Der heimische Weidenbohrer im Portrait

Weidenbohrer haben einen schlechten Ruf, da sie sich in frisches Holz bohren und Ziergehölze zerstören. Der Falter legt seine Eier nicht ohne Grund auf bestimmten Bäumen ab. Seine Raupen sind spezialisierte Lebewesen, die in einem gesunden Baumbestand keine Gefahr darstellen.

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Der Weidenbohrer befällt bevorzugt kranke und schwache Weiden

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Fraßaktivität der Weidenbohrerraupen lässt sich leicht mit den Gängen anderen holzbewohnender Arten verwechseln. Allerdings ist der Weidenbohrer nicht meldepflichtig. Die heimische Art befällt Weiden und Pappeln in feuchten Baumbeständen.
  • Raupen fressen sich in das Holz kränkelnder Bäume und hinterlassen bis zu zwei Zentimeter dicke und einen Meter lange Fraßgänge. Typisch sind Bohrlöcher in der Rinde, Bohrmehl und Kotkrümel am Stammfuß und der intensive Essiggeruch. Raupen sind nicht giftig.
  • Ein Rückschnitt bis in das gesunde Holz ist die erste Maßnahme. Eine Quassia-Lösung ist das effektivste Bekämpfungsmittel gegen die Raupen. Sobald sie sich in das Holz gefressen haben, ist eine Bekämpfung nahezu unmöglich.
  • Weibchen legen ihre Eier auf raue Rinde, sodass sich die Raupen in das Holz bohren können. Sie benötigen mehrere Jahre für ihre Entwicklung und verpuppen sich entweder im Holz oder im Substrat.

Sind Weidenbohrer meldepflichtig?

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Die Fraßstellen von Weidenbohrern ähneln denen anderer Schädlinge

Die Raupen des Weidenbohrers können die Standsicherheit des befallenen Baums maßgeblich beeinträchtigen. Innerhalb weniger Monate können sie gesamte Baumbestände zerstören. Sind Alleebäume befallen, besteht eine erhöhte Windbruchgefahr. Die Art ist in Europa weit verbreitet und nistet sich bevorzugt in alten Weidengehölzen ein. Sie kann auch im heimischen Garten auftreten.

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Dennoch ist es nicht notwendig, Weidenbohrer zu melden. Es besteht keine Meldepflicht. Wenn Sie Fraßgänge einer Schmetterlingsraupe entdecken, sollten Sie die Art genau identifizieren. Oft sind die Gänge der Weidenbohrer nicht eindeutig von denen anderer meldepflichtiger Holzschädlinge zu unterscheiden.

 Form der FraßgängeBesonderheitLarvenmeldepflichtig
WeidenbohrerkreisrundBohrmehl wird mit dem Kot nach draußen befördertdunkelroter Rücken, Seiten gelb, Kopfkapsel schwarznein
Asiatischer Laubholz-Bockkäferovalgrobe Bohrspäne bleiben in den Gängenbeinlos, mit brauner Chitinplatte auf der Vorderbrustja
Kastanienbohrerrundnur in Ästen mit weniger als 10 cm Durchmessererst rosa, später hellgelb mit schwarzen Punktennein
Pappelbockovalauf Pappeln und Weiden beschränktkugelig, Stirnplatte gekörntnein

So erkennen Sie Schäden durch Weidenbohrer

Der Weidenbohrer gilt als Schädling, da seine Raupen bereits geschwächte Gehölze und Bäume zerstört. Die Schadbilder sind auf den ersten Blick nicht eindeutig auf diese Art zurückzuführen. Es gibt zahlreiche Holzschädlinge, die Bohrgänge im Holz hinterlassen. Achten Sie daher auf kleine Spuren, die den Verursacher preisgeben.

Typisches Schadbild einer Weidenbohrer-Raupe

Schadbild

Weidenbohrer befallen bevorzugt ältere und bereits erkrankte Bäume, denen sie gefährlich werden können. Ihre unregelmäßigen Bohrgänge führen meist stammabwärts und können sich auf einen Meter Länge ausdehnen. Die Tunnel erreichen einen Durchmesser bis zu zwei Zentimeter.

Betroffene Bäume leiden unter einer gestörten Nährstoff- und Wasserversorgung, sodass Zweige und Blätter vertrocknen. Das stark ausgehöhlte Holz kann bei Winden leicht brechen. In den Bohrlöchern kommt es häufig zu einer Ausbreitung von Fäulnispilzen, welche den Baum zusätzlich schwächen. Bei einem starken Befall besteht die Gefahr, dass der gesamte Baum abstirbt.

Befall erkennen

Zum Fraßbild der Weidenbohrer-Raupen gehören große Löcher in der Rinde, durch welche Kot und Bohrmehl entsorgt werden. Am Stammfuß eines befallenen Baums finden Sie häufig rötlich gefärbte Bohrspäne und Kotreste. An älteren Löchern können Sie einen Saftfluss erkennen.

Aktivitäten einer Weidenbohrer-Raupe sind am typischen Essiggeruch erkennbar, der sich um den Baum hüllt. Bei einem starken Befall sind in der Nacht knackende oder raspelnde Fraßgeräusche hörbar, die aus dem Inneren des Baums nach draußen vordringen. Gelegentlich bewegen sich die Raupen deutlich sichtbar auf der Baumrinde fort.

Bohrgänge der Weidenbohrer-Raupen sind unregelmäßig geformt, bis zu zwei Zentimeter im Durchmesser und führen meist von oben nach unten.

So sehen Raupen aus

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Ältere Raupen sind meistens rotbraun

Während das Schadbild leicht mit der Aktivität anderer holzfressender Raupen verwechselt werden kann, ist die Raupe eindeutig erkennbar. Sie hat einen gelb gefärbten Körper und entwickelt in den späteren Entwicklungsstadien einen dunkelrot gezeichneten Rücken. Dass die Raupen eigentlich gelb gefärbt sind, wird bei überwinternden Individuen deutlich. Wenn Sie im Winter eine Raupe in der obersten Substratschicht finden, hat diese ihre typische Rotfärbung verloren und erscheint vollständig gelb gefärbt.

Typische Merkmale:

  • meist 60 bis 100 Millimeter lang
  • Kopf und Teile des Nackenschildes ganzjährig schwarz
  • stark glänzender Körper
  • Warzen mit kurzen weißen Haaren besetzt
  • kräftig entwickelte Mundwerkzeuge

Warum werden Bäume befallen

Weidenbohrer gehören zu den Holzbohrern, deren Raupenentwicklung in frischem Holz stattfindet. Die ausgewachsenen Falter haben verkümmerte Saugrüssel und können keine Nahrung aufnehmen. Ihr einziger Existenzgrund besteht in der Fortpflanzung und damit in der Aufrechterhaltung ihrer Art.

Ursachen

Der Weidenbohrer ist ein Schmetterling, der weit verbreitet und nachtaktiv ist. Er besiedelt hauptsächlich feuchte Baumbestände, in denen Weiden stehen. Daher sind die Nachtfalter häufig an fließenden Gewässern aber auch in Parkanlagen oder auf Wiesen anzutreffen. Gelegentlich sind die Arten in Mischwäldern oder in Haus- und Obstgärten mit altem Baumbestand verbreitet.

Weibchen suchen für die Eiablage kränkelnde und ältere Bäume auf, sodass sie in der Natur die Zersetzung des alten Holzes einleiten und begünstigen. Wahrscheinlich werden sie vom essigsäureartigen Geruch angezogen, den ältere Larven im Holz absondern.

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Häufig befallene Bäume

Weidenbohrer bevorzugen Laubbäume und treten überwiegend an verschiedenen heimischen Weidenarten oder Ziersträuchern wie Harlekinweide auf. Wenn Gehölze stark geschwächt sind, legen die Nachtfalter ihre Eier auch in das Holz anderer Baumarten. Raupen sind in Ahorn, Buche, Esche, Pappel, Eiche, Walnuss, Linde und Ulme zu finden.

Bevorzugte Baumarten:

  • Salix: Salweide
  • Betula: Hänge-Birke
  • Alnus: Schwarzerle
  • Pyrus: Birne
  • Malus: Apfel

Ist die Weidenbohrer-Raupe giftig?

Die Raupe des Weidenbohrers ist angriffslustig und kann ihre Beißwerkzeuge einsetzen, wenn sie sich bedroht fühlt. Kinder, Hunde und Katzen sollten Abstand von den Raupen halten. Wenn die Raupe vom Weidenbohrer beißt, kann das sehr schmerzhaft sein. Ein Biss birgt keine gesundheitlichen Gefahren und die Falter gelten als nicht giftig für dem Menschen.

Exkurs

Holzbohrer und ihr Speisewert

Zahlreiche Raupen der Holzbohrer gelten bereits seit der Antike als Speiseinsekten. Griechen und Römer haben die Raupen als Delikatesse genossen. Um einen proteinreichen Leckerbissen zu erhalten, wurden die Raupen mit Mehl gemästet. In Mexiko gelten die Raupen eines Holzbohrers, der bevorzugt in Agaven lebt, seit der Aztekenzeit als essbar. Noch heute werden die Raupen gegessen. Die in Australien lebenden Aborigines lieben diese Delikatesse und verspeisen die Raupen gemeinsam mit anderen holzbewohnenden Raupen von Wurzelbohrer oder Bockkäfer.

Erste Hilfe durch Rückschnitt

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Betroffene Pflanzenteile sollten großzügig entfernt und entsorgt oder verbrannt werden

Schnittmaßnahmen sind in einem frühen Befallsstadium die erfolgreichste Methode, um den Weidenbohrer zu beseitigen. Je länger die Raupen im Holz leben, desto mehr dehnen sie sich aus. Die Bohrgänge der Nachtfalterraupen können bis zu einen Meter lang werden. Schneiden Sie den befallenen Baum soweit zurück, bis gesundes und nicht durchbohrtes Holz sichtbar wird. Wenn keine Raupen mehr im Holz leben, kann sich das Gehölz erholen und neu austreiben.

Tipps

Verbrennen Sie den Gehölzschnitt, denn ansonsten entwickeln sich die Weidenbohrerraupen im Holz weiter und können einen erneuten Befall auslösen.

Veredelte Sorten

Wenn eine veredelte Harlekinweide durch den Weidenbohrer befallen ist, gestaltet sich der Rückschnitt schwieriger. Sie müssen darauf achten, dass die Veredelungsstelle intakt bleibt. Diese liegt im oberen Stammdrittel und ist deutlich verdickt, da hier ein Veredelungsreis auf eine typische Weidenart aufgepfropft wurde. Wenn Sie diese Stelle abschneiden, treibt nicht mehr Ihre Harlekinweide sondern die eigentliche Unterlage aus.

Weidenbohrer bekämpfen

Normalerweise ist es nicht erforderlich, den Weidenbohrer zu bekämpfen. Da er einen wichtigen Teil eines funktionierenden Ökosystems darstellt und in Europa heimisch ist, gilt er nicht zwangsläufig als massiver Holzschädling. Es gibt keine chemischen Spritzmittel, die zur Bekämpfung des Weidenbohrers zugelassen sind. Im Hausgarten stößt die Art trotzdem nicht auf Anerkennung. Maßnahmen zur Beseitigung sind für Bäume mit Zierwert sinnvoll.

Frühe Bekämpfung notwendig

Wenn sich die Raupen in das Holz eingefressen haben, ist eine Bekämpfung nahezu unmöglich. Daher ist es wichtig, die noch jungen Raupen im Anfangsstadium zu töten, wenn diese noch auf der Rinde fressen. Die Weibchen legen ihre Eier bevorzugt an der Stammbasis ab, wo die Raupen nach kurzer Zeit schlüpfen.

Quassia

Quassin ist ein starker Bitterstoff, dem eine insektizide Wirkung nachgesagt wird. Er ist in einigen Bitterholzarten wie dem Brasilianischen Quassiabaum (Quassia amara) enthalten und wird als Pulver in Apotheken angeboten. Ein Auszug aus den Bitterstoffen hilft gegen Weidenbohrerraupen, wenn diese direkt eingesprüht werden. Sie können die Lösung auch vorbeugend von Frühjahr bis Herbst auf die Gehölze sprühen. Beachten Sie, dass Quassin nicht nützlingsschonend ist.

Herstellung der Quassia-Lösung:

  1. 150 Gramm Bitterholz oder Quassia-Pulver mit zwei Liter Wasser übergießen
  2. über Nacht ziehen lassen und anschließend aufkochen
  3. Sud etwa eine Stunde köcheln lassen
  4. Flüssigkeit absieben und mit zehn Liter Wasser verdünnen

Wenn Sie Bitterholz verwenden, können Sie die Stücke nach dem Aufkochen trocknen und wiederverwenden. Quassin hat einen Bitterwert von 13.000.000. Nach einer 13 millionenfachen Verdünnung schmeckt die Lösung noch immer bitter. Sie können auch 250 Gramm Schmierseife (36,41€ bei Amazon*) im kochenden Sud auflösen. Sie sorgt dafür, dass die Flüssigkeit besser auf der Rinde haftet. Nach zwei bis drei Tagen sollten die Rückstände am Baum mit klarem Wasser abgespült werden.

Chrysanthemen-Extrakt

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Die schönen Chrysanthemen können Weidenbohrern – und anderen Nützlingen – das Leben kosten

Die Dalmatinische Insektenblume produziert das natürliche Gift Pyrethrum. Es dient als Kontaktinsektizid und wird gegen häufige Schädlinge, deren Eier und Larven angewendet. Da der Wirkstoff auch Nützlinge gefährdet, sollte die Anwendung im Freien mit äußerster Vorsicht erfolgen. Innerhalb weniger Minuten tritt der Knock-down-Effekt ein. Einige Insekten schaffen es, die Pyrethrine im Körper abzubauen.

Drahtmethode sinnvoll?

Oft wird empfohlen, einen stabilen Draht in die Bohrlöcher zu schieben. Durch das kontinuierliche Stochern soll die Raupe der Länge nach aufgespießt werden. Der Erfolg dieser Maßnahme ist allerdings nicht sehr groß. Die Fraßgänge erstrecken sich teilweise bis zu einen Meter tief in das Holz, sodass Sie die darin lebende Raupe mit einem zu kurzen Draht nicht erfassen können. Stark geschädigte Bäume können von mehreren Raupen bewohnt werden, sodass Sie nie alle Exemplare erwischen.

Vorbeugung

Weidenbohrer benötigen für ihre Eiablage Laubbäume, deren Rinde feucht, rau und gefurcht ist. Die Raupen bohren sich in das Holz ein, welches durch Trockenschäden beeinträchtigt wurde oder durch Krankheiten und Pilze geschwächt ist. Eine regelmäßige Wasserversorgung und eine Kali-Düngung sind die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung eines Befalls, denn sie unterstützen die Vitalität des Baums. Nachdem Sie dem Baum einen Schnitt unterzogen haben, sollten Schnittwunden sofort mit einem Wundverschluss versiegelt werden. Offene Wunden bieten der Raupe eine ideale Eintrittspforte.

Tipps

Um die Eiablage zu verhindern, sollten Sie den Stamm regelmäßig kalken. Vorher wird die Rinde mit einem Stammschaber oder einer Bürste entfernt, wodurch der Stamm für die Falter unattraktiv wird.

Lebensweise und Entwicklung

Weidenbohrer gehören zur Familie der Holzbohrer (Cossidae). Männchen haben eine Flügelspannweite von 80 Millimeter. Weibchen erreichen eine Größe von 100 Millimeter, weswegen die Art als größter Kleinschmetterling in Mitteleuropa gilt. Als nachtaktiver Falter ist Cossus cossus unscheinbar braun gefärbt. Auf den Vorderflügeln befinden sich schwarze Querlinien. Die Hauptflugzeit erstreckt sich von Juni bis Juli, wobei der Schmetterling von Ende Mai bis Anfang August beobachtet werden kann.

Eiablage

Weibchen produzieren nach der Paarung etwa 700 Eier. Sie legen mehrere Eipakete mit jeweils 20 bis 50 Eiern in die Furchen von rauen Baumstämmen. Für die Eiablage werden geschwächte Laubbäume wie Weiden und Pappeln bevorzugt. Die Eier sind durch ein klebriges Sekret vor Austrocknung geschützt.

Entwicklung

Nachdem die Larve geschlüpft ist, dringt sie in die Rinde ein. Sie ernährt sich von Baumsäften und Holzfasern und durchläuft mehrere Häutungen. Im zweiten Jahr fressen sich die Raupen tiefer in das Holz und bewegen sich stammaufwärts durch den Baum. Kurz vor der Verpuppung haben die Larven eine Länge von 100 Millimeter erreicht. Ihre Entwicklung dauert zwischen zwei und vier Jahre, da Holzfasern kaum Nährstoffe besitzen. Die jungen Falter schlüpfen im Sommer aus ihren Puppen.

Verpuppung

Normalerweise erfolgt die Verpuppung nach der dritten Überwinterung im Holz. Die Raupen produzieren einen festen Kokon, der etwa sechs Zentimeter groß ist. Dieser besteht aus Gespinstfäden und wird von Bohrspänen umhüllt, wenn sich dieser im Fraßgang befindet. Puppen im Substrat sind häufig mit Erdpartikeln durchsetzt. Es gibt drei Varianten, wie sich Weidenbohrerraupen verpuppen können:

  • Variante 1: graben sich zum Überwintern im Herbst in das Substrat und verpuppen sich im Frühjahr
  • Variante 2: überwintern als Raupe im Baum und verpuppen sich im Frühjahr in der Bodenstreuschicht
  • Variante 3: verpuppen sich hinter einer mit Bohrspänen verstopften Öffnung in einem Spänenkokon

Häufig gestellte Fragen

Ist der Weidenbohrer nützlich?

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Weidenbohrer sind im Prinzip sehr nützliche Tiere

Diese Art, die sich bevorzugt auf Weiden niederlässt, ist ein wichtiger Teil eines funktionierenden Ökosystems. Sie gehört zu den Holzbohrern, die es auf frisches und lebendes Holz von bereits kranken oder geschwächten Bäumen abgesehen haben.

Indem seine Raupen Gänge in das Holz bohren, die den gesamten Baum durchziehen können, beschleunigt der Weidenbohrer das Absterben kranker Gehölze. Auch die Pilze, die sich im Anschluss in den Bohrgängen ansiedeln, sorgen für eine schnellere Holzzersetzung. Somit räumt dieser Nachtfalter die Natur auf und macht Platz für frische Keimlinge.

Wie viele Weidenbohrer-Raupen leben in einem Gang?

Sobald die jungen Raupen aus ihren Eiern geschlüpft sind, suchen sie sich eine Eintrittspforte in das Holz. Sie leben im ersten Jahr gesellig unter der Rinde. Dieser sogenannte Platzfraß endet im zweiten Entwicklungsjahr. Die Raupen verteilen sich im Holz auf einzelne Gangsysteme, die voneinander getrennt sind. Meist erfolgt ihre Fraßtätigkeit stammabwärts, da sie sich an der Stammbasis oder in einem der unteren Fraßlöcher verpuppen.

Wie sieht eine Weidenbohrer-Raupe aus?

Die Larven des Weidenbohrer werden zwischen sechs und zehn Zentimeter lang. Auf der Suche nach einem Platz zum Überwintern oder Verpuppen sind die Raupen im Herbst auf der Rinde befallener Bäume oder auf dem Boden zu beobachten. Zu dieser Zeit ist ihr Rücken von einem dunkel- bis weinroten Band überzogen und die Seiten erscheinen gelb.

Der Körper leuchtet stark und ist vereinzelt mit weißen Haaren besetzt. Durch den schwarzen Kopf und die teilweise schwarz gefärbte Nackenpartie entsteht eine Signalzeichnung. Typisch ist der Holzessigduft, der etwas an Ziegengeruch erinnert. Die Puppen sind etwa sechs Zentimeter lang und rötlichgelb gefärbt. Die einzelnen Hinterleibssegmente sind mit dunklen Dornenreihen versehen.

Warum sehen überwinternde Raupen anders aus als Sommerraupen?

Dass die Raupen im späten Entwicklungsstadium eine auffällige Rotfärbung auf dem Rücken tragen, hat evolutionäre Gründe. Es kommt öfter vor, dass die Raupen auf der Rinde zu finden sind oder auf der Suche nach einem Verpuppungsplatz über den Erdboden kriechen. In diesen Fällen sind sie eine leichte Beute.

Durch die Signalfarben Schwarz und Rot versuchen sie potentiellen Fressfeinden mitzuteilen, dass ihr Körper ungenießbar oder giftig ist. Tatsächlich besitzen die Raupen keine giftigen Inhaltsstoffe, sodass die Rotfärbung ein wichtiger Schutz vor gefräßigen Vögeln und anderen Räubern ist. Während der Wintermonate verlieren sie diese Färbung und erscheinen vollständig gelb.

Wie sehen Weidenbohrer aus?

Die Nachtfalter sind kaum zu erkennen, wenn sie auf der Rinde von Laubbäumen sitzen. Ihre plumpen Körper besitzen hellgrau gefärbte Flügel, die dunkelgrau marmoriert sind. Teile der Flügel erscheinen bräunlich. Die Flügel imitieren die Färbung von Baumrinden, wodurch eine optimale Tarnung entsteht. Auch die Beine fügen sich in dieses Tarnmuster ein, denn sie sind schwarz-weiß geringelt. Weibchen sind etwas dicker als Männchen. Sie erreichen eine Flügelspannweite zwischen 65 und 100 Millimeter.

Text: Christine Riel

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