Pilze im eigenen Garten oder Keller züchten und verwerten

Viele Pilzsammler schwören auf Geheimplätze, an denen Sie Jahr für Jahr schmackhafte Speisepilze finden können. Bequemer können Sie als Pilzliebhaber vorgehen, wenn Sie bestimmte Pilzsorten ganz einfach selber züchten.

Pilze züchten
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Die Besonderheiten beim Wachstum von Pilzen

Pilze werden botanisch nicht zu den Pflanzen gerechnet, da sie sich in ihrem Wachstum von diesen relativ stark unterscheiden. Immerhin besitzen Pilze kein Chlorophyll, wodurch sie auch selbst keine Fotosynthese betreiben können. Vielmehr beziehen viele Pilzarten ihre benötigten Wachstumsenergie aus Zersetzungsprozessen von Holz und anderen pflanzlichen Stoffen. Die sichtbaren Fruchtkörper der Pilze oberhalb der Erdoberfläche stellen dabei nur die Spitzen der Pilze dar, mit denen sie sich über Sporen weiter in der Landschaft verbreiten können.

Das Myzel als die „Wurzel“ der Pilze

Den Hauptteil der meisten bekannten Pilzarten bildet das sogenannte Myzel, ein wurzelartiges Geflecht im Bodengrund. Dieses sorgt nicht nur für die Energiezufuhr zum Wachstum der sichtbaren Fruchtkörper, sondern kann auch ohne Sporen zur Ausbreitung durch den Boden dienen. Der größte bekannte Hallimasch-Pilz in Nordamerika durchsetzt eine Fläche von mehreren Quadratkilometern, was ihn zu einem der größten Lebewesen der Erde macht.

Pilzwachstum verstehen für eine erfolgreiche Zucht

Nur mit einem Verständnis über grundlegende Faktoren des Pilzwachstums können diese auch erfolgreich gezüchtet werden. So stellen viele Pilze weitaus höhere Anforderungen an Standort und Umwelt wie Sträucher und Bäume. IN Symbiose lebende Mykorrhiza-Pilze wie Steinpilze können bisher kaum gezüchtet werden, da sie auf das Zusammenleben mit dem Wurzelwerk bestimmter Baumarten angewiesen sind. Da jede Pilzart ganz bestimmte Anforderungen an ihren Lebensraum stellt, müssen diese Faktoren vom Menschen für einen Pilzanbau gezielt geschaffen werden.

Pilzsorten für die Zucht

Nur bestimmte Pilzsorten eignen sich für die Zucht. Andere dagegen werden auch für den Lebensmittelhandel bis heute fast ausschließlich in der Natur geerntet. Dazu zählen auch saisonal stark vertretene Arten wie:

  • Pfifferlinge
  • Steinpilze
  • Austernpilze

Andere Sorten lassen sich dagegen mit kontrollierten Temperatur- und Feuchtigkeitswerten auch von Anfängern mit dem richtigen Substrat und Pilzsporen züchten.

Das Substrat vorbereiten

Limonenpilze und Champignons können in einem dunklen Kellerraum gut auf Strohballen oder auf Kokossubstrat angebaut werden. Dazu wird das Stroh zunächst in Wasser getaucht und anschließend mit den Pilzsporen aus dem Fachhandel beimpft. Bei Champignons dauert es etwa zwei bis drei Wochen, bis das Pilzmyzel das gesamte Substrat gut durchwachsen hat. Die Ausbildung der begehrten Fruchtkörper kann dann durchaus innerhalb weniger Tage erfolgen und benötigt wie auch die gesamte Wachstumsphase keinerlei Licht. Damit das regelmäßige Wässern des Anbausubstrats nicht zu Problemen führt, sollte für den Anbau ein Kellerraum oder Schuppen gewählt werden, der über längere Zeit eine hohe Luftfeuchtigkeit verträgt.

Der Anbau auf Totholz

Manche Sorten von Speisepilzen wachsen auf Totholz besonders gut, da sie dieses zersetzen und die frei werdende Energie für ihr eigenes Wachstum nutzen. Austern- und Limonenseitlinge zählen zu dieser Kategorie der Pilze, die nach einigen Wochen der Pflege einen kleinen abgestorbenen Baumstamm überziehen können. Der Fachhandel hält hierzu Holzstücke bereit, die bereits mit den entsprechenden Sporen beimpft wurden. Sie können aber auch Sporen in Stäbchenform erwerben, die sie in die Bohrlöcher von eigenen Totholzstämmen versenken. Um möglichst leicht für ein warmes und feuchtes Klima sorgen zu können, eignen sich kleine Foliengewächshäuser als Schutz über den Kulturen der Austern- und Limonenseitlinge. Diese halten außerdem fremde Pilzsporen aus der Luft von einer Besiedlung des jeweiligen Untergrunds ab.

Tipps & Tricks

Die Zucht von Speisepilzen erfordert je nach der ausgewählten Pilzart unterschiedliches Geschick bei der Herstellung bestimmter Umweltfaktoren. Anfänger sollten hierbei zunächst zu Champignons in einer fertig vorbereiteten Kulturkiste greifen. Diese muss nur regelmäßig gewässert werden, um für ein Wachstum der schmackhaften Pilzkappen zu sorgen. So kann ohne weitere Pflege aus der gleichen Champignon-Kiste zwei bis drei Mal hintereinander geerntet werden, bis die Energie aus dem Anbausubstrat verbraucht wurde.

Text: Alexander Hallsteiner
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