garten zu pflanzen

Tipps & Tricks

Verwandelt sich ein Traubenkern in eine prächtige Weinrebe, wird mittels Veredelung der Triumph perfekt. Durch die Pfropfung auf eine widerstandsfähige Unterlage, verleihen umsichtige Hobbygärtner ihrer selbst gezogenen Weinrebe die nötige Abwehrkraft gegen listige Rebläuse und infamen Mehltau.

GTH

Text: Paula Jansen

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