Die Veredelungsstelle gehört beim Pflanzen des Obstbaums nicht in den Boden

Obstbäume sind in der Regel veredelt, um gewünschte Eigenschaften der Unterlage wie etwa Wüchsigkeit, Robustheit etc. auf die Edelsorte zu übertragen. Damit allerdings die Unterlage nicht austreiben kann, gehört die Veredelungsstelle auf keinen Fall in den Boden.

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Die Veredelungsstelle kann an drei verschiedenen Stellen sein

Veredelungsstelle lokalisieren

Baumschulen veredeln Obstbäume meist an drei möglichen Stellen:

  • am Wurzelhals: Veredlung knapp über dem Boden, Verwendung lediglich des Wurzelsystems der Unterlage
  • am Kronenansatz: Unterlage wird als Wurzel und Stammbildner verwendet, von der Edelsorte lediglich die Krone
  • an den Leitästen: oft mehrfache Veredlung direkt im Kronengerüst, oft bei Bäumen mit mehreren aufveredelten Sorten

Die Veredelungsstelle erkennen Sie an der typischen Verdickung oder dem “Knick” im ansonsten gleichmäßigen Stamm. Sie ist umso auffälliger, je jünger der Baum ist. An alten Obstbäumen sind diese Stellen dagegen oft nicht mehr zu erkennen. Für die Bestimmung der richtigen Pflanztiefe ist vor allem die Verdickung am Wurzelhals relevant.

Veredelung bestimmt Wüchsigkeit des Obstbaums

Obstbäume werden auf schwachwüchsige, mittelstark- oder starkwüchsige Unterlagen veredelt, je nachdem, welche Endgröße der Baum einmal erreichen soll. Pflanzen Sie etwa einen schwachwüchsigen Obstbaum zu tief, kann dieser plötzlich unerwartet kräftig austreiben und zahlreiche Wildreiser ausbilden. Ursache ist der unerwünschte Austrieb der Unterlage bzw. des Edelreises, was der Pflanze Kraft kostet und außerdem die Edelsorte in ihrem Wachstum beeinträchtigt.

Richtige Pflanztiefe beachten

Damit das nicht passiert, ist die richtige Pflanztiefe genau zu beachten. So gehört die Veredelungsstelle knapp über den Wurzelhals weder in den Boden – und auch nicht knapp darüber. Stattdessen sollte sie mindestens zehn Zentimeter oberhalb der Erdoberfläche liegen und somit keinerlei Bodenkontakt erhalten. Eine gute Richtlinie ist die Tiefe, in der das Bäumchen im Topf oder Container – sofern es sich um getopfte und nicht wurzelnackte Ware handelt – stand. Merken Sie sich diese gut, denn ebenso tief sollten Sie den Obstbaum auch auspflanzen.

Was tun, wenn die Veredelungsstelle austreibt?

Pflanzen Sie den Obstbaum zu tief, kann die Unterlage mit allen negativen Folgen austreiben. Mit der Bildung eigener Wurzeln erfolgt eine Abstoßung der Edelsorte – manchmal erst nach einigen Jahren. Um das zu verhindern, sind eventuelle Wurzelausläufer so schnell wie möglich zu entfernen, wobei ein oberflächliches Abschneiden nicht ausreicht. Stattdessen müssen Sie diese Triebe direkt an ihrem Ursprung abtrennen. Außerdem sollten Sie die Erde, in der die Veredelungsstelle steht, entfernen und die daraus erwachsenen Wurzeln abschneiden.

Tipps

Sollten Sie Wühlmäuse im Garten haben, können Sie den Wurzelstock des Obstbaums innerhalb eines Korbs aus Kaninchendraht pflanzen. Dann haben die Nager keine Chance, die Wurzeln abzufressen.

Text: Ines Jachomowski
Artikelbild: Anirut Ruairuen/Shutterstock

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