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Während der Blütezeit werden die Stecklinge geschnitten

Schönen Flieder vermehren und selber ziehen – So gelingt es Ihnen

Wie und wann Sie Ihren Lieblingsflieder am besten vermehren, hängt nicht nur von der gewählten Methode, sondern vor allem von der jeweiligen Art und Sorte ab. Nicht jede Fliedersorte lässt sich auf jede beliebige Weise vervielfältigen - je nach Flieder funktionieren bestimmte Techniken besser, andere dafür schlechter oder gar nicht. In diesem Artikel liefern wir Ihnen eine Übersicht über gängige Methoden sowie die entsprechenden Anleitungen.

Besonders einfach. Vermehrung über Wurzelausläufer

Viele Flieder bilden so genannte Wurzelausläufer, die Sie im Frühjahr oder im Herbst einfach mit einem Spaten abstechen und an der gewünschten Stelle wieder anpflanzen. Einfacher funktioniert die Fliedervermehrung nicht – kann jedoch nicht bei allen Arten umgesetzt werden. Gut anwenden können Sie die Methode bei den Sorten des Wildflieders, der sehr viele Wurzelausläufer bildet. Edelflieder (beispielsweise ‚Charles Jolie‘ oder ‚Andenken an Ludwig Späth‘) kann zwar Ausläufer entwickeln, allerdings handelt es sich dabei um welche der Wildform, auf die die Edelsorte lediglich aufgepfropft wird. Wurzelechte Ausläufer bekommen Sie lediglich bei Edelsorten, die im In-Vitro-Verfahren gezüchtet wurden – allerdings bilden diese erfahrungsgemäß nur sehr selten aus.

Funktioniert bei fast allen Sorten: Vermehrung über Stecklinge

Kommt die Vermehrung über Wurzelausläufer – aus welchen Gründen auch immer – nicht in Frage, können Sie von fast allen Sorten Stecklinge schneiden und eine Bewurzelung probieren. Dies funktioniert je nach Art und Sorte mal besser und mal weniger gut, kann aber auf jeden Fall getestet werden. Sehr gut funktioniert die Stecklingsvermehrung etwa bei Zwergfliedern (beispielsweise Syringa x meyeri ‚Palibin‘) oder den beliebten Preston-Hybriden (Syringa x prestoniae), wohingegen Sie beim empfindsameren Edelflieder deutlich mehr Ausfall haben. Erfolgreich dürften Sie sein, wenn Sie nach dieser Methode vorgehen:

  • Schneiden Sie die Trieb- bzw. Kopfstecklinge während der Blütezeit im Mai / Juni.
  • Wählen Sie hierfür unverholzte Ableger mit mindestens drei Blattknoten aus.
  • Entfernen Sie die untersten Blätter, lassen Sie lediglich zwei bis drei stehen.
  • Halbieren Sie die übrig gebliebenen Blätter.
  • Mischen Sie die Anzuchterde aus magerer Erde, Sand und Algenkalk an.
  • Füllen Sie kleine Töpfe mit dem Substrat.
  • Stecken Sie die Stecklinge dort hinein.
  • Feuchten Sie das Substrat gut an.
  • Stülpen Sie eine abgeschnittene PET-Flasche als Gewächshaus darüber.
  • Alternativ können Sie auch Schaschlikspieße in die Erde stecken
  • und eine lichtdurchlässige Plastiktüte darüber stülpen.
  • Dabei dürfen die Blätter das Plastik nicht berühren, sonst schimmelt es schnell.
  • Stellen Sie die Töpfe an einen hellen (aber nicht direkt sonnigen!) und warmen Standort.
  • Gießen und lüften Sie regelmäßig.

Nun heißt es Geduld haben: Viele Flieder brauchen bis zu einem Jahr für die Wurzelbildung, so dass die Stecklinge oft erst im Folgejahr austreiben.

Selten erfolgreich: Steckholz-Vermehrung

Wollen Sie einen Chinesischen Flieder (Syringa x chinensis), einen Ungarischen Flieder (Syringa josikaea) oder den Bogen-Flieder (Syringa reflexa) vermehren, empfiehlt sich die recht unkomplizierte Vermehrung über Steckhölzer. Nicht anzuraten ist diese Methode jedoch bei den Edel-Fliedersorten, da hier nur sehr wenige Hölzer tatsächlich anwachsen – je nach Sorte bildet nur jedes zehnte bis fünfzehnte tatsächlich Wurzeln. Bei den genannten Arten können Sie sich nach einem Jahr jedoch über neue Jungpflanzen freuen. Und so funktioniert es:

  • Steckhölzer schneidet man im Spätherbst nach dem Laubfall.
  • Im Gegensatz zu Stecklingen dürfen diese keine Blätter mehr haben.
  • Schneiden Sie einjährige Triebe, etwa so lang wie ein Bleistift.
  • Diese sollten unten und oben je ein Knospenpaar besitzen.
  • Ziehen Sie am unteren Ende einen etwa zwei Zentimeter breiten Streifen von der Rinde ab.
  • Dieses Ende stecken Sie in das vorbereitete Beet im Freien.
  • Dieses sollte sich im Halbschatten befinden.
  • Graben Sie hier die Erde gründlich um und reichern Sie sie mit Kompost an.
  • Das Steckholz muss etwa zu einem Drittel oder bis zur Hälfte in die Erde hinein.
  • Bedecken Sie das Beet über den Winter mit Vlies.
  • Im folgenden Frühjahr können Sie erkennen, welches Steckholz angewachsen ist und welches nicht.

Haben Sie im Herbst noch keine Möglichkeit, die Hölzer zu stecken, können Sie sie auch in ein sauberes Tuch einschlagen und über den Winter im Kühlschrank lagern. Im Frühjahr wird schließlich gesteckt.

Sorgt für Überraschungen: Flieder aussäen

Viele Flieder bilden nach der Blüte Kapselfrüchte aus, die Sie lediglich reifen lassen und im Herbst schließlich ernten können. Schütten Sie die feinen Samen aus, trennen Sie sie sorgfältig von anderen Pflanzenteilen und säen Sie sie gleich in einer Schale mit Anzuchterde aus. Lassen Sie diese über den Winter an einem schattigen und kühlen Platz draußen stehen und decken Sie sie erst ab Januar an. Stellen Sie sie zu diesem Zeitpunkt in ein (unbeheiztes) Gewächshaus und halten Sie das Substrat leicht feucht, die Samen werden bald keimen. Die jungen Pflänzchen werden im Frühjahr zunächst in Töpfe pikiert und erst im Herbst ins Freie ausgepflanzt. Beachten Sie, dass die Sämlingsvermehrung nicht sortenrein erfolgt und Sie oftmals Überraschungen erleben können. Wenn Sie selbst eigene Sorten züchten wollen, haben Sie mit dieser Methode wahrscheinlich Erfolg.

Tipps

Edelflieder wird oft über Okulation – d. h. die Veredlung eines Triebes auf einem Trieb der Wildart – vermehrt. Diese Methode können Sie, ganz im Gegensatz zur im professionellen Gartenbau häufiger angewandten In-Vitro-Vermehrung, selbst zu Hause durchführen.

Artikelbild: Jana Land/Shutterstock

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