Die Blüten des Feigenbaums: Ein Phänomen der Natur

Feigenbäume bilden, anders als viele bekannte Obstgehölze, keine nach außen sichtbaren Blüten. Die zahlreichen kleinen Blütenstände befinden sich in drei bis fünf Zentimeter großen, kugeligen Trieben und stellen eine artenspezifische Besonderheit der Feige.

Feigenbaum Blüte
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Gut geschützte Blütenstände

Diese Blütenform entsteht, weil die Blütenstandachse der Feige ringförmig nach oben wächst. Die vielen kleinen Einzelblüten gedeihen an der Innenseite dieses Achsenbechers. An der Spitze des Blütenstandes verbleibt eine kleine Öffnung. Diese wird von Hochblättern locker verschlossen. Reift die Feige bilden sich die Blätter zurück und verschließen die Frucht nahezu vollständig.

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Öffnen Sie eine reife Feige, zeigen sich zahlreiche winzige Nüsschen, die von dem schmackhaften Fruchtfleisch umgeben sind. Jeder Kern ist eine eigenständige Steinfrucht, die sich aus einer der kleinen Blüten gebildet hat.

Wespe und Feige – ein untrennbare Symbiose

Die echte Feige ist einhäusig getrenntgeschlechtig und bildet sowohl männliche als auch weibliche Blüten. Befruchtet werden diese Feigen durch die zwei bis drei Millimeter große Feigengallwespe. Das Tier legt seine Eier in den männlichen Fruchtknoten der Blüten und lebt dort während des Larvenstadiums. Beim Schlüpfen nehmen die weiblichen Gallwespen den Pollen mit auf. Sie tragen ihn auf der Suche nach einem geeigneten Ort für die Eiablage in die weiblichen Fruchtstände des Feigenbaums.

Bedingt durch die komplizierte Blütenbiologie der Feige kann die Wespe ihre Eier ausschließlich in den männlichen Blüten ablegen. Aus den befruchteten weiblichen Blüten entwickeln sich die aromatischen Früchte.

Feigen die nicht auf Bestäubung angewiesen sind

Da die Feigengallwespe nur südlich der Alpen beheimatet ist, können Feigen in unseren Breiten erst kultiviert werden, seit die Nachzucht von Feigenbäumen gelang, die ohne Fremdbefruchtung Früchte tragen. Die Blüten bilden sich je nach Sorte und Lage bis zu dreimal jährlich am einjährigen Holz.

So können Sie die Feigen in drei Hauptarten unterscheiden:

  • Smyrna-Typ: Die Feigen reifen nach der Befruchtung durch die Wespe
  • Adriatischen Typ: Früchte entwickeln sich ohne Befruchtung. Da die Erträge höher sind wird diese Feige heute bevorzugt angebaut.
  • San-Pedro-Typ: Eine Blütengeneration bildet Früchte ohne Bestäubung während die zweite Blütengeneration mit Befruchtung Früchte bildet.

Tipps & Tricks

Wildformen der Feige aus dem Mittelmeerraum bilden in unseren Breiten keine Früchte. Verzichten Sie deshalb im Urlaub darauf, ein Feigenbäumchen als Souvenir auszugraben. So ersparen Sie sich die Enttäuschung, eine Feige zu pflegen, die niemals Früchte tragen wird.

Text: Sabine Kerschbaumer

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