Nadelbäume kürzen – sinnvoll oder nicht?

Viele Nadelbäume - allen voran Tannen und Fichten - können nach einigen Jahren beachtliche Höhen erreichen. Stehen sie dann in einem Garten, womöglich noch im Vorgarten, kann ein 30 oder 40 Meter hoher Baum schnell für Probleme sorgen. Bevor Sie jedoch die Säge ansetzen und die Spitze kappen, lesen Sie sich am besten erst einmal diesen Artikel durch. Das Kürzen des betreffenden Baums ist nämlich nicht immer eine gute Idee.

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Das Kürzen eines Nadelbaums bewirkt oft ein stärkeres Wachstum

Vermeintliche Gründe für das Kürzen eines Nadelbaums

Es gibt unterschiedliche Gründe, weshalb das Kappen der Baumspitze vermeintlich notwendig ist. Tatsächlich sollten Sie es lieber lassen, denn in den meisten Fällen wird der erwartete Effekt nicht oder nicht so wie gewünscht auftreten – ganz abgesehen davon, dass so ein gekappter Baum alles andere als ansehnlich ist.

Höhe des Baumes

In vielen Fällen ist die schiere Höhe des Baums der Hauptgrund für eine Kürzung: Entweder nimmt der Baum auf dem eigenen Grundstück oder auf dem des Nachbars zu viel Platz weg oder ein Umfallen (beispielsweise aufs Hausdach oder die Garage) wird befürchtet. Nun ist es so, dass kein Baum einen Rückschnitt einfach so hinnimmt: Auch der gekappte Nadelbaum treibt umso stärker aus und wird daher innerhalb kürzer Zeit ebenso hoch, wenn nicht sogar noch höher als vorher. Allerdings ist er dann zudem instabil, da sich meist mehrere Leitäste daran machen, die Krone neu zu bilden. Dadurch steigt das Gewicht in der Spitze stark an, was wiederum ein teilweises oder sogar vollständiges Abbrechen zur Folge haben kann. Sie erreichen also mit dem Kappen der Spitze genau das Gegenteil von dem, was Sie eigentlich erreichen wollten – ganz abgesehen davon, dass Sie den Baum nun jedes Jahr schneiden müssen.

Lebensverlängernde Maßnahme

So mancher rät bei einem starken Krankheits- oder Schädlingsbefall dazu, die Lebensdauer des Nadelbaums mit dem Kappen der Spitze zu verlängern. Schließlich müsse der Baum nun weniger Pflanzenteile versorgen und könne sich so besser auf die Bekämpfung von Pilzen und Co. konzentrieren. Hier gehen die Meinungen von Experten stark auseinander, wobei die heutige Lehrmeinung sich eher gegen eine Kürzung ausspricht. Wie so oft hat die Maßnahme nicht zwingend den erhofften Effekt, da ein Rückschnitt den Baum auch schwächen kann. Anschließend hat er an zwei Fronten zu kämpfen – er muss neu austreiben und kämpft gegen die Krankheit – und kann diesen Kampf in der Regel nicht gewinnen.

Tipps

Auch wenn der Nachbar noch so drängelt: Sind die hohen Bäume vor ihm dagewesen, muss er in aller Regel mit ihnen leben. Auch sonst unterliegt das Fällen und Kürzen hoher Bäume strengen gesetzlichen Regelungen.

Text: Ines Jachomowski
Artikelbild: mykhailo pavlenko/Shutterstock
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