Moos

Warum Hummelköniginnen im Winter ausgerechnet den Nord-Schatten suchen

Im Spätsommer und Herbst stirbt das alte Hummelvolk samt Arbeiterinnen und Männchen ab, sodass nur die jungen, befruchteten Königinnen übrig bleiben. Um das nächste Frühjahr zu erreichen, brauchen diese Tiere ein kühles, geschütztes Winterquartier im Boden. Mit einer kleinen, bewusst unaufgeräumten Ecke im Garten lässt sich den wichtigen Bestäubern ganz einfach über die kalten Monate helfen.

Welchen Überwinterungsplatz suchen Hummelköniginnen?

Viele Jungköniginnen suchen ab dem Spätsommer lockere, gut drainierte, schattige Stellen im Garten, bevorzugt an kühlen Nord- oder Nordwesthängen sowie unter Sträuchern. Um zu helfen, genügt es, solche Laub- und Erdbereiche ungestört zu lassen, sie also nicht umzugraben oder abzudecken. Eine lockere Schicht aus Moos und Blättern auf leicht geneigtem, gut drainiertem Boden kann den Tieren als Winterquartier dienen, wenn sie über Monate ungestört bleibt.

Infografik: Kühles Winterbett für Hummelköniginnen
Kühles Winterbett für Hummelköniginnen

Warum kühler Schatten an Nordhängen vorteilhaft ist

Es klingt zunächst widersprüchlich, dass wärmeliebende Insekten ausgerechnet die kühlsten Ecken für den Winter wählen. Ein sonniger Südhang kann für die Königinnen ungünstig sein, da die Wintersonne den Boden dort stärker erwärmt und ein zu frühes Erwachen begünstigen kann.

Nordhänge und schattige Böschungen erhalten im Winter hingegen besonders wenig direkte Sonnenstrahlung. Das sorgt meist für ein stabileres, kühles Mikroklima, kann Frost-Tau-Wechsel im Boden verringern und verringert das Risiko des zu frühen Aufwachens. Krabbeln die Königinnen nämlich durch eine kurze Wärmephase verfrüht aus der Erde, finden sie draußen noch keine blühenden Pflanzen als Nahrung. Zudem überwintern die Jungköniginnen nicht im alten Sommernest des Volkes, sondern legen eigene, getrennte Quartiere an.

So entsteht das Winterquartier Schritt für Schritt

Für ein sicheres Hummelbett braucht es keine speziellen Hummelkästen, sondern vor allem Zurückhaltung bei der Gartenarbeit im Spätsommer und Frühherbst:

  1. Standort wählen: Eine leicht geneigte, möglichst nord- bis nordwestexponierte Böschung, einen kleinen Erdwall oder einen schattigen Bereich unter Hecken und Bäumen aussuchen. Durch das leichte Gefälle kann überschüssiges Wasser seitlich abfließen.
  2. Boden vorbereiten: Die idealerweise sandig-lehmige Erde nur leicht auflockern, um grobe Verdichtungen zu brechen. In solchen weichen Böden graben sich die Königinnen bis zu 20 Zentimeter tief ein.
  3. Struktur schaffen: Laub, Moos und Pflanzenreste als Schutzschicht liegen lassen. Unter einer dichten Laubdecke reicht den Hummeln bereits eine Bodentiefe von 8 bis 10 Zentimetern für ihre kleine unterirdische Kammer.
  4. Ruhe garantieren: Den Bereich nach dem leichten Auflockern im Spätsommer über den gesamten Herbst und Winter möglichst nicht mehr betreten, nicht umgraben und dort nicht tief hacken.

Typische Fehler und worauf zu achten ist

Der größte Feind der überwinternden Hummelkönigin ist ein zu stark aufgeräumter und versiegelter Garten. Wer im Herbst sämtliches Laub entfernt, Beetränder tief umgräbt oder Böden mit Mulchfolien, Rasengittersteinen und dichtem Schotter abdeckt, macht die Flächen unbrauchbar oder zerstört bereits belegte Quartiere. Auch Staunässe ist eine Gefahr: An regelmäßig gefluteten Stellen drohen die Königinnen in ihrer Erdkammer zu ertrinken oder zu verschimmeln.

Zudem sollten in diesen Rückzugszonen keine Insektizide eingesetzt werden, da die Hummeln im Boden direkt mit den Wirkstoffen in Kontakt kommen können. Um ein versehentliches Zerstören der Quartiere zu verhindern, lässt sich die Ecke leicht kenntlich machen, damit dort weder Kinder spielen noch Hunde oder Katzen buddeln. Das Zulassen solcher wilden Ecken sichert nicht nur die Bestäubung im Folgejahr, sondern verbessert durch Regenwürmer die Bodenfruchtbarkeit und bietet auch Nützlingen wie Laufkäfern, Spinnen und anderen Wildbienen einen wichtigen Zufluchtsort.

Tipp

Selbst im späten Winter und zeitigen Frühjahr sollte die schattige Ecke noch möglichst unberührt bleiben, da die Königinnen erst bei steigenden Temperaturen hervorkommen und sich ihre erste Aktivität auf wenige Flüge in unmittelbarer Nähe beschränkt, bevor sie ein neues Nest anlegen.

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Titelbild: Chris Moody / Shutterstock
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