Wann sollte man Bäume schneiden?

Wenn es um den Baumschnitt geht, so genügt es natürlich nicht, einfach zur Schere zu greifen und loszuschneiden. Doch nicht nur das Wie, sondern auch das Wann ist relevant - ein Rückschnitt zur falschen Zeit führt zu einer ungewollten Reaktion oder auch zu hohem Erkrankungsrisiko.

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Bäume werden im späten Herbst oder zeitigen Frühjahr geschnitten

Früher wurden Bäume meist im späten Herbst oder im zeitigem Frühjahr geschnitten – in der Winterruhe. Heute raten die Experten der Baumpflege jedoch eher dazu, Schnittarbeiten in der Vegetationszeit zwischen März und September zu erledigen.

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Warum? Der Sommerschnitt ist schonender, die Wundheilung beginnt sofort und es besteht keine Gefahr durch Frostschädigung an der Wundstelle. Dennoch hat der Schnitt in der Winterruhe einige wenige Vorteile gegenüber dem Schnitt in der Vegetationszeit.

Winterschnitt: Baumschnitt im Spätherbst/Winter/Frühling

Seit alters her werden Laubbäume und andere sommergrüne Gehölze im zeitigen Frühling bzw. Spätwinter geschnitten. Ein Schnitt bei geeignetem Wetter im Januar oder Februar – also deutlich vor dem Austrieb – hat auch Vorteile:

  • Es wird kein Laub und damit weniger Nährstoffe entfernt, dadurch wird der Baum weniger geschwächt.
  • aufgrund des fehlenden Laubes ist besser zu erkennen, wo geschnitten werden muss
  • Winterschnitt regt verstärkten Austrieb im Frühjahr an, da die Reservestoffe aller Blätter schon eingelagert wurden und nach dem Schnitt mehr Energie für weniger Knospen in den Wurzeln lagert.
  • Nachteil: Bei Temperaturen <0°C nach dem Schnitt kann der Frost in die nun offene Stelle eindringen und es kann zur Schädigung des Astes bzw. Baumes kommen.

Winterschnitte bringen also vor allem eines – Holzwachstum. Schneide ich meine jungen Obstbäume, die noch kräftig wachsen sollen, muss dies natürlich im Spätherbst oder spätestens im Februar passieren. Schneide ich meinen 15 Jahre alten Ahorn, der mir jetzt schon zu groß wird, dann sollte ich dies unbedingt im Sommer tun um Laub zu entfernen und das Wachstum nicht weiter anzuregen.

Sommerschnitt: Baumschnitt im Sommer/Herbst

Mittlerweile tendiert man in der Baumpflege dazu, in der Vegetationszeit zu schneiden. Die Gewebe sind schon aktiv und die „Heilung“ (Abschottung und Überwallung) der Wunden beginnt sofort. Zudem reagieren die geschnittenen Bäume weniger stark mit Neuaustrieben, „Wasserschosse“, die für den Kronenaufbau wertlos sind, kommen viel seltener vor. Vorteile des Sommerschnitts:

  • Der Baum befindet sich noch mitten im Wachstum und kann daher Wunden schneller verschließen.
  • Viele pilzliche Erreger sind vor allem im Spätwinter / Frühjahr aktiv, weshalb eine Infektion dann wahrscheinlicher ist.
  • Sie haben einen besseren Blick darauf, welche Äste zu viel Licht wegnehmen und daher entfernt werden müssen.
  • Das zeitige Auslichten versorgt den Baum vor der Winterpause noch einmal mit reichlich Licht und Luft.
  • Es gibt keine eventuell einsetzenden Fröste, die den frisch geschnittenen Baum zusätzlich schwächen.
  • Das Wachstum wird nicht zusätzlich angeregt da Blattmasse entfernt wird – Reaktionen auf den Schnitt (Wasserschosse, ungewollt starker und zahlreicher Austrieb) fallen weniger stark und chaotisch aus.
  • Am stärksten wird das Wachstum gebremst wenn man direkt beim Austrieb schneidet – dies schwächt jedoch auch den Baum am stärksten.

Der Sommerschnitt erstreckt sich von März bis Ende September. In diesem Zeitraum kann man grundsätzlich immer schneiden, es gibt jedoch gewisse ungünstige Situationen:

  • Hochsommer: Im Juli, wenn es besonders heiß ist, ist von allzu starken Schnitten abzuraten. Teile der Krone (der Rinde) die normalerweise im Schatten liegen sind plötzlich der direkten Hochsommersonne ausgesetzt. Es kann zum „Sonnenbrand“ kommen, einer Schädigung des Kambiums und zum Aufplatzen der Rinde. Dies gilt vor allem bei Baumarten mit dunkler Rinde (Bsp. Kirsche) oder mit sehr dünner Rinde (Bsp. Rotbuche).
  • Starker Wind: Sind die Bäume starken Wind und Wetterereignissen ausgesetzt und werden, etwa durch das Entfernen einzelner langer Äste, Kronenteile plötzlich diesem Wind und Wetter ausgesetzt, kann es vorkommen, dass sie durch die Freistellung leichter brechen.
  • Alte, schwach austreibende Baumarten: Hier will man den Austrieb fördern, daher ist auch ein Winterschnitt vertretbar.

Grundsätzlich gilt….

Baumschnitt ist das ganze Jahr möglich, man sollte jedoch wissen was man erreichen will. Schneidet man einen Baum im Winter, der eigentlich nicht noch größer werden soll, kann man ihn im Sommer einfach nochmal schneiden. Will man große Korrekturen an Obstbäumen vornehmen, sollte man dies auf jeden Fall im Sommer machen, auch wenn der Baum noch wachsen soll. Hier teilt man den Schnitt ebenso auf Sommer und Winter auf.

Hintergrund: Wie reagiert der Baum auf den Schnitt?

Bäume heilen ihre Wunden nicht – sie Schotten ab. Der Baum reagiert beim Schnitt so wie bei einem Astbruch, an der Bruch bzw. Schnittstelle wird das Gewebe im inneren so abgeschottet, dass weder Luft noch Krankheiterreger tiefer in das Holz eindringen können. Das Holzgewebe das durch die Abschottung vom gesunden Gewebe abgetrennt wird, stirbt ab. Zusätzlich wird die Wunde nach aussen durch eine Überwallung wieder verschlossen. Das Holzgewebe, dass durch die Abschottung vom gesunden Gewebe abgetrennt wird, stirbt ab. Die richtige Schnittführung entscheidet nun, ob dieser Prozess schnell und sauber ablaufen kann. Zusätzlich gibt es unter den Bäumen schlechte und gute „Abschotter“. Schafft der Baum es nicht, erfolgreich Abzuschotten und zu Überwallen beginnt der langsame Zerfall von Innen, da sich zersetztende Mikroorganismen im Baum ausbreiten können und immer tiefer in diesen vordringen.

Forschungen zum Thema haben gezeigt, dass Bäume diesen Prozess am effizientesten in der Vegetationszeit zwischen März und September abwickeln können. Schneidet man in der Winterruhe entstehen größere Bereiche an abgestorbenem Holzgewebe. Schneidet man Äste mit zu großem Durchmesser (>10cm bzw. >5cm bei schlechten „Abschottern“) schafft es der Baum nicht, die sichere Barrier zwischen gesundem und totem Holzgewebe aufzubauen.

In Zusammenarbeit mit

Text: Ines Jachomowski
Artikelbild: IVL/Shutterstock

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