Orchideen meisterlich vermehren – Anleitung für Stecklinge und Setzlinge

Geht Ihnen die Pflege mit routinierter Gelassenheit von der Hand, bietet sich die Vermehrung von Orchideen als nächster Schritt auf der gärtnerischen Karriereleiter an. Diese Anleitung erläutert Ihnen Schritt für Schritt, wie sich Stecklinge und Setzlinge in junge Orchideen verwandeln.

Orchidee Stecklinge
Orchideen lassen sich gut über Stecklinge vermehren
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Leitfaden für die Vermehrung mit Stecklingen – So geht’s

Edle Vanda-Orchideen und andere monopodiale Arten bringen aus ihrer verzweigenden Hauptachse Stecklinge hervor. Das Jungvolk gedeiht nach einiger Zeit mit eigenen Luftwurzeln, sodass eine Trennung von der Mutterpflanze für ein autarkes Orchideenleben möglich ist. So gehen Sie dabei richtig vor:

  • Stecklinge ab einer Höhe von 20 cm und mit mindestens 2-3 Luftwurzeln abschneiden
  • Anzuchttöpfe (8,54€ bei Amazon*) füllen mit einem luftig-lockeren Mix aus Torf und Sphagnum
  • Jeweils einen Steckling einpflanzen und mit kalkfreiem Wasser anfeuchten

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Am halbschattigen Standort mit warmen Zimmertemperaturen halten Sie in den folgenden 1 bis 2 Monaten das Substrat leicht feucht. Dünger erhalten die Stecklinge in dieser Phase nicht, damit sie sich mit der Bewurzelung besonders viel Mühe geben. Hat sich ein vitales System aus kräftigen, prallen Luftwurzeln gebildet, topfen Sie die jungen Orchideen um. Ab diesem Zeitpunkt pflegen Sie die Nachkommenschaft wie eine adulte Pflanze.

Kopfstecklinge zuerst aufpäppeln – dann erst abschneiden

Die Erfolgsaussichten für einen Kopfsteckling hängen entscheiden davon ab, über wieviele Luftwurzeln er versorgt wird. Mindestens 2-3 sollten es sein – eine größere Anzahl optimiert das Wachstum. Während sich die Stecklinge an ihrer Mutterpflanze entwickeln, umhüllen Sie daher die Luftwurzeln mit feuchtem Sphagnum. Diese Moospackung wirkt sich vitalisierend auf den jungen Orchideenorganismus aus, bis er mit einem scharfen Schnitt abgetrennt werden kann.

Erdorchideen mit Stecklingen vermehren – So einfach geht es mit terrestrischen Orchideen

Als Hobbygärtner bewegen wir uns auf vertrauterem Terrain, wenn die Vermehrung einer Erdorchidee auf dem Plan steht. Da diese Orchideenarten im Boden wurzeln, eröffnen sie uns ähnliche Vermehrungsvarianten, wie klassische Zimmerpflanzen. Am Beispiel der kletternden Vanille-Orchidee wird die Vorgehensweise im Folgenden verdeutlicht:

  • Im Frühsommer nicht blühende Ranken abschneiden
  • Diese Ranken zerteilen in Stecklinge mit einer Länge von 10 bis 15 cm
  • Jeden Trieb in der unteren Hälfte entlauben, in magere Anzuchterde pflanzen und mit einem Stäbchen stützen
  • Das Substrat anfeuchten mit kalkfreiem Wasser mit Zimmertemperatur

Unter dem Schutz einer transparenten Haube halten Sie die Anzuchterde leicht feucht mit weichem Wasser. Ideal ist jetzt ein Standort mit hellen, nicht vollsonnigen Lichtverhältnissen und Temperaturen um 25 Grad Celsius. Bis sich am Steckling ein frischer Austrieb zeigt, wird die Abdeckung täglich gelüftet und kann dann entfernt werden. Haben Ihre Zöglinge das Anzuchtgefäß vollständig durchwurzelt, werden sie umgetopft und ab diesem Zeitpunkt wie eine adulte Orchidee umsorgt.

Orchideen vervielfältigen mit Setzlingen – Wie Sie es richtig machen

Populäre Orchideen-Arten, wie Calanthe, Epidendrum oder Dendrobium bescheren uns winzige Tochterpflanzen. Diese Setzlinge gedeihen unerwartet anstelle von Blüten an den Bulben, indem hier kleine Blätter und Luftwurzeln sprießen. Die Kindel erfordern zunächst einen langen Geduldsfaden, denn es ziehen mehrere Monate bis zu einem Jahr ins Land, bis sie von der Mutterpflanze getrennt werden können. So nimmt die Vermehrung den erhofften Verlauf:

  • Setzlinge erst abschneiden, wenn sie 15-20 cm groß sind und über mehrere Luftwurzeln verfügen
  • Einpflanzen in ein lockeres Gemisch aus Moos und Torf
  • Im beheizbaren Minigewächshaus (5,95€ bei Amazon*) regelmäßig gießen und mit weichem Wasser besprühen

Ein feucht-warmes Mikroklima wirkt sich förderlich auf das Wachstum von Kindeln aus. Sofern kein Zimmergewächshaus zur Verfügung steht, stülpen Sie einfach eine transparente Plastiktüte über den Anzuchttopf, versehen mit kleinen Holzstäbchen als Abstandhalter. Damit sich kein Schimmel bildet, werden Gewächshaus und Haube täglich mehrmals gelüftet. Haben sich die Setzlinge zu kräftigen Jung-Orchideen entwickelt, können sie das Anzuchthaus verlassen.

Penible Sauberkeit ist oberste Pflicht

Orchideen zählen zu den empfindlichsten Pflanzen für die Zimmerkultur. Das gilt umso mehr für Stecklinge und Setzlinge. Verwenden Sie daher bitte ausschließlich sorgfältig gereinigtes und mit hochprozentigem Alkohol desinfiziertes Schneidwerkzeug. Ausgezeichnet bewährt in der Praxis hat sich das Skalpell, um die Ableger und Kindel von der Mutterpflanze zu trennen. Je glatter der Schnitt, desto geringer die Gefahr eines Befalls mit Krankheiten und Schädlingen.

Hierzu zählt fernerhin, dass in der Vermehrung verwendetes Substrat zuvor sterilisiert werden sollte. Zu diesem Zweck füllen Sie die Anzuchterde in eine hitzebeständige Schale und legen einen Deckel locker darüber. Im Backofen bei 150 Grad Ober- und Unterhitze sind nach 20 bis 30 Minuten alle eventuell darin befindlichen Pilzsporen, Viren und Bakterien vernichtet.

Tipps

Einige der schönsten Orchideen-Arten erlauben die wohl sanfteste und simpelste Form der Vermehrung. Populäre Arten, wie Cymbidium, bringen zahlreiche Pseudobulben hervor. Verfügt eine Orchidee über mindestens 8 Bulben, können diese in Verbindung mit dem Umtopfen im Frühjahr in Segmente mit jeweils 4 Bulben mit den Händen auseinandergezogen und in eigene Kulturtöpfe mit frischem Substrat eingesetzt werden.

Text: Paula Jansen

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