Kartoffeln

Wann Kartoffeln pflanzen? Die besten Termine für jede Sorte

Die Kartoffel gehört zu den ertragreichsten und vielseitigsten Gemüsepflanzen, die sich im eigenen Garten ziehen lassen. Wer einmal selbst geerntete Kartoffeln in der Küche erlebt hat, will sie nicht mehr missen – der Unterschied zu Supermarktware ist schlicht unübersehbar. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Timing lässt sich von Juni bis Oktober frisch vom Beet ernten.

AUF EINEN BLICK
Wann ist eigentlich der beste Zeitpunkt zum Pflanzen?
Der ideale Pflanzzeitpunkt für Kartoffeln hängt nicht vom Kalender allein ab, sondern vor allem von der Bodentemperatur und dem Frost-Risiko: Sobald die Erde auf mindestens 8 bis 10 °C erwärmt ist, kein Frost mehr zu erwarten steht und der Boden ausreichend abgetrocknet ist, kann gepflanzt werden. Wer diese drei Faktoren im Blick behält und die Sortengruppe kennt, legt die Grundlage für eine reiche, gestaffelte Ernte von Frühsommer bis Herbst.

Regionale Unterschiede: Wann wo pflanzen?

Deutschland ist klimatisch vielfältig – der Pflanzzeitpunkt variiert deshalb je nach Region erheblich:

Region Typisches Pflanzfenster Hinweis
Norddeutschland (Küste) Ab Ende April Maritimes Klima, geringes Frostrisiko
Mitteldeutschland Mitte April bis Mitte Mai Auf Frostmeldungen achten
Süddeutschland / Höhenlagen Ende April bis Anfang Juni Spätfröste in Alpennähe möglich
Rheintal, Oberrhein Ab Mitte März (mit Vlies) Milde Lagen, Frühkartoffeln begünstigt

Wer auf der sicheren Seite sein will, schaut nicht auf den Kalender, sondern ans Thermometer: Ein einfaches Bodenthermometer (in 10 cm Tiefe messen) ist das verlässlichste Hilfsmittel für den richtigen Startschuss.

Früh, mittelfrüh oder spät – was steckt dahinter?

Kartoffeln werden nach ihrer Reifezeit in drei Hauptgruppen unterteilt:

  • Frühkartoffeln benötigen etwa 90 bis 120 Tage vom Legen bis zur Ernte. Sie sind keine guten Lagerkartoffeln, dafür kommen sie schon im Frühsommer auf den Tisch.
  • Mittelfrühe Sorten brauchen 120 bis 140 Tage bis zur Reife. Sie verbinden guten Geschmack mit einer gewissen Lagerfähigkeit.
  • Spätkartoffeln benötigen mehr als 140 Tage, sehr späte Sorten bis zu 180 Tage. Sie liefern die besten Vorräte für den Winter.

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Diese Einteilung bestimmt nicht nur den Erntezeitpunkt, sondern auch, welche Pflege und welcher Standort sinnvoll ist. Frühkartoffeln sind deutlich seltener von der gefährlichen Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) betroffen, weil sie geerntet sind, bevor sich der Pilz im Spätsommer massiv ausbreitet.

Der Kalender: Von der Pflanzung bis zur Ernte

Die folgende Übersicht zeigt, wie sich Vorkeimen, Pflanzung und Ernte über das Gartenjahr verteilen. Die Angaben gelten für mittlere Lagen; in milden Regionen kann alles zwei bis drei Wochen früher beginnen, in kälteren Lagen entsprechend später.

Kartoffel Pflanzkalender als Infografik

Sortengruppe Vorkeimen ab Pflanzung Ernte Lagerfähigkeit
Frühkartoffeln Mitte Februar März – Anfang April Ab Mitte Juni (ca. 90–120 Tage) Gering, sofort verbrauchen
Mittelfrühe Sorten Ende Februar – März Mitte April – Anfang Mai Ab August (ca. 120–140 Tage) Mittel, begrenzt lagerfähig
Spätkartoffeln März Ende April – Ende Mai September – Oktober (ca. 150–180 Tage) Sehr gut, ideal für Wintervorrat

Tipp

Frühe und späte Sorten können grundsätzlich zum gleichen Zeitpunkt gepflanzt werden – der Unterschied liegt in der Erntezeit, nicht zwingend im Pflanzdatum.

Zu spät dran? Was im Mai und Juni noch möglich ist

Wer den April verpasst hat, muss nicht auf Kartoffeln verzichten. Mittelfrühe und späte Sorten können noch bis Ende Mai ins Beet, in manchen Regionen sogar bis Anfang Juni. Frühkartoffeln lohnen sich nach Mitte Mai jedoch kaum noch – die Vegetationszeit reicht dann nicht mehr für eine befriedigende Ernte aus. Wer spät dran ist, greift besser zu schnell reifenden Frühsorten und pflanzt vorgekeimte Knollen, um noch einige Wochen Entwicklungszeit herauszuholen.

Vorkeimen: Zwei Wochen Vorsprung – ganz einfach

Das Vorkeimen ist eine der effektivsten Maßnahmen im Kartoffelanbau. Indem die Knollen vier bis sechs Wochen vor der Pflanzung an einem hellen Ort mit 12 bis 15 °C aufgestellt werden, bilden sie kräftige Knospen. Dadurch treiben sie nach dem Einpflanzen schneller aus – der Vorsprung beträgt bis zu 14 Tage. Praktisch geht das mit einem offenen Eierkarton oder einer flachen Holzkiste: Die Knollen werden einlagig ausgelegt, mit der Seite mit den meisten „Augen“ nach oben, und nicht gestapelt, damit alle Seiten Licht bekommen. Vorgekeimte Pflanzen sind außerdem robuster gegenüber Schädlingen und Pilzkrankheiten wie Rhizoctonia oder Erwinia.

Kartoffeln, die im Eierkarton vorgekeimt werden

Kartoffeln lassen sich auch einfach zu Hause vorkeimen. Hierzu werden die einzelnen Knollen zum Beispiel in einen Eierkarton gestellt.

Tipp

Wer Saatkartoffeln aus dem Vorjahr verwenden möchte, sollte nur gesunde, unbeschädigte Knollen nehmen – am besten aus zertifiziertem ökologischem Anbau, um das Risiko von Knollenkrankheiten zu minimieren.

Sorten: Was wann für wen?

Beliebte Frühsorten sind unter anderem Annabelle, Sieglinde, Glorietta, Leila und Christa. Sie bilden zarte, meist festkochende Knollen mit zartem Geschmack, lassen sich aber schlecht lagern.

Zu den beliebtesten mittelfrühen Sorten zählen Hansa, Saskia, Cilena und Agria. Agria ist ertragreicher, mit großen, gelbfleischigen Knollen und aromatischem Geschmack – eine Sorte, die auch im kleinen Garten überzeugt.

Zu den bekanntesten Spätsorten gehören das Bamberger Hörnchen (eine alte, würzige Spezialität, entstanden um 1870), Granola (vorwiegend festkochend, sehr gut einlagerbar) und Blaue Anneliese (eine sehr späte, blauschalige Rarität mit festkochendem Fleisch).

Fruchtfolge: Geduld zahlt sich aus

Kartoffeln sollten mindestens vier Jahre lang nicht auf demselben Beet angebaut werden. Auch andere Nachtschattengewächse – Tomaten, Paprika, Auberginen – sollten in dieser Zeit vom gleichen Beet ferngehalten werden, da sie ähnliche Krankheiten und Schädlinge begünstigen wie Drahtwürmer oder Phytophthora. Das ist keine Gärtner-Pedanterie, sondern eine wirksame Maßnahme, die Boden und Ernte gleichermaßen schützt – und nebenbei den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln überflüssig macht.

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Bilder: Viktor Sergeevich / Shutterstock
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