Wald-Geißbart: Pflanzen und Pflegen

Beim Wald-Geißbart kommt einem nicht in den Sinn, dass die Waldstaude mit Fingerkraut, Erdbeere oder Rosen verwandt sein könnte.Die Rosengewächse haben besondere Ansprüche an den Standort. Wenn die Bedingungen nicht stimmen, kann der Wald-Geißbart nicht üppig gedeihen.

wald-geissbart
Der Wald-Geißbart wird hoch und sehr alt

Herkunft

Hinter dem Wald-Geißbart steckt ein Rosengewächs mit dem wissenschaftlichen Namen Aruncus dioicus. Häufig wird die Pflanze unter dem Synonym Aruncus sylvestris angeboten. Dieser Artnamen deutet auf die Verbreitung in Wäldern hin. Die Art, welche häufig mit dem Mädesüß verwechselt wird, kommt in Mitteleuropa vor. Im Norden Deutschland ist er vielerorts ein Gartenflüchtling. In den Alpen erobert der Wald-Geißbart Höhenlagen bis 1.500 Meter.

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Typische Lebensräume:

  • Mischwälder mit Buchen und Tannen
  • Ahorn-Eschen-Laubwälder
  • reine Buchenwälder
  • Böschungen und Bachufer
  • Schluchten

Wachstum

Das Rosengewächs ist eine ausdauernde und krautige Pflanzen mit einem unterirdischen Rhizom, welches kurz und kräftig entwickelt ist. Mit Hilfe des Rhizoms überwintert der Wald-Geißbart. Es dient außerdem der vegetativen Vermehrung, sodass die Pflanze innerhalb kurzer Zeit große Bestände bildet. Die oberirdischen Stängel sind unverzweigt und verholzen oft an der Basis. Mit dem Blütenstand kann der Wald-Geißbart zwischen 80 und 200 Zentimeter hoch wachsen. Wenn die Standortbedingungen optimal sind, wird die ausladende Pflanze mehrere Jahrzehnte alt.

Blätter

Die Laubblätter sind gestielt und bestehen aus einer zwei- bis dreifach gefiederten Spreite, wobei die einzelnen Blattfiedern ebenfalls drei- bis fünfteilig erscheinen. Jedes Fiederblättchen ist unregelmäßig scharf gesägt und spitz zulaufend. Die Blätter wachsen bis 100 Zentimeter lang und sind anfangs frischgrün und später dunkelgrün gefärbt. Die Pflanze ist laubabwerfend und zieht im Winter ein.

Blüte

Aruncus dioicus entwickelt bis zu 10.000 winzige Einzelblüten, die in endständigen Blütenständen zusammenstehen. Aus botanischer Sicht stellen sie Scheibenblumen dar. Der Gesamtblütenstand setzt sich aus vielen ährigen Teilblütenständen zusammen. Er erreicht eine Länge zwischen 20 und 30 Zentimeter und neigt sich zum Boden. Die Pflanzen sind eingeschlechtlich.

Blütezeit

Zwischen Juni und Juli kommt der Wald-Geißbart zur Blüte. Die überhängenden Blütenstände variieren in der Farbe. Während die weiblichen Blüten reinweiß strahlen, sind die männlichen cremeweiß gefärbt. Der Wald-Geißbart setzt während der Blütezeit dekorative Akzente im Garten und wirkt als Magnet für Schmetterlinge, Wildbienen und Hummeln. Auch nach der Blütezeit sind die verwelkten Blütenstände ein Hingucker, denn die Blüten behalten ihre helle Färbung und werden nicht braun.

Frucht

Samen werden nur gebildet, wenn an einem Standort männliche und weibliche Pflanzen wachsen. Zwischen September und Oktober trägt der Wald-Geißbart zahlreiche Balgfrüchte, die jeweils drei bis fünf Samen enthalten. Die Früchte trocknen aus und reißen auf, sodass die Samen ausgestreut und mit Wind und Wasser verbreitet werden. Die Samen gehören zu den Kältekeimern, die nach dem Winter austreiben. Als Wintersteher bleiben die Früchte bis zum nächsten Frühjahr erhalten. Sie liefern einen wertvollen Rückzugsort für überwinternde Insekten und dienen kleineren Singvögeln als wichtige Nahrungsquelle

Verwendung

Der Wald-Geißbart ist eine ästhetische Komponente im naturnahen Wildgarten. Er bereichert Schmetterlingswiesen und Bienenweiden. Aufgrund der stattlichen Wuchshöhe kann das Rosengewächs optimal als Sichtschutz angepflanzt werden. Es verschönert Säume von Gewässern oder Gehölzen. Aruncus dioicus kann in kleinen Gruppen auf der Freifläche gepflanzt werden, wobei eine Rhizomsperre zu empfehlen ist. Im Vorgarten wirkt das Gewächs als dekorativer Blickfang.

Das sind ideale Pflanzpartner:

Ist Wald geissbart giftig?

Der Wald-Geißbart enthält Blausäure, die bei einem Verzehr von großen Mengen leichte Vergiftungen hervorrufen können. In Norditalien werden die jungen Triebe auf dem Markt als Gemüse angeboten. Sie werden wegen des spargelartigen Aromas roh oder gegart verzehrt. Dadurch bekam die Pflanze ihren Beinamen “Waldspargel”. Nach dem Kochen zerfallen die Blausäure-Glykoside.

Welcher Standort ist geeignet?

Aruncus dioicus wächst im Schatten oder Halbschatten. Ideal ist auch ein Platz im Wanderschatten, sodass die Staude nicht dauerhaft von der Sonne beschienen wird. Eine hohe Luftfeuchtigkeit sorgt für ein gesundes Wachstum.

Welche Erde braucht die Pflanze?

Je sonniger der Standort ist, desto feuchter muss der Boden sein. Der Wald-Geißbart benötigt einen feuchten und humosen Boden. Ideal ist ein nährstoffreicher und sickerfrischer Mullboden mit lockerer Struktur. Das Substrat darf basenreich und kalkarm sein.

Wald geissbart vermehren

Der Wald-Geißbart wird vegetativ durch Teilung des Rhizoms vermehrt. Diese Maßnahme erfolgt im Herbst oder im Frühjahr, bevor die neue Wachstumsphase beginnt. Die Teilung kann bei Jungpflanzen problemlos durchgeführt werden. Je älter die Pflanzen werden, desto schwieriger sind sie wegen der verholzenden Basis zu teilen.

Aussaat

Alte und junge Pflanzen können problemlos über Samen vermehrt werden. Dazu schneiden Sie die Blütenstängel im Herbst ab und legen diese zum Trocknen in ein Gefäß. Wenn die Fruchtschale aufreißt, können die winzigen Samen herausgeschüttelt werden.

Die Anzucht ist im Freiland sehr einfach. Streuen Sie die Samen auf der gewünschten Fläche aus. Ideal ist ein Abstand von zehn bis 15 Zentimeter zwischen den Samenkörnern. Um die Aussaat zu erleichtern, können Sie das Saatgut mit Sand vermischen und breitwürfig auf der Fläche verteilen. Warten Sie bis zum nächsten Frühjahr. Die Temperaturen sorgen für den benötigen Kältereiz, der bei einer Anzucht im Haus künstlich erfolgen muss.

Was ist die beste Pflanzzeit?

Der Wald-Geißbart kann im Spätsommer ausgepflanzt werden. Im ersten Winter sollten Jungpflanzen vor der Kälte geschützt werden. Alternativ können Sie die Staude im Frühjahr pflanzen. Dann hat die Staude genügend Zeit, um bis zum Winter viele Wurzeln zu entwickeln.

Der richtige Pflanzabstand

In Solitärstellung reicht eine Pflanze auf 100 Quadratmetern aus. In kleinen Tuffs kommt die Pflanze besser zur Geltung. Dabei sollten Sie den Breitenzuwachs der jeweiligen Sorte beachten. Halten Sie auch zu anderen Pflanzen einen Abstand von 100 Zentimeter ein. Um innerhalb kurzer Zeit einen dichten Sichtschutz zu erhalten, sollten Sie pro Meter drei bis vier Pflanzen nebeneinander setzen. Es reichen auch zwei Pflanzen aus. Allerdings dauert es etwas länger, bis die Stauden eine blickdichte grüne Mauer entwickelt haben.

Wald geissbart im Topf

Im entsprechend großen Kübel gedeiht der Wald-Geißbart ebenfalls prächtig, wenn die Standortbedingungen stimmen. Der Topf muss Abzugslöcher haben, damit Gießwasser abfließen kann. Als Kübelpflanze muss das Rosengewächs regelmäßig gegossen werden, da das Substrat schneller austrocknet. Ein Standort im Halbschatten oder Schatten ist notwendig für ein gesundes Wachstum.

Wald geissbart gießen

Das unterirdische Wurzelsystem darf nicht austrocknen, da der Wald-Geißbart schnell seine Blätter hängen lässt. Im schweren aber lockeren Lehmboden mit Sandanteil wird das Wasser gut gespeichert. So übersteht Aruncus dioicus auch kürzere Trockenperioden. Fällt über längere Zeit kein Regen, müssen Sie häufiger zur Gießkanne greifen. Ein zeitweise überschwemmter Boden bereitet der Staude keine Probleme.

Wald geissbart richtig düngen

Der Wald-Geißbart bevorzugt nährstoffreichere Verhältnisse und erfreut sich über eine Kompostgabe im Frühjahr. Diese versorgt die Pflanze mit allen wichtigen Nährstoffen für die Wachstumsphase. Im Herbst können Sie den Boden mulchen. Wenn das Material während des Winters zersetzt wird, profitiert die Pflanze zusätzlich von Nährstoffen.

Wald geissbart richtig schneiden

Schnittmaßnahmen sind nicht notwendig, da der Wald-Geißbart nicht aus der Form wächst. Die Bestände werden mit den Jahren immer üppiger und größer. Einzig die Ausbreitungsfreudigkeit könnte zur Gefahr werden, wenn der Platz begrenzt ist. Wenn Sie die Selbstausbreitung unterbinden möchten, sollten Sie im Herbst verblühte Blütenstände abschneiden. Im Frühjahr wird die Pflanze bodennah zurückgeschnitten, damit der frische Austrieb genügend Licht zum Wachsen abbekommt.

Wie pflanze ich richtig um?

Die Staude lässt sich im Alter schwer umpflanzen, weswegen Sie den Standort vor dem Pflanzen gut auswählen sollten. Auch eine Teilung wird wegen den verholzenden Stängeln und Rhizomen zunehmend schwieriger. Teilen und verjüngen Sie die Pflanze rechtzeitig, um sich den Aufwand einer Umpflanzmaßnahme zu ersparen.

Winterhart

Der Wald-Geißbart zählt zu den winterharten Stauden, die auch frostige Temperaturen problemlos überstehen. Die Rhizome sind in der Erde gut vor Frost geschützt. Wenn Sie im Herbst eine Mulchschicht auf dem Substrat verteilen, ist das Rhizom auch in Monaten ohne Schnee gut isoliert. Die abgestorbenen Pflanzenteile sorgen zusätzlich als Kälteschutz und sollten daher über den Winter stehen bleiben.

So überwintern Sie Kübelpflanzen:

  • an einem geschützten Ort im Schatten
  • auf einem Holzblock
  • Gefäß mit Folie umwickeln
  • Substrat mit Reisig abdecken
  • an frostfreien Tagen gießen

Krankheiten

Die Staude erweist sich als resistent gegenüber Krankheitserregern. Sie bleibt von Schädlingen verschont und wirkt selbst für Schnecken uninteressant.

Braune Blätter

Braune Flecken auf den Blättern können verschiedene Ursachen haben. Oft ist ein Standortwechsel oder der Transport bei zu heißer Witterung verantwortlich. Die Pflanzen reagieren empfindlich auf einen raschen Wechsel zwischen Regen und Sonne. Regentropfen auf den Blättern wirken wie Linsen und verursachen einen Sonnenbrand. Auch ein Pilzbefall oder Schädlinge können Flecken verursachen, wobei diese Ursachen sehr selten in Frage kommen.

Wald geissbart blüht nicht

Wenn die Staude im Herbst eingepflanzt wurde, investiert sie ihre Energie in die Wurzelbildung. Es kommt häufiger vor, dass der Wald-Geißbart im nächsten Frühjahr noch keine Blüten ansetzt. Erst wenn sich die Pflanze gut eingelebt hat, kann sie ihre Kraft in die Blütenbildung stecken.

Tipps

Setzen Sie den Wald-Geißbart direkt neben eine rosa blühende Prachtspiere. Die Astilben sehen den Rosengewächsen zum Verwechseln ähnlich und sorgen für ein harmonisches Gesamtbild. Sie gehören zu den Steinbrechgewächsen und sind daher nicht näher mit dem Wald-Geißbart verwandt.

Sorten

  • Kneiffii: Stängel drahtig. Sorte mit sternförmigen Blüten in federartigen Rispen, cremeweiß. Bis 100 Zentimeter hoch und 50 Zentimeter breit.
  • Whirlwind: Sterile Sorte. Rispenförmige Blüten cremeweiß, von Juni bis Juli. Zwischen 100 und 140 Zentimeter hoch.

Text: Christine Riel
Artikelbild: Kazakov Maksim/Shutterstock

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