Tomaten ausgeizen
Tomaten werden am besten mit der Hand ausgegeizt

Tomatenpflanzen vorbildlich schneiden – Tutorial für Einsteiger

Majestätische Tomatenpflanzen wollen unablässig wachsen, statt große, saftige Früchte zu tragen. Erst mit regelmäßigen Schnittmaßnahmen können Sie den Pflanzen voluminöse Tomaten abringen. Die perfekte Schnittpflege kommt auch ohne Schere aus. Lesen Sie in diesem Tutorial Anfänger-taugliche Anleitungen.

Geiztriebe beeinträchtigen Erntequalität

Tomatenpflanzen bilden wie Weinreben und Paprika in ihren Blattachseln Seitentriebe, die in Gärtnersprache Geiztriebe genannt werden. Geiztriebe entwickeln sich erst spät, bilden reichlich Blattmasse und kaum Blüten. Andersherum beanspruchen die naseweisen Seitentriebe wertvolle Pflanzenenergie, was letztlich zu kleinen Tomaten führt.

Tomatengärtner mit einem Faible für große Früchte sollten die Pflanzen regelmäßig ausgeizen. Wer diese Maßnahme vom Pflegeplan streicht, wird konfrontiert mit überlangen, herabhängenden Seitentrieben, die kümmerliche Tomaten tragen. Dem nicht genug, stellen die zahlreichen Blätter reifende Früchte in den Schatten, was die Erntequalität zusätzlich beeinträchtigt.

Stabtomaten regelmäßig ausgeizen

Primär profitieren eintriebig gezogene Stabtomaten vom regelmäßigen Ausgeizen. An buschig verzweigten Sorten sowie Balkontomaten ist die Pflegemaßnahme nicht obligatorisch. Zu identifizieren sind Geiztriebe an ihrer Position, denn sie entsprießen einer Blattachsel. Als Blattachsel wird die Gabelung von Haupttrieb und seitlichem Fruchttrieb bezeichnet. So geizen Sie Tomatenpflanzen richtig aus:

  • Von Mai bis September zweimal wöchentlich ausgeizen
  • Dünne Handschuhe anlegen zum Schutz vor dem Pflanzensaft
  • Geiztrieb am Ansatz zwischen Daumen und Zeigefinger umfassen
  • Zur Seite biegen, bis der Blattstiel abbricht

Entfernen Sie Geiztriebe möglichst zeitnah. Solange ein unerwünschter Seitentrieb noch weich ist, genügen zwei Finger, um ihn auszubrechen. Haben Sie den idealen Termin versäumt, schneiden Sie die Triebe besser ab mit einem scharfen, desinfizierten Messer. Achten Sie bitte streng darauf, das Pflanzengewebe von Haupttrieb und Fruchttrieb nicht zu verletzen.

Erste Geiztriebe nach 4 Wochen

In den ersten drei bis vier Wochen verzichten die meisten Tomatenpflanzen noch auf das Wachstum von Geiztrieben. Unter idealen Rahmenbedingungen ist schon früher mit Trieben aus den Blattachseln zu rechnen. Kontrollieren Sie spätestens ab der vierten Woche nach der Pflanzung Ihre Tomaten alle drei bis vier Tage auf Geiztriebe. Ausgeizen gelingt mühelos, solange die Triebe noch klein sind mit einer Höhe von fünf bis acht Zentimetern.

Hintergrund

Ausgeizen dirigiert Saftfluss um

Ausgeizen von Tomatenpflanzen macht sich das Gesetz der Spitzenförderung zunutze. Demzufolge pumpen Pflanzen einen Großteil ihrer Reservestoffe gezielt in Richtung von Spitzenknospen. Wo die Apikaldominanz regiert, haben tiefer gelegene Knospen regelmäßig das Nachsehen. Auch ein Geiztrieb besitzt eine dominante Knospe, die wertvolle Nährstoffe beansprucht. Indem Sie den Trieb entfernen, lenken Sie den Saftfluss um in den seitlichen Fruchttrieb, wo sich prächtige Tomaten bilden.

Haupttrieb schneiden bei Platzmangel

Unbegrenzte Platzkapazitäten können nur wenige Hausgärtner ihren Tomatenpflanzen bieten. Stetig kleinere Grundstücksflächen und angesagtes Urban Gardening auf dem Balkon verlangen nach strategischen Maßnahmen, die das Pflanzenwachstum regulieren. Kleinwüchsige Sorten sind für Tomatengärtner nicht immer eine ideale Option. Die wirklich saftigen Premium-Tomaten gedeihen an raumgreifenden Pflanzen. Gängige Gartenpraxis ist ein gezielter Rückschnitt, um das Wachstum majestätischer Stab- und Fleischtomaten in Grenzen zu halten. So machen Sie es richtig:

  • Tomatenpflanze an einem Stützstab anbinden
  • Aufleiten bis zur gewünschten Höhe
  • Haupttrieb zurückschneiden

Wann genau ein Haupttrieb gekappt werden sollte, hängt in erster Linie davon ab, wie hoch die Tomatenpflanze werden darf. Sinnvoll ist die Schnittmaßnahme, wenn sich mindestens drei bis vier seitliche Fruchttriebe mit Blütenansätzen gebildet haben.

Tipps

Ab August werden neue Blüten zeitnah entfernt. So spät in der Saison bestehen keine Aussichten, dass sich die Blüten in saftige Tomaten verwandeln und ausreifen. Damit eine Tomatenpflanze keine wertvollen Nährstoffe in spätsommerliche Blüten investiert, sollten Sie bereits die Knospen ausbrechen.

Bodennahe Blätter abschneiden

Einer anerkannten Studie zufolge erzielen die Blätter im oberen Drittel einer Tomatenpflanze rund 80 Prozent der Fotosynthese. Um den Energieverbrauch zu reduzieren und das Wachstum voluminöser Tomaten zu fördern, sollte das Laub im unteren Bereich entfernt werden. Für die Maßnahme spricht fernerhin, dass die Gefahr von Krankheitsbefall sich deutlich reduziert. Die Tomatenpflanze gedeiht luftiger und beim Gießen gelangt kein Spritzwasser mit Krankheitserregern im Gepäck bis ans Blattwerk. So schneiden Sie Blätter an Tomatenpflanzen richtig:

  • An Jungpflanzen alle Blätter in Bodennähe entfernen bis auf eine Höhe von 25 bis 35 cm
  • Kranke Blätter mit Flecken und weißem Belag zeitnah ausputzen
  • Vorzugsweise ein Blatt abbrechen und nicht abschneiden
  • Blattansatz mit den Fingern umfassen
  • Langsam zur Seite biegen, bis der Blattstiel bricht

Sofern Sie Schäden am Haupttrieb befürchten, wenn Sie ein großes Blatt mit kräftigem Stiel abbrechen, verwenden Sie bitte eine Schere. Vor und nach der Schnittmaßnahme an einer Tomatenpflanze sollten die Klingen sorgfältig gereinigt und mit hochprozentigem Alkohol desinfiziert werden. Dank dieser Vorkehrung beugen Sie der Übertragung von Krankheitserregern wirksam vor.

Exkurs

Blattwerk erfüllt wichtige Aufgaben

Abgesehen von bodennahen und kranken Blättern sollte das Laubwerk einer Tomatenpflanze nicht reduziert werden. Jedes einzelne Blatt leistet einen wichtigen Beitrag zur Fotosynthese, denn es ist durchströmt von wertvollem Chlorophyll, dem Lebenselixier jeder Pflanze im Naturreich. Fernerhin dienen die Blätter als natürliches Sonnendach für die Früchte. Obschon Tomaten sich einen sonnigen Standort wünschen, können sich die Früchte einen Sonnenbrand einfangen. Auf der Schale bilden sich hellgraue Flecken, die Schädlingen und Pilzsporen ideale Angriffsflächen bieten.

Busch- und Balkontomaten nicht schneiden

Bislang liefern Stabtomaten etwa 70 Prozent der weltweiten Ernte. Im privaten Nutzgarten sind hingegen Busch- und Cocktailtomaten auf dem Vormarsch. Die strauchig wachsenden Tomatenpflanzen beanspruchen wenig Platz, verzichten auf eine Kletterhilfe und sind ausgesprochen pflegeleicht.

Hausgärtner wissen zu schätzen, dass hier weder bodennahe Blätter noch Geiztriebe zu entfernen sind. Das buschige, reich verzweigte Wachstum erübrigt fernerhin, den Haupttrieb einkürzen. Im Gegenteil sollten Busch- und Balkontomaten keinesfalls zurückgeschnitten werden. Wie uns das Gesetz der Spitzenförderung lehrt, beenden die ohnehin klein bleibenden Tomatensorten ihr Höhenwachstum, wenn ein Schnitt die dominante Knospe entfernt.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich aus Geiztrieben neue Tomatenpflanzen züchten?

In jedem Geiztrieb steckt das Potenzial zur prächtigen Tomatenpflanze. Angesichts der kurzen Vegetationsperiode in unseren Regionen, sind vornehmlich Geiztriebe geeignet, die Sie bis Ende Juni ausbrechen. Wählen Sie kräftige Triebe mit mehreren Blättern ohne Blüten. Im dunklen Glas mit sauberem Wasser nimmt die Bewurzelung etwa eine Woche in Anspruch. Daraufhin topfen Sie jeden Steckling ins Beet oder einen Kübel mit Tomatenerde.

In meinem naturnahen Garten habe ich Wildtomaten gepflanzt. Sollte ich diese Tomatenpflanzen ausgeizen oder nicht?

Wildtomaten, wie die populäre ‚Rote Murmel‘ verzweigen üppig. Im Verlauf des Sommers bilden sich kontinuierlich neue Blütenstände, die Ihnen zahlreiche, murmelgroße Tomaten bescheren. Würden Sie diese Tomatenpflanzen ausgeizen, fiele der Ernteertrag deutlich geringer aus. Unsere Empfehlung: Lassen Sie Wildtomaten einfach wachsen.

Die Blätter an unserer Tomatenpflanze sind übersät mit braunen Flecken. Auf der Unterseite ist ein weißlicher Pilzrasen erkennbar. Was tun?

Die geschilderten Symptome deuten auf ein frühes Stadium der Kraut- und Braunfäule hin. Als Sofortmaßnahme sollten Sie alle erkennbar kranken Blätter abschneiden und im Hausmüll entsorgen. Damit sich nicht weitere Tomatenpflanzen mit der Krankheit anstecken, achten Sie bitte streng auf Sauberkeit des Schneidwerkzeugs. Reinigen Sie die Klingen mit heißem Wasser und desinfizieren diese mit Spiritus oder Sagrotan.

Meine Fleischtomaten sollen möglichst frei und ungeschnitten wachsen. Welche Rankhilfen sind empfehlenswert, um Schneiden und Ausgeizen auf ein Minimum zu reduzieren?

Tomatenpflanzen verfügen nicht über Haftorgane und sind auf eine Kletterhilfe angewiesen. In der Praxis gut bewährt haben sich Spiralstäbe aus verzinktem Stahl. Die gewundene Form garantiert für eine ausgezeichnete Stabilisierung der Ranken und sorgt zugleich für ein lichtdurchflutetes Wachstum. Alternativ greifen Tomatengärtner gerne zurück auf Bambusrohre und Holzstöcke mit einem Durchmesser ab 20 Millimetern. Im Gewächshaus dienen an der Decke befestigte, dicke Seile als platzsparende Kletterhilfe für mächtige Fleischtomaten.

Unsere Tomatenpflanzen sind ein Opfer der Schafskälte und erfroren. Bestehen Aussichten für eine Rettung?

Plötzliche Wetterkapriolen lassen selbst Anfang Juni das Thermometer unter den Gefrierpunkt sinken. Junge Tomatenpflanzen sind dem Kälteeinbruch hilflos ausgeliefert. Die Triebe hängen schlaff herunter, Blätter verfärben sich und Blattränder rollen sich ein. Bevor Sie eine befrorene Tomatenpflanze entsorgen, geben Sie die Gelegenheit zur Regeneration. Zu diesem Zweck schneiden Sie alle betroffenen Pflanzenteile ab und warten einige Zeit. Zeigt sich ein frischer Austrieb, hat die Tomatenpflanze den Kälteschaden verkraftet. Ohne erneutes Wachstum wird die erfrorene Pflanze entsorgt.

Die 3 häufigsten Schnittfehler

Ohne einen regulierenden Schnitt verwandeln sich mächtige Stab- und Fleischtomaten in ein dichtes Buschwerk mit spärlichem Fruchtbehang. Wer hingegen seine Busch- und Strauchtomaten zurückschneidet, wird mit kleinwüchsigen Pflanzen hadern. Häufige Versäumnisse in der Schnittpflege von Tomaten fasst diese Übersicht zusammen und gibt Tipps für eine sachkundige Vorbeugung:

Schnittfehler Schadbild Vorbeugung
Stabtomaten nie geschnitten raumgreifendes Wachstum, wenige und mickrige Tomaten zweimal wöchentlich ausgeizen
Buschtomate Haupttrieb eingekürzt kein weiteres Höhenwachstum, geringer Ernteertrag Buschtomaten nicht schneiden
unsaubere Schere verwendet Ausbreitung von Tomatenkrankheiten Klingen penibel reinigen und desinfizieren

Tipps

Schnittgut von Tomaten ist das ideale Mulchmaterial. Werfen Sie ausgegeizte Triebe und abgeschnittene Blätter nicht achtlos auf den Komposthaufen. Einfach in handliche Stücke zerkleinern und auf dem Boden unter einer Tomatenpflanze verteilen. Im Verlauf der Zersetzung gibt der natürliche Tomatenmulch wertvolle Nährstoffe an die Wurzeln ab.

Text: Paula Jansen

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