Tillandsie

Exotische Tillandsien: Effektive Vermehrung zu Hause

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Tillandsien lassen sich auf zwei Arten vermehren: durch die einfache und zuverlässige Methode der Kindelbildung oder durch die zeitintensivere Aussaat von Samen. Dieser Artikel beleuchtet beide Verfahren und bietet Ihnen alle Informationen für eine erfolgreiche Vermehrung.

Tillandsie Kindel
Tillandsien bilden Kindel aus

Vermehrung von Tillandsien über Kindel

Die Vermehrung von Tillandsien über Kindel ist eine relativ einfache und erfolgreiche Methode. Kindel sind Ableger, die von der Mutterpflanze gebildet werden und eigenständig weiterwachsen können.

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Kindelbildung bei Tillandsien

Nach der Blüte entwickeln Tillandsien in der Regel Kindel an der Basis der Mutterpflanze. Diese Ableger durchlaufen denselben Lebenszyklus wie die Mutterpflanze und werden im Laufe der Zeit zu eigenständigen Pflanzen. Häufig entstehen größere Pflanzengruppen, da die Mutterpflanze meist nach der Kindelbildung abstirbt.

Abtrennen der Kindel

Die Kindel sollten erst abgetrennt werden, sobald sie mindestens ein Drittel bis zur Hälfte der Größe der Mutterpflanze erreicht haben. Zum Abtrennen empfiehlt es sich, ein scharfes und sauberes Messer zu verwenden. Achten Sie darauf, dass weder die Kindel noch die Mutterpflanze verletzt werden. Bei manchen Arten lassen sich die Kindel auch leicht brechen oder reißen.

Weiterkultur der Kindel

Nach dem Abtrennen sollten Sie die Kindel an einem neuen Standort unterbringen. Je nach Art können sie entweder auf einem neuen Untergrund befestigt oder in sandige Erde gepflanzt werden. Sorgen Sie dafür, dass der neue Standort ähnliche Bedingungen wie der bisherige bietet, um ein gutes Anwachsen zu gewährleisten. Regelmäßiges Besprühen mit kalkfreiem Wasser unterstützt den Anwuchs der Jungpflanzen.

Die einfache Handhabung und die hohe Erfolgsquote machen die Vermehrung über Kindel zur bevorzugten Methode für die meisten Hobbygärtner.

Vermehrung von Tillandsien über Samen

Neben der Vermehrung über Kindel besteht auch die Möglichkeit, Tillandsien über Samen zu vermehren. Dies ist allerdings ein zeitaufwändiger und komplexer Prozess mit geringerer Erfolgsquote.

Samenbildung und Bestäubung

Tillandsien blühen erst nach mehreren Jahren. Nach der Blüte bilden sie Samen, wenn sie erfolgreich bestäubt wurden. Da Tillandsien nicht selbstbefruchtend sind, erfordert die Bestäubung den Pollen einer anderen Pflanze derselben Art. In Kultur erfolgt diese Bestäubung oft manuell mit einem feinen Pinsel, um den Pollen auf die Narbe zu übertragen. Nach einer langen Reifezeit öffnet sich die Kapselfrucht und gibt flugfähige Samen frei.

Keimfähigkeit der Samen

Die Keimfähigkeit der Tillandsiensamen ist meist sehr kurz, oft nur vier bis sechs Wochen. Daher ist es entscheidend, die Samen sofort nach dem Öffnen der Kapselfrucht auszusäen, um eine möglichst hohe Keimrate zu gewährleisten.

Aussaat und Keimung

Für die Aussaat streuen Sie die frischen Tillandsiensamen auf ein geeignetes Substrat. Bewährt hat sich die Verwendung von Putzschwämmen mit rauer Oberfläche, auf der sich die Samen gut festhalten können. Alternativ ist auch eine Mischung aus Torf und Sand geeignet. Befeuchten Sie das Substrat regelmäßig mit einer Sprühflasche, ohne es jedoch zu durchnässen, um Staunässe und Samenverrottung zu vermeiden. Die Keimdauer der Samen kann variieren und mehrere Wochen bis Monate in Anspruch nehmen.

Weitere Pflege der Keimlinge

Nach der Keimung benötigen die jungen Tillandsien eine konstante, aber nicht zu hohe Luftfeuchtigkeit. Besprühen Sie die Keimlinge ein- bis zweimal täglich sparsamer, um Schimmelbildung zu vermeiden. Die Jungpflanzen entwickeln sich langsam und es können mehrere Jahre vergehen, bis sie selbst blühen und abermals Samen oder Kindel bilden.

Diese Methode erfordert viel Geduld und Sorgfalt, bietet jedoch die einzigartige Erfahrung, aus winzigen Samen prächtige Tillandsien heranzuziehen.

Vergleich der Vermehrungsmethoden

Die Vermehrung von Tillandsien kann sowohl über Kindel als auch über Samen erfolgen. Beide Methoden haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile, die je nach Ihren gärtnerischen Zielen und Erfahrungen berücksichtigt werden sollten.

Vorteile der Vermehrung über Kindel

  • Zuverlässigkeit: Die Vermehrung über Kindel ist eine recht sichere Methode. Da die Kindel bereits Miniaturversionen der Mutterpflanze sind, ist die Erfolgsquote hoch.
  • Einfachheit: Das Abtrennen und Ansetzen der Kindel ist unkompliziert und erfordert keine speziellen gärtnerischen Kenntnisse.
  • Schnelle Entwicklung: Kindel sind bereits teilweise entwickelt und setzen das Wachstum direkt fort. Sie erreichen schneller die Größe und Reife eigenständiger Pflanzen als Sämlinge.

Nachteile der Vermehrung über Samen

  • Hoher Aufwand: Die Vermehrung über Samen ist sehr arbeitsintensiv. Sie beginnen mit der Bestäubung der Blüten, gefolgt von der Sammlung und sofortigen Aussaat der Samen, deren Keimfähigkeit nur wenige Wochen beträgt.
  • Zeitintensiv: Die Keimung der Samen und das Wachstum der Jungpflanzen dauert wesentlich länger. Es können mehrere Jahre vergehen, bis die Sämlinge ausgewachsene Pflanzen sind und möglicherweise blühen.
  • Schwierige Bedingungen: Während der Keimung und Anfangsphase benötigen die Samen und Keimlinge sehr spezifische Bedingungen, einschließlich passender Luftfeuchtigkeit und gleichmäßiger, aber nicht übermäßiger Befeuchtung. Eine zu hohe oder zu niedrige Feuchtigkeit kann die Keimung beeinträchtigen.

Für Hobbygärtner und Einsteiger ist die Vermehrung über Kindel in der Regel die bevorzugte Methode aufgrund ihrer Einfachheit und hohen Erfolgsrate. Die Vermehrung über Samen stellt eine spannende Herausforderung für erfahrene Gärtner dar, die Freude an langwierigen Projekten und der Geduld haben, bis aus winzigen Samen prächtige, blühende Tillandsien entstehen.

Bilder: chikaphotograph / iStockphoto