baeume-veredeln
Für das Veredeln von Bäumen kommen verschiedene Methoden infrage

Bäume selbst veredeln – Zeitpunkt, Methoden und Anleitung

Das Veredeln ist eine Form der Vermehrung, bei der bestimmte Arten sortenrein gezogen werden können. Dies ist bei einer Samenvermehrung nicht der Fall, da hier das vermischte Erbgut der Elternpflanzen immer wieder für Überraschungen sorgen kann. Sogar ältere Bäume lassen sich umveredeln, indem die Krone soweit wie möglich abgenommen und eine neue aufgepfropft wird.

Benötigte Werkzeuge und Materialien

Wichtig für das Gelingen des Vorhabens ist zunächst einmal das richtige Werkzeug sowie die geeigneten Materialien.

Werkzeuge

In puncto Werkzeug sollten Sie diese verwenden:

  • ein Kopulier- bzw. Okuliermesser
  • eine Gartenschere (keine Ambossschere, die quetscht die Zweige nur zusammen!)
  • eine Säge
  • Material zum Binden wie beispielsweise Bast oder ein Veredlungsband aus Gummi oder Kunststoff
  • Baumwachs (kalt verstreichbar)

Das Werkzeug sollte frisch geschärft und mit Alkohol oder einer Desinfektionslösung desinfiziert sein. Ein Veredlungsversuch scheitert häufig an der mangelnden Hygiene, die eine Pilzinfektion o. ä. und damit ein nicht erfolgtes Anwachsen des Edelreises zur Folge hat. Scharf muss das Werkzeug sein, weil jegliche Quetschungen vermieden werden müssen – und die Kopulationsschnitte möglichst in einem Rutsch und ohne jegliches Nachschneiden erfolgen sollten.

Edelreiser

Beim Edelreis handelt es sich um die Baumsorte, von der ein neuer Baum gezogen werden soll. Am besten eignen sich hierzu einjährige Reiser, etwa bleistiftstark und unverzweigt. Auch so genannte Wasserschosser lassen sich verwenden, wobei die Knospen nicht zu weit auseinanderstehen sollten. Letzteres deutet oft darauf hin, dass die Triebe in einem wenig belichteten Bereich des Baumes gewachsen sind. Edelreiser werden immer in der Winterruhe (möglichst im Januar) frisch geschnitten. Je nach Verfahren erfolgt die Veredelung anschließend sofort oder erst zu einem späteren Termin. Bis dahin können Sie die Reiser kühl und feucht – beispielsweise in ein feuchtes Tuch geschlagen im Kühlschrank – aufbewahren. Lediglich für die Okulation bestimmte Knospen schneidet man im Sommer.

Unterlagen

Mit diesem Begriff bezeichnet der Gärtner die Wurzelstöcke, auf die die Edelsorten veredelt werden und die letztendlich das Wuchsverhalten des Baumes bestimmen. Die Unterlagen können schwach-, mittel- oder starkwüchsig sein, je nachdem, ob Sie einen kleinen oder großen Baum heranziehen wollen. Außerdem lassen sich dank einer geschickten Unterlagenwahl für bestimmte Böden ungeeignete Edelsorten dennoch anpassen – indem die Unterlage zum Standort passt. Als Unterlagen werden häufig Wildformen bestimmter Zuchtsorten oder selbst angezogene Sämlinge jeder Größe veredelt.

Der beste Zeitpunkt

Die meisten Veredelungsmethoden werden während der Vegetationsruhe durchgeführt, die der passende Zeitpunkt für so genannte Reiserveredlungen ist. Methoden wie die Kopulation, das Aufpropfen oder das Geißfußpfropfen führt man traditionell im Januar durch. Im Frühjahr sowie im Sommer können Sie dann eine Okulation oder das Pfropfen hinter die Rinde durchführen. Chipveredlungen sind wiederum zu jeder Jahreszeit möglich.

Verschiedene Methoden

Es gibt zahlreiche Veredlungsmethoden, zumal jeder versierte Gärtner sicherlich noch seine eigenen Geheimtricks hinzufügen kann. Im Folgenden beschreiben wir Ihnen in einer kurzen Anleitung die gängigsten Methoden, die auch für Anfänger gut durchzuführen sind. Es empfiehlt sich, die erforderlichen Schnitttechniken zunächst an dünnen Weidenzweigen oder an übrig gebliebenem Schnittgut zu üben.

Kopulation

Die Kopulation wird auch als „Veredlung in die Hand“ beschrieben und ist eine der einfachsten Verfahren. Sie benötigen hierzu eine wurzelnackte Unterlage sowie ein gleich dickes Edelreis. Schneiden Sie zunächst die Unterlage ca. zehn Zentimeter über dem Wurzelhals und gegenüber von einer Knospe zu. Der Schnitt sollte etwa drei Zentimeter lang sein und schräg verlaufen. Den gleichen Schnitt führen Sie beim Edelreis durch. Legen Sie nun die Schnittflächen aufeinander – sie müssen genau passen und umwickeln Sie die Reiser zur Stabilisierung mit einem Band. Verstreichen Sie anschließend die Veredlungsstelle mit Baumwachs.

Okulation

Auch die Okulation ist recht unkompliziert und wird vor allem in der Rosen- und Obstbaumzucht angewandt. Dabei handelt es sich übrigens nicht um das Kreuzen zweier Sorten – Sie nutzen lediglich eine Sorte als Wurzelunterlage sowie gegebenenfalls als Stammbildner. Die eigentliche Okulation wird zwischen Juli und August vorgenommen:

  • Fügen Sie in der gewünschten Höhe der Veredlung (meist knapp über dem Boden) einen T-Schnitt in die Rinde der Unterlage ein.
  • Schneiden Sie hierzu lediglich in das Kambrium, den grünen Teil, hinein.
  • Schneiden Sie auf keinen Fall tief ins Holz.
  • Klappen Sie die beiden Flügel des T-Schnitts vorsichtig auf.
  • Schneiden Sie aus dem bereitgelegten Edelreis ein Auge heraus.
  • Dieses sollte kein Holz aufweisen, nur die dünne Rindenschicht.
  • Schieben Sie das Auge von oben nach unten vorsichtig in die Rindentasche.
  • Trennen Sie überstehende Teile am waagerechten Rindenschnitt bündig ab.
  • Umwickeln Sie das Ganze mit einem Okulationspflaster oder einem Veredelungsband.
  • Das Auge sollte dabei frei bleiben.

Pfropfen hinter die Rinde

Ist der Stamm der Unterlage deutlich dicker als der Durchmesser des Edelreises, können Sie beide Teile durch das Pfropfen hinter der Rinde miteinander verbinden. Ein guter Zeitpunkt für diese Maßnahme ist das Frühjahr zwischen Mitte April und Mitte Mai, wobei sich die Rinde allerdings gut lösen lassen muss.

  • Fügen Sie dem Edelreis / den Edelreisern einen glatten Kopulationsschnitt zu.
  • Kappen Sie die Unterlage in der gewünschten Höhe.
  • Fügen Sie am oberen Teil in der Rinde einen Längsschnitt ein.
  • Dieser sollte so lang wie der Kopulationsschnitt des Edelreises sein.
  • Schieben Sie den Edelreis vorsichtig in die so entstandene Tasche.
  • Verbinden Sie die Veredelungsstelle.
  • Verstreichen Sie alle offenen Schnittstellen mit Baumwachs.

Tipps

War die Veredlung erfolgreich, wird das Edelreis bzw. Edelauge nach einigen Wochen austreiben. Vertrocknet es jedoch, müssen Sie den Vorgang wiederholen.

Artikelbild: Smit/Shutterstock

Beiträge aus dem Forum

  1. Winterpflege an Kübelplanzen

    Hier: Taglilien, Hemerocallis -1- Vertrocknetes Laub & Blütenstengel 5 - 10 cm über dem Substrat entfernen. Oft lässt es sich nicht wegreissen, dann nehme ich ein Brotmesser… seht die Bilder -2- Nun können eventuelle Wildkräuter mit Wurzel gezogen und das Substrat und der Kübelrand auf Insekten und Schneckeneier untersucht werden. -3- Wenn möglich ziehe ich die Pflanze aus dem Topf um die Ballen-Seiten auf Schneckeneier zu überprüfen. -4- Das Laub kann auch über Winter verbleiben, aber dann ist die Schädlingskontrolle kaum durchführbar. Außerdem darf man/frau dann im Frühjahr die rumfliegenden Blätter aufsammeln und die sich nicht gelöst haben, muss man/frau []

  2. Guten Tag !

    Habe euch heute zufällig gefunden und sage ein herzliches Hallo in die Runde !

  3. Affenbrotbaum

    Ein herzliches " Hallo " in die Runde ! Ich bin der Neue und komme jetzt öfters . Mein Affenbrotbaum wirft neuerdings die Blätter ab . Er steht relativ warm und sonnig . Bisher habe ich sparsam gegossen und gedüngt . Kann jemand helfen ?

  4. Innenhof Bepflanzen

    Hallo Leute ich bin neu hier,und habe zu meinem anliegen leider kein Passenden Thread gefunden . Wie in dem Titel schon erwähnt ,würde ich gerne den Innenhof etwas begrünen im nächsten Frühjahr, leider habe ich keinen Garten,oder Terrasse sondern nur den schon erwähnten Innenhof der sehr Grau und unfreundlich wirkt. Um das ganze noch ein Level zu erschweren ,muss ich gestehen das ich keine große Gärtner Erfahrung habe. Hier bin ich jetzt auf der Suche nach netten Ideen wie sich der Hof schön gestalten lassen würde,er ist mit grauen Steinen gepflastert und auf einer Seite steht eine Mauer :( Bin []

  5. Clematis, Waldrebe im Kübel sicher über den Winter bringen

    Da die Clematis -Waldrebe- heimisch ist, sind ihre Varianten winterhart. Ist der Winter kalt und trocken, so können auch dünne Triebe zurück frieren, aber eigentlich trocknen sie aus. Bei jüngeren Pflanzen sollte man/frau den Kübel auf eine isolierende Platte stellen, die kein Wasser aufnimmt, wie Kork, Styropor, Styrodur usw. - Kein Schaumgummi! Der Topf würde einsinken und die Entwässerungslöcher verschliessen :( Den Kübel dann, je nach Anspruch an Optik ;) mit Luftpolsterfolie, Sackleinen, Jute, oder Nadelbaumzweige einpacken oder grobes Rindenmulch umhäufeln. Oder andere Pflanzen drum stellen - Foto 8 & 9 - Gräser im Winterlock... Ein paar Nadelbaumzweige in die []