Aprikosenbaum veredeln – kann das im Hausgarten gelingen?

Aprikosenbäume lassen sich durchaus daheim vermehren. Doch die im Hausgarten üblichen und gut bekannten Methoden wie Aussaat und Stecklingsvermehrung, sind hier nicht die erste Wahl. Aprikosenbäume werden hauptsächlich veredelt. So funktioniert das im Detail.

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Die Veredelung ist eine komplizierte Angelegenheit

Was ist Veredeln überhaupt?

Beim Veredeln wird einem Baum ein Teil eines anderen Baumes “transplantiert”. Dafür wird ein Edelreiser oder eine Edelknospe verwendet. Während der erste Baum fortan nur als Unterlage dient, entwickelt sich die Krone nach dem neuen genetischen Material. Dadurch soll erreicht werden, dass der Baum andere bzw. gewünschte Früchte trägt.

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Vorteile der Veredelung

Mit dieser Methode wird eine identische Kopie von dem Aprikosenbaum geschaffen, der das Veredelungsmaterial liefert. Würde der Baum über Samen vermehrt werden, würde das Ergebnis stets vom Mutterbaum abweichen. So aber können gewünschte Eigenschaften sicher erhalten bleiben.

Auch die Unterlage kann nach Eigenschaften ausgewählt werden, die nützlich sind. Meist ist ihr Wurzelsystem widerstandsfähiger und passt besser zur Bodenbeschaffenheit als das der Edelsorte.

Geeignete Unterlage

Zum Veredeln einer Aprikose benötigen Sie einen Baum, der sich als Unterlage eignet. Dieser Obstbaum harmoniert mit jeder Sorte, außer mit Kirschen. Meist wird er jedoch auf eine Pflaume oder Kirschpflaume veredelt.

Optimaler Zeitpunkt

Der beste Zeitpunkt für die Okulation, wie der Vorgang der Veredelung fachmännisch genannt wird, hängt von der verwendeten Unterlage ab.

  • auf Pflaume: Juli bis Anfang August
  • auf Aprikose und Pfirsich: im August
  • auf Mandel: August bis Mitte September

Hinweis:
Reiserveredelungen können auch im Frühjahr erfolgen. Jedoch ist das anspruchsvoller, weil der Edelreiser schnell vertrocknen kann.

Edelknospe

Diese wird von einem bereits veredelten Aprikosenbaum geschnitten, dessen Fruchteigenschaften der neu zu veredelnde Baum übernehmen soll. Sie muss vorsichtig vom Trieb getrennt werden, wobei noch ein Stück des Triebes bzw. der Rinde dran bleiben muss.

Tipps

Es ist möglich, mehrere Obstsorten auf einer einzigen Unterlage zu veredeln. Dadurch ist das platzsparende Kultivieren unterschiedlicher Sorten möglich.

Veredlungsstelle

Die Unterlage kann an verschieden Stellen veredelt werden. Oberhalb der Stelle wird sich der Baum nach dem genetischen Material der Edelknospe entwickeln. Es wird unterschieden zwischen:

  • Wurzelhalsveredlung
  • Kronen- bzw. Kopfveredlung
  • Gerüstveredlung (innerhalb der Krone)

Ablauf der Veredelung

Die Rinde der Unterlage wird an der ausgewählten Veredlungsstelle angeritzt. Die beiden Schnitte sind so angeordnet, dass sie zusammen den Buchstaben T bilden. Hierbei ist ein spezielles Okuliermesser hilfreich.

  • 3 cm senkrecht, 2 cm waagerecht anritzen
  • beide Rindenflügel vom Stamm ablösen
  • Edelauge vom Holzschildchen befreien
  • Auge in die vorbereitete Öffnung fest einsetzten
  • überstehende Reste abschneiden
  • Rindenlappen wieder drüber legen
  • Okulationsstelle verbinden

Es dauert etwa sechs Wochen, bis das eingepflanzte Material anwächst. Sollte es zwischenzeitlich seine grüne Farbe verlieren, ist die Veredelung fehlgeschlagen. Wenn das Auge weiter austreibt, wissen Sie, dass sich die Mühe gelohnt hat.

Text: Daniela Freudenberg
Artikelbild: agrofruti/Shutterstock

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