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Obstbäume kalken: Warum es wichtig ist und wie es geht

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Regelmäßiges Kalken schützt Obstbäume vor Frostrissen und fördert ihr Wachstum. Dieser Artikel erklärt, warum Kalken wichtig ist, welche Kalkarten geeignet sind und wie Sie Ihre Bäume fachgerecht behandeln.

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Kalk schützt Obstbäume vor Frostschäden

Warum Obstbäume kalken?

Das Kalken von Obstbäumen, insbesondere jungen Bäumen, dient primär dem Schutz vor Frostrissen, die durch starke Temperaturschwankungen im Winter entstehen. An sonnigen Tagen erwärmt sich die Sonnenseite des Stammes, während die Schattenseite kalt bleibt, was zu Spannungen und Rissen in der Rinde führen kann. Der weiße Kalkanstrich reflektiert das Sonnenlicht und verhindert so eine übermäßige Erwärmung der Rinde.

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Weitere Vorteile des Kalkens

Neben dem Frostschutz bietet der Kalkanstrich weitere Vorteile:

  • Schutz vor Schädlingen und Krankheiten: Der Anstrich verschließt Ritzen in der Rinde, die ideale Verstecke für Schädlinge und Nährböden für Pilzerkrankungen sind.
  • Förderung des Baumwachstums: Kalk wirkt langsam bis in den Boden und versorgt die Wurzeln mit wichtigen Nährstoffen, die das Dickenwachstum unterstützen.
  • Schutz vor Wildverbiss: Der weiße Anstrich schreckt Wildtiere ab, die ansonsten die Rinde anknabbern könnten.
  • Verminderung von Moos und Flechten: Der Kalkanstrich hilft gegen Moos- und Flechtenbewuchs, wodurch die Bäume gepflegter wirken.
  • Späterer Austrieb im Frühjahr: Kalk kann dazu führen, dass der Baum im Frühjahr später austreibt, was die Blüte vor Spätfrösten schützt.

Der richtige Zeitpunkt zum Kalken

Der optimale Zeitpunkt für den Kalkanstrich ist der späte Herbst oder frühe Winter, also vor Einsetzen der ersten starken Fröste. Sollte der Anstrich durch Regen abgewaschen werden, kann im zeitigen Frühjahr bei frostfreiem Wetter nachgekalkt werden.

Geeignete Kalkarten

Für den Kalkanstrich an Obstbäumen können verschiedene Kalkarten verwendet werden:

  • Gelöschter Kalk: Dieser ist milder und lässt sich leichter handhaben, ideal für Anwender mit wenig Erfahrung.
  • Brandkalk: Diese Variante ist ätzender und muss vor der Anwendung korrekt gelöscht werden. Vorsicht ist geboten, da er Haut und Augen reizen kann.

Fertige Kalkanstriche vs. Selbermachen

Im Handel gibt es fertige Kalkanstriche, aber Sie können den Anstrich auch selbst herstellen.

Fertige Kalkanstriche:

  • Sofort einsatzbereit und zeitsparend
  • Konsistente Qualität und einfache Anwendung, ideal für Anfänger

Selbermachen:

  • Kontrolle über die Zutaten, besonders wichtig zur Vermeidung von Zusatzstoffen
  • Kostengünstiger, besonders bei größeren Mengen
  • Möglichkeit zur Anpassung und Verbesserung durch eigene Zusatzstoffe

Beim Selbermachen sollten immer Schutzmaßnahmen wie das Tragen von Schutzbrille und alter Kleidung beachtet werden, da Kalk Haut, Augen und Atemwege reizen kann.

Kalkanstrich selber herstellen

Für die Herstellung eines Kalkanstrichs benötigen Sie:

  • 10 Liter Wasser
  • 1 Liter angerührten Tapetenkleister ohne Kunstharze
  • 1,5 kg Kalk

Die Konsistenz sollte etwas dünner als Wandfarbe sein, damit der Anstrich gut in die Ritzen der Rinde eindringen kann.

Vorbereitung der Bäume

Junge Obstbäume benötigen keine spezielle Vorbereitung. Bei älteren Bäumen sollten lose Rindenteile, Flechten und Moose vorsichtig mit einer Drahtbürste entfernt werden. Verletzen Sie dabei junge Äste und grüne Stellen nicht, um Infektionen zu verhindern. Bei bereits vorhandenen Frostschäden können die Wunden mit einem scharfen Werkzeug glatt ausgeschnitten und mit Baumwachs verschlossen werden.

Auftragen des Kalkanstrichs

Der Kalkanstrich sollte gleichmäßig auf den Stamm aufgetragen werden. Es empfiehlt sich, lieber dünne Schichten zu streichen und diese bei Bedarf zweimal zu überstreichen. Kleine Bäume können komplett gestrichen werden, bei großen Bäumen reicht es aus, den Stamm bis etwa zur Kopfhöhe zu kalken. Der Anstrich sollte bei trockenem Wetter erfolgen, damit die Farbe gut trocknen kann. Regen oder Frost während der Anwendung verhindern ein gutes Haften des Anstrichs.

Regelmäßiges Erneuern des Anstrichs

Der Kalkanstrich sollte jährlich im Herbst erneuert werden, da er durch Regen im Laufe des Jahres abgewaschen wird. Wird die Farbe besonders schnell abgetragen, kann im Frühjahr ein weiterer Anstrich vorgenommen werden. Ein frischer Kalkanstrich im Herbst ist entscheidend für den optimalen Frostschutz.

Bilder: Radovan1 / Shutterstock