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Bonsai aus heimischen Bäumen: So gelingt die Miniaturkunst

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Die Kunst der Bonsaikultivierung eröffnet faszinierende Möglichkeiten, heimische Bäume in Miniaturform zu gestalten. Dieser umfassende Leitfaden begleitet Sie von der Auswahl des passenden Baumes über die verschiedenen Gestaltungstechniken bis hin zur Pflege Ihres Bonsais.

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Auch heimische Bäumen lassen sich zum Bonsai erziehen

Beschaffung eines Bonsai-Baumes

Der erste Schritt auf Ihrem Weg zum eigenen Bonsai ist die Auswahl eines geeigneten Baumes. Hier bieten sich Ihnen verschiedene Möglichkeiten:

  • Anzucht aus Samen: Wenn Sie Ihren Bonsai von klein auf begleiten möchten, können Sie ihn aus Samen ziehen. Diese Methode erfordert zwar Geduld, ermöglicht Ihnen aber, eine besonders tiefe Verbindung zu Ihrem Baum aufzubauen und seine Entwicklung von Beginn an zu verfolgen.
  • Entnahme aus der Natur: Ältere, kleinwüchsige Bäume aus naturnahen Standorten wie Berghängen oder Waldlichtungen eignen sich hervorragend als Bonsais. Ihre Wuchsform ist oft bizarr und interessant, zudem sind sie in der Regel sehr robust. Beachten Sie hierbei unbedingt die geltenden Naturschutzbestimmungen und holen Sie sich vor der Entnahme die Genehmigung des Eigentümers oder der zuständigen Behörde ein.
  • Kauf im Fachhandel: Sowohl Gartencenter als auch spezialisierte Bonsaihändler bieten eine Auswahl an heimischen Baumarten an, die sich gut als Bonsais eignen. Diese Bäume sind meist bereits an das Leben im Topf gewöhnt, was die Pflege erleichtert. Im Fachhandel finden Sie zudem eine große Bandbreite an Arten und Wuchsformen, sodass sowohl Anfänger als auch erfahrene Bonsaigärtner fündig werden.

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Jeder dieser Wege hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Wählen Sie die Methode, die am besten zu Ihren Wünschen und Möglichkeiten passt. Achten Sie bei der Auswahl des Baumes neben ästhetischen Aspekten auch darauf, dass er für die klimatischen Bedingungen in Ihrer Region geeignet ist. So stellen Sie sicher, dass sich Ihr Bonsai optimal entwickelt und Sie lange Freude an ihm haben.

Wachsenlassen des jungen Baumes

Junge Bäume benötigen nach der Keimung zunächst eine Phase ungestörten Wachstums. In dieser Zeit entwickeln sie einen kräftigen Stamm und ein stabiles Wurzelsystem. Ein gut etablierter Baum bildet die perfekte Grundlage für die spätere Gestaltung als Bonsai.

Äste beschneiden

Das Beschneiden der Äste ist ein wichtiger Schritt bei der Bonsaigestaltung. Es erfordert Sorgfalt und ein gutes Verständnis dafür, wie sich der Baum entwickeln soll.

  1. Wählen Sie zunächst die Äste aus, die später die Krone Ihres Bonsais bilden sollen. Diese können Sie zunächst länger belassen, da sie als Grundgerüst für eine dichte Verzweigung dienen.
  2. Entfernen Sie nicht benötigte Äste vorsichtig an der Basis. Verwenden Sie hierfür eine scharfe Schere oder Zange, um einen sauberen Schnitt zu gewährleisten. Achten Sie darauf, dem Baum ausreichend Blattmasse für das weitere Wachstum zu lassen.
  3. Schneiden Sie ganze Äste direkt über einem Seitentrieb oder dem nächsten Seitenast ab. So behält der Baum seine natürliche Wuchsform bei. Der verbleibende Ast sollte mindestens ein Drittel so dick sein wie der entfernte, um eine harmonische Krone zu fördern.
  4. Zum Entfernen größerer Äste empfiehlt sich eine Konkavzange. Diese hinterlässt eine konkave Wunde, die besser verheilt. Führen Sie den Schnitt so sauber wie möglich und nah am Stamm aus, um die Heilung zu optimieren und ein schönes Erscheinungsbild zu erzielen.
  5. Obwohl es nicht immer zwingend erforderlich ist, können Sie die Schnittstelle mit Wundverschlussmittel behandeln, um eine schnelle und effiziente Heilung zu unterstützen.

Denken Sie daran, dass kleine Erhaltungsschnitte das ganze Jahr über möglich sind. Umfangreichere Gestaltungsschnitte sollten Sie jedoch idealerweise im zeitigen Frühjahr oder im Spätherbst durchführen.

Einsetzen in Bonsai-Schale

Einsetzen in Bonsai-Schale

Präzises Einsetzen in die Schale fördert das gesunde Wachstum des Bonsais

Der Übergang in die finale Bonsai-Schale ist ein bedeutender Schritt in der Gestaltung Ihres Miniaturbaumes. Hier sind Präzision und Sorgfalt gefragt, um Ihrem Bonsai die besten Bedingungen für sein weiteres Wachstum zu bieten.

  • Auswahl der Schale: Wählen Sie eine flache Schale, deren Höhe etwa der Dicke des Stammfußes und deren Breite der Ausdehnung der Krone entspricht. Flache und breite Schalen betonen das horizontale Wachstum des Bonsais. Berücksichtigen Sie bei der Wahl der Schale auch die Ästhetik: Die Farbe sollte zum Laub passen, die Form – rund oder eckig – zum Wuchs des Baumes.
  • Vorbereitung der Schale: Stellen Sie sicher, dass die Schale stabil ist und Abflusslöcher besitzt. Bedecken Sie diese mit kleinen Gittern oder Netzen, um zu verhindern, dass das Substrat ausgespült wird, und fixieren Sie diese mit Draht.
  • Befestigung des Baumes: Platzieren Sie den Bonsai so in der Schale, dass der Wurzelhals leicht über dem Schalenrand steht. Fixieren Sie ihn mithilfe von Draht im Substrat, um ein Verrutschen zu vermeiden.
  • Substrat: Verwenden Sie ein durchlässiges Substrat, das Feuchtigkeit gut speichert, aber gleichzeitig Staunässe verhindert.
  • Pflege nach dem Einsetzen: Gießen Sie den Bonsai nach dem Einsetzen gründlich. In den ersten Wochen sollten Sie besonders aufmerksam sein und sicherstellen, dass er ausreichend Feuchtigkeit erhält und gut in seinem neuen Zuhause anwächst.

Bonsai-Schnitttechnik

Die Gestaltung eines Bonsais durch gezielte Schnittmaßnahmen ist eine Kunstform, die Präzision und ein gutes Verständnis für das Wachstum von Bäumen erfordert. Um die natürliche Schönheit Ihres Bonsais zu erhalten und zu verfeinern, ist es wichtig, sowohl Formschnitt als auch Gestaltungsschnitt korrekt anzuwenden.

  • Formschnitt: Der Formschnitt dient der Pflege und Erhaltung des bestehenden Erscheinungsbildes Ihres Bonsais. Durch das regelmäßige Einkürzen der Triebspitzen wird die Wachstumsenergie des Baumes auf die inneren und tiefer gelegenen Knospen gelenkt. So fördern Sie eine dichtere Verzweigung und verhindern ein übermäßiges Längenwachstum. Führen Sie diese Schnitte während der gesamten Vegetationsperiode durch, um die charakteristische Form des Bonsais zu bewahren.
  • Gestaltungsschnitt: Der Gestaltungsschnitt erfolgt zu Beginn der Wachstumsperiode im frühen Frühling sowie im Spätherbst. Er ist entscheidend für das langfristige Erscheinungsbild Ihres Bonsais. Entfernen Sie alle vertrockneten, abgestorbenen und unnatürlich wachsenden Äste. Achten Sie darauf, senkrecht und stark gebogene Äste sowie Äste mit unnatürlichen Kurven zu kürzen oder vollständig zu entfernen, um eine harmonische Silhouette zu erreichen. Die Entfernung dicker Äste an der Baumspitze hilft dabei, die Illusion eines alten, majestätischen Baumes in Miniaturform zu erzeugen.

Bei beiden Schnittarten ist es wichtig, keinen Stumpf stehen zu lassen und den Schnitt sauber an der Basis des Astes nahe am Stamm auszuführen. Stellen Sie den Bonsai auf Augenhöhe, um eine bessere Sicht auf die zu formende Struktur zu haben und somit präzisere Schnitte setzen zu können. Die richtige Anwendung dieser Techniken trägt entscheidend zur Gesundheit, Schönheit und Langlebigkeit Ihres Bonsais bei.

Drahten und Formen

Das Drahten ist ein wichtiges Werkzeug bei der Bonsaigestaltung. Es ermöglicht Ihnen, die Wuchsrichtung der Äste zu beeinflussen und so die ästhetische Form des Baumes zu prägen. Verwenden Sie hierfür Aluminium- oder Kupferdraht, da diese Materialien die nötige Flexibilität und Stärke bieten, um die Äste behutsam in die gewünschte Position zu biegen. Wichtig ist, den Draht in gleichmäßigen Abständen spiralförmig um den Ast zu wickeln, ohne die Rinde zu beschädigen.

  1. Auswahl des Drahts: Wählen Sie den Draht je nach Dicke und Härte des Astes aus. Aluminiumdraht eignet sich gut für dünne, junge Äste, während Kupferdraht eher für stärkere, ältere Äste verwendet wird.
  2. Vorbereitung: Messen Sie die Länge des zu drahtenden Astes und schneiden Sie ein Stück Draht ab, das etwa das Eineinhalbfache dieser Länge beträgt.
  3. Draht anlegen: Beginnen Sie am Stamm und wickeln Sie den Draht in einem Winkel von etwa 45 Grad um den Ast. Achten Sie darauf, dass die Spiralen gleichmäßig sind und der Draht nicht zu fest sitzt.
  4. Formen des Astes: Nachdem Sie den Draht angelegt haben, biegen Sie den Ast vorsichtig in die gewünschte Form. Gehen Sie langsam und bedacht vor, um Schäden am Baum zu vermeiden.
  5. Überprüfung und Anpassung: Kontrollieren Sie regelmäßig, ob der Draht einschneidet. Da Bäume wachsen und Äste dicker werden, müssen Sie den Draht rechtzeitig lockern oder entfernen, bevor er in die Rinde einwächst.
  6. Entdrahten: Sobald der Ast die gewünschte Form stabil hält, entfernen Sie den Draht vorsichtig. Bei jungen Bäumen kann dies nach einigen Monaten der Fall sein, bei älteren Exemplaren eventuell erst nach einem oder mehreren Jahren.

Das Wissen, wann und wie ein Bonsai zu drahten ist, spielt eine wichtige Rolle für das Erscheinungsbild und die Gesundheit des Baumes. Orientieren Sie sich an der natürlichen Ästhetik und drahten Sie Ihren Bonsai mit Bedacht und unter Berücksichtigung seines individuellen Wachstumsmusters. Die Maxime „So wenig Draht wie nötig, aber so viel wie nötig“ hilft Ihnen dabei, den Bonsai effektiv zu gestalten, ohne seine natürliche Schönheit zu beeinträchtigen.

Bilder: Bernd Schmidt / Shutterstock