Was fressen Marienkäfer?

Dass Marienkäfer Nützlinge für den Garten sind, ist gemeinhin bekannt. Schließlich gesteht man den sympathiebehafteten, putzigen Kerlchen diesen Status auch nur allzu gern zu. Doch was genau macht sie so hilfreich für Hobbygärtner? Ganz einfach: ihre kulinarischen Vorlieben.

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Marienkäfer halten den Garten frei von Schädlingen

Die feine Vielfältigkeit der Marienkäfer

Marienkäfer sind eine sehr artenreiche und vielfältige Käferfamilie. Die weltweit 360 Gattungen und über 6000 Arten sind bei uns zwar nur zu einem kleinen Teil vertreten, aber schon die bei uns lebenden Arten bieten ein recht weites Spektrum an unterschiedlichen Erscheinungsformen und Lebensweisen.

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Allgemein sind es vor allem die Marienkäfer der Unterfamilie Coccinellinae, die in Europa vorkommen. Wir beschränken uns beim Studium ihrer Nahrung deshalb auch auf die dazu gehörigen Arten. Äußerlich bieten die Coccinellinae ein recht weites Feld an Farberscheinungen, wobei die Musterung und die Farben sich insgesamt schon auf etwas Marienkäfertypisches zusammenfassen lassen. Vom klassischen schwarz gepunkteten Tomatenrot über rot geflecktes Schwarz, völlig punktlose Einfarbigkeit oder schwarz gepunktetes Gelb ist jedoch alles dabei.

Marienkäfers Leibspeisen

Ähnlich variantenreich sind auch die Fressgewohnheiten der Coccinellinae-Marienkäfer. Auch hier gibt es grundsätzliche Gemeinsamkeiten, genauso aber auch artenspezifische Abweichungen und Besonderheiten. Die allermeisten Arten fressen am liebsten sehr häufig und vor allem zahlreich vorkommende Gartenschädlinge. Dazu gehören:

  • Blattläuse
  • Schildläuse
  • Spinnmilben

Mit diesen kulinarischen Vorlieben sind Marienkäfer natürlich jedem Gärtner äußerst willkommen, denn gerade Blattläuse sind ein zwar nicht wirklich gefährliches, aber doch sehr lästiges und vor allem nie ganz zu eliminierendes Joch. Von Blattläusen können Marienkäfer nicht genug bekommen. Sie sind zweifelsohne ihre Lieblingskost Nr. 1. Am Tag kann ein Marienkäfer 50 Exemplare dieser Lästlinge verspeisen und findet sich deshalb auch oft an stark befallenen Pflanzen nur allzu gern ein.

Noch effektiver bei der Blattlausdezimierung sind übrigens die Larven des Marienkäfers. Sie müssen schließlich noch groß und stark werden und verputzen deshalb in ihrer 30-60-tägigen Entwicklungszeit bis zur Verpuppung bis zu erfreuliche 600 Stück. Pro Generation kann eine Marienkäfer-Nachkommenschaft an die 100.000 Schädlinge vernichten. Sie tun also gut daran, es den Marienkäfern im Garten so gemütlich wie möglich zu machen. Dazu im letzten Abschnitt mehr.

Außer den häufigen Blattläusen, Schildläusen und Spinnmilben stehen aber noch andere Schädlinge auf Marienkäfers Speiseplan. Zum Beispiel:

  • Wanzen
  • Thrispe
  • Blattwespenlarven
  • Käferlarven
  • Schmetterlingslarven (seltener)

Schauriger Kannibalismus

Schaurig mutet Kannibalismus eigentlich nur in unserer menschlichen Kultur an. In der Tierwelt ist er allerdings ganz normal. So ist er auch unter den so freundlichen Marienkäfern verbreitet. Beim Schlüpfen der Larven gilt die Devise: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Das heißt, die zuerst geschlüpften Larven fressen das Beste, was ihnen vor die Nase kommt. Und das können nun einmal auch die nahrhaften Geschwistereier direkt nebenan sein. Dadurch kann ein Gelege sich leider selbst um etwa die Hälfte dezimieren. Meist schlüpfen die Larven aber ziemlich zugleich.

Wenn es kein Fleisch mehr gibt

In Kriegszeiten und Hungersnöten werden auch wir Menschen kreativ in Sachen Ausweichnahrung. Und auch Marienkäfer müssen, wenn das übliche Nahrungsangebot in manchen Jahren knapp ist, teilweise auf andere Kost umsteigen. Wenn Blattläuse, Schildläuse und Co. ausgehen, finden Marienkäfer in pflanzlicher Nahrung den Notnagel. Vor allem Früchte und Pollen ersetzen dann mit ihrer süßen Energie die ansonsten eiweißhaltige Insektennahrung.

Es gibt sogar auch eine Coccinellinae-Art, die Bulaea lichatschovi, deren Larven sich grundsätzlich vegetarisch, nämlich von Pollen ernähren.

Noch mehr nützliche Vorlieben

Als wenn die Schädlingsvertilgung nicht schon genug der Hilfe für den Hobbygärtner wäre, dämmen manche Marienkäferarten durch ihre Ernährungsweise auch noch Pflanzenkrankheiten ein. Arten des Tribus Halyziini und Psylloborini ernähren sich praktischerweise von Mehltau- und Schimmelpilzen und können dadurch erkrankten Pflanzen Linderung bringen. Pilzvertilgende Arten, die hierzulande vorkommen, sind vor allem der Sechzehnfleckige Marienkäfer und der gelbe Zweiundzwanzigpunkt-Marienkäfer.

Arten mit schädlichen Fressgewohnheiten

Man sollte es nicht glauben, aber es gibt tatsächlich auch Marienkäferarten, die wegen ihrer Fressgewohnheiten als Schädlinge eingestuft werden. Denn manche Arten ernähren sich allgemein pflanzlich, und zwar nicht von Pollen, sondern von Nutz- und Zierpflanzenbättern.

Zu den hierzulande relevanten Pflanzenfresser-Marienkäfern gehört vor allem der Vierundzwanzigpunkt-Marienkäfer. Er hat es vor allem auf Nelkengewächse, etwa auf Seifen- und Leimkräuter, Nelken oder auch auf Klee, Luzernen, Rüben und Kartoffeln abgesehen. Er frisst nur die Oberseiten der Blätter ab, kann aber dabei durchaus größeren Schaden anrichten.

Wie man Marienkäfer anlockt

Die Sache mit dem Anlocken von Schädlingsvertilgern ist eine etwas paradoxe Sache – denn schließlich kommen Marienkäfer am liebsten dorthin, wo es viele Blattläuse zu fressen gibt. Blattläuse zu fördern, die man eigentlich ja dezimieren will, ist erst einmal ein Widerspruch. Lösen kann man diesen aber, indem man eine Extrazone im Garten für Marienkäfer – und Blattläuse – reserviert. Indem Sie ein hinteres Eckchen Ihres Gartens verwildern lassen und dort eine freie Blattlausentwicklung erlauben, können Sie auch genügend Marienkäfer bekommen, die dank ihrer Mobilität dann auch im übrigen Kulturgarten ihre Nützlichkeit darbieten können.

Angesichts der vorwiegend nützlichen Fraßgewohnheiten von Marienkäfern möchte man es ihnen natürlich

Text: Caroline Strauss
Artikelbild: Dimijana/Shutterstock

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