Aus dem Leben der Regenwürmer

Der Regenwurm ist kein Insekt, auch wenn er zu den Gliederfüßern gehört. Schon im Kindergarten lernen die Kleinen die Eigenheiten dieser Lebewesen kennen, wenn sie den Regenwurm im Ausmalbild einfärben, oder die Tiere in der Wurmkiste beobachten.

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Regenwürmer sind wunderbare Bodenverbesserer

Das Wichtigste in Kürze

  • Regenwürmer sind Gürtelwürmer und mit knapp 45 Arten in Deutschland vertreten. Ihr verborgenes Leben im Boden bietet einen hohen Nutzen für Gärtner. Innerer und äußerer Bau der Erdbewohner sind Anpassungen an den Lebensraum.
  • Die Würmer sind Zwitter und benötigen zur Fortpflanzung einen Partner. Ihre Eier werden in gelbliche Kokons abgelegt, die im Substrat platziert werden. Die Entwicklungszeiten hängen von der Art und den Umgebungstemperaturen ab.
  • Jede Art gehört zu einer von drei ökologischen Gruppen, welche den Lebensraum der Tiere genauer beschreiben. Regenwürmer ernähren sich überwiegend von pflanzlicher Kost und überwintern in selbst gegrabenen Wohnhöhlen.
  • Der Gemeine Regenwurm ist die bekannteste Art in Deutschland und bundesweit verbreitet. Andere Organismengruppen haben ein begrenztes Verbreitungsgebiet. Aufgrund ihrer hohen Vermehrungsrate können Regenwürmer leicht gezüchtet werden.

Der Regenwurm im Steckbrief

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Der Kompostwurm (hier abgebildet) ist etwas kleiner und röter als der Gemeine Regenwurm

Regenwürmer stellen eine Familie innerhalb der Gürtelwürmer dar. In Deutschland sind derzeit 46 Arten bekannt. Der Regenwurm heißt auf Englisch earthworm, wobei diese Bezeichnung nicht nur für die Gruppe der Lumbricidae sondern für alle terrestrisch lebenden Würmer genutzt wird.

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Zu den bekanntesten Arten zählt der Gemeine Regenwurm (Lumbricus terrestris), welcher neun bis 30 Zentimeter lang und gelegentlich als Tauwurm bezeichnet wird. Eine weitere häufige Art ist der zwischen sechs und 13 Zentimeter etwas kleinere Kompostwurm (Eisenia fetida).

Regenwürmer erreichen ein Gewicht von durchschnittlich zwei Gramm. Sie werden etwa einen Zentimeter dick und entwickeln eine schleimige Schutzhülle, um schädliche Stoffe abzuwehren und nicht auszutrocknen.

Warum Regenwürmer nützlich sind

Wenn sich Regenwürmer durch das Erdreich bohren, mischen sie die Bodenpartikel und sorgen für eine bessere Sauerstoffzirkulation in den Substratporen. Die Grabetätigkeiten gewährleisten, dass Nährstoffe aus dem Unterboden zu den Wurzeln der Pflanzen gelangen. Auch der Kot versorgt die Gewächse mit zusätzlichen Nährstoffen. Durch die Auflockerung der Erdschichten kann Regenwasser besser versickern und Verdichtungen werden vorgebeugt.

Während der Nacht transportieren die Lebewesen abgefallene Blätter von der Erdoberfläche in das unterirdische Gangsystem. Diese Maßnahme beschleunigt die Verrottung des pflanzlichen Materials. Die Helfer fördern nicht nur die Bodenfruchtbarkeit, sondern verbessern die Lebensbedingungen für zahlreiche Bodenorganismen.

Der Regenwurm verbessert unseren Boden

Innere und äußere Anatomie

Regenwürmer bestehen aus zahlreichen Segmenten, die im Laufe des Lebens durch eine spezielle Wachstumszone am hinteren Ende produziert werden. Dadurch nimmt die Länge eines Wurms mit dem Alter zu. Im ausgewachsenen Zustand können die Gürtelwürmer bis zu 160 Glieder produzieren. Anatomie und Aufbau des Körpers sind notwendige Anpassungen an den Lebensraum.

Nervensystem

Regenwürmer besitzen eine gut ausgeprägte Reizwahrnehmung. Im Querschnitt erinnern die Nervenbahnen an ein modifiziertes Strickleiternervensystem. Paarig angeordnete Nervenknoten, die sogenannten Ganglien, sind durch Längs- und Querstreben miteinander verbunden. Bei Regenwürmern sind diese Bestandteile zu einem Nervenstrang vereint, welches als Bauchmark bezeichnet wird. Dieser Hauptstrang durchzieht den Körper bauchseitig vom vierten Segment bis zum Schwanz.

Weitere Strukturen des Nervensystem:

  • Gehirn (auch Oberschlundganglion genannt) im dritten Segment
  • Unterschlundganglion, welches vom Darm abgeht
  • je drei Segmentalnerven, die in jedem Glied von Bauchmark abzweigen

Verdauungsapparat

Am Kopfende besitzt der Regenwurm einen Kopflappen, der über den Mund gewölbt ist. Diese Oberlippe mündet in eine Mundöffnung mit direkter Anknüpfung an den Darm. Er durchzieht den gesamten Körper und untergliedert sich in einen muskulösen Rachen mit Speiseröhre sowie Kropf und Muskelmagen.

Regenwürmer sind natürliche Bodenverbesserer, denn sie reduzieren säurehaltige Bodensubstanzen durch calziumhaltige Abscheidungen.

Die Funktionsweise ist gleichermaßen wie bei Hühnern. Mit der Nahrung aufgenommene Sandkörner zermahlen diese zu Brei, der anschließend den langen Mitteldarm durchläuft und über den After am hinteren Ende ausgeschieden wird.

Wie viele Herzen hat ein Regenwurm?

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Regenwürmer haben fünf Herzen

Die wirbellosen Tiere verfügen über fünf Herzpaare, die in den siebten bis elften Segmenten liegen. Ihre Herzen sind untereinander und mit den Hauptblutgefäßen verbunden, sodass ein geschlossenes System entsteht. In diesem zirkuliert rotes Blut, welches durch das Rückengefäß in Kopfrichtung und im Bauchgefäß in den hinteren Teil gepumpt wird. Der Blutkreislauf ist von besonderer Bedeutung, denn er gewährleistet die Sauerstoffversorgung der Würmer.

Wissenswertes:

  • jedes Herz ist muskulös und stark kontraktil
  • Haut muss feucht bleiben, um Sauerstoffaufnahme zu ermöglichen
  • Regenwürmer können auch in sauerstoffreichem Wasser atmen

Regenwürmer besitzen keine Riechorgane. Die Atmung findet überwiegend über die Haut statt. Weiterer Sauerstoff gelangt durch die aufgenommene Nahrung in den Darm und anschließend in die Blutbahn.

Hat ein Regenwurm Augen?

Die Gürtelwürmer haben keine Augen, können aber zwischen hell und dunkel unterscheiden. Diese Wahrnehmung wird durch Licht-Sinneszellen ermöglicht, welche sich in der Epidermis am vorderen und hinteren Ende befinden. Mit speziellen Tast- und Gravitätssinnen orientieren sich Regenwürmer in der Dunkelheit des Erdreichs. Sie nehmen Spalten oder Hindernisse wahr und wissen, wo oben und unten ist. Mit Hilfe von Drucksinnen spüren die Wirbellosen Bodenerschütterungen, sodass sie rechtzeitig vor herannahenden Fressfeinden flüchten können.

Fortbewegung

Auf der Außenseite eines jeden Segments sitzen vier Paare von Borsten, die aus Chitin und Proteinen zusammengesetzt sind. Ring- und längsförmig angeordnete Muskeln ermöglichen eine passive Bewegung dieser Fortsätze, sodass der Wurm vorwärts und rückwärts kriechen kann. Die Fortbewegungsrichtung wird von der Stellung der Haarstrukturen beeinflusst.

Bewegungsabläufe beim Kriechen:

  1. Borsten zeigen nach hinten
  2. vordere Ringmuskeln ziehen sich zusammen
  3. Vorderende wird dünner und länger
  4. durch Borsten werden hintere Segmente im Boden verankert
  5. Vorderteil schiebt sich in Richtung des Kopfes
  6. Kontraktion der Längsmuskeln nach hinten
  7. Hinterende wird hinterher gezogen

In Gefahrensituationen verlaufen die Muskelkontraktionen schneller ab. Diese entstehen beispielsweise bei Berührung oder kommen durch Lichtreize zustande. Der Wurm versucht in einer Fluchtreaktion zu entkommen.

Vom Geschlechtsakt zum Jungwurm

Die Fortpflanzung von Regenwürmern ist ein spektakulärer Akt, bei welchem beide Partner als Männchen agieren. Der weibliche Part handelt erst später, wenn die Eikokons produziert werden. Bis sich aus dem Ei ein Jungwurm entwickelt hat, kann unterschiedlich viel Zeit vergehen.

Geschlechtsorgane

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Regenwürmer sind Zwitter

Regenwürmer haben kein bestimmtes Geschlecht. Sie sind Zwitter und besitzen sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Einige Regenwurmarten befruchten sich selbst, wobei sie generell die geschlechtliche Vermehrung mit einem Partner bevorzugen. Geschlechtsreife Tiere erkennen Sie an der gelblichen Verdickung.

Dieser Gürtel, der als Clitellum bezeichnet wird, entwickelt sich im Alter von ein bis zwei Jahren. Er nimmt mindestens vier und maximal 32 Glieder ein und liegt zwischen dem 17. und 52. Segment. Besonders auffällig sind die sogenannten Pubertätsleisten, welche die Seitenränder des Gürtels bilden.

Wann sich Regenwürmer vermehren:

  • keine festen Zeiten zur Paarung
  • übliche Fortpflanzungszeit zwischen Frühsommer und Herbst
  • insbesondere von Mai bis Juni
  • bei günstigen Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen im Boden

Fortpflanzung vom Regenwurm

Der Gürtel verfügt über Drüsen, welche vor der Begattung ein Sekret produzieren. Dieses dient dazu, dass sich die Geschlechtspartner aneinander heften können. Anschließend scheiden beide Würmer eine Spermienportion aus, die durch Hautbewegungen zum Clitellum transportiert und anschließend in die Samentaschen des Partners eingelagert werden. Hier werden die Spermien einige Tage gespeichert, bevor sie die Eizellen befruchten.

Exkurs

Wie oft vermehren sich Regenwürmer?

Kompostwürmer sind äußerst produktiv und paaren sich mehrmals pro Jahr. Ein Kokon kann bis zu elf Eier enthalten. Auf diese Weise sorgt ein geschlechtsreifer Wurm für an die 300 Nachkommen jährlich. Im Vergleich zu dieser Leistung ist der Gemeine Regenwurm ein Faulenzer, der sich innerhalb von zwölf Monaten ein Mal einen Geschlechtspartner sucht und lediglich fünf bis zehn Kokons mit jeweils einem Ei produziert.

Eiablage

Der Regenwurm produziert ein Clitellum-Sekret, welches später erstarrt und die pergamentartige Hülle des Eikokons bildet. Diesen Schutzmantel füllt er mit einer eiweißhaltigen Flüssigkeit. Anschließend zieht sich das Tier rückwärts aus dem Kokonring und gibt mehrere Eier und Spermien in diesen ab. Die Befruchtung findet außerhalb des Körpers im Ei statt. Nach Passieren des Kopfendes verschließt sich die Kapsel an den Enden. Die Kokons von Regenwürmer erinnern an gelbliche bis bräunliche Düngekügelchen.

So legen Regenwürmer ihre Eier ab:

  • in den oberen Schichten des Bodens
  • oft wird zusätzlich eine Schutzhülle aus Kot produziert
  • gerne im Kompost

Entwicklung

Das Eiweiß im Kokon dient den Embryonen als erste Nahrung, bevor sie die Metamorphose zum transparenten Wurm durchlaufen. Bis ein vollständig entwickeltes Baby aus dem Ei schlüpft, vergehen je nach Art und Außentemperatur zwischen 16 und 90 Tage. Die Embryonen von Mistwürmern entwickeln sich bei etwa 25 Grad innerhalb von rund zwei Wochen zum Jungwurm. Tauwürmer benötigen drei Monate, wobei niedrige Temperaturen bei etwa zwölf Grad im Boden ausreichend sind.

Jungwürmer erkennen:

  • sind deutlich kleiner als ausgewachsene Regenwürmer
  • Pigmentierung ist sehr schwach ausgeprägt
  • Geschlechtsapparat noch nicht vorhanden
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Über das Leben von Regenwürmern

Regenwürmer sind an eine Existenz im Verborgenen angepasst. Sie kommen nur nach ausgiebigen Regenfällen an die Erdoberfläche, oder zeigen sich beim Umgraben von Gartenbeeten und Komposthaufen. Das Leben auf der Erde birgt eine Menge Gefahren.

Lebensraum

Der Regenwurm lebt überwiegend in der Erde. Die Pigmentierung hängt vom Mikrohabitat ab, welches die jeweilige Art besiedelt. Würmer, die kaum an die Bodenoberfläche kommen, sind blass und pigmentlos. Dagegen entwickeln solche Arten, die öfter auf der Erde beobachtet werden, einen UV-Schutz in Form einer dunklen Pigmentierung.

Ein Regenwurm im Blumentopf ist nicht von außen eingewandert. Er stammt vermutlich aus einem Eikokon, der sich in der verwendeten Wald- oder Komposterde befand. Einige Tage können die terrestrisch lebenden Tiere in wassergesättigten Böden überleben. Moorige Untergründe werden nicht besiedelt.

Bau

Als Bohrgräber hinterlassen Regenwürmer weitreichende Gangsysteme im Boden. Sie ziehen die Ringmuskeln der vorderen Segmente zusammen und bohren mit dem dünnen Vorderteil ein Loch in die Erde. Durch Nutzung der Längsmuskeln wird dieses dicker und schiebt die Erdpartikel auseinander.

Beeindruckende Fakten:

  • Gänge können in einem Quadratmeter bis 20 Meter Länge erreichen
  • Regenwürmer gehören zu den stärksten Tieren weltweit
  • stemmen beim Graben das 50- bis 60-Fache ihres eigenen Körpergewichts

Lebenserwartung

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Regenwürmer werden im Durchschnitt zwei Jahre alt

In der Natur erreichen Regenwürmer ein Alter von durchschnittlich zwei Jahren. Hier wird ihre Überlebenschance von Umweltbedingungen und Feinden beeinflusst. Die wehrlosen Lebewesen sind eine leichte Beute, weswegen die Zahl der Fressfeinde groß ist. Viele Vögel ernähren sich von den proteinreichen Bodenlebewesen. Igel, Maulwürfe aber auch Insekten und Amphibien gehören ebenfalls zu den Räubern. Unter kontrollierten Bedingungen im Labor wurden einige Exemplare zehn Jahre alt.

Überwinterung

Bei ungünstigen Witterungsbedingungen suchen die Würmer Schutz in selbst gebauten Höhlen unter der Erde, die mit körpereigenen Sekreten ausgefüllt wird. Als wechselwarme Tiere fallen sie im Winter in eine Starre, denn ihre Körpertemperatur passt sich der Umgebungstemperatur an. Lang anhaltende Kälteperioden führen zu einem enormen Gewichtsverlust. Nach der kalten Jahreszeit haben die Würmer etwa die Hälfte ihrer Körpermasse verloren, sodass sie im Frühjahr auf ausgiebige Nahrungssuche gehen müssen.

Ernährung

Die Gürtelwürmer haben einen sehr gut entwickelten Geschmackssinn. Sie nehmen unterschiedliche Aromen mit Hilfe von Sinnesknospen in der Mundhöhle wahr. Das hat Auswirkungen auf die bevorzugte Nahrung. Sie füllen ihren Darm über den Mund mit humusreicher Erde und verrottendem Pflanzenmaterial.

Tipps

Setzen Sie zwischen starkzehrende Pflanzen im Gemüsebeet eine Humusbox in das Substrat. Hier können Sie biologische Abfälle sammeln, welche durch Würmer direkt zersetzt werden. Ihr Gemüse wird konstant mit Nährstoffen versorgt.

Gelegentlich ziehen sie in der Nacht Keimlinge und Blätter unter die Erde, damit das Pflanzenmaterial vermodert. Dazu blähen sie ihr Vorderende auf und pressen ihren Mund an ein Blatt. Eine Art Saugscheibe hält das Material fest, sodass der Wurm dieses rückwärtskriechend in den Boden transportieren kann. Regenwürmer nehmen außerdem Bodenpartikel auf und zersetzen die darauf lebenden Bakterien, Pilzsporen und Einzeller.

Artenreichtum unter den Regenwürmern

Der Gemeine Regenwurm gehört neben dem Kleinen Ackerwurm zu den häufigsten Arten in Deutschland, die nicht der gleichen Gattung angehören und zwei unterschiedlichen ökologischen Gruppen zugeordnet werden:

  • endogäische Regenwürmer: leben in horizontalen Gängen, welche die obere Mineralschicht durchziehen
  • anektische Regenwürmer: dringen durch vertikale Gänge bis in drei Meter Tiefe vor
  • epigäische Regenwürmer: besiedeln organische Schicht auf dem Boden

Der Kompostwurm gehört zur Gruppe der epigäischen Würmer, während der anektische Tauwurm in tiefere Bodenschichten vordringt. Ein großer Teil aller in Deutschland vorkommenden Gattung vertritt die endogäische Klasse. Zu ihr zählt auch der Kleine Ackerwurm.

 wissenschaftlicher NameumgangssprachlichLebensraumBesonderheitenFärbung
Gemeiner RegenwurmLumbricus terrestrisTauwurm, AalwurmWiesen, Gärten und Obstanlagenkommt nur bei Tau an die Erdoberflächevorne rötlich, hinten blass
KompostwurmEisenia foetidaStinkwurm, Tennessey-WigglerBöden mit hohem Anteil an organischem MaterialArt wird in Wurmfarmen gezüchtetrötlich mit hellen bis gelben Ringen
Kleiner AckerwurmAllolobophora chloroticaGartenwurmin schweren feuchten Bödenlebt in der oberen Mineralschichtblass bläulich bis grünlich oder rosa
Roter WaldregenwurmLumbricus rubellusRotwurm, Roter Laubfresserhumusreiche Böden, alte Baumstümpfelebt auf der Erde unter Laubdurchgehend rot
Großer AckerwurmOctolasion lacteumin nahezu allen Bödenfrisst Mikroorganismen auf Sandpartikelnmilchig blau bis gelblich

Artenverteilung in Deutschland

Nach Süden hin nimmt der Artenreichtum deutlich zu, was auf die eiszeitlichen Vorgänge zurückzuführen ist. Durch die Vergletscherung des Nordens sind zahlreiche Arten ausgestorben, oder wurden in die südlich gelegenen eisfreien Zonen verdrängt. Nachdem das Eis geschmolzen ist, konnten nur wenige Arten in nördliche Gebiete einwandern. Hier leben heute Regenwurmarten, die vergleichsweise weit verbreitet sind. Dagegen wird im Süden eine Vielzahl von Regenwürmern beobachtet, die nur ein begrenztes Verbreitungsgebiet aufweisen.

Regenwürmer züchten

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Regenwürmer lassen sich leicht züchten

Viele Gürtelwürmer lassen sich aufgrund ihrer geringen Ansprüche an die Umweltbedingungen und einer hohen Vermehrungsrate leicht in Gefangenschaft züchten. Für die kommerzielle Nutzung kommen sogenannte Wurmfarmen zum Einsatz. Im privaten Umfeld können die Tiere in Wurmkisten oder einem Beobachtungskasten gehalten werden.

Futtertiere

Im Zoofachhandel werden Würmer verschiedener Arten als Angelköder oder zum Verfüttern an Reptilien und Amphibien angeboten. Einige spezialisierte Unternehmen bieten Zuchtsets und Zubehör im Internet an. Zuchttiere können ausgewachsen oder in Form von Eikapseln erworben werden. Da Regenwürmer zwittrig sind, müssen Sie nicht auf das Geschlecht achten.

Würmer aus Eikokons ziehen:

  1. Wurmkiste mit Erde, feuchter Pappe, Zeitungspapier oder zerkleinerten Kaffeefiltern füllen
  2. Eikokons im Substrat platzieren
  3. Wurmkomposter vier Wochen an einen dunklen und warmen Platz stellen

Bodenverbesserung

Arten mit hohen Umsetzungs- und Vermehrungsraten eignen sich für den Einsatz im Garten, um die Bodenqualität zu verbessern. Empfehlenswert für diesen Einsatzbereich ist der Kompostwurm, welcher ebenfalls in einer Wurmkiste herangezüchtet werden kann. Nach dem Schlüpfen empfiehlt sich das Umplatzieren direkt in den Komposthaufen, damit die Jungtiere ausreichend Nahrung vorfinden. Ein Wurmkomposter ist ideal für Balkon und Terrasse, um sich Würmer zu züchten.

Tipps

Seit kurzem werden tropische Arten zur Verbesserung des Bodens angeboten. Diese empfehlen sich wegen der Neozoenproblematik allerdings nur für den Einsatz in geschlossenen Anlagen wie Gewächshäusern.

Exkurs

Skurriles aus dem Kosmos der Regenwürmer

Der längste Regenwurm der Welt hat eine Länge von 3,2 Meter und kommt in Australien vor. Diese Art aus der Familie der Megascolecidae lebt im Boden, auf Bäumen oder Sträuchern. Ähnlich imposant ist der größte Regenwurm, der in China entdeckt wurde und bis zu 50 Zentimeter lang wird. Aber auch in Deutschland gibt es rekordverdächtige Vertreter. Der Badische Riesenregenwurm gilt als die größte europäische Art und misst im Ruhezustand zwischen 30 und 34 Zentimeter. Streckt er sich in voller Länge aus, kommt sein Körper auf 60 Zentimeter.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Regenwurm?

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Regenwürmer sind Gliederfüßer

Die gegliederten Lebewesen gehören zur Ordnung der Wenigborster, da jedes Segment über Borsten zum Kriechen verfügt. Sie sind keine Insekten, auch wenn sie wie Krebse, Spinnen und Käfer zu den Gliederfüßern zählen. Ihr schleimiger Körper besteht aus Längs- und Ringmuskeln, die der Fortbewegung oder zum Graben von Wohnhöhlen dienen.

Wie alt wird ein Regenwurm?

Generell liegt die Lebenserwartung der Bodenlebewesen bei zehn bis zwölf Jahre. In der Natur erreicht kaum ein Individuum dieses Alter, da die wehrlosen Tiere viele Feinde haben und häufig den Umweltbedingungen zum Opfer fallen. Durchschnittlich werden die Würmer in freier Wildbahn zwei Jahre alt. Zur Geschlechtsreife kommen sie nach etwa einem Jahr.

Kann man einen Regenwurm teilen?

Die Bodenlebewesen haben ein außergewöhnliches Regenerationsvermögen und können ihr Hinterende nach Abtrennung fast vollständig erneuern. Jedes Glied verfügt über die genetische Anlage, einen After auszubilden. Der Kopf kann jedoch nicht wiederhergestellt werden. Dass aus einem Wurm durch Trennung zwei Individuen entstehen, ist ein Gerücht. Gelegentlich bildet ein abgetrenntes Hinterende Segmente mit einem zweiten Darmausgang. Ein solches Individuum stirbt nach kurzer Zeit durch Verhungern.

Das vordere Ende hat eine Überlebenschance, wenn es nach dem 40. Segment abgetrennt wurde und somit über die lebensnotwendigen Lateralherzen verfügt. Da sich Wunden in der freien Natur oft entzünden, ist die Überlebensrate zerteilter Regenwürmer gering.

Was frisst ein Regenwurm?

Die Wirbellosen gelten als Allesfresser, die sich von biologischem Abfall und teilweise Aas ernähren. Sie nutzen die verfügbare Nahrung in Eingangsnähe zu ihren Wohngängen. Neben abgestorbenen Pflanzenteilen gehören auch Mikroorganismen zu ihrem Speiseplan, welche auf Gesteinspartikeln leben. Durch ihre Tätigkeiten als Bohrgräber beschleunigen sie die natürlichen Zersetzungsprozesse.

Worauf deuten Regenwürmer im Boden hin?

Regenwürmer dienen als Bioindikatoren und können auf eine Schwermetallbelastung des Bodens hindeuten. Sie nehmen Bodenpartikel mit mineralischen Bestandteilen auf und reichern dadurch metallische Stoffe im Körper an. Kurzfristig entsteht den Würmern durch die Akkumulation im Organismus kein Schaden. Lumbriciden können aufgrund ihrer vergleichsweise hohen Lebensdauer Umweltbelastungen addiert über mehrere Jahre anzeigen. Schon die Existenz solcher Arten an einem Standort lässt gewisse Rückschlüsse auf die Bodenbelastung zu.

Kann man Regenwürmer essen?

Immer häufiger findet man Regenwürmer zum Verzehr. Aufgrund der Problematik parasitierender Organismen sollte auf diese Survivalnahrung verzichtet werden. Regenwürmer leben symbiotisch mit Bakterien, Flagellaten und Ciliaten. Daneben ist ihre Leibeshöhle nicht selten von Fadenwürmern befallen. Einige dieser Arten sind Überträger von Lungenwurmkrankheiten bei Geflügel und Schweinen. Gelegentlich legt die Goldfliege ihre Eier in Regenwürmer ab, sodass die daraus schlüpfenden Larven optimale Nahrungsbedingungen vorfinden und den Wurm während ihrer Entwicklung von Innen auffressen.

Text: Christine Riel

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