Alles Wissenswerte über Palmensamen

Die Vielfalt der Palmengewächse bedingt, dass auch die Palmensamen sehr unterschiedlich aussehen. Von großen runden über längliche bis zu sehr kleinen Samenkörnern ist fast jede Form vertreten. Auch die Keimzeit der einzelnen Sorten unterscheidet sich stark. Haben Sie Saatgut im Urlaub gesammelt oder sind Samen in der Küche übrig geblieben, so ist es eine schöne Erfahrung, aus diesen die mediterranen Pflanzen einmal selbst heranzuziehen.

Palmen Samen
Palmensamen können je nach Palmenart erbsenklein oder kopfgroß sein

Wir befassen uns in diesem Artikel:

  • Mit dem Aussehen und der Beschaffenheit der Früchte,
  • warum Palmen nur aus Samen vermehrt werden können
  • und wie dies gelingt.

Das Aussehen der Früchte

Palmenfrüchte sind ausgesprochen vielgestaltig und erreichen unterschiedlichste Größen. So ist die Seychellennuss mit einem Durchmesser von einem halben Meter und einem Gewicht von dreißig Kilogramm eine der schwersten Früchte der Erde. Andere hingegen wiegen nur einige Gramm und sehen aus wie kleine Staubkörnchen. Die Oberfläche kann glatt und glänzend oder, wie bei der Kokospalme, von langen Fasern bedeckt sein. Auch die Färbung ist nicht einheitlich und reicht von Gelb und Rot über Grau und Braun bis hin zu tiefem Schwarz.

Steinfrucht oder Beere?

Steinfrüchte kommen ebenso vor wie Beeren. So handelt es sich bei der Kokosnuss um eine Steinfrucht, die in ihrem Aufbau einer Kirsche ähnelt. Sie ist von einer glatten Haut, dem Exocarp, umgeben. Darunter findet sich faseriges Pflanzengewebe (Mesocarp). Aus diesem werden die Kokosfasern gewonnen, die zu sehr stabilen Garnen versponnen werden können. Das Mesocarp umgibt den wohlschmeckenden, harten Kern, das Endocarp. In diesem wiederum ist der Samen eingeschlossen. Seitlich befinden sich drei Punkte, die Keimlöcher. Aus einem dieser wächst, findet die herabgefallene Nuss gute Bedingungen vor, irgendwann der Keim heraus.

Beerenfrüchte haben hingegen ein weiches Endocrap, das mit dem Samen fest verwachsen ist. Auch ihr Fruchtfleisch ist in einigen Fällen essbar. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Echte Dattelpalme.

Die Keimzeit

Palmen werden überwiegend durch Samen vermehrt, da nur wenige Arten seitliche Ableger bilden. Auch die Teilung wie bei anderen Pflanzen ist aufgrund der Wuchsform nicht möglich.

Die Keimzeit differiert von Art zu Art sehr stark. Sie dauert bei einigen Arten nur etwa zwei Wochen, andere Sorten lassen sich bis zu drei Jahre Zeit, bis die Saat endlich aufgeht.

Palmen sind monokotyle Pflanzen

Beim Aufgehen der Samen wird eine weitere Eigenart der Palmen sichtbar. Im Palmensamen wird nur ein einziges Keimblatt angelegt und nicht, wie bei vielen anderen Pflanzen, ein Blattpaar.

Palmen selbst heranziehen

Den besten Keimerfolg erzielen Sie mit frischen Samen, beispielsweise einem Dattelkern. Alternativ erhalten Sie keimfähige Samen im Pflanzenfachhandel. Mit etwas Geduld und Experimentierfreude können Sie aus diesen selber die verschiedensten Palmenarten züchten.

Anzucht im Keimbeutel

Diese Methode hat sich bei Palmenfreunden sehr bewährt, denn durch die gleichbleibenden Bedingungen geht die Saat relativ zuverlässig auf. Gehen Sie dabei folgendermaßen vor:

  • Samen vom Fruchtfleisch befreien und zwei bis drei Tage in Wasser legen.
  • Kokohum, Quellerde oder Perlite gut mit Wasser tränken und einige Stunden stehen lassen.
  • Etwas ausdrücken, denn ein Zuviel an Feuchtigkeit führt auch bei diesen keimfreien Erden zu Fäulnis.
  • Substrat in eine Tüte oder eine Plastikdose geben und Palmensamen darauflegen.
  • Gut verschließen und an einen Ort stellen, an dem eine Temperatur zwischen 22 und 28 Grad Celsius herrscht.
  • Es kann die Keimung beschleunigen, wenn Sie die natürlichen Tag- und Nacht Temperaturschwankungen simulieren. Platzieren Sie den Beutel beispielsweise tagsüber auf der warmen, absonnigen Fensterbank und nachts in einem kühlen Raum.

Nun ist viel Geduld gefragt, denn Palmensamen lassen sich gerne Zeit mit der Keimung. Zudem gehen selten alle Samenkörner gleichzeitig auf. Zeigt sich ein Keimling mit Wurzel, entnehmen Sie diesem dem Gefäß und setzen ihn in einen hohen, schmalen Pflanztopf. Hier kann sich die Pfahlwurzel optimal entfalten.

Anzucht im Topf

Möchten Sie beispielsweise eine Kokosnuss zur Keimung bringen, eignet sich die Methode mit dem Plastikbeutel nicht. Hier hat sich folgende Vorgehensweise bewährt:

  • Der Größe des Samens angepassten Blumentopf mit Kokohum oder Kokosquellerde füllen und gut anfeuchten.
  • Palmensamen hineingeben und etwa einen Zentimeter dick mit dem Substrat bedecken.
  • Kokosnüsse werden etwa zur Hälfte in Substrat gelegt.
  • Mit einer Haube oder einer Tüte bedecken (Gewächshausklima).
  • Regelmäßig gießen und gelegentlich lüften.
  • Sobald das Keimblatt sichtbar wird darauf achten, dass er weiterhin in der feuchten Erde liegt.
  • Umgetopft wird erst, wenn sich die Wurzelspitzen am Abzugsloch des Anzuchtgefäßes zeigen.

Tipps

Im Jahr 1963 wurden bei Ausgrabungen in Israel zweitausend Jahre alte Dattelpalmensamen gefunden. Im Jahr 2005 konnte einer dieser Samen zur Keimung gebracht werden. Diese Palme, die heute in der Wüste Negev steht, wird Judäische Dattelpalme genannt und gilt als das Gewächs, das aus dem ältesten Samenkorn herangezogen werden konnte.

Text: Michaela Kaiser

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