Gespinstmotten – Arten, Lebensweise und Feinde

Viele Bäume sind im Sommer vollständig von einem weißen Gespinst umhüllt. Für manche Menschen sieht dieses Phänomen spektakulär aus. Andere Naturfreunde fürchten sich vor einer Plage. Der Grund für diese Angst ist der giftige Eichenprozessionsspinner. Mit diesem haben die Gespinstmotten allerdings wenig gemeinsam.

Yponomeutidae
Gespinstmotten bauen schöne Gespinste, richten dabei aber leider großen Schaden an

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Schaden, den die Gespinstmotten anrichten, ist eher mäßig und nach dem zweiten Blattaustrieb meist wieder verschwunden
  • Gespinstmotten sind nicht giftig; ganz im Gegenteil zum Eichenprozessionsspinner, der jedoch keine Gespinste bildet
  • Mit Pheromonfallen, durch Absammeln oder einen Rückschnitt lässt sich ein Befall eindämmen

Schädlinge oder nützlich?

Gespinstmotten gelten als Baumschädlinge, da sie teilweise in großer Zahl auftreten und nicht selten komplette Baumbestände kahl fressen. Generell geht für die befallenen Gehölze keine Gefahr von den Gespinstmotten aus, denn diese verpuppen sich meist noch vor dem zweiten Blattaustrieb. Viele Bäume und Sträucher bilden nach dem 21. Juni erneut Blätter, sodass von den ursprünglichen Fraßschäden keine Spur zu sehen ist. Ein ökologischer Nutzen von Falter und Raupen besteht darin, dass sie Nahrung für andere Tiere liefern.

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Vorsicht bei dauerhaftem Befall von Obstbäumen:

  • Massenvermehrung, wenn natürliche Feinde fehlen
  • Fruchtanlagen werden abgeworfen
  • bereits entwickelte Früchte erreichen geringere Größe
  • reduzierte Widerstandsfähigkeit gegenüber Umwelteinflüssen

Gespinstmotten schädigen den Baum nicht, auch wenn sie oft ganze Bestände kahl fressen. Im späten Sommer ist der Spuk wieder vorbei.

Sind Gespinstmotten giftig?

gespinstmotte

Die Gespinstmotte ist nicht giftig


Weder Falter noch Raupen sind giftig oder gefährlich für Haustier und Mensch. Sie haben sich ausschließlich auf Pflanzen spezialisiert und besitzen anders als der Eichenprozessionsspinner keine giftigen Brennhaare. Dieser Schmetterling durchläuft ähnliche Entwicklungszyklen und legt vergleichbare Lebensweisen wie die Gespinstmotten an den Tag. Allerdings können die Brennhaare Juckreiz und schwere Allergien hervorrufen.

Der Eichenprozessionsspinner entwickelt keine Gespinste. Die Raupen leben gesellig in ungeschützten Ansammlungen, um auf Nahrung zu gehen. Zudem gibt es weitere Unterschiede zwischen Gespinstmotte und Eichenprozessionsspinner, die leicht erkennbar sind.

Steckbrief Eichenprozessionsspinner:

  • Vorderflügel glänzend asch- bis braungrau mit zwei Querbinden
  • Hinterflügel dunkel gefranst, gelblich-weiß und gräulich bestäubt
  • Raupen mit dunkler Rückenlinie, samtartig behaarte Felder und rotbraune, lang-behaarte Warzen

Was tun gegen Gespinstmotten?

Mittel gegen Gespinstmotten haben einen äußerst eingeschränkten Wirkungszeitraum. Wenn die Raupen bereits Gespinste entwickelt haben, bringt eine Spritzung nicht mehr viel. Die feinen Strukturen sind so dicht, dass keine Tröpfchen in das Innere gelangen können. Pflanzenschutzmittel sind nur wirksam, wenn die Eiraupen ihr Gelege verlassen und frei auf dem Gehölz krabbeln.

Bacillus thurigiensis

Dieses Bakterium erweist sich als wirksames Bekämpfungsmittel gegen Gespinstmottenlarven. Sie nehmen es mit ihrer Nahrung auf, sodass es in den Verdauungstrakt gelangt. Hier entfaltet es seine für die Larven giftige Wirkung. Die Raupen stellen das Fressen ein und verenden. Ein Erfolg zeigt sich nur, wenn Sie Mittel mit diesem Bakterium zwischen Mitte April und Mitte Mai einsetzen. Die Raupen sind nur im ersten Larvenstadium anfällig.

Spritzmittel nur im Notfall verwenden

Ein Bekämpfungsmittel auf chemischer Basis wirkt meist nicht selektiv, sondern schädigt auch nützliche Insekten wie Marienkäfer oder Ohrenkneifer. Bei befallenen Apfelbäumen wird eine Ausstriebsspritzung geraten. Der Baum wird vollständig mit einem Mittel behandelt, das Paraffinöl enthält. Allerdings spielt der Anwendungszeitraum eine bedeutende Rolle. Wenn Sie zu früh spritzen, befinden sich die Eiräupchen noch in der Ruhephase und sind durch ihren Schild geschützt. Eine späte Spritzung schädigt den Baum, wenn sich dieser bereits im Austrieb befindet.

Zugelassene Spritzmittel für Ziergehölze:

  • Bio Schädlingsfrei Neem
  • Schädlingsfrei Calyso
  • Raupenfrei XenTari (für Apfelbäume)

Natürlich loswerden

Sie sollten eine biologische Bekämpfung vorziehen, damit Sie keinen zusätzlichen Schaden anrichten. Da sich die Bäume in der Regel wieder erholen, ist eine gezielte Bekämpfung meist nicht notwendig. Sorgen Sie stattdessen dafür, dass die natürlichen Feinde im Garten gefördert werden. Einige Maßnahmen helfen Ihnen, wenn die Raupen jedes Jahr erneut auftreten.

Absammeln

gespinstmotte

Nicht besonders zeitsparend aber wirkungsvoll ist das Absammeln der Raupen


Der einfachste Weg zur Bekämpfung ist die regelmäßige Kontrolle auf einen Befall. Sammeln Sie die Raupen ab, sobald Sie diese finden. Die feinen Gespinste können mit einem Besen abgefegt werden. Legen Sie vorher ein Tuch unter das Gehölz, damit Sie die Raupen anschließend entfernen können. Damit auch die übersehenen Raupen nicht wieder zurück auf den Baum krabbeln, sollten Sie den Stamm mit Leimringen versehen. Die Raupen bleiben daran kleben und verenden.

Weitere Methoden:

  • geringfügig befallene Äste herausschneiden
  • dünne Gespinste mit hartem Wasserstrahl entfernen
  • Reste nicht auf dem Kompost sondern im Hausmüll entsorgen

Heißes Wasser

Um den Raupen einen qualvollen Tod durch Nahrungsmangel zu ersparen, können Sie diese mit kochend heißem Wasser übergießen. Diese Maßnahme ist umweltschonend und sorgt dafür, dass die Raupen sofort sterben. Sie vernichtet auch die Raupen in geschützten Eigelegen, die Sie vor dem Winter von den Bäumen abkratzen können.

Pheromonfalle

Im Handel können Sie sich eine Lockstofffalle kaufen, die spezielle Pheromone enthalten. Die Falter fliegen in die Falle und bleiben kleben, wenn sie sich an den beleimten Flächen absetzen. Dadurch wird die Paarung der Tiere verhindert, sodass die Eigelege reduziert werden. Da die Pheromone artspezifisch sind, müssen Sie die richtige Pheromonfalle auswählen.

Exkurs

Paarung

Die Weibchen suchen sich geeignete Nahrungspflanzen, damit ihre Nachkommen ideale Lebensbedingungen vorfinden. Sie orientieren sich an den Duftstoffen, die von den Wirtspflanzen ausgehen. Haben sie die richtige Pflanze erschnuppert, lassen sie sich auf den Blättern nieder. Auch die Männchen nutzen ihren Geruchssinn, um ein paarungsfähiges Weibchen aufzuspüren. Dieses sondert ein Pheromon ab, um auf sich aufmerksam zu machen.

Gehölzschnitt

Wenn Sie im Sommer einen Befall festgestellt haben, sollten Sie den Baum kurz vor dem Winter zurückschneiden. Kontrollieren Sie die Äste auf Eigelege und überwinternde Raupen. Das Schnittgut sollte nicht auf dem Kompost entsorgt, sondern zum nächsten Abfallhof gebracht werden.

Tipps

Befallene Äste können auch während des Sommers abgeschnitten werden, sofern die Gespinste noch nicht über den gesamten Baum überziehen.

Natürliche Regulation

Gespinstmotten haben keinen Vorteil, wenn sie sich massenhaft vermehren. Kommt es durch optimale Witterungsbedingungen zu einer unkontrollierten Ausbreitung, treten schnell natürliche Gegenspieler auf. Sie dämmen die Bestände ein und sorgen so für ein natürliches Gleichgewicht. Sofern eine Art Feinde hat, wird automatisch eine Plage verhindert. Eine chemische Schädlingsbekämpfung ist daher in wenigen Fällen notwendig.

gespinstmotte

Häufig dämmt die Natur selbst den Gespinstmottenbefall ein

Knappe Nahrungsressourcen

Wenn sich immer mehr Raupen entwickeln, wird das Nahrungsangebot immer knapper. Es kommt zum Hungerstress, an dem zahlreiche Raupen noch vor der letzten Verpuppung sterben. Die Raupen, welche die letzte Entwicklungsstufe überschritten haben, leben als sogenannte Hungerweibchen. Sie sind kleiner als normale Weibchen und haben eine eingeschränkte Fruchtbarkeit. Die weitere Vermehrung der Falter ist dann zunehmend eingeschränkt.

Krankheiten

Besonders große Populationen werden auch durch Parasiten und Krankheitserreger eingedämmt. Diese natürlichen Feinde treten erst auf, wenn sich die Raupenbestände bereits massenweise ausgedehnt haben. Wenn in den übervölkerten Gespinsten eine hohe Luftfeuchtigkeit entsteht, kommt es zur Ausbreitung von Viren und Krankheiten. Auch Fadenwürmer und Pilze sind an der natürlichen Regulation der Gespinstmotte beteiligt. Werden solche Erreger in der letzten Entwicklungsphase aufgenommen, sterben die Raupen innerhalb weniger Tage.

So äußert sich eine Virose:

  • Körper der Raupe schwillt an
  • durch Berührung platzen die Larven
  • virenhaltige Flüssigkeit wird im Gespinst verteilt und sorgt für weitere Infektionen
  • vertrocknete braune Massen erkennbar

Arten

Der deutsche Name deutet auf die bevorzugten Wirtspflanzen der jeweiligen Art hin. So kommt die Traubenkirschen-Gespinstmotte auf der Traubenkirsche vor. Gelegentlich sind auch Synonyme geläufig, da die Falter mehrere Gehölze im Visier haben. Die Pflaumen-Gespinstmotte wird gelegentlich auch als Schlehen-Gespinstmotte bezeichnet. In Gärten sind vier Arten besonders häufig anzutreffen.

  Wirtspflanzen Vorderflügel Lebensraum Wissenschaftlicher Name
Pfaffenhütchen-Gespinstmotte Pfaffenhütchen, Japanischer Spindelstrauch weiß, gefranst Biotope mit kalkhaltigen Böden Yponomeuta cagnagella
Apfel-Gespinstmotte Holzapfel, Kulturapfel weiß Obstgärten Yponomeuta malinellus
Pflaumen-Gespinstmotte Schlehe, Weißdorn, Rotdorn, Pflaume, Kirsche gräulich-weiß fast alle Biotope mit Wirtspflanzen Yponomeuta padella
Traubenkirschen-Gespinstmotte Gewöhnlichen Traubenkirsche, selten Kirsche oder Faulbaum silbrig weiß Auwälder, Bachufer mit Gebüschen und Bäumen, Gärten, Parks Yponomeuta evonymella
Weißdornmotte Weißdorn, Rotdorn, Cotoneaster, Schlehe, Apfel weiß mit braunen Streifen Gebüschränder, Gärten Scythropia crataegella

Allgemeine Merkmale

Gespinstmotten sind eine Familie innerhalb der Schmetterlinge, die weltweit um die 900 Arten umfasst. In Europa kommen ca. 116 Arten vor, wobei die typisch weißen Falter in die niedrigere Klassifizierung der Yponomeuta fallen. Diese Gattung hat keinen offiziellen deutschen Namen.

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So erkennen Sie Gespinstmotten

Ausgewachsene Falter haben häufig weiße Vorderflügel, die schwarz oder dunkel gepunktet sind. Die Hinterflügel erscheinen grau. Gespinstmotten haben eine Flügelspannweite bis 25 Millimeter. Typisch ist die Form der Schmetterlinge, wenn sie ihre Flügel geschlossen haben. Diese erinnern an ein steiles Dach.

Einzigartiges Gespinst:

  • besteht aus unzähligen hauchdünnen Fäden
  • lässt sich in langen Bahnen abziehen
  • hat eine extrem hohe Reißfestigkeit
  • Beschädigungen werden innerhalb kürzester Zeit ausgebessert

Nahrung

Raupen ernähren sich von pflanzlichem Gewebe. Sie fressen hauptsächlich Blätter und Nadeln von Innen auf. Einige Larven ernähren sich auch von Knospen und Blüten. Die Raupen können auf Pflanzen von 50 verschiedenen Familien beobachtet werden. Sie besiedeln hauptsächlich Süßgräser und Laubgehölze. Mehr als 80 Prozent der Nahrungsaufnahme findet im letzten Larvenstadium statt, das im Juni durchlebt wird. Während dieser Phase können die Raupen einen Baum völlig kahl fressen.

Natürliche Feinde

Gespinstmotten stehen auf dem Speiseplan verschiedener Tiere. Zu den wichtigsten Fraßfeinden zählen insektenfressende Singvögel. Ein Meisenpaar verfüttert etwa 10.000 verschiedene Raupenarten an den Nachwuchs. Vögel machen nicht nur Jagd auf Larven, sondern erbeuten auch ausgewachsene Falter.

Die Feinde der Gespinstmotten haben es hauptsächlich auf die Proteine abgesehen, denn die Raupen sind äußerst eiweißhaltig. Bis zur Fertigstellung der schützenden Gespinste werden die Larven von Raubwanzen, Wespen und Fliegen verspeist. Es gibt aber auch zahlreiche Insekten, die parasitisch leben und so die Ausbreitung der Gespinstmotte eindämmen.

  Eischmarotzer Larven-, Puppenschmarotzer auf Gespinstmotten spezialisiert  
Erzwespe x x ja  
Grüne Florfliege x   nein  
Ohrwurm x   nein  
Ameisen   x nein  
Schlupfwespen   x ja  
Raupenfliegen   x ja  

Entwicklung

Weibchen lege ihre Eier in einer dachziegelartigen Anordnung auf junge Triebe und Zweige. Sie überdecken das Gelege mit einem Sekret, welches schnell aushärtet und die Eier schützt. Es dauert einige Wochen, bis die ersten Larven schlüpfen. Eine Raupe durchlebt vier bis fünf Stadien, bevor sie sich in einen ausgewachsenen Falter verwandelt. Ihre Größe wächst mit jedem Larvenstadium und auch die Färbung verändert sich.

Wichtige Termine:

  • Flugzeit der Falter zwischen Juni und August
  • Paarung und Eiablage von Juli bis August
  • intensive Fressphase ab Juni des Folgejahres

Stadien

Die frisch geschlüpfte Larve hat eine hellgraue bis cremefarbene Tönung. Sie überwintert im ersten Larvenstadium unter ihrem schützenden Schild, um im nächsten Frühjahr die Behausung zu verlassen. Dann beginnen die Raupen zu fressen. Um sich vor Regen und Fraßfeinden zu schützen, bauen sie sich ein feines Gespinst. Darin leben die Tiere gesellig, sodass teilweise Hunderte von Larven in einem Gespinst beobachtet werden können. Die Gespinste werden zunehmend erweitert und erinnern im Endstadium an einen weißen Schleier. Aufgrund dieser schleierartigen Gebilde bekamen die Motten ihren deutschen Trivialnamen.

Verwandlung zum Schmetterling:

  • vier bis fünf Tage vor der letzten Verpuppung wird Fressen eingestellt
  • 20 Millimeter langen Raupen verpuppen sich
  • Kokons hängen senkrecht im dichten Sammelgespinst
  • nach zehn bis 20 Tagen schlüpft der Falter

Entwicklungszyklus einer Gespinstmotte

Wo Gespinstmotten vorkommen

Voraussetzung für die Verbreitung der verschiedenen Arten ist die Existenz ihrer Wirtspflanzen. Jede Gespinstmottenart hat sich auf einen Wirt spezialisiert, sodass nur bestimmte Gehölze oder Gräser befallen werden. Diese kommen natürlicherweise entlang von Bach- und Flussufern, in Hecken oder Feldgehölzen und an Waldrändern vor. Zahlreiche Bäume und Obstgehölze wachsen in Gärten oder Parkanlagen, weswegen die Falter auch in Siedlungen und Städten anzutreffen sind.

Bevorzugte Pflanzenfamilien

Pflaumen-, Apfel- und Traubenkirschen-Gespinstmotte sind verantwortlich für den Befall von Obstbäumen wie Kirsch- oder Apfelbaum. Während diese Arten hauptsächlich auf Rosengewächsen zu finden sind, besiedelt die Weiden-Gespinstmotte ausschließlich Weiden. Auf Spindelstrauchgewächsen ist neben der Pfaffenhütchen-Gespinstmotte auch die Faulbaum-Gespinstmotte anzutreffen. Die Sedum-Gespinstmotte lebt auf Dickblattgewächsen. Normalerweise kommen Gespinstmotten nicht in der Wohnung vor.

  • Rosengewächse: Apfel, Pflaumen oder Zwetschgen, Kirsche, Felsenbirne, Trauben, Weißdorn, Schlehe, Traubenkirsche
  • Spindelstrauchgewächse: Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus)
  • Weidengewächse: Silberweide, Korbweide, Salweide, Grauweide
  • Dickblattgewächse: Großes Fettkraut

Massenhaftes Auftreten

Es kommt immer häufiger vor, dass die Gespinste ganze Baumreihen und Gärten überziehen. Die Raupen spinnen selbst Bänke und Tische oder Zaunpfähle ein. 2017 war ein solches Jahr. In der Berliner Hasenheide und am Olchinger See waren zahlreiche Bäume und Sträucher von den feinen Schleiern bedeckt, was bei den Menschen Beängstigung hervorrief.

gespinstmotte

Das Werk der Gespinstmotte hat durchaus einen ästhetischen Charakter

Witterung

Besonders milde und schneearme Wintermonate begünstigen das Überleben von Raupen im ersten Larvenstadium, die unter ihrem verhärteten Schutzschild überwintern. Wenn die Sommermonate nach der Überwinterung besonders heiß und trocken sind, kommt es zu einer erhöhten sexuellen Aktivität der erwachsenen Falter.

Das verhindert eine Massenvermehrung:

  • niederschlagsreiche Perioden
  • nächtliche Temperaturen unter zwölf Grad Celsius
  • windige Bedingungen

Naturnaher Garten

Gespinstmotten treten häufig dort auf, wo der Lebensraum sehr einseitig gestaltet ist. Alleen mit einer Baumart und niedrigen Rasenflächen oder Obstplantagen mit wenig Diversität bieten viel Nahrung für die Raupen. Gestalten Sie Ihren Garten so abwechslungsreich wie möglich. Je mehr unterschiedliche Lebensräume Sie gestalten, desto mehr natürliche Feinde werden angelockt.

Totholz

Abgestorbenes Holz und knorrige Wurzeln oder Baumstümpfe sind ein idealer Lebensraum für hochspezialisierte Insekten. Larven verschiedener Käfer oder Hautflügler ziehen sich in das feuchte Milieu zurück, das unter der morschen Rinde herrscht. Hier sind sie geschützt vor Fraßfeinden und können sich ungestört entwickeln.

Steinhaufen

Wechselwarme Eidechsen fühlen sich besonders wohl, wenn sie sonnige Plätze im Garten finden. Sie benötigen Ritzen und Felsspalten, in die sie sich bei Gefahr zurückziehen können. Eidechsen ernähren sich von verschiedenen Insekten, sodass auch Gespinstmotten in ihrem Magen landen.

Wildgehölze

Zwar bieten Schlehe, Weißdorn und Felsenbirne optimale Nahrungsbedingungen für einige Gespinstmotten. In wild wachsenden Hecken fühlen sich auch Vögel wohl, die mit den Raupen und Faltern einen wahren Leckerbissen finden. Achten Sie darauf, dass die Hecken aus verschiedenen Gehölzarten bestehen.

Tipps

Auch Fledermäuse gehen auf die Jagd nach Gespinstmotten. Unterstützen Sie die Flugsäuger mit Fledermauskästen und Insektenblumen.

Häufig gestellte Fragen

Wie alt werden Gespinstmotten?

Ausgewachsene Weibchen haben eine Lebensdauer von etwa 60 Tagen. Die Männchen sterben bereits nach der Paarung. Die Eiräupchen schlüpfen noch im gleichen Jahr und überwintern, bevor sie sich im Folgejahr zum ausgewachsenen Falter verwandeln.

Warum fressen Gespinstmotten hauptsächlich im Juni?

Zu dieser Zeit befinden sich die Raupen im fünften Larvenstadium. Die Blätter sind noch zart genug und enthalten besonders viele Stickstoffverbindungen. Diese sind gut verwertbar und liefern den Raupen wichtige Nährstoffe.

Schaden Gespinstmotten dem Baum?

Obwohl die Raupen Bäume komplett kahl fressen können, erholen sich gesunde Gehölze schnell von dem Blattfraß. Die Raupen produzieren große Mengen an Kot, die zu Boden fallen und dort schnell zersetzt werden. Dadurch stehen dem Baum die verlorenen Stickstoffverbindungen zur Verfügung, sodass eine Art Nährstoffkreislauf entsteht. Gefährlich wird ein Befall nur, wenn die Raupen jedes Jahr an dem selben Baum fressen. Das schwächt vor allem Obstgehölze.

Müssen Gespinstmotten bekämpft werden?

Es ist in vielen Fällen nicht notwendig, die Falter zu bekämpfen. Die Natur hat selbst Mechanismen entwickelt, um einer massenhaften Ausbreitung entgegenzuwirken. Regnerische Sommermonate und eine hohe Luftfeuchtigkeit schaden den Insekten. Wenn die Raupen dennoch massenhaft auftreten, hilft kein chemisches Mittel mehr. Der Spuk endet nach den Sommermonaten automatisch. Frostige Temperaturen im Winter sorgen dafür, dass viele Eiraupen erfrieren.

Muss ich Gespinstmotten melden?

Wenn Sie einen Baumbefall feststellen, hinter der die Gespinstmotte steckt, besteht kein Grund zur Sorge. Die Insekten sind nicht meldepflichtig, da ihre Bestände von natürlichen Gegenspielern reguliert werden. Gemeldet werden sollte allerdings der Eichenprozessionsspinner, da seine Raupen giftige Haare besitzen.

Text: Christine Riel
Artikelbilder: SanderMeertinsPhotography/Shutterstock, Kazakov Maksim/Shutterstock, travelpeter/Shutterstock

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