Totengräber Käfer im Steckbrief – Öko-Schatz auf sechs Beinen

Totengräber Käfer schauen nicht weg, wenn Aas in Wald und Feld herumliegt. Kadaver werden mit vereinten Kräften bestattet und als Aufzuchtstation für den Nachwuchs recycelt. Geniale Kooperationen und Konservierungstechniken bremsen die Zersetzung aus. Ein kompakter Steckbrief nennt atemberaubende Eigenschaften von Aaskäfern. Wir laden Sie ein zu einem faszinierenden Streifzug durch das segensreiche Leben eines ökologischen Juwels auf sechs Beinen.

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Der Totengräberkäfer hat eine wichtige Funktion im Ökosystem

Das Wichtigste in Kürze

  • Totengräber-Käfer sind länglich-oval, 12-26 mm groß, schwarz mit zwei rot-gelben Querbändern mit Zickzackmuster auf den Deckflügeln (Ausnahme Schwarzer Totengräber)
  • Gemeiner Totengräber und Schwarzer Totengräber tragen rotgelbe Fühlerkeulen. Schwarzhörniger Totengräber hat schwarze Fühlerkeulen
  • Totengräber sind wertvolle Nützlinge, denn die Aaskäfer verwenden Kadaver als Futterquelle und Brutstätte

Totengräber Käfer – Steckbrief

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Totengräberkäfer sind sehr nützliche Insekten

Treffender hätten Wissenschaftler den Namen nicht wählen können. Totengräber Käfer sind die Bestatter der Natur, denn sie kümmern sich fleißig um die Entsorgung von Aas. Kadaver bis zur Größe einer Maus werden nicht nur vergraben, sondern sachkundig verarbeitet und wiederverwendet als Nahrungsquelle und Brutstätte für ihre Larven.

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TotengräberGemeiner TotengräberSchwarzer TotengräberSchwarzhörniger Totengräber
Größe12-22 mm18-26 mm12-18 mm
Farbeschwarzschwarzschwarz
Deckflügelrot-gelbe, gezackte Querbänderschwarzrot-gelbe gezackte Querbänder
Fühlerkeulenrot-orangerot-orangeschwarz
NahrungAasAasAas
Aktivitättagaktivtagaktivtagaktiv
Botanischer NameNicrophorus vespilloNicrophorus humatorNicrophorus vespilloides
FamilieAaskäferAaskäferAaskäfer
VorkommenAsien, Europa bis FinnlandAsien, Europa bis Süd-SkandinavienAsien, Europa bis britische Inseln

Seinen Nimbus als Nützling untermauert der Totengräber Käfer mit weiteren Nahrungspräferenzen. So vertilgen die in Europa vorkommenden Arten mit Behagen verrottendes Pflanzenmaterial und machen Jagd auf Insekten und Larven. Zum Beuteschema zählen etliche Schädlinge, die Hobbygärtnern im Garten, auf Balkon und Terrasse das Leben schwer machen.

Exkurs

In der Wohnung ein seltener Gast

Hin und wieder gerät ein Totengräber-Käfer auf Abwegen in eine Wohnung. Das geschieht zumeist in der dunklen Jahreszeit, wenn bei künstlichem Licht die Käfer ihre Orientierung verlieren und sich ins Haus verirren. Das ist kein Grund zur Besorgnis, denn Totengräber sind nicht giftig, beißen und stechen nicht. Abgeschnitten von seinen natürlichen Nahrungsquellen bedeutet dieses Desaster für den Nützling das Todesurteil. Haben Sie den seltenen Gast gebührend bewundert, leiten Sie bitte eine Rettungsaktion ein mittels Glas-Trick. Weil Totengräber-Käfer nicht so flink sind, wie andere Käfer in der Wohnung, können Sie problemlos ein Glas über das Insekt stülpen. Nunmehr schieben Sie ein Stück Pappe oder doppelt gefaltetes Papier unter, tragen Ihren Gast nach draußen und lassen ihn frei.

Ökologisch segensreiche Vermehrungsmethode

Totengräber-Käfer praktizieren eine faszinierende Vermehrungsstrategie zum Segen der Natur. Die folgende Übersicht ist darum bemüht, den aufwändigen Prozess in nachvollziehbaren Schritten darzustellen. Begleiten Sie mit uns die ausgefeilte Familiengründung im Reich der Aaskäfer:

Brutplatz-Suche

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Im Mai ist Paarungszeit

Ab Mai begeben sich Totengräber-Männchen auf die Suche nach toten Kleintieren als optimale Brutstätte. In Betracht kommen primär kleine Nagetiere, wie Wühlmäuse oder Maulwürfe sowie Vögel. Fündig gewordene Käferherren locken paarungsbereite Weibchen an. Das zelebrierte Werbungsritual heißt Sterzeln. Verführerisch streckt das Männchen sein Hinterteil in die Höhe und wackelt damit verheißungsvoll. Sollten sich durch den Aasgeruch angezogene, konkurrierende Männchen einfinden, kommt es zu Revierkämpfen, um die Besitzrechte zu klären. Weibliche Totengräber sind hingegen willkommen und werden nicht attackiert.

Paarung und Eiablage

Unmittelbar nach der Paarung graben die werdenden Käfereltern eine Höhler unter dem Kadaver, der daraufhin einzusinken beginnt. Nach sechs Stunden befindet sich die Tierleiche bereits unter der Erde und hat nach 30 Stunden ihre endgültige Position in der Krypta erreicht. Im Verlauf dieser Arbeiten werden Haare oder Federn entfernt und das Aas nimmt eine kugelförmige Gestalt an.

Ausgehend von der Krypta gräbt das Weibchen einen Muttergang und legt darin die Eier ab. Die Eiablage findet niemals unmittelbar in Aas statt. Anschließend frisst die Käferdame einen Krater in den Kadaver, den sogenannten Freßkrater. Hier wartet das Weibchen geduldig auf den Schlupf der ersten Larve.

Larven-Schlupf und Brutpflege

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Kadaver dienen als Futter und als Brutplatz

Innerhalb weniger Stunden schlüpfen die Larven aus den Eiern und wandern zielsicher in Richtung ihrer Mutter. Zwecks Orientierungshilfe hat sie zuvor den Brutplatz wohlweislich mit Duftstoffen markiert. Während der ersten beiden Häutungen wird der Nachwuchs von beiden Elternteilen von Mund zu Mund gefüttert. Nach der zweiten Häutung verfügen die Larven über ausreichend kräftige Mundwerkzeuge, um auch selbst am Kadaver zu fressen. Zusätzlich wird die Fütterung fortgesetzt, um den hohen Energiebedarf der schnell wachsenden Larven zu decken. Die Larvenentwicklung mit insgesamt drei Häutungen erstreckt sich über einen Zeitraum von 4 bis 6 Tagen, eng begleitet durch die intensive Brutpflege der adulten Käfer.

Daraufhin verlassen die Larven die Brutstätte, um sich in einiger Entfernung in den Boden einzugraben und dort zu verpuppen. Es ziehen weitere 14 Tage ins Land, bis die fertigen Totengräber-Käfer ihre Puppenwiege verlassen. Vom Kadaver bleibt lediglich eine leere Hülle übrig.

Tipps

Totengräber-Käfer sind wahre Plaudertaschen. Pausenlos kommunizieren die Käfer mithilfe zirpender Geräusche, während der anstrengenden Beerdigungsarbeiten eines Kadavers sowie der aufreibenden Brutpflege. Wer mit offenen Ohren durch die Natur wandert, hat gute Chancen, Totengräber-Käfer zu erlauschen und bei der Arbeit zu bewundern.

Dream-Team des Waldes – Totengräber und Milben

Gegenüber Nahrungskonkurrenten verschaffen sich Totengräber-Käfer einen Vorteil, indem sie ihre Beute mit vereinten Kräften vergraben. Dieser Prozess nimmt eine längere Zeit in Anspruch, die Fliegen nutzen, um derweil ihre Eier auf dem Kadaver abzulegen. An dieser Stelle kommen Milben ins Spiel, mit deren Hilfe clevere Totengräber der Konkurrenz einen Strich durch die Rechnung machen. Wie der Plan funktioniert, fasst folgende Übersicht zusammen:

  1. Totengräber-Käfer erschnuppert tote Maus
  2. Käfer schreitet den Kadaver ab und hebt ihn an, um Größe und Gewicht zu prüfen als potenziellen Brutplatz
  3. Mitgebrachte Milben wechseln vom Käfer auf den Kadaver, um Fliegen-Eier zu vertilgen

Resultat dieser Win-Win-Symbiose: Milben lassen sich vom Käfer-Taxi bequem zur Nahrungsquelle transportieren. Auf dem Kadaver entwickeln sich keine gefräßigen Maden, die Käferlarven die Vorräte wegfuttern.

Im folgenden Video können Sie in eindrucksvollen Bildern mitverfolgen, wie ein Schwarzhörniger Totengräber Milben als Passagiere zum Aas transportiert.

Youtube

Geniale Konservierung – Totengräber Käfer bremst Verwesung aus

Der Einsatz von Milben als Putzkolonne gegen Fliegeneier reicht dem Totengräber-Käfer nicht aus zum Schutz der Brutkammer. Um die Verwesung auszubremsen, wird der Kadaver sachkundig präpariert. Die gewieften Käfer haben körpereigene Konservierungsmittel an Bord, wie wissensdurstige Insektenforscher des Max-Planck-Instituts in Jena herausfanden.

Eine von Haaren gesäuberte, zum Fleischball verarbeitete Tierleiche erhält eine Spezialbehandlung mit Sekreten. Dieser Cocktail macht die Brutkammer länger haltbar. Bei diesem Prozess überziehen Totengräber die Nahrung mit einem Film aus Bakterien und Hefen. Produziert wird die anti-mikrobielle Substanz im Darm der Aaskäfer und auf den Kadaver versprüht. Infolgedessen verlangsamt sich die Zersetzung, wichtige Nährstoffe bleiben erhalten und die Bildung giftiger Kadaverstoffe wird unterbunden.

Häufig gestellte Fragen

Bei mir läuft ein Totengräber-Käfer in der Wohnung umher. Was tun?

Es besteht kein Grund zur Besorgnis, denn der Käfer ist nur vom Weg abgekommen. Fangen Sie den unfreiwilligen Gast bitte lebend ein. Idealerweise haben Sie für diesen Zweck ein Lebendfanggerät für Insekten zur Hand. Alternativ wappnen Sie sich mit einem Glas und einem Stück Karton. Stülpen Sie das Glas über den Käfer. Schieben Sie die Pappe langsam unter das Glas, tragen das gläserne Gefängnis samt Insassen nach draußen und entlassen den Totengräber in die Freiheit.

Sind Totengräber-Käfer giftig für Menschen oder Haustiere?

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Totengräberkäfer sind für Mensch und Tier nicht gefährlich

Nein, von Totengräber-Käfern geht keine Gefahr aus für Menschen oder Haustiere. Die Käfer beißen nicht und verfügen über keinen Stachel. Im Gegenteil machen sich Aaskäfer als Gesundheitspolizei nützlich, weil sie Tierkadaver entsorgen und verrottendes Pflanzenmaterial fressen. Darüber hinaus erbeuten Totengräber andere Insekten und Larven, zu denen etliche beißende und stechende Schädlinge zählen.

Wie sieht ein Totengräber-Käfer aus?

Ein Totengräber-Käfer ist 12 bis 22 cm lang. Sein länglich-ovaler Körper ist schwarz. Die Deckflügel zieren zwei breite, orangegelbe Querbänder mit zickzack-förmiger Umrandung. Flügeldecken, Halsschild und Bauchränder sind hellgelb behaart. Die Farbe der Fühlerkeulen unterscheidet sich je nach Art. Beim Schwarzhörnigen Totengräber (Nicrophorus vespilloides) sind die Fühler einheitlich schwarz. Gemeiner Totengräber (Nicrophorus vespillo) und Schwarzer Totengräber (Nicrophorus humator) prahlen mit rotorangen Fühlerkeulen.

Welche niedrigere Klassifizierung des Totengräber-Käfers gibt es?

Die Gattung Totengräber-Käfer ist weltweit mit 70 Arten vertreten. Für Europa relevant als niedrigere Klassifizierung sind primär die drei Arten Gemeiner Totengräber (Nicrophorus vespillo), Schwarzer Totengräber (Nicrophorus humator) und Schwarzhörniger Totengräber (Nicrophorus vespilloides). Selten anzutreffen ist die größte heimische Totengräber-Art namens Nicrophorus germanicus mit bis zu 30 Millimetern Körperlänge.

Wo kann man Totengräber-Käfer finden?

Totengräber-Käfer sind überall dort zur Stelle, wo tote Kleintiere herumliegen. Im lockeren Waldboden lassen sich die Kadaver am einfachsten vergraben für die Verwendung als Brutkammer und Nahrungsquelle. Die besten Aussichten auf ein Treffen mit den einzigartigen Aaskäfern bestehen somit im Wald, vorzugsweise am sonnigen Waldrand.

Tipps

Vorbildliches Teamwork unter Totengräber-Käfern geht über die liebevolle Brutpflege hinaus. Forscher der amerikanischen nationalen Akademie der Wissenschaften konnten beobachten, dass elternlose Totengräber-Käfer-Larven fest zusammenhalten. Wenn kein Elternteil das Futter mundgerecht serviert, bearbeiten die Larven das Fleisch mit vereinten Kräften, bis es für den Verzehr geeignet ist. Von dieser phänomenalen Kooperation profitieren nicht nur die leiblichen Geschwister. Ins Team integriert werden auch verlassene Larven benachbarter Totengräber-Familien.

Text: Paula Jansen

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