Amaryllis

Dauerblüher Amaryllis: So wird die Überwinterung ein Erfolg

Die Amaryllis ist weit mehr als ein kurzlebiger Weihnachtsgruß; sie ist eine ausdauernde Kraftkünstlerin, die bei richtiger Pflege über Jahrzehnte hinweg an Pracht gewinnt. Die Einhaltung ihres natürlichen Rhythmus verwandelt die Zwiebelpflanze in einen treuen Begleiter, der jedes Jahr zuverlässig mit spektakulären Blüten begeistert.

Der Vegetationszyklus: Den Rhythmus verstehen

Die Amaryllis (Hippeastrum) stammt aus den subtropischen Regionen Südamerikas und folgt einem genetisch verankerten Dreiklang, der sich an den dortigen Trocken- und Regenzeiten orientiert. Für eine erfolgreiche Überwinterung müssen diese drei Phasen imitiert werden:

  • Blühphase (November bis März): Das optische Highlight des Jahres.
  • Wachstumsphase (März bis August): Die Zeit der Energiegewinnung und Nährstoffeinlagerung.
  • Ruhephase (August bis November): Die essenzielle Regenerationszeit zur Blüteninduktion.

Phase 1: Vitalität tanken (Februar bis August)

Nach der Blüte

Sobald die Blüten verwelken, werden nur die Stiele direkt über der Zwiebel abgeschnitten. Die Blätter müssen unbedingt stehen bleiben, da sie als biologische Kraftwerke der Pflanze fungieren. Über die Photosynthese wandern Nährstoffe zurück in die Zwiebel für die nächste Saison. Ein heller Standort bei ca. 20 °C ist ideal; ab Mai ist ein halbschattiger Platz im Freien vorteilhaft.

Wachstum und Ernährung

Von März bis Juli benötigt die Amaryllis eine konsequente Versorgung. Das Gießen erfolgt regelmäßig, idealerweise von unten über den Untersetzer, um Fäulnis an der Zwiebelbasis vorzubeugen.

  • Düngen: Die Gabe eines hochwertigen Flüssigdüngers erfolgt in dieser Phase alle zwei bis vier Wochen.
  • Nachhaltigkeit: Die Verwendung von torffreiem Substrat aus Kokosfasern oder Kompost schont wertvolle Moore.
  • Umtopfen: Alle zwei bis drei Jahre im November ist ein moderater Topfwechsel ratsam.

Tipp

Ein Schuss abgekühltes Kochwasser von Kartoffeln liefert wertvolle Mineralien und dient als natürlicher, nachhaltiger Dünger-Booster.

Phase 2: Die strategische Ruhepause (August bis November)

Ohne eine konsequente Ruhephase von 10 bis 12 Wochen bleibt die neue Blüte aus. Ab August wird die Düngung eingestellt und die Wassermenge schrittweise reduziert, bis die Blätter gelb werden und eintrocknen.

  • Lagerung: Das welke Laub wird entfernt und die Zwiebel an einem dunklen, kühlen Ort (13–16 °C) gelagert.
  • Feuchtigkeit: In dieser Zeit erfolgt keine Bewässerung, damit der notwendige Kältereiz die Blütenbildung im Inneren auslöst.

Phase 3: Der Weg zur neuen Blüte (November bis Januar)

Im November wird die Amaryllis reaktiviert. Die Zwiebel wird so eingepflanzt, dass sie zur Hälfte aus der Erde ragt.

  1. Der Topf wird an einen hellen, warmen Ort (ca. 20 °C) gestellt.
  2. Die Bewässerung erfolgt anfangs nur sehr minimal.
  3. Die Wassermenge wird erst gesteigert, wenn der neue Blütenstiel etwa 10 cm lang ist.

Tipp

Das Drehen des Topfes alle zwei Tage um 180 Grad sorgt dafür, dass der schwere Blütenstiel durch gleichmäßigen Lichteinfall kerzengerade wächst.

Problemlösungen auf einen Blick

  • Keine Blütenbildung: Häufige Ursachen sind eine fehlende Ruhephase oder eine unzureichende Nährstoffversorgung im Sommer.
  • Fäulnis: Diese ist meist die Folge von Staunässe. Weiche Stellen müssen großzügig entfernt werden; danach ist die Zwiebel vor dem Wiedereinsetzen gut zu trocknen.
  • Schädlinge: Bei einem Befall mit Blattläusen hilft oft ein kräftiger Wasserstrahl oder die Behandlung mit einer biologischen Kaliseifen-Lösung.

Der Jahreskalender der Amaryllis

Zeitraum Phase Pflege-Fokus Temperatur
Dezember–Februar Blüte Regelmäßig gießen, nicht düngen 18–20 °C
März–Juli Wachstum Alle 14 Tage düngen, hell aufstellen 20–26 °C
August–September Übergang Gießen reduzieren, Düngung stoppen Absenkend
September–November Ruhe Dunkel und absolut trocken lagern 13–16 °C
November–Dezember Aktivierung Umtopfen, Licht und Wärme bieten 18–22 °C
Bilder: lillisphotography / iStockphoto