Vogelkirsche: Steckbrief, Giftigkeit und Pflanztipps

Lesen Sie hier einen kommentierten Steckbrief über die Vogelkirsche. Ob Wildkirschen essbar sind, erfahren Sie hier. Viele Tipps rund um Pflanzzeit, Pflege und Sorten.

vogelkirsche
Die Früchte der Vogelkirsche sind essbar

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Prunus avium
  • Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
  • Synonyme: Wilde Vogelkirsche, Wildkirsche, Süßkirsche
  • Arten: Wildform, Kulturformen
  • Wuchstyp: sommergrüner Baum
  • Wuchshöhe: 15 m bis 20 m
  • Blatt: eiförmig, zugespitzt
  • Blüte: doldig-dichter Blütenstand
  • Blütezeit: April bis Mai
  • Früchte: Steinfrüchte
  • Fruchteigenschaft: essbar
  • Geschmack: bittersüß bis zuckersüß

Wuchstyp

Die Vogelkirsche wächst als mittelhoher, sommergrüner Baum und nur selten als Strauch. Kultiviert wird die Wilde Vogel-Kirsche vorzugsweise wegen ihrer romantischen Blütenpracht und den dekorativen, essbaren Steinfrüchte. In freier Natur ist die mächtige und lichthungrige Wildform an Waldrändern zu bewundern. Folgende Merkmale prägen das Wachstum:

  • Wuchsform: aufrecht, ausladend, häufig mehrstämmig
  • Krone: breit kegelförmig, locker, dichtbuschig mit dicken Zweigen und zahlreichen Kurztrieben
  • Rinde: anfangs glatt-glänzend, später rötlich-grau mit rotbraunen Lentizellen (Korkwarzen)
  • Borke: dunkelbraun bis schwarz, im Alter rissig

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Charakteristisch für das Wachstum älterer Vogelkirschen ist eine ringelförmig abschälende Borke. Wissenschaftler vermuten, dass die Wildkirsche und ihre Kulturformen aufgrund dieser Ringelborke immun sind gegen Mistelbefall.

Blatt

Die Blätter geben wichtige Hinweise, wenn Sie eine Vogelkirsche am Waldrand treffsicher bestimmen möchten:

  • Blattform: gestielt, verkehrt-eiförmig oder länglich-eiförmig mit gesägtem Rand, spitz zulaufend
  • Blattgröße: 3 cm bis 7 cm lang, 1 cm bis 5 cm breit
  • Anordnung: wechselständig
  • Blattfarbe: oberseits frischgrün und kahl, unterseits einen Ton dunkler mit dünn behaarten Nerven
  • Blattnerven: markanter Hauptnerv mit 7 bis 12 Seitennerven
  • Herbstfärbung: gelb bis rötlich-orange

Zu den Vogelkirsche-Besonderheiten zählen kleine Honigdrüsen an den Blättern. Diese befinden sich gut sichtbar am Blattstiel. Aus diesem Grunde duftet ein Kirschbaum auch außerhalb seiner märchenhaften Blütezeit verführerisch nach Honig.

Blüte

Wohlweislich legt die Vogelkirsche ihre Blütenknospen bereits im Vorjahr an und stellt damit die Weichen für einen furiosen Blütenzauber von April bis Mai. Prägende Merkmale der Kirschbaum-Blüte fasst folgende Übersicht zusammen:

  • Blütenstand: Dolde mit 3 bis 4 Einzelblüten, selten 2 bis 6.
  • Einzelblüte: fünf Kronblätter umhüllen 20 bis 25 kürzere Staubblätter.
  • Größe: 2,5 cm bis 3,5 cm im Durchmesser
  • Blütenfarbe: weiß
  • Position: an Kurztrieben
  • Anordnung: in dichten Büscheln
  • Blütenökologie: zwittrig

Wildkirschen blühen ab einem Alter von 20 bis 25 Jahren. An veredelten Zuchtformen entfaltet sich die erste Blütezeit bereits im Alter von 3 bis 4 Jahren. Eine ausgewachsene Vogelkirsche und ihre Kulturformen prahlen mit bis zu einer Million Blüten; ein Fest für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Als Bienenweide und Vogel-Nährgehölz sind Wildkirschen daher von unschätzbarem Wert im naturnahen Garten.

Früchte

Im Sommer trägt die Vogel-Kirsche eine bittersüße Last aus zahlreichen, tief-dunkelroten bis schwarzen Steinfrüchten, die verheißungsvoll an den Kurztrieben baumeln. Im Steckbrief ist nachzulesen, dass Wildkirschen essbar sind. Weitere Eigenschaften sind charakteristisch für die Früchte von Prunus avium:

  • Durchmesser: 6 mm bis 25 mm
  • Fruchtform: kugelig bis eiförmig
  • Farbe bei Vollreife: schwarzrot
  • Erntezeit: Juni und Juli

Damit eine Wildkirsche Früchte trägt, ist ein zweiter Kirschbaum als Befruchter erforderlich. Veredelte Zuchtformen sind in der Regel selbstfruchtbar.

Arten

Ist von einer Vogelkirsche die Rede, handelt es sich zumeist um eine Wildkirsche. Der Namenszusatz avium deutet darauf hin, dass die Steinfrüchte gerne von Vögeln verspeist werden. Sogar den harten Steinkern knacken und vertilgen Kernbeißer mit Behagen, eine Finkenart mit stahlharten Schnäbeln. Als Süßkirsche werden in Gärtnersprache primär zwei Kulturformen bezeichnet, deren Früchte den menschlichen Gaumen mit saftig-süßem Fruchtfleisch verwöhnen. Folgende Tabelle gibt einen Überblick:

Vogelkirsche Kulturformen Prunus avium Prunus avium subsp. duracina Prunus avium subsp. juliana
Status Wildform Kulturform Kulturform
Name Vogelkirsche Knorpelkirsche Herzkirsche
Blatt 3 cm bis 7 m 5 cm bis 15 cm 5 cm bis 15 cm
Fruchtfleisch rötlich, fest, trocken gelblich-rötlich, fest schwarzrot, weich
Steinkern 9-16 mm 7-9 mm 7-9 mm

Mit einer Wuchshöhe von bis zu 20 Metern, sind die Wildkirsche und ihre Kulturformen für viele Hausgärten zu groß. Dank gartentauglicher Zuchtformen aus der Baumschule gibt es für jeden Garten einen passenden Kirschbaum.

Die besten Zuchtformen der Vogel-Kirsche für den Garten

Vogelkirsche pflanzen

Naturnahe Gärtner pflanzen eine Wildkirsche und eine Süßkirsche Seite an Seite. Die Steinfrüchte der Wildform sind reserviert für Vögel, Eichhörnchen, Igel und andere hungrige Gartenbewohner. Geerntet für fruchtigen Gaumenschmaus werden die saftigen Früchte der Süßkirsche. Als weiteren Vorteil dieser Pflanzstrategie fungiert die Wilde Vogel-Kirsche als Befruchter, was auch an einer selbstfruchtbaren Süßkirsche den Ernteertrag optimiert. Wann und wie Sie Prunus avium richtig pflanzen, lesen Sie in folgenden Abschnitten:

Pflanzzeit

Beste Pflanzzeit für Kirschbäume ist im Herbst. Für die Pflanzung wurzelnackter Heister bleibt das Zeitfenster geöffnet bis in den Frühling. Jungbäume im Container oder mit Ballen können Sie zu jeder Jahreszeit pflanzen, sofern der Boden nicht tiefgefroren ist.

Standort

Wichtige Kriterien für die Standortwahl sind Lichtverhältnisse, Bodenbeschaffenheit und Platzkapazität. Eine Wildkirsche und ihre Kulturformen beanspruchen bis zu 50 Quadratmeter. Für die Pflanzung einer schwachwüchsigen Zuchtform planen Sie bitte einen Platzbedarf von 10 bis 12 Quadratmetern ein. In diesen Lagen entfaltet eine Vogel-Kirsche ihre ganze Pracht:

  • Wildform und Kulturformen: sonnig bis halbschattig
  • Zuchtformen: vollsonnig bis sonnig
  • Mikroklima: luftig, warm, geschützt vor Spätfrösten
  • Tiefgründige Lehmerde, frisch bis feucht, durchlässig und kalkhaltig
  • Ausschlusskriterien: nasser, verdichteter Gartenboden mit saurem pH-Wert unter 6

Pflanz-Tipps

Eine richtig gepflanzte Vogel-Kirsche kann 100 Jahre alt werden. Schenken Sie daher bitte diesen Pflanz-Tipps Ihre besondere Beachtung:

  • Vorbereitung: Wurzelballen in Wasser stellen.
  • Bodenbearbeitung: Beetfläche zwei Spaten tief umgraben, jäten, 3-5 Liter Komposterde einarbeiten.
  • Pflanzgrube: doppeltes Volumen des Wurzelballens, Aushub anreichern mit Hornspänen.(54,00€ bei Amazon*)
  • Pflanztiefe: entspricht der Pflanztiefe im Container oder in der Baumschule (Erdmarke beachten).
  • Stützpfahl: 1 bis 3 Pfosten einschlagen, am Stamm mit Schlauchbindern fixieren.
  • Gießrand: aus Beeterde einen kleinen Wall formen als Gießrand für optimale Wassernutzung.

Schlämmen Sie eine Vogelkirsche am Tag der Pflanzung und in den folgenden Wochen regelmäßig ein. Trockenstress ist die häufigste Ursache, wenn Kirschbäume nicht anwachsen.

Exkurs

Vogelkirsche spendiert Barbarazweige

Vogelkirschen tragen ihre Knospen an Sankt Barbara, dem 4. Dezember. Schneiden Sie an diesem Tag einige Zweige ab, erstrahlen pünktlich zum Christfest weiße Kirschblüten unterm Weihnachtsbaum. Damit Barbarazweige blühen, sollte es zuvor gefroren haben. Falls nicht, legen Sie die Zweige für 24 Stunden in den Kühlschrank.

Vogelkirsche pflegen

Wildkirschen sind sehr pflegeleicht. Je älter ein Kirschbaum, desto geringer der Bedarf an Wasser und Nährstoffen. Im Fokus der Pflege steht ein Rückschnitt zur rechten Zeit. Ein fieser Schädling hat die leckeren Steinfrüchte im Visier. So pflegen Sie eine Vogel-Kirsche richtig:

Gießen

Eine frisch gepflanzte Vogelkirsche wird regelmäßig gegossen, wenn die Erde angetrocknet ist. Ältere, gut verwurzelte Kirschbäume kommen mit dem normalen Regenaufkommen aus. Lediglich bei extremer Trockenheit wässern Sie die Baumscheibe durchdringend am frühen Morgen oder in den Abendstunden.

Düngen

Einmal jährlich profitieren Wachstum, Blühfreudigkeit und Ernteertrag von einer organischen Düngung. Im März verteilen Sie 3 Liter reifen Kompost mit einigen Handvoll Hornspänen auf der Wurzelscheibe. Harken Sie den Dünger ein wenig ein und gießen nach mit klarem Wasser.

Schneiden

Die Vogelkirsche, ihre Kultur- und Zuchtformen sind schnittempfindlich. Sogar die Kurztriebe am alten Holz tragen die saftigen Steinfrüchte. Das sind zwei wichtige Gründe für eine planvolle Schnittpflege. Die besten Tipps rund um Schnittzeitpunkt und Schnittführung lesen Sie hier:

  • Erziehungsschnitt: vom 1. bis zum 6. Standjahr im Februar das Kronengerüst aufbauen mit Mitteltrieb und 3 Leitästen.
  • Erhaltungsschnitt: alle 4 Jahre Kirschbaum nach der Ernte schneiden und auslichten.
  • Verjüngungsschnitt: alte, vergreiste Vogelkirsche etappenweise verjüngen im Spätwinter, verteilt auf 2 bis 3 Jahre.

Für die richtige Schnittführung setzen Sie die Astschere immer kurz über einer nach außen gerichteten Knospe an. Herabhängende, mehr als 5 cm dicke Äste leiten Sie ab auf einen auswärts weisenden Seitentrieb. Ungünstig stehende, verkahlte und abgestorbene Zweige schneiden Sie auf kurze Zapfen zurück.

Schädlinge

Üble Maden in Süßkirschen sind die Brut der Kirschfruchtfliege. Der gefürchtete Schädling legt seine Eier in die reifenden Steinfrüchte ab. Zu bekämpfen sind die Biester mit Schutznetzen über Krone und Baumscheibe, gelben Klebefallen, pickenden Hühnern und Nematoden der Art Steinernema feltiae.

Beliebte Sorten

Wildform und Kulturformen der Vogelkirsche bescheren Hobbygärtnern mannigfaltige Sorten mit individuellen Besonderheiten:

  • Prunus avium ‚Plena‘: begeistert mit gefüllten, weißen Blüten im April und überhängenden Zweigen, Wuchshöhe 10 m bis 12 m.
  • Sweetheart: selbstfruchtende, spät reifende Premium-Sorte mit mittelgroßen, dunkelroten Kirschen und zuckersüßem Fruchtfleisch.
  • Dönissens Gelbe Knorpelkirsche: trägt hellgelbe, bittersüße Kirschen, wird von Vögeln und Fruchtfliegen gemieden, Wuchshöhe bis 5,50 m.
  • Prunus avium ‚Duo‘: selbstfruchtbarer Wildkirschen-Busch mit zwei leckeren Sorten, Wuchshöhe und Breite 350 cm.

FAQ

Ist die Vogelkirsche giftig?

Nein, die Früchte einer Vogelkirsche sind nicht giftig, sondern essbar. Lediglich der Steinkern ist leicht giftig und daher ungenießbar. Allerdings ist beim Verzehr unbekannter Kirschen immer Vorsicht geboten. Essbare Wildkirschen sind leicht zu verwechseln mit giftigen Tollkirschen. Beide Pflanzen wachsen an Waldrändern und tragen im Sommer schwarzrote, kugelige Früchte.

Was sind wichtige Vogelkirsche-Besonderheiten?

Eine Besonderheit an Vogelkirschen ist der angenehme Honigduft. Erstaunlicherweise verströmen nicht die weißen Blütenbüschel diesen Duft, sondern die Blätter. An den oberen Enden der Blattstiele sitzen die rötlichen Nektardrüsen gut sichtbar für den interessierten Betrachter. Als weitere Besonderheit gilt die Ringelborke an alten Kirschbäumen. Vermutlich wehren sich Vogelkirschen mit diesem Trick erfolgreich gegen Mistelbefall.

Wie sieht Kirschbaum-Holz aus?

Kirschbaum-Holz begeistert im Kern mit einer warmen, rötlich-braunen Farbe, die mitunter von grünen Streifen durchzogen ist. Das Splintholz ist dagegen gelblich-weiß. Unter Lichteinwirkung kann Kirschbaumholz intensiv nachdunkeln und nimmt einen edlen, goldgelben oder dunkelroten Farbton an. Die Jahresringe sind gut zu erkennen.

Text: Paula Jansen
Artikelbild: Alika Obraz/Shutterstock

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