Kann man Engerlinge mit Kalkstickstoff bekämpfen?

Bei einem Engerlingbefall in Ihrem privaten Garten können Sie auf einige Bekämpfungsmethoden zurückgreifen. Chemische Mittel sollten dabei aber der Umwelt und auch Ihrer Gesundheit zuliebe nur im äußersten Fall zum Einsatz kommen. Auch der offiziell als Düngemittel zugelassene Kalkstickstoff ist nicht ganz unkritisch.

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Kalkstickstoff schadet auch Nützlingen im Boden

Hintergründe zu Kalkstickstoff

Kalksticktoff ist der Handelsname eines Düngemittels, dessen Wurzeln bis vor 1900 zurückreichen. Er wird vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt, einerseits als Nährstoffergänzung, aber andererseits gern auch zur Unkraut- und Schädlingsbekämpfung. In der EU ist Kalkstickstoff allerdings eigentlich nur als Düngemittel zugelassen. Im Fachhandel wird er vor allem unter dem Markennamen „Perlka“ angeboten und besteht aus folgenden Anteilen:

  • Calciumcyanamid (knapp 20 %)
  • Nitrat
  • Kalk (etwa 55%)

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Das Nitrat dient Pflanzen als Direktnährstoff, ebenso der Kalk, wobei er auch pH-Wert-stabilisierend wirkt und die Bodendurchlässigkeit fördert. Das Calciumcyanamid wird durch Wasser und Mikroorganismen in Löschkalk und giftiges Cyanamid aufgespalten – letzteres sorgt für die herbizide und schädlingsbekämpfende Wirkung.

Problematik von Kalkstickstoff

Giftig nicht nur für Unerwünschtes

Zwar verbleibt das toxische Cyanamid nicht dauerhaft im Boden. Dafür sorgen die Mikroorganismen, die daraus ungefährlichen Harnstoff, Nitrat und Ammonium machen. Bis zum vollständigen Abbau brauchen sie aber etwa 2 Wochen – in dieser Zeit werden nicht nur Schädlinge und unerwünschte Unkräuter, sondern natürlich auch alle anderen keimenden Jungpflanzen und nützliche Kleintiere abgetötet. Eine Anwendung empfiehlt sich deshalb allenfalls in noch leeren Beeten, in denen Sie einen unterirdischen Engerlingbefall festgestellt haben.

Richtige Dosierung schwierig

Auch auf Rasen kann eine Ausbringung von Kalkstickstoff sehr wirksam sein. Zum einen profitiert das Gras sehr von der Düngewirkung. Zum anderen ist das Mittel speziell bei der Vorbeugung von Engerlingen sinnvoll, denn Mai- und Junikäfer legen ihre Eier aufgrund der Vorliebe der Larven für Graswurzeln bevorzugt auf Grasflächen ab. Allerdings ist hier die richtige Dosierung nicht ganz trivial. Wenn nicht fachgerecht penibel dosiert wird, kommt es schnell zu Überdüngungsverbrennungen.

Eigene Gesundheit nicht ungefährdet

Kalkstickstoff ist auch für Menschen toxisch und verlangt deshalb nach einem sehr vorsichtigen Umgang. Befolgen Sie unbedingt genau die Verwendungsanleitung. Es müssen unbedingt Schutzhandschuhe getragen werden und auch ein Mundschutz ist empfehlenswert. Denn gerade das Einatmen von Kalkstickstoffstaub ist gefährlich. Feinpulverige Substrate werden deshalb auch nicht mehr verkauft.

Text: Caroline Strauss
Artikelbild: encierro/Shutterstock

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