Darf man Unkraut abflammen und wie geht man dabei vor?

Kaum hat man unerwünschtes Grün mühsam mit dem Fugenkratzer entfernt, geht die Saat erneut auf und das Unkraut sprießt. Abflämmen hat sich als wenig anstrengende und sehr effektive Methode zur Entfernung von Beikräutern in den Fugen von Terrassenplatten bewährt. Wie Sie hierbei vorgehen müssen und welche Geräte erlaubt sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

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Das Abflammen ist rückenschonend und effizient

Was passiert beim Wegbrennen?

Da Unkraut unschön aussieht und gepflasterten Flächen beschädigen kann, sollte es regelmäßig entfernt werden. Viele Hobbygärtner verwenden zu diesem Zweck spezielle Unkrautbrenner. Anders als der Name vermuten lässt, dienen diese nicht zum Abfackeln mit Flamme oder Feuer, sondern arbeiten nach folgendem Prinzip:

  • Das Unkraut wird schockartig auf etwa 110 Grad Celsius erhitzt.
  • Dadurch gerinnen die Eiweiße im Inneren der Pflanzen.
  • Die Zellen platzen auf und die Zellflüssigkeit tritt aus.
  • In der Folge verdorrt das unerwünschte Grün und kann problemlos entfernt werden.

Ist das Abbrennen erlaubt?

Da bei dieser Methode Beikräuter nicht mit Feuer verbrannt werden, sind Unkrautbrenner erlaubt. § 12 des Pflanzenschutzgesetzes besagt sogar, dass Unkraut auf gepflasterten Flächen mechanisch oder thermisch beseitigt werden sollen.

Allerdings darf das Gerät nicht überall verwendet werden. N 3 39 Absatz 5 Bundesnaturschutzgesetz dürfen Sie es auf:

  • Wiesen
  • Feldrainen
  • Hochrainen
  • ungenutzten Grünflächen
  • Böden unter Hecken
  • Böden an Hängen

nicht einsetzen. Ebenfalls verboten ist die Nutzung, wenn die Hitze zur Brandgefahr werden könnte.

Hieraus ergibt sich auch, dass Sie Unkraut nicht einfach mit dem im Haushalt vorhandenen Bunsenbrenner verbrennen dürfen, da dieser die pflanzen mit Flamme vernichtet.

Nach welchem Prinzip arbeiten die im Handel erhältlichen Geräte?

Die für den Hausgebrauch zugelassenen Gasbrenner erreichen die erforderliche Temperatur durch:

  • ein heißes Gasgemisch
  • Infrarotstrahlung
  • heißen Wasserdampf
  • heiße Luft.

Offenes Feuer kommt hingegen nicht zum Einsatz.

Worauf sollte ich beim Kauf eines Unkrautbrenners achten?

In nachfolgender Tabelle haben wir alle Features, über welche die Geräte verfügen sollten, übersichtlich zusammengefasst:

EigenschaftErklärung
Regulierbare FlammeNicht für alle Unkräuter benötigen Sie die volle Hitze. Durch eine regulierbare Flamme sparen Sie nicht nur Gas, sondern schonen durch den verminderten CO2-Ausstoß auch die Umwelt.
GewichtBei großen Flächen wird das Arbeiten mit sehr schweren Gasbrennern oft anstrengend.
ZündungWählen Sie ein Gerät mit Piezozündung. Bei diesem müssen Sie nicht mit dem Feuerzeug an der Brennöffnung hantieren, denn das Gas entzündet sich auf Knopfdruck.
TemperaturDer Temperaturbereich sollte auf das bei Ihnen vorrangig zu vernichtende Unkraut abgestimmt sein. Hartnäckige Gräser und Löwenzahn sind sehr robust und Sie müssen diese mit hohen Temperaturen verbrennen. Wächst hingegen nur Rasen in die Fugen, genügt ein Gerät mit niedrigem Temperaturbereich.

Einfache Gasbrenner, die diesen Ansprüchen genügen, erhalten Sie im Gartenfachhandel schon ab 30 Euro.

Anleitung, wie richtig abgebrannt wird:

Wählen Sie für diese Arbeit einen trocknen, windstillen Tag. Auf nassem Untergrund wirkt die Hitze schlecht und Sie müssen deutlich mehr teures Gas verwenden.

Zu Ihrer eigenen Sicherheit sollten Sie festes Schuhwerk und eine lange Hose tragen. Sicherheitshandschuhe und eine Schutzbrille sind empfehlenswert. Achten Sie darauf, dass sich weder Kinder noch Haustiere in direkter Nähe befinden.

Gehen Sie folgendermaßen vor:

  • Gesamte Fläche abkehren und von Schmutz befreien. Insbesondere herabgefallenes Laub und trockene Zweige sollten wegen der Brandgefahr entfernt werden.
  • Räumen Sie alle feuergefährdeten Gegenstände zur Seite.
  • Verbinden Sie die Gasflasche entsprechend den Anweisungen des Herstellers mit dem Brenner. Achten Sie darauf, dass die Anschlüsse fest sitzen, denn austretendes Gas kann zur Gefahrenquelle werden.
  • Beginnen Sie mit dem Abflämmen an einem Ende der Fläche und platzieren Sie die Gasflasche so, dass diese nicht im Bereich des Brenners steht.
  • Betätigen Sie die Zündung und stellen Sie die Gasflamme ein.
  • Führen Sie die Flamme langsam entlang der Fuge.
  • Überprüfen Sie immer wieder, ob Sie das Unkraut gut wegbrennen, sodass es sich problemlos entfernen lässt.
  • Regulieren Sie gegebenenfalls die Hitze nach.
  • Arbeiten Sie sich systematisch voran und versetzen Sie die Gasflasche immer wieder, damit der Schlauch nicht gespannt wird und sie versehentlich umkippt.

Nach dem Abbrennen entfernen Sie mit einem kräftigen Besen alle Pflanzenreste.

Da Gräser und gut verwurzelte Pflanzen sehr widerstandsfähig sind und nach dem Abfackeln rasch wieder austreiben, sollten Sie nach etwa zwei Wochen nochmals über die Fläche gehen. Im Laufe der Zeit werden die Beikräuter so stark geschwächt, dass das Abflammen nur noch alle paar Monate nötig ist.

Welche Vorteile hat diese Methode?

Während das mechanische Jäten mit dem Fugenkratzer mühsam ist und Herbizide die Umwelt schädigen, bietet das Abflammgerät diverse Vorzüge:

  • Das Vernichten von Unkraut geht schnell und ist sehr effektiv.
  • Es gibt keine umweltschädlichen Rückstände.
  • Das Wegbrennen von Beikräutern ist ungiftig und somit biologisch unbedenklich.
  • Da die Geräte im Stehen bedient werden, ist die Arbeit rückenschonend und wenig anstrengend.

Tipps

Um Unfällen vorzubeugen sollten Sie während dem Abflämmen weder rauchen noch andere Feuerquellen in der Nähe, beispielsweise den Grill, betreiben. Glühende Gegenstände und offene Flammen können zu Fehlfunktionen des Gasbrenners und in der Folge zu schweren Unfällen führen.

Text: Michaela Kaiser
Artikelbild: Floki/Shutterstock

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