Tomaten ausgeizen
Ob Tomaten ausgegeizt werden sollten oder nicht, darüber streiten sich die Gemüter

Tomaten ertragreich schneiden – Tutorial zur Schnittpflege

Der Anbau mächtiger Tomatensorten ist ein permanentes Ringen zwischen Mensch und Natur. Die Pflanze strebt nach raumgreifendem Wachstum mit zahlreichen kleinen Früchten. Gärtner wünschen sich voluminöse, saftige Früchte. Mithilfe einer sachkundigen Schnittpflege fällt die Entscheidung zugunsten des Tomatengärtners. Dieses Tutorial erklärt, wie Sie es richtig machen.

Geiztriebe stehen im Fadenkreuz

Wenige Wochen nach Beginn der Saison geht es los. Tomatenpflanzen bilden unablässig Seitentriebe, die frech aus den Blattachseln sprießen und den wertvollen Fruchttrieben mit Blütenansätzen Nährstoffe streitig machen. Auf diese Weise wollen die Pflanzen ihren Willen durchsetzen, möglichst viele kleine Früchte hervorzubringen. Die florale Strategie ist nicht unbekannt im Pflanzenreich, denn Weinreben oder Paprika greifen ebenfalls auf die Schützenhilfe von Geiztrieben zurück.

Tomatengärtner schieben dem Ansinnen einen Riegel vor, indem das Pflegeprogramm um regelmäßiges Ausgeizen erweitert wird. Wer die naseweisen Seitentriebe gewähren lässt, wird im überlangen, herabhängenden Ranken hadern, die viele Blätter und mickrige Früchte tragen. Das dichte Blätterkleid wirft zudem Schatten auf benachbarte Tomaten und beeinträchtigt zusätzlich die Erntequalität.

Fleisch- und Stabtomaten ausgeizen

Kandidaten für regelmäßiges Ausgeizen sind in erster Linie eintriebig gezogene Fleisch- und Stabtomaten. Buschige Balkontomaten und Wildtomaten bilden ohnehin Früchte im Miniformat, was eine Schnittpflege nicht ändern kann. Einen Geiztrieb identifizieren Sie an seiner Position in einer Blattachsel, der Gabelung zwischen Trieb und Blatt. Eine Schere ist nicht obligatorisch für die Maßnahme. So gehen Sie richtig vor:

  • Gummihandschuhe anlegen zum Schutz vor dem hartnäckigen Pflanzensaft
  • Ab Mai zweimal pro Woche Stabtomaten auf Geiztriebe untersuchen
  • Trieb am Ansatz umfassen mit Daumen und Zeigefinger
  • Mehrmals hin und her biegen, bis der Stängel bricht

Bleiben Sie Geiztrieben zeitnah auf den Fersen. Im frühen Stadium sind die ungebetenen Triebe weich genug, um sie mit zwei Fingern auszubrechen. Fällt Ihnen ein Achseltrieb zu spät ins Auge und hat eine Wuchshöhe von 10 cm erreicht, nehmen Sie bitte ein scharfes, desinfiziertes Messer zu Hilfe. Wägen Sie im Vorfeld ab, welche Vorgehensweise die kleinste Wunde am Pflanzengewebe hinterlässt.

Spätsommerliche Blüten entfernen

Aufgrund ihrer tropischen Herkunft können Tomaten nicht ahnen, dass sich im Spätsommer die warme Jahreszeit dem Ende zuneigt. Blüten, die sich ab August entfalten, haben keine Aussichten, sich in reife Tomaten zu verwandeln. Gleichwohl pumpt die Pflanze alle Reservestoffe in Richtung von Blütenanlagen, die für die Reife bestehender Früchte verloren sind. Es ist daher gängige Praxis im Tomatenanbau, spätsommerliche Knospen und Blüten auszubrechen.

Exkurs

Geiztriebe zu Stecklingen umfunktionieren

Entgegen ihres Namens knausern Geiztriebe nicht mit Wuchskraft. Im Gegenteil ruht in jedem ausgegeizten Seitentrieb die Vitalität einer prachtvollen Tomatenpflanze. Werfen Sie das Schnittgut nicht achtlos weg, sondern nutzen es für die vegetative Vermehrung. Geeignet zum Steckling sind alle gesunden Triebe mit einigen Blättern und ohne Blüten. Sehr zügig schreitet die Bewurzelung im dunklen Wasserglas voran am warmen, hellen Fensterplatz. In Anbetracht der kurzen Vegetationsperiode in unseren Breiten, lohnt sich der Aufwand für alle Geiztriebe, derer Sie bis Ende Juni habhaft werden.

Bodennahe Tomatenblätter entfernen

Eine wissenschaftliche Studie lehrt uns, dass Blätter im oberen Drittel von Tomatenpflanzen nahezu 80 Prozent der Fotosynthese erzielen. Das Laub der unteren Etage trägt im Vergleich zum Energieverbrauch nur wenig bei zum Wachstum großer, saftiger Tomaten. Aus diesem Grund gehen fachkundige Gärtner dazu über, die Blätter in Bodennähe abzuschneiden. So machen Sie es richtig:

  • Spätestens ab dem zweiten Anbaumonat Blätter im unteren Bereich entfernen
  • Junge Blätter idealerweise manuell abbrechen
  • Größere Blätter abschneiden
  • Tomaten entlauben bis auf eine Höhe von etwa 30 cm

Die Vorteile liegen auf der Hand. In erster Linie optimieren Sie die Verwertung der Nährstoffe. Fernerhin gedeiht die Tomatenpflanze locker und luftig, was Krankheitserregern den Angriff erschwert. Nicht zuletzt spritzt kein Gieß- oder Regenwasser mehr auf das Blattwerk, was die Vorbeugung gegen Kraut- und Braunfäule verbessert.

Tipps

Mit Ausnahme bodennaher und kranker Blätter sollte das Blattwerk einer Tomate erhalten bleiben. Die Fotosynthese ist angewiesen auf jedes einzelne Blatt. Hier fließt wertvolles Chlorophyll in Strömen, das Lebenselixier jeder Tomatenpflanze. Stehen zu wenige Blätter für die Versorgung von Blüten und Früchten zur Verfügung, sind alle Bemühungen um eine Ernte in Premium-Qualität Makulatur.

Bei Platzmangel Haupttrieb schneiden

Nur wenige Tomatengärtner können ihren Pflanzen uneingeschränktes Wachstum in die Höhe gestatten. In der Regel bestimmt Platzmangel die Kultivierung von Tomaten im Hausgarten und auf dem Balkon. Limitierte Anbaufläche impliziert nicht, dass Sie auf saftige Fleischtomaten verzichten müssen. Die gutmütige Schnittverträglichkeit offeriert einen gezielten Rückschnitt, um das Wachstum zu regulieren. So gehen Sie Schritt für Schritt richtig vor:

  • Nach der Pflanzung die Tomate am Stützstab mit weichem Bindematerial fixieren
  • Parallel zum Wachstum die kräftigste Ranke am Stab in die Höhe leiten
  • Seitliche Fruchttriebe mit Blütenknospen nicht schneiden
  • Geiztriebe aus den Blattachseln ausbrechen
  • Haupttrieb schneiden, wenn die gewünschte Höhe erreicht ist

Der Zeitpunkt für den Schnitt am Hauptschnitt unterliegt Ihrer gärtnerischen Einschätzung und dem zur Verfügung stehenden Platz. In der Anbaupraxis hat sich herausgestellt, dass mindestens drei oder vier Seitentriebe mit Blütentrieben vorhanden sein sollten, bevor der Schnitt erfolgt.

Buschtomaten nicht schneiden

Seit die Anbauflächen stets kleiner werden, gewinnen kleinwüchsige Busch- und Balkontomaten an Popularität. Die reich verzweigten Tomatenpflanzen geben sich mit wenig Platz zufrieden, benötigen keine Rankhilfe und sind wunderbar pflegeleicht.

Gärtner mit knapp bemessener Zeit wissen zu schätzen, dass Buschtomaten nicht auszugeizen sind und auch ihre bodennahen Blätter behalten können. Es ist tabu, den Haupttrieb zu schneiden, weil daraufhin das Höhenwachstum zum Erliegen kommt. Bei einer maximalen Wuchshöhe von 30 bis 100 Zentimetern wäre es fatal, die Spitzenknospe zu kappen. In einem der wichtigsten Wachstumsgesetze ist nachzulesen, dass mit dem Schnitt einer dominanten Knospe der florale Wille zum Höhenwachstum gebrochen wird.

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Häufig gestellte Fragen

Sind Tomaten winterhart?

Obschon Tomaten seit Generationen in mitteleuropäischen Gärten angebaut werden, haben die empfindlichen Pflanzen nicht gelernt, den hiesigen Winter draußen zu überleben. Die tropischen Nachtschattengewächse frösteln bereits ab 10 Grad Celsius, was jede Aussicht auf eine mehrjährige Kultivierung im Freiland zunichte macht. Immerhin besteht die Option, kleine Sorten und Wildtomaten im Topf hinter Glas zu überwintern.

Können Tomaten im Kübel gehalten werden?

Tomaten gedeihen auch im Kübel. Gut bewährt haben sich standfeste Töpfe und Pflanzkästen mit einer Größe ab 40 x 40 cm sowie einem Wasserabzug im Boden. Als Substrat eignet sich ein Mix aus halbreifem Kompost, Lehm, feinkörnigem Sand und etwas Kalk oder Bentonit. Fleischtomaten ziehen Sie am besten eintriebig am Stützstab. Sukzessive werden die Blätter im unteren Bereich entfernt bis auf eine Höhe von 30-40 cm. Ein Regendach ist optimal. Alternativ stellen Sie den Kübel auf einen Pflanzenroller, um die Tomaten bei Regenwetter ins Trockene umzustellen.

Die Meteorologen kündigen die ersten kalten Herbstnächte an und unsere Tomatenpflanzen tragen noch zahlreiche grüne Früchte. Was tun?

Tomaten zählen zu den nachreifenden Früchten. Diese Eigenschaft können Sie sich zunutze machen und die letzte Ernte im grünen Zustand einfahren. Zu diesem Zweck reißen Sie die gesamte Pflanze aus und entfernen alle Blätter. Im Haus wählen Sie einen dunklen Raum mit Temperaturen zwischen 16 und 25 Grad Celsius, der idealerweise eine hohe Luftfeuchtigkeit aufweist. Hier hängen Sie die Pflanzen kopfüber an eine aufgespannte Leine. Mit diesem gärtnerischen Kniff können Sie bis Weihnachten reife Tomaten ernten.

Sind grüne Tomaten giftig?

Tomatenpflanzen zählen zu den Nachtschattengewächsen und enthalten gesundheitsschädliches Solanin. Das Alkaloid dient der Abwehr von Schädlingen und baut sich erst im reifen Zustand ab. Der absichtliche oder unabsichtliche Verzehr einer einzigen grünen Tomate kann erhebliche Vergiftungserscheinungen auslösen, wie Übelkeit, Erbrechen und Krämpfe. Die Gefahr bleibt auch im halbreifen Zustand bestehen, wenn die Früchte teilweise rot und grün gefärbt sind. Beißen Sie daher erst in eine Tomate, wenn die Frucht vollständig durchgefärbt ist.

Was tun mit dem Schnittgut von Tomaten?

Blätter und Triebe können auch als Schnittgut noch einen Beitrag leisten zum gesunden, kräftigen Wachstum. Lassen Sie die Pflanzenteile einfach auf dem Boden als Mulch liegen. Vorteilhaft für den Verwertungsprozess ist, wenn Sie den Tomatenmulch ab und zu mit Brennnesseljauche übergießen. Das Schnittgut zersetzt sich und gibt seine Nährstoffe ab an die Wurzeln.

Die 3 häufigsten Schnittfehler

Klimatische Unwägbarkeiten machen den Anbau von Tomaten zu einer Gratwanderung. Damit zumindest die Schnittpflege einen Beitrag leistet für eine reiche Ernte saftiger Früchte, sollten die folgenden drei Schnittfehler nicht passieren.

SchnittfehlerSchadbildVorbeugung
Fleisch- und Stabtomaten nicht ausgegeiztunkontrolliertes Wachstum, kleine Früchteab Mai Geiztriebe regelmäßig ausbrechen
untere Etage nicht entlaubtKrankheitsbefall, mindere ErntequalitätBlätter entfernen bis 30 cm Höhe
Buschtomaten Haupttrieb gekapptWachstumsdepressionen, kleinwüchsige PflanzeBusch- und Balkontomaten nicht schneiden

Tipps

Regen torpediert alle Bemühungen um die perfekte Schnittpflege von Tomaten. Steht kein Gewächshaus für den Anbau zur Verfügung, sollten die Pflanzen unter einem Regendach gedeihen. Wahlweise erwerben Sie den Nässeschutz fix und fertig im Handel. Mit ein wenig handwerklichem Geschick bauen Sie aus Gewächshausfolie und Pfosten den Regenschutz selber.

Text: Paula Jansen

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