Kannenpflanze: Pflegen und Sorten

Kannenpflanzen sind exotische Gewächse, die aus vielen Zierpflanzenansammlungen nicht mehr wegzudenken sind. Sie faszinieren durch ihre außergewöhnliche Lebensweise. Für ein gesundes Wachstum ist eine spezielle Pflege wichtig. Auch die Standortbedingungen spielen eine entscheidende Rolle.

kannenpflanze
Die Kannenpflanze ist eine bizarre fleischfressende Pflanze

Herkunft

Die Gattung der Kannenpflanzen (Nepenthes) enthält 92 Arten, die weltweit nur in wenigen stark begrenzten Berggebieten vorkommen. Ihr Hauptverbreitungsgebiet erstreckt sich über die tropischen Klimazonen. Hier erklimmen die Pflanzen Höhenlagen über 3.500 Meter.

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Es gibt Hochlandarten, die am Tag Temperaturen von 30 Grad Celsius ausgesetzt sind und nachts bei 15 Grad Celsius gedeihen. Tieflandarten kommen mit ganzjährig konstanten Temperaturen zwischen 25 und 35 Grad Celsius zurecht.

Seit dem 19. Jahrhundert werden Kannenpflanzen kultiviert. Mittlerweile existieren mehr als 200 Hybride, die robuster und pflegeleichter sind als die Wildformen. Diese Zierformen entstanden aus Kreuzungen von Arten, die im Mittelhochland vorkommen. Zu diesen Vertretern zählen Nepenthes veitchii, Nepenthes ventricosa oder Nepenthes fusca.

Blüte

Kannenpflanzen wachsen zweihäusig. Es gibt männliche und weibliche Exemplare. Die Blüten sitzen in Rispen oder Trauben dicht gedrängt aneinander. Sie ragen durch ihre 15 bis 100 Zentimeter langen Blütenstängel weit über die Pflanze hinaus. Jede Blüte besteht aus vier, selten drei Blütenblättern.

Männliche und weibliche Blüten erscheinen zwischen März und September. Sie unterscheiden sich in ihrem Geruch. Die männlichen Blüten sondern ein nach Exkrementen riechendes Aroma ab, welches Insekten als potentielle Bestäuber anlocken soll. Weibliche Blüten sind geruchlos. In Zimmerkultur blühen Kannenpflanzen äußerst selten.
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Blätter

Diese fleischfressenden Pflanzen entwickeln spezielle Blätter, die in Form von Kannen ausgebildet sind. Ein Blatt setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen. Aus der eigentlichen Blattbasis ist ein blattförmiger Teil entstanden, der ledrig derb erscheint und lanzettlich bis länglich oder eiförmig ausgeformt ist.

Der Blattgrund wird von einer erhabenen Mittelrippe durchzogen, die sich über diese Blattstruktur hinauszieht und im Kannenansatz endet. Theorien zufolge ist diese Blattform aus dem Blattstiel hervorgegangen. Bei älteren Exemplaren übernimmt diese Mittelrippe die Funktion einer Ranke. Mit ihrer Hilfe klettern die Pflanzen an der umgebenden Vegetation empor. Bei jungen Pflanzen übernimmt diese Blattformen keine kletternde Funktion. Die eigentliche Blattspreite ist zu einer Kanne umgebildet, die als Insektenfalle dient. Sie sind von einem Deckel überdacht.

Wachstum

Kannenpflanzen gehören zu den fleischfressenden Pflanzen. Sie fangen ihre Beute nicht aktiv. Ihre Fallen sind an der Öffnung bunt gefärbt und mit Nektarien ausgestattet, sodass die Insekten durch Düfte und Farben angelockt werden. Ein gezähnter Kannenrand weist den Insekten den Weg in die Kanne, aus der sie nur schwer wieder herauskommt. Die Innenseiten der Kanne sind von einer Wachsschicht überzogen, an denen die Insekten keinen Halt finden. Die Fallen verjüngen sich vom Bauch zur Öffnung, sodass die Beute nicht so einfach fliehen kann.

Der Deckel ist unbeweglich und dient als Schutz vor Regenwasser und einem Ausschwemmen der Beute durch hineingeströmtes Wasser. Die Kannen enthalten eine Verdauungsflüssigkeit, die stark sauer ist. Ihr pH-Wert liegt bei drei. Zahlreiche Enzyme sorgen dafür, dass die Beute innerhalb von zwei Tagen vollständig zersetzt wird. Eine Kannenfalle hat eine Überlebensdauer von drei Monaten, bevor sie langsam abstirbt.

Fast alle Kannenpflanzenarten entwickeln zwei verschiedene Fallentypen. Während die jungen Pflanzen rundliche Bodenkannen ausbilden, die in einer Rosette angeordnet sind, besitzen ausgewachsene Pflanzen Luft- oder Hängekannen. Letztere sind heller gefärbt als die Bodenkannen und erscheinen langgestreckt. Bei den Bodenkannen ist der Blattstiel, der noch keine rankende Funktion übernimmt, zur Kannenvorderseite ausgerichtet. Dieser Fallentyp trägt auf der Vorderseite eine deutliche Flügelleiste, die bei den Luftkannen fehlt. Bei dieser Form ist der Stiel nach hinten ausgerichtet und dient zum Klettern.

Essbar

Kannenpflanzen sind nicht giftig. Zwei Arten werden in Malaysia für die Zubereitung von Snacks genutzt. Die Menschen verwenden die Fallen von Nepenthes ampullaria und Nepenthes mirabilis, die mit Reis gefüllt verzehrt werden. In der traditionellen Medizin werden die Pflanzen seit langem zur Heilung verschiedener Krankheiten genutzt. Der Pflanzensaft hat positive Auswirkungen bei Blasenleiden, Husten oder Augenerkrankungen und Hautentzündungen. Der Verdauungssaft der Fallen wird für die Zubereitung von erfrischenden Getränken genutzt.

Ableger

Die fleischfressenden Pflanzen lassen sich erfolgreich über Ableger vermehren. Schneiden Sie einen Steckling mit einer Länge zwischen zehn und 15 Zentimeter Länge vom Stamm zwischen zwei Blättern ab. Die Mutterpflanze erscheint anschließend kopflos. Sie entwickelt innerhalb der nächsten Tage neue Triebe. Stecken Sie den Ableger in ein feuchtes und nährstoffarmes Substrat. Stülpen Sie eine Plastiktüte über das Pflanzgefäß, damit die Luftfeuchtigkeit konstant bleibt. Um eine Schimmelbildung zu vermeiden, sollten Sie die Tüte täglich für kurze Zeit abnehmen.

Es dauert einige Wochen, bis sich die ersten Wurzeln entwickelt haben. Dann können Sie den Steckling in ein größeres Gefäß umtopfen. Nutzen Sie ein speziell auf fleischfressende Pflanzen ausgerichtetes Substrat. Die Wurzelbildung kann beschleunigt werden, wenn Sie den Ableger zunächst in ein mit entkalktem Wasser gefülltes Gefäß stellen und anschließend in Orchideenerde stecken.

Darauf sollten Sie beim Stecklingsschnitt achten:

  • Mutterpflanze sollte gut entwickelt sein
  • während der Wachstumsphase im Sommer schneiden
  • ein scharfes Messer verwenden

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Welcher Standort ist geeignet?

Diese Gewächse haben spezielle Ansprüche an den Standort, wobei Hochlandarten anders angepasst sind als Tieflandarten. Letztere gedeihen gut, wenn die Luftfeuchtigkeit bei mindestens 60 Prozent liegt. Hochlandarten benötigen eine Luftfeuchte von 90 Prozent. Kannenpflanzen brauchen je nach Art ganzjährig Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad Celsius. Hochlandarten sind auf Temperaturschwankungen angewiesen. Sie gedeihen gut bei Tagestemperaturen von 30 Grad Celsius und Nachttemperaturen von 15 Grad Celsius. Ein sonniger Platz fördert das Wachstum aller Vertreter innerhalb dieser Gattung.

Welche Erde braucht die Pflanze?

Karnivoren benötigen ein spezielles Substrat, welches an die Bedürfnisse der fleischfressenden Pflanzen angepasst ist. Sie bevorzugen nährstoffarme Erde, da sie durch ihre Beute genügend Nährstoffe aufnehmen. Mit Blähton,(17,71€ bei Amazon*) Perlite (32,64€ bei Amazon*) oder Kokosfasern können Sie die Durchlässigkeit des Substrats verbessern.

Dieses Substrat eignet sich für Kannenpflanzen:

  • Mischung aus Sand und Torf
  • Gemisch aus Weißtorf mit jeweils zehn Prozent Quarzsand (14,90€ bei Amazon*) und Perlite
  • Orchideenerde
  • Torfmoos
  • grober Torf mit Holzkohle und Rindenstücken

Im Gewächshaus

Für Kannenpflanzen ist eine Kultivierung im Gewächshaus empfehlenswert, da sie unter den Bedingungen in Räumen nicht gut wachsen. Ein Gewächshaus sorgt für eine gleichbleibend hohe Luftfeuchtigkeit. Es puffert Temperaturschwankungen besser ab. Achten Sie darauf, das Gewächshaus regelmäßig zu lüften. Dadurch beugen Sie eine Schimmelbildung vor.

Kannenpflanze im Topf

Kannenpflanzen sind für eine Kultivierung in Hängeampeln geeignet. Hier müssen Sie auf ein regelmäßiges Besprühen achten, denn die Luftfeuchtigkeit im Raum ist nicht ausreichend für ein gesundes Wachstum. Befeuchten Sie die gesamte Pflanze mehrmals täglich mit Regenwasser und tauchen Sie das Pflanzgefäß alle drei bis vier Tage in Wasser. Achten Sie auf einen hellen Standort.

Balkon

Die Karnivoren können im Sommer auf den Balkon gestellt werden. Je nachdem, ob Sie eine Hochland- oder Tieflandart besitzen, müssen Sie die Außentemperaturen zwischen Tag und Nacht beachten. In südlichen Regionen können auch die Tieflandarten nachts draußen gelassen werden. Wenn die Temperaturen in der Nacht stark abfallen, sollten Sie diese Pflanzen am Abend ins Haus holen. Hochlandarten zeigen sich dankbar über die Temperaturschwankungen.

Kannenpflanze vermehren

Die fleischfressenden Pflanzen können über Samen vermehrt werden. Da die Gewächse in Zimmerkultur äußerst selten blühen, bilden die Pflanzen nicht zuverlässig Samen aus. Diese bekommen Sie aus dem Fachhandel. Achten Sie darauf, dass die Samen frisch sind. Die Keimfähigkeit hält nicht lange an. Daher müssen sie innerhalb kurzer Zeit nach dem Absammeln von den Fruchtständen auf feuchtes Substrat ausgestreut werden. Erfolgreicher und einfacher ist die Vermehrung über Stecklinge.
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Aussaat

Geben Sie ein Substratgemisch aus Torf, Torfmoos, Zellstoff und Kokohum in ein Anzuchtgefäß. Streuen Sie die Samen möglichst dünn auf der Erde aus und achten Sie darauf, dass diese nicht vom Substrat bedeckt werden. Die Lichtkeimer benötigen eine hohe Luftfeuchtigkeit. Decken Sie den Anzuchttopf mit einer transparenten Folie ab. Nehmen Sie die Folie täglich ab, damit die Samen nicht anfangen zu schimmeln. Die Gefäße müssen an einem hellen und warmen Ort stehen. Es dauert mehrere Monate, bis die Samen keimen.

Kannenpflanze richtig schneiden

Die Karnivoren sind gut schnittverträglich. Sie bilden innerhalb kurzer Zeit nach einem Schnitt neue Triebe. Wenn die Pflanzen zu lange und dünne Triebe entwickeln, sind Schnittmaßnahmen sinnvoll. Ein kräftiger Rückschnitt sorgt dafür, dass die Pflanze an der Schnittstelle verzweigt und kompakt wächst. Vollständig vertrocknete Blätter und Triebe können Sie regelmäßig entfernen. Sobald eine Kanne abgestorben ist, wird diese an ihrem Ansatz entfernt. Der Blattgrund sollte an der Pflanze belassen werden, wenn dieser noch grün ist.
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Kannenpflanze gießen

Als Sumpfpflanzen benötigen die Gewächse ein konstant feuchtes Substrat. Achten Sie auf eine regelmäßige Bewässerung, die im Sommer stärker ausfällt als im Winter. Nutzen Sie Regenwasser. Leitungswasser sollte abgekocht und über einen Untersetzer gegossen werden. Verhindern Sie Staunässe, damit die sensiblen Wurzeln nicht faulen. Wenn Sie zu wenig gießen, verwelken die Kannen.
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Kannenpflanze richtig düngen

Die fleischfressenden Pflanzen müssen nicht gedüngt werden. Sie beziehen ihre Nährstoffe aus der Beute, die sie mit ihren Kannen fangen. Auch wenn der Beutefang gering ausfällt, wird die Vitalität der Pflanzen nicht beeinträchtigt. Sie zehren von Restnährstoffen aus dem Substrat oder den Blättern.

Überwintern

Die Arten fallen im Winter in einen Ruhezustand, in dem das Wachstum eingestellt wird. Die Temperaturen unterscheiden sich jedoch nicht zwischen Sommer und Winter. Hochlandarten benötigen auch im Winter eine Temperaturschwankung zwischen Tag und Nacht, während Tieflandarten und Hybride konstante Bedingungen brauchen. Im Winter können Sie die Wassermengen reduzieren. Achten Sie darauf, dass das Substrat nicht austrocknet. Die mangelnde Helligkeit ist das größte Problem im Winter. Geben Sie Ihrer Kannenpflanze im Winter eine zusätzliche Lichtquelle.
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Umtopfen

Kannenpflanzen sollten umgetopft werden, sobald ihre Wurzeln das Substrat vollständig durchwachsen haben. Es gibt schnell wachsende Arten, die jährlich umgepflanzt werden sollten. Langsam wachsende Arten benötigen etwa alle zwei bis drei Jahre ein größeres Pflanzgefäß.

Topfen Sie die Pflanze im Sommer um, wenn die Wachstumsphase im Gang ist. Zu dieser Zeit ist die Pflanze kräftig genug, um sich problemlos auf das neue Substrat einzustellen. Wählen Sie ein Pflanzgefäß, das einen zehn bis 15 Zentimeter größeren Durchmesser hat als der alte Topf.
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Vertrocknet

Kannenpflanzen werfen ihre verbrauchten Fallen nach mehreren Monaten ab. Unter guten Pflege- und Standortbedingungen kann es bis zu einem Jahr dauern, bis eine Falle vertrocknet. Die vertrockneten Pflanzenteile können Sie abschneiden oder solange an der Pflanze belassen, bis sie von selbst abfallen.

Wenn die Kannen vor dem Öffnen vertrocknen oder keine Kannen ausgebildet werden, sind die Standortbedingungen nicht optimal. Diese Erscheinung deutet auf eine zu niedrige Luftfeuchtigkeit oder einen zu dunklen Standort hin. Stülpen Sie ein großes transparentes Glas über die Pflanze, damit die Luftfeuchtigkeit auf einem gleichbleibend hohen Niveau bleibt. Stellen Sie die Pflanze an einen hellen Platz.

Krankheiten

Nepenthes-Arten sind robust gegenüber Krankheiten. Pflegefehler oder falsche Standortbedingungen führen zu Stress und Störungen, die das Wachstum beeinträchtigen. Wurzelfäule und Schimmelbildung sind die häufigsten Erscheinungen, die durch Staunässe hervorgerufen werden. Ein schnelles Handeln ist wichtig, damit die Pflanze keinen großen Schaden nimmt. Entfernen Sie befallene Pflanzenteile und beschädigte Wurzeln, bevor Sie die Pflanze in frisches Substrat einpflanzen.

Tipps

Von Natur aus sind die Kannen zu einem Drittel mit Flüssigkeit befüllt. Oft werden die Pflanzen im Fachhandel oder im Onlineshop ohne Verdauungsflüssigkeit verkauft. Befüllen Sie die Kannen zu Hause sofort mit entkalktem Wasser oder Regenwasser. Die Pflanzen geben anschließend durch Drüsen im unteren Kannenbereich Enzyme in das Wasser ab, sodass auf diese Weise eine neue Verdauungsflüssigkeit produziert wird.

Schädlinge

Kannenpflanzen können von Blattläusen befallen werden. Isolieren Sie die Pflanze, damit sich die Schädlinge nicht ausbreiten können. Ein handelsübliches Mittel gegen Blattläuse schafft schnelle Abhilfe. Alternativ können Sie Nützlinge auf der Pflanze aussetzen. Auf ähnliche Weise lässt sich ein Befall durch Thripse bekämpfen. Diese Schädlinge führen zu silbrig schillernde Flecken auf der Blattoberseite. Unterseits hinterlassen sie ihren Kot, der in Form von dunklen und stecknadelkopfgroßen Punkten erscheint. Er lässt sich einfach mit dem Finger wegwischen.

Sorten

  • Nepenthes ampullaria: Kleine, kugelförmige Kannen mit Durchmesser von sieben Zentimeter. Klettert bis zehn Meter hoch. Für hohe Terrarien geeignet.
  • Nepenthes mirabilis: Halbstrauch, dessen Stamm mit der Zeit verholzt. Bodenkannen bis fünf Zentimeter lang, Hängekannen bis 16 Zentimeter groß.
  • Nepenthes macfarlanei: Für schattige Standorte.
  • Nepenthes aristolochioides: Kannen gelblich-grün mit roten Flecken. Erinnern an Pfeifenwindenblüten.
  • Nepenthes alata x ventricosa: Hybrid aus Hochlandarten. Entwickelt 15 Zentimeter große Kannen. Für Einsteiger geeignet. Kommt mit niedriger Luftfeuchtigkeit zurecht.
  • Nepenthes inermis x ventricosa: Hybrid aus Hochlandarten. Trichterförmige Kannen bis 15 Zentimeter lang.

Text: Christine Riel
Artikelbild: Doikanoy/Shutterstock

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